Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Verirrte Wanderer

Hadmut
4.1.2008 21:45

Es gab in den letzten Tagen mehrere Berichte aus dem Bereich Süddeutschland/Österreich/Schweiz von Wanderern, die sich – teils bei Dunkelheit – im Schnee verirrt hatten, dadurch bei Kälte in lebensbedrohliche Situationen gekommen waren und gerettet werden mußten. Dabei wurden auch Hubschrauber und Suchmannschaften eingesetzt, die sich dazu teilweise selbst in Lebensgefahr begaben. Die Leute wurden teils mit Wärmebildkameras, teils über die Handy-Ortung über Triangularisierung und in einem Fall sogar über das Leuchten des Handy-Displays aus 2 Kilometern Entfernung mit einer Nachtsichtkamera geortet. In einem anderen Fall erzählte der Wanderer, was er sieht, und man rätselte in der Rettungsleitstelle, wo das sein könnte.

Auch wenn es in allen Fällen gerade noch so gutging – es war gefährlich, es war teuer, und in allen Fällen war das Handy als Elektronik-Gadget der Retter.

Wenn das Überleben aber doch sowieso schon auf Elektronik beruht, dann muß man schon die Frage stellen, warum das nicht auf dem Stand der Technik erfolgt.

Es wäre sicherlich angebracht, wenn die jeweiligen Behörden bzw. Landesvermessungsämter ordentliche digitale topologische Karten mit den jeweiligen Wegen und irgendwelchen Rettungspunkten (Hubschraubergeeignete Landeplätze, Berghütten, Straßen, Hotels, Ortschaften) herausbrächten, die man in ein GPS-Gerät mit Display und entsprechender Navigationssoftware laden kann. Derzeit liegen solche Geräte in der Größenordnung von 200-250 Euro, die Software müßte aber noch angepaßt werden.

Der ganze Wanderschaftszauber könnte wesentlich ungefährlicher und im Ernstfall einfacher und billiger (oder eben ohne Ernstfall) abgehandelt werden, wenn man einfach vorschreiben würde, daß jeder, der da rumsteigt, so ein Ding mit dabei haben müßte um auch bei Dunkelheit oder Schneetreiben oder hohem Schnee den Weg zu finden. Man müßte eben für jeden Winter aktualisierte Daten bereitstellen. Selbst ohne Daten könnte man mit einem GPS-Empfänger dann am Handy wenigstens sagen, wo man ist. Dann könnte der Heli oder die Rettungsmannschaften wenigstens direkt dorthin kommen, statt erst noch langwierig und gefährlich suchen zu müssen.