Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Steckt vielleicht mehr hinter den steigenden Ölpreisen?

Hadmut
3.7.2008 23:18

Oh, ich liebe Verschwörungstheorien. Da kam mir heute ein absurder Gedanke, der so absurd gar nicht ist.

Vorhin saß ich im Wartezimmer beim Arzt und habe halt so durch die Zeitschriften geblättert, die rumlagen. Dabei sind mir zwei Themen immer wieder begegnet, nämlich

  • Der Klimawandel durch die CO2-Belastung, und Beispiele dazu, wie ganze Landstriche durch schmelzendes Eis und steigendes Wasser verändert werden.
  • Der rapide Anstieg der Öl-Preise, den keiner so genau erklären kann, und die man immer auf Investoren schiebt.

Was, wenn da ein Zusammenhang bestünde? Da gingen mir vorhin ein paar Überlegungen durch den Kopf. Und da sehe ich gerade eben in der ARD die Sendung Monitor (“Ölpreis-Schock: Fluch oder Segen?”), die meine Vermutungen genau bestätigt, in der nämlich aufgezeigt wird, wie der steigende Ölpreis das Energiesparen motiviert und die Forschung nach neuen Energiequellen und -sparmethoden ganz enorm beflügelt. Und da schien mir der Gedanke gar nicht mehr so abwegig.

In den USA gibt es eine intellektuelle Oberschicht, die man keineswegs unterschätzen sollte. Viele Amerikaner sind erstaunlich gebildet und intelligent. Außerdem haben sie eine ernome Lust an der Bildung von Netzwerken, Geheimbünden, Logen, Studentenverbindungen. Die Amerikaner sind – im Gegensatz zu uns – äußerst wandlungsfähig. Während sie früher Energie extrem verprasst und vergeudet haben, schießen im Moment in den USA die Firmen aus dem Boden, die mit Energiesparen und Energieerzeugung zu tun haben (vgl. z. B. Venture One, während deutsche Firmen keine Energiesparautos bauen wollen, vgl. hier).

Andererseits ist da die Bush-Regierung, die sich gegen jedes Energie- und CO2-Sparen sträubt und überdies – wie ich mich selbst überzeugen konnte – von weiten Kreisen der intellektuellen Elite schlichtweg für dumm und kriminell gehalten wird. Viele Amerikaner nehmen diese Regierung schon lange nicht mehr ernst.

Und dann ist da eine unglaublich große und reiche Elite aus vielen Milliardären. Entgegen dem typischen amerikanischen Trend, immer mehr Geld anzuhäufen, haben die längst erkannt, daß sie mehr Geld haben, als sie jemals wieder versenken können, und nicht mehr wissen, wohin damit. Dafür machen die jetzt auf Philantrop und Weltverbesserer. Bill Gates wirft mit Millionen und Milliarden um sich. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Warren Buffet, auch unter den Top 3 der Reichsten, und inzwischen auch ziemlich alt, mal in einem Interview gesagt, daß er nicht vorhabe, sein Vermögen an seine Kinder zu vererben, die sollten selbst sehen, wie sie zu einem Vermögen kämen. Jedes seiner Kinder bekäme deshalb nur eine Milliarde und müsse damit aus- und klarkommen (Probleme haben die Leute…), der Rest wird gestiftet, gespendet und verschenkt. 50 Milliarden oder so hat der flüssig zum Verschleudern. Insgesamt dürften da in der Oberklasse locker mal Gelder in der Größenordnung von 1 Billiarde Dollar beweglich rumfliegen und der Entscheidungsgewalt von Privatpersonen unterliegen. Dazu kommt noch viel, viel mehr Geld von Investoren in die verschiedenen Investment Fonds, die der Kontrolle der Fond-Manager unterliegen, und die völlig unauffällig auch mal eine Milliarde oder so verschieben können (vgl. die Fälle wie Nick Leeson).

Und wenn der Ölpreis, wie man immer wieder hört, durch Investoren und Spekulanten hochgetrieben wird, dann müssen das diese Leute sein. Vielleicht nicht unbedingt die Privaten, aber jedenfalls die, die auf den Geldsäcken sitzen.

Was ist aber, wenn da mehr dahintersteckt?

Auch in den USA kommt in den intellektuell gehobeneren Bevölkerungsschichten die Erkenntnis durch, daß es so wie bisher nicht weitergeht, daß etwas geschehen muß. Und daß mit deren und unseren Politikern nichts passieren wird. Könnte es sein, daß die da mal die Sache selbst in die Hand genommen haben und einfach mal einen großen Haufen Geld aufgewendet haben, um den Ölpreis systematisch hochzutreiben, indem sie einfach immer mehr Öl aufkaufen, zu immer höheren Preisen?

Wenn da vielleicht irgendwelche Leute meinen, so ganz philantropisch der Welt einen Grund zum Öl- und CO2-Sparen geben zu müssen?

Langfristig ist das sicher kein Risiko, denn bei explodierenden Ölpreisen auf riesigen Ölvorräten zu hocken ist sicherlich keine schlechte Kapitalanlage.

Auch die Aktien der Firmen im Energieerzeugungs- und Energiesparsektor werden enorme Zuwächse verzeichnen. Einer der reichsten Chinesen hat sein Geld mit Solarzellen gemacht.

Könnte man da vielleicht mit der Wurst nach der Speckseite werfen, in dem man Energie durch Aufkaufen verknappt?

Der Zeitpunkt, zu dem die Ölpreise abheben, liegt auffallend nahe am Zeitpunkt, zu dem die Erkenntnis, daß der Mensch am Klimawandel schuld ist, in den USA um sich griff. Unbestreitbar ist, daß eine Verknappung von Öl auf jeden Fall einen Rückgang der CO2-Emmissionen und einen viel höheren Innovationsdruck und bessere Aussichten für High-Tech-Firmen mit sich bringt.

Gut, zugegeben, es gibt auch alternative Erklärungsmethoden.

Wir haben einerseits durch die Modernisierung in Nah- und Fernost eine immer höhere Nachfrage nach Öl. Die meisten Chinesen sind schon lange nicht mehr Reisbauern oder Radfahrer im Mao-Anzug, sondern inzwischen Angehörige einer westlich orientierten Mittelschicht mit guter Ausstattung und damit natürlich erhöhtem Energieverbrauch. China hat angeblich unglaublich viele Stromgeneratoren, die umweltschädlich und ineffizient mit Dieselöl betrieben werden. Die Ölfördermenge steigt nicht im gleichen Maß, sondern dürfte inzwischen ihren Höhepunkt erreicht oder sogar überschritten haben. Der Rest ist Angebot und Nachfrage.

Freilich paßt da auch die Variante mit den Spekulanten hinein, die ein knappes Gut kaufen, damit die Preise hochtreiben um es dann zum überhöhten Preis wieder abzugeben. Genauso wie mit Lebensmitteln, die auch immer teurer werden. Aber so ganz rund ist das irgendwie nicht.

Auch der abstürzende Dollar bringt natürlich einen Anstieg des Ölpreises hervor. Der kann dadruch aber niicht stärker sein, als der Dollar stürzt. Aus Euro-Sicht sollte der Ölpreis gleichbleiben.

Es liegt aber nun mal auch in der Mentalität der Amerikaner, sich als Weltpolizist zur Rettung derselben berufen zu fühlen, und überall manipulativ einzugreifen. Und vielleicht hat es ja, wie die Sendung Monitor heute meinte, durchaus viel Gutes, daß der Ölpreis hochgeht. Vielleicht ist das die Absicht.


4 Kommentare (RSS-Feed)

Stefan
4.7.2008 20:11
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Na, das ist aber weit hergeholt.
Didaktische Investoren als Preistreiber?

Ein paar Milliarden Konsumenten die einen Liter mehr wollen scheinen mir doch plausibler als ein Konsument, der ein paar Milliarden Liter mehr will.
Wenn man Öl auf Halde kauft – wo lagert man das? Zur Kostensenkung sind doch Lager in den letzten Jahrzehnten in allen Bereichen abgebaut worden, Just in Time hieß das Buzzword dazu.
Nicht daß ich wüßte, ob dies auch für den Ölmarkt gilt.

Und die Finanzinstrumente nicht Öl selbst, sondern Rechte und Optionen auf Öl zu kaufen sind auch nicht mein täglich Brot.

Allerdings kann ein Preis um weit mehr steigen, als das Angebot zurück geht.
Hier heißt der Fachausdruck Preiselastizität.

Wenn Nudeln knapp werden steigt der Preis nur bedingt – dann steigen die Konsumenten auf Kartoffeln, Reis und Brot um.
Bei Alkohol, Zigaretten und Opium sind die Abhängigen aber nicht in der Lage auf das Produkt zu verzichten oder es zu substituieren – sie können den Konsum beim Preisanstieg kaum drosseln.
Sie können allerdings versuchen ob es bei einem Konkurrenten kleinere Preise gibt.

Auf Benzin können die meisten Haushalte und Firmen auch nicht verzichten – wer zur Arbeit muß, der gibt zur Not eben das Doppelte aus.
Mittelfristig kann man sich nach kleineren Autos umsehen, oder im Sommer das Motorrad benutzen – manche Leute den Bus oder das Rad.
Wenn aber Spargel aus Polen statt 3 Euro 3,20 kostet wg. der höheren Spritpreise wird davon der Spreewälder Spargel zu 5 Euro noch nicht zur Alternative.

“Der Zeitpunkt, zu dem die Ölpreise abheben, liegt auffallend nahe am Zeitpunkt, zu dem die Erkenntnis, daß der Mensch am Klimawandel schuld ist, in den USA um sich griff.”

Oder vice versa – steigende Preise regen die Phantasie an.


Hadmut
4.7.2008 20:44
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Du machst da ein paar Denkfehler. Wenn man Waren an der Börse handelt, muß man sie nicht lagern. Außerdem haben die USA riesige Lagerstätten, die u.a. durch Förderausfälle und den Krieg teilweise leer sind.

Außerdem wird durch das beschriebene Manöver die Förder- und Umsatzmenge ja nicht mehr, man kann das Zeugs dann schon unter der Hand weitergeben, muß also nicht mehr lagern, als sonst. Nur daß eben die Preise höher sind. Und daß der Preisanstieg durch Spekulanten, also Leute mit viel Geld, kommt, ist ja bekannt. Es geht hier um die Hintergründe.

Und das mit dem “Just in Time”: Sowas heißt an der Börse “Warentermingeschäft”.


Stefan
6.7.2008 0:41
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Wenn ich das Öl nicht lagere, dann verkaufe ich es also gleich wieder – die physikalische Nachfrage wird also befriedigt, lediglich daß ich als Zwischenhändler auftrete, und nicht jmd. sonst.

Um so den Preis hochzubringen müßte ich doch bestimmt 10, 20% des Weltmarktes aufkaufen – verbunden mit dem Risiko daß der Preis nachgibt, und ich riesige Verluste einfahre.

Bei Warentermingeschäften sollte ja auch niemand nervös werden, wenn ein zusätzlicher Dealer den Markt betritt – findet man den Preis zu hoch beschäftigt man sich mit Rinderhälften oder Goldminen.

Und da Öl gefördert und gefördert wird muß ich immer wieder und wieder aufkaufen. Ob Öl oder Optionen.

Ein Eigentümer-Firmenlenker mag ja noch seinen eigenen Spleen verfolgen, aber börsennotierte Unternehmen nicht.

Ich glaube nicht daß Unternehmen, die gelernt haben Profit zu erwirtschaften, plötzlich andere Ziele verfolgen können.
Ja – sie können es gar nicht, weil die ganzen Instrumente auf Profit ausgerichtet sind.


yasar
6.7.2008 10:57
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Man lernt in der Mitarbeitermotivierung, daß man dafür sorgen daß die Ziele des Unternehmens mit den Zielen der Mitarbeitern harmonieren sollen, d.h. gleichgerichtet sind, weil ansonsten die Mitarbeiter kontraproduktiv werden.

Das gleiche kann man auch mit Konzernen machen, indem man das Ziel Profitmaximierung so ausrichtet, daß damit gleichzeitig die anderen Ziele, z.B. Rohstoffverknappung und enorme Preissteigerung, erreicht werden.

Als Berufsparanoiker kann man halt zu allem eine Verschwörungstheorie konstruieren. 🙂