Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Durch Westaustralien mit WesternXposure

Hadmut
26.5.2007 1:45

Dies ist der zweite Teil meines Blog-Kommentars zu meiner Australienreise. Hier geht es nun nicht um Westaustralien, sondern um den Reiseveranstalter WesternXposure, mit dem ich gereist bin.

Western Xposure ist ein australischer Veranstalter mit Hauptsitz in Perth. Von daher also eigentlich prädestiniert. Gebucht übrigens nicht direkt, sodern über ein deutsches Reisebüro (Explorer Fernreisen, wo ich meine Reisen seit Jahren buche). Hier nun meine Erfahrungen.

Warum eigentlich eine Gruppenreise?

Die erste Frage, die sich aufdrängt, ist, warum man überhaupt eine Gruppenreise macht. Wäre es nicht sinnvoller, selbst zu reisen? Immerhin bietet dasselbe deutsche Reisebüro auch sehr günstig Flüge in Verbindung mit dem Mieten eines Wohnmobils oder Allradfahrzeugs. Wäre das nicht die flexiblere und vielleicht sogar billigere Lösung?

Die Sache ist nicht so einfach. Wie schon im ersten Teil beschrieben ist Westaustralien ein sehr gefährliches Land. Es ist nicht ratsam, dort mit wenigen Personen oder gar alleine hinzureisen. Wenn etwas passiert, hat man keine Hilfe. Man muß nur abstürzen und sich ein Bein brechen, einen Schaden am Fahrzeug haben, vielleicht nur einen zweiten Platten oder im Sand steckenbleiben. Schon hat man ernste Probleme, weil man nicht genügend Leute dabei hat. Und man muß mit Fahrzeugproblemen rechnen. Eine Fahrt durch die Bungle Bungles geht nur selten ohne Fahrzeugschaden oder wenigstens einen Platten ab. Wir sind diesmal ohne Platten durchgekommen, dafür ist am LKW eine Blattfeder gebrochen. Der Fahrer kannte seinen LKW aber wirklich in- und auswendig. Er wußte, wie man ihn repariert und welche Getriebeteile man notfalls womit schmieren kann, sei es mit Salatöl oder Sonnencreme. Solches Wissen hat man als Urlauber weder allgemein, noch in Bezug auf ein bestimmtes Leihfahrzeug. Oder wer weiß schon, daß und wie man einen Reifen, der die Luft nicht mehr hält, notfalls auch mit Spinifex Gras ausstopfen kann (wenn man welches findet) und damit fast genausogut mehrere hundert Kilometer fahren kann? Das kann genau das sein, was einen aus einer lebensgefährlichen Situation herausbringt.

Wer kennt sich mit den dortigen Pflanzen und vor allem den Tieren aus? Wer kennt die Giftschlangen und weiß, wie er mit Dingos umzugehen hat? Welcher Urlauber weiß, wie auf Schlangenbisse zu reagieren ist und wie man Schlangen vertreibt? Wer weiß, welche der Pflanzen man essen kann und welche sogar erhebliche Heilwirkung haben? Wer kennt die Naturapotheke der Aboriginals?

Wer selbst fährt, wird nicht viel mehr als die Straße sehen. Denn die interessanten Stellen stehen nicht in Landkarten. Auch nicht, wie man da hinkommt oder wo man abbiegen muß. Das muß man wissen. Vielleicht wird es früher oder später im Rahmen des Maps4Australia-Projektes genauere Angaben dazu geben, aber man kann niemals das Wissen dessen ersetzen, der da ständig hin- und herfährt. Wir hatten in den Kimberleys einen Tourguide, der da jeden Stein persönlich kennt, der da lebt. Der genau weiß, wo es was zu sehen gibt, und wo nicht, und der weiß, welche Wege sich lohnen, oder wo es gefährlich oder ungefährlich weiter geht. Dieses Wissen kann man als Urlauber nicht haben. Nur wenige Australier, die, die dort ständig unterwegs sind, haben es.

Viele der Sehenswürdigkeiten sind nicht öffentlich zugänglich. Wir waren mehrfach in Gegenden, zu denen der Zutritt offiziell verboten ist. Steht vorne ein Schild dran, daß man nicht durch darf. Kennt der Ranger oder Inhaber jedoch den Guide und weiß, daß der sich da auskennt und weiß, was er tut, dann darf man da auch hin. Der Urlauber wüßte nicht einmal, wen er da fragen müßte und bekäme auch keine Erlaubnis. Keine Chance.

Naja, und schlußendlich macht es ja auch (mal mehr, mal weniger) Spaß mit einer Gruppe von Leuten aus verschiedenen Ländern zu reisen.

Warum WesternXposure?

Früher bin ich immer mit Contiki gereist und war damit zufrieden. Das ging diesmal nicht, denn erstens bin ich zu alt, Contiki nimmt nur Leute bis 35 mit (wobei ich da auch mit 36 schon mit dabei war, weil ich vorher schon 3 Contiki-Reisen gemacht habe, aber inzwischen bin ich wirklich zu alt), und Contiki bietet keine Reisen in Westaustralien an, weil Contiki nur mit Übernachtungen in Hotels oder wenigstens Hostels arbeitet, es das in Westaustralien aber nur an wenigen Stellen gibt. Westaustralien zu bereisen heißt notwendigerweise Wohnmobil oder Zelten. Also nix mit Contiki.

Western Xposure war mir nicht bekannt, und ich hab sie auch nur deshalb gebucht, weil es Explorer Fernreisen eben im Angebot hatte. Tatsächlich sind sie die, die in Westaustralien am meisten machen und die Touren in beide Richtungen mindestens zweimal wöchentlich starten, teils sogar mit mehreren Fahrzeugen. Deshalb sieht man auch unterwegs ziemlich viele Fahrzeuge von Western Xposure, die einem (in der Gegenrichtung) entgegenkommen.

Es gibt auch andere Veranstalter, die aber eben “anders” sind. Teilweise wurden sie mit dem Schimpfwort “Window-lickers” bedacht, weil sie zwar mit zwei Köchen und Küchenzelt reisen und die Teilnehmer ihre Zelte morgens mit dem feuchten Mop auswischen lassen, aber kaum aus dem Laster rauskommen und nur alles durch Fenster sehen.

Eine Schweizerin empfahl mir Touren mit Wilderness Adventures, Darwin, die ebenfalls durch die Kimberley gehen, aber noch sehr viel rauher und naturverbundener sind. Die waren noch weiter abseits als wir mit Western Xposure und mußten ihr Gepäck durch Wasser tragen. Statt Plumpsklo gabs da nur den Spaten und das abendliche Verbrennen benutzten Klopapiers im Lagerfeuer. Teils waren Sonnencreme und Insektenschutz verboten, weil die wirklich in klaren und abseits gelegenen Gewässern gebadet haben, die nicht verschmutzt werden durften. Also nochmals deutlich derber als Western Xposure. Aber wohl gut.

Um es vorweg zu nehmen: So sonderlich zufrieden war ich mit Western Xposure nicht. Aber der Reihe nach.

Tourguide

Bei Western Xposure wird gespart, das merkt man. Es gibt nur einen einzigen Guide, der zugleich Reiseleiter, Sanitäter, Chefkoch, Fahrer, Mutti und Mädchen für alles ist. Nur wenn die Teilnehmerzahl so hoch ist, daß ein Fahrzeug nicht reicht, fährt man doppelt.

Und der Tourguide ist dabei völlig auf sich alleine gestellt. Für Notfälle hat er ein Satellitentelefon, aber ansonsten hängt alles an ihm. Krankwerden, Pause machen, sich verfahren, jemanden fragen ist nicht. Das stellt hohe Anforderungen und nur wenige der Guides halten das lange durch. Sie haben deshalb eine gewisse Fluktuation. Ich habe gehört, daß ein Guide mal mehrere Tage mit einem angebrochenen Bein fahren mußte und alle drei Pedale nur mit einem Fuß bedient hat. Ein anderer, überforderter Guide hat mal drei schwere Unfälle bei Teilnehmern in weniger als 12 Stunden gehabt. Und die Bezahlung ist wohl auch nicht so gut.

Weil die Reise in zwei Abschnitten erfolgte und zwischendrin Fahrer und Fahrzeug wechselten, hatten wir zwei verschiedene Guides.

Mit dem ersten, in der Kimberley, hatten wir größtes Glück. Eigentlich ein alter, schmächtiger Mann, um die 60, topfit, braungegerbt. Aber kein zugereister, sondern gebürtiger Australier aus der Gegend, der da lebte, da aufgewachsen ist und sich bestens auskannte. Ein echtes Original, ein Kauz. Ein Typ wie Crocodile Dundee. Einer, der den nur sehr schwer verständlichen westaustralischen Dialekt sprach und wirklich alle Leute persönlich gut kannte, die man da irgendwo treffen konnte. Einer der bevorzugt alles und jeden mit liebevollen Schimpfworten bedachte (Bloody Baaastards, Windowlickers, Pufftas, Fucking @$X…). Der einem erzählen konnte, wie es früher war, der jede Menge Tricks und Schlichen drauf hatte, der wußte und erklärte, wie man sich das Leben einfach machte. Wenn andere ihre Zelte feucht wischten, erklärte der uns, in welche Tümpel man am besten und der Einfachheit halber gleich komplett mit Klamotten reinspringt. Erzählte, wie sich die Jugend heute von der zu seiner Zeit unterschied. Beherrschte sein Fahrzeug und war ein prima Koch. Wußte, wo man Wasser auftreiben konnte. Manche nahmen ihm etwas übel, daß er keinen Wert auf Nachtisch und Obstbeigaben legte, und es das deshalb nicht gab. Andere schätzten ihn, weil er stets dafür sorgte, daß selbst in der trockensten Gegend und der größten Hitze abends ein kühles Bier da war. Diesem Mann zuzuhören, wie er sprach und was er sagte, allein das war schon das Geld der Reise wert. Das war ein Original, einer, den man nicht vergißt.

Im zweiten Teil (Broome nach Perth) hatten wir einen, der zugereist war und der das zu professionell gemacht hat. Zu glatt, zu austauschbar. Von professioneller, aber nicht gerade ehrlicher Reiseleiterfreundlichkeit. Da gab es dann Kekse oder Obst zum Nachtisch. Stets schulbuchmäßige Erklärungen heruntergespult. Schon interessant, etwas mehr über die Entstehung oder die Besonderheiten von Gesteinsformationen zu hören, oder worin sich Australien von anderen Kontinenten unterscheidet. Lehrreich. Aber eben austauschbar, unpersönlich. Niemand, an den ich mich lange erinnern werde.

Fahrzeuge

Damit war ich nicht so zufrieden.

Im ersten Teil, der Kimberley, hatten wir einen Allrad-LKW mit Küchenanhänger. Der LKW hieß Sheila, der Anhänger Frank. Weil es wie im Leben war: Die Frauen sind launisch und sagen, wo es lang geht. Die Männer trotten schweigend hinterher, haben nichts zu sagen, und schleppen die Einkäufe. Eigentlich war Sheila ein eher kleiner japanischer LKW, auf den in Australien hinten eine Personenkabine aufgebaut wurde. Im Prinzip nicht schlecht, hat sich bewährt. Die LKW sind eine ziemlich robuste und leicht zu wartende Angelegenheit. Das Getriebe kann man notfalls mit Sonnencreme schmieren.

Das Gefährt war aber schon etwas ausgelutscht und versifft, hatte seine letzte Saison vor sich. Ich habe bei anderen Reisegruppen, die uns entgegenkamen, gesehen, daß Western Xposure auch neuere Fahrzeuge hat, die aber auch größer und konstruktiv schlechter waren. Sheila war vor allem eng, denn es war jeder Platz besetzt, einschließlich der beiden Beifahrersitze im Fahrerhaus. In Sheila verdammt wenig Platz. Keine Gepäckfächer über dem Kopf (was bei 4WD-Fahrzeugen noch verständlich ist, damit nichts herausfallen und Insassen verletzen kann). Teils kleine Netze an den Rückenlehnen und unter einigen der Sitze etwas Platz. Aber eigentlich kein Platz für das Tagesgepäck. Das heißt, daß das ständig irgendwo auf dem Boden und unter den Füßen rumfliegt. Und weil man sich ab und zu mal ne Flasche was zu trinken oder mal etwas Zusatzproviant kauft, fliegt auch das eigentlich immer alles auf dem Boden herum. Zusätzlich führt jede Gruppe ein Wasserfass zum Auffüllen der Wasserflaschen mit sich. Weil dafür aber eigentlich kein Platz ist, steht der auf der Eingangstreppe und damit ständig im Weg.

Das Reisegepäck muß oben aufs Dach, weil es unten keine Gepäckfächer wie bei Bussen gibt. Einmal wegen der Bodenfreiheit für die Geländegängigkeit, zum anderen weil man oft durchs Wasser fahren muß und alles naß würde. Das heißt, daß jeden Morgen das ganze Reisegepäck oben aufs Dach des LKW und am Abend wieder heruntergeschafft werden muß. Western Xposure beschreibt das als Spaß. Ist es aber nicht. Es geht auf den Wecker. Zumal bei solchen Reisen immer erheblicher Frauenüberschuß herrscht, das Gepäck aber als Männerarbeit angesehen wird. Ich hatte als Gepäck einen Trolley mit abnehmbarem Frontrucksack dabei. Das hat sich bewährt, denn ich habe den Trolley während der ganzen Reise immer oben auf dem LKW gelassen, so daß er nie herunter- oder hinaufgehoben werden mußte. Klamotten für ein paar Tage im kleinen, leichten Rucksack, bequem und leicht zu tragen. Trotzdem habe ich jeden Morgen und jeden Abend das Gepäck von über 20 Leuten mit auf den LKW hochheben oder herunterheben müssen. Viele davon Frauen, gerade mal halb so alt wie ich, die nur dastehen und glotzen, nicht Bitte und nicht Danke sagen, nicht helfen, und sperrige, voluminöse und teils sehr schwere Taschen hatten. Einen Rucksack hatten wir “Backpack from Hell” getauft, weil er einfach so schwer war, daß man ihn zu zweit hochheben mußte. Ich habe damit zwar kein wirkliches Problem gehabt, das ging schon. Aber man ist schon durchgeschwitzt, bevor es losgeht. Und um das mal in aller Deutlichkeit zu sagen: Ich (und auch einige der anderen Männer) waren durchaus nicht begeistert davon, im Urlaub, für den man bezahlt hat, zweimal täglich das Gepäck von 22 Leuten herumwuchten zu müssen und im Alter von 40 jungen Leuten um die 20 das Gepäck tragen zu müssen. Nein, das war kein Spaß. Sowas gehört nicht in einen Urlaub. Wäre ja was gewesen, wenn sich die Mädels dafür bedankt oder dafür mehr Küchendienst geleistet hätten. Dazu später in einem separaten Artikel mehr.

Hinzu kam, daß man jeden Morgen die Zelte und die Swags (australische Variante einer Schlafmatte mit Canvas-Tasche für den Körper) verpacken und verdammt eng rollen mußte, weil sie sonst nicht in das kleine Staufach am Laster gepasst hätten. Das nervt mit der Zeit. Obwohl das Zelten an sich schon großen Spaß gemacht hat, war diese ständige Packerei doch sehr nervend.

Jemand sagte mir, daß wir im zweiten Teil einen “Bloody Schoolbus” hätten. Ich dachte, der wollte mich veräppeln. Denkste.

An der Westküste braucht man kein Allrad-Fahrzeug. Also setzt Western Xposure etwas billigeres ein. Keinen normalen Bus, sondern einen japanischen Schulbus, der nur für Kurzstreckenstadtverkehr gebaut ist, aber hier für mehrere tausend Kilometer Highway und Outdoor verwendet wird. Klare Sache: Dieser Bus war Scheiße! Auch da keinerlei Gepäckfächer im Passagierraum, nicht mal Netze am Vordersitz. Gar nichts. Alles auf dem Boden herumgeflogen. Das Wasserfaß und die Kanister standen im Gang und mußten bei jedem Halt erst herausgehoben werden, damit die anderen aus dem Bus konnten. Für jede Pinkel- oder Fotopause jedesmal das Zeugs rauswuchten. Flache Sitze ohne Nackenstützen, in denen man teils den ganzen Tag sitzen sollte. Wieder jeder Platz belegt, einschließlich Beifahrersitz. Überhaupt kein Gepäckraum. Das gesamte Gepäck von 22 Leuten mußte in einen winzigen (diesmal namenlosen) Anhänger gequetscht werden, was die morgendliche Gepäckroutine noch komplizierter und anstrengender machte. Die quetschen 22 Leute in einen Bus und einen Anhänger, in dem schlichtweg nicht genug Patz für 22 Leute ist.

Der größte Hammer: Die Blinker funktionierten nicht. Weil die Australische Straßenverkehrsordnung vorsieht, daß man bei defektem Blinker mit den Armen winken muß, hat der Fahrer immer durch das Mikro angesagt, wohin er fahren will und die Leute mußten die Arme durch die (glücklicherweise zu öffnenden) Fenster rausstrecken und winken. Der Fahrer versuchte, das als Spaß zu verkaufen, und am ersten Tag war’s auch noch lustig. Aber zehn Tage lang winken zu müssen weil der Bus defekt ist, ist nicht lustig. Ich mach ja fast allen Scheiß mit, aber wenn’s an die Verkehrssicherheit geht, hört bei mir der Spaß eindeutig auf.

Übernachtung

Fast alle Nächte schläft man Outdoor, also unter freiem Himmel oder im Zelt. Das ist weit besser, als es sich anhört. Man bekommt einen sogenannten Swag, eine traditionelle australische Schlafmatte, an die noch eine Art Sack aus festem Leinen angearbeitet ist, in den man sich – mit oder ohne Schlafsack – zum Schutz vor Nässe und Ungeziefer selbst hineinpackt.

Während des Reiseteils in der Kimberley war es nachts immer so warm, daß ich meinen Schlafsack nicht gebraucht habe. Ich hatte noch einen Innenschlafsackbeutel aus Seide dabei, der mir völlig gereicht hat, um mich in oder auf den Swag zu packen. Den Schlafsack hab ich in der Kimberley nie benutzt und nie gebraucht, so warm war es. Das war gut, denn Western Xposure schreibt auf der Webseite, daß man Schlafsäcke für 15$ mieten könnte, hatte dann aber nur 7 Schlafsäcke dabei. 9 Leute wollten aber einen mieten und hatten keinen eigenen. Also fehlten zwei. Unprofessionell. Aber wie gesagt ohne Folgen.

Später im Westen und südlich des Tropenkreises wurde es dann nachts aber empfindlich kühl, unter 5 Grad. Da war ich dann doch froh, einen eigenen warmen Schlafsack dabei gehabt zu haben. Ich hatte übrigens einen ganz billigen aber trotzdem recht guten Schlafsack von Aldi für 12 Euro dabei. War prima. Ich hab ihn dann einfach dort gelassen.

In der ersten Nacht (noch im Northern Territory) hab ich nur im Swag gelegen, unter freiem Himmel. Fernab jeglicher Zivilisation, also auch ohne störendes Licht von Städten, Neumond, klarer Himmel. Herrlich. Eingeschlafen mit freiem Blick auf den sagenhaften Sternenhimmel der Südhalbkugel. In der tiefschwarzen klaren Nacht unglaublich viele Sterne, das Kreuz des Südens, Sternschnuppen und die Milchstraße vor Augen. Man bekommt ein Gefühl für die unendlichen Weiten (und irgendwie den Drang, bei Raumschiff Enterprise oder den Men in Black anzuheuern). Kann man überhaupt je schöner einschlafen? Besser geht’s nicht.

Ich wollte das in der zweiten Nacht wiederholen, aber das ging wirklich schief. Gut, der Himmel war wieder da. Aber dann auch Moskitos. Allein schon das Geräusch, wenn die Viecher einem vor dem Gesicht rumschwirren, raubt einem den letzten Nerv. Und dann stechen sie einen ständig. Also versuchte ich, den Swag möglichst weit zu schließen. Das half aber nichts, denn irgendwie mußte ich ja atmen, also etwas offenlassen. Da kamen die Viecher gleich rein. Außerdem wurde es im Swag tierisch heiß. Nix schlafen. Weil die Moskitos mich wahnsinnig machten griff ich in der Dunkelheit nach einer Pumpsprayflasche mit Insektenschutzmittel und wollte mir etwas auf die Schläfen sprühen. Weil es stockdunkel war, hab ich nicht gemerkt, daß das Gewinde der Flasche leck war und habe mir in der Dunkelheit das Zeugs in die Augen getropft. Brennt wie Sau. Ich also wie ein Wilder, aber blind und mit geschlossenen Augen, aus dem Swag raus. Glücklicherweise gab es in der Nähe den Duschkomplex mit einem Außenwaschbecken, an das ich mich erinnern konnte. Ich also völlig blind über die anderen Leute hinweggestiegen und mich zu dem Waschbecken getastet, um das Zeugs wieder aus den Augen zu waschen. Glück gehabt, daß wir gerade auf einem Zeltplatz mit Waschbecken waren.

Von da an habe ich (und die meisten anderen) nur noch im Zelt geschlafen. D.h. nur das Innenzelt, das Außenzelt haben wir nicht gebraucht. Nicht so schön, aber Moskito-frei.

Hatte außerdem noch einen anderen Vorteil: In mehreren Bush-Camps waren wir nämlich von Dingos (australische Wildhunde) umzingelt. Die haben nicht nur jede Nacht ein größeres Konzert aus schaurig-gruseligem Wolfsgeheul veranstaltet, sondern sind frech und furchtlos mitten im Camp herumgelaufen. Es konnte einem jederzeit passieren, daß man in der Dunkelheit plötzlich direkt vor einem Dingo stand und der einen neugierig anglotzte. Keine Angst vor Menschen oder Taschenlampen. Die Viecher waren zwar friedlich und haben es nicht auf eine direkte Konfrontation ankommen lassen, aber sie klauen. Bevorzugt Lederwaren wie Schuhe. Oder was Lebensmittel enthält, selbst Mülltüten. Einer aus der Gruppe vermißte plötzlich seinen Rucksack, mit Geldbeutel, Speicherkarten und anderen wichtigen Dingen. Wir sind extra nochmal die Wanderstrecken vom Vortag abgefahren, keine Spur. Es stellte sich heraus, daß die Dingos den Rucksack nachts geklaut und nur 20 Meter weiter im hohen Gras liegen gelassen hatten. Komplett ausgeräumt und verstreut, aber alles noch da und nichts beschädigt. Da ist ein Zelt ein Vorteil, weil einfach das Zeugs am nächsten Morgen noch da ist.

Und wie gesagt: Jeden Abend Gepäck aus- oder abladen, Zelte und Swags aufbauen, und morgens das gleiche rückwärts.

Essen

Was wirklich einfach aber prima war, ist das Essen. Im Prinzip herrscht Vollpension, man wird also für drei Wochen voll verpflegt. Die Umgebung, die Ladekapazität, der Tagesablauf, die Outdoor-Umgebung, die beschränken Kühlmöglichkeiten und die Ausstattung setzen dem natürlich gewisse Grenzen.

Morgens gibt es Frühstück. Das heißt Corn Flakes, Müsli oder irgendwelche anderen Flocken mit Milch. Dazu das australische, Toastbrot-artige weiche Weißbrot, das man sich in abenteuerlichen Konstruktionen auf der offenen Gasflamme rösten kann. Dazu was gerade da ist, Wurst, Vegemite, Nutella oder so.

Mittags gibt es ein ganz leichtes, kaltes Mittagessen. Viel Salat und Gemüse, natürlich die in Australien unvermeidliche rote Beete, Mais, Tomaten, Gurken, Kopfsalat, Wurst oder Schinken. Dazu wieder dieses Weißbrot oder irgendwelche Wraps.
Hört sich seltsam an, ist aber sehr gut, vor allem in der Hitze. Mir hat es prima geschmeckt.

Abends, also nach 17.00 nach der Rückkehr ins Camp, wird groß gekocht, halt im Rahmen der Möglichkeiten. Teils in ein paar Töpfen auf dem Gaskocher. Manche Campingplätze haben die Australien-typischen Barbeque-Brenner, die werden natürlich genutzt. Nicht extravagant, sondern einfach, aber gut. Ab und zu brennt mal der Reis oder die Spaghetti an, aber ansonsten war es sehr gut.

In Deutschland war ich den ganzen Tag über dabei, ständig irgendwelche Kekse oder Schokolade nebenher zu fressen. Habe ich mir in Australien völlig abgewöhnt. Kein Bedarf, kein Appetit, kein Laden. Vielleicht mal ein Apfel. Die drei Mahlzeiten waren so reichhaltig und trotzdem gesund, daß ich darüberhinaus überhaupt keinen Hunger mehr hatte. Dazu kam viel frische Luft und viel Bewegung, und das Ergebnis: Obwohl ich viel gegessen habe und ständig satt war, hab ich sogar meine Fettwampe deutlich reduziert. Tatsächlich traten erste Ansätze eines längst verschollen oder verstorben geglaubten Six-Packs wieder zutage.

Obwohl es sehr einfach war, hat mir das Essen gut geschmeckt und gefallen. Schmackhaft und gesund. Und hat wirklich Spaß gemacht.

Ach ja: Die Reisegruppe wird in 4 oder 5 Teams eingeteilt. Jeden Tag ist reihum eines der Teams damit dran, unter Anleitung des Guides zu kochen, ein anderes macht den Abwasch. Es gibt nur einfaches Plastikgeschirr, dazu eine wilde Sammlung abenteuerlich-billigen Bestecks. Weil es oft zum Abwasch nur eine kleine Schüssel mit wenig Wasser gibt, ist das Zeug eigentlich nie richtig sauber. Man gewöhnt sich dran.

Hygiene

Weit besser, als ich es erwartet hätte.

Auch wenn man noch so weit weg von der Zivilisation ist, bleibt man innerhalb vorbereiteter Zeltplätze. Die meisten Zeltplätze waren mit normalen Toiletten und Duschen ausgestattet. Teilweise alt und abgenutzt, aber einwandfrei sauber und hygienisch. Gut, den roten allgegenwärtigen Staub gab es auch da, und man muß öfters morgens mal irgendwelche Frösche, Spinnen, Käfer, Eidechsen, Warane und sonstwas verjagen oder die über Nacht entstandenen Spinnweben entfernen. Sind auch ernsthaft gefährliche Tiere dazwischen. Manchmal hocken die Frösche in der Kloschüssel. Aber ich habe nie eine verschissene Toilette oder dreckige Klobrille erlebt. Alles sauber. Erst im Backpacker-Hotel gabs sowas wieder.

Hintergrund ist, daß man in Australien generell auf Hygiene achtet. Man kann es nicht gebrauchen, daß da im Outback benutztes Klopapier vom Wind herumgetragen wird. Deshalb gibt es selbst in den abgelegensten Orten noch fest installierte Plumpsklos. Die übrigens auch weit angenehmer sind, als es sich anhört. Da gibt’s nichts zu meckern. Es gibt Reisegruppen, die diese Plätze verlassen, und bei dem dann jeder Teilnehmer seinen persönlichen Spaten erhält. Da wird dann das gebrauchte Klopapier gesammelt und im Lagerfeuer verbrannt. Vielleicht nicht jedermanns Sache.

Auch Duschen gibt es auf den meisten Campingplätzen. Ich habe fast jeden Tag zweimal geduscht, morgens und abends. Selbst in den Bungle Bungles, wo man mit extremer Hitze und Wasserknappheit auskommen muß, hatten wir einen Wasserhahn mit fließend Wasser, das allerdings wegen des hohen Calcium-Gehaltes nicht zu trinken war, und dessen Keimfreiheit nicht garantiert wurde. War aber prima um einen Gartenschlauch anzuschließen und sich damit abzuspritzen. Herrlich.

Außerdem ist man fast jeden Tag in irgendwelchen kleineren Gorges oder Tümpeln schwimmen. Im Karijini-Nationalpark gibt es keine Duschen, da besteht die Körperhygiene allein aus dem Schwimmen in Wasserlöchern. Funktioniert prima. Abgesehen davon, daß sowieso jeder so ein bischen Staubverdreckt war und ein ganz leichter (aber wirklich nur leichter und nicht störender, weil frischer) Schweiß- und sonnencreme-Geruch üblich war, gab es keinerlei hygienischen Probleme.

Dementsprechend hatte ich zuviel Klamotten dabei – oder weniger gebraucht als erwartet.

Unter den dortigen Gegebenheiten sieht eine Hose nach einer Stunde schon genauso staubverdreckt wie nach einer Woche aus. Und es läuft jeder so herum. Warum also wechseln? Auf Schönheit kommt es nicht an. Man muß nicht, wie ich es hier gewohnt bin, mindestens einmal, oft mehrfach täglich frische Kleidung anziehen. Man kann auch drei, vier Tage lang dieselben Sachen anhaben. Wenn’s zu schlimm wird, behält man sie halt einfach beim nächsten Sprung in ein Wasserloch an. Schon sind sie gewaschen. So einfach kann das Leben sein. Bei der Hitze ist man schneller wieder trocken als man zum An- und Ausziehen gebraucht hätte.

Auch Unterwäsche braucht man weniger als erwartet. Weil man ständig schwimmen geht, hat man sowieso immer die Badehose (oder den Bikini) drunter an. Und die wird dann auch gleich mitgewaschen. Alles sehr unkompliziert und angenehm.

Gut, man sieht permanent outdoor-mäßig dreckig aus. Aber nicht schlecht. Zwei der Outdoor-Hosen habe ich noch nicht gewaschen, weil sie mit dem Wüstenstaub, Schweiß und Sonnencreme imprägniert eigentlich viel besser als im sauberen Zustand aussehen. Dazu noch unrasiert, leicht sonnengebräunt und meinen wilden, gut gebrauchten Abenteuer-Hut auf und ich sehe aus wie Indiana Jones und Daktari zusammen. Gemessen an den Blicken der Damenwelt erziele ich bessere Wirkung als in meinem frischgewaschenen Deutschland-Outfit.

Hinzu kommt, daß man nicht, wie auf sonstigen Australienreisen üblich, abends in irgendwelche Kneipen oder Restaurants geht, die saubere Kleidung verlangen. Es gibt ja da nichts, wo man hingehen könnte. Also fällt auch diese Notwendigkeit für saubere Kleidung weg. Einmal waren wir aber auf einem Zeltplatz mit einer solchen Kneipe. Erkennbar am Schild, das sie Australien-üblichen Badeschlappen (Thongs) verbietet. An diesem Abend hab ich auf jemanden vor der Kneipe gewartet und so dreckig ausgesehen, daß ich aus der Kneipe geflogen bin, bevor ich drin war und obwohl ich gar nicht reinwollte. Ich hab so versifft ausgesehen, daß man mir prophylaktisch sagte, ich solle erst gar nicht versuchen, da reinzukommen. Aber ich habe mich sauwohl gefühlt.

Fazit

Also so ganz begeistert war ich von Western Xposure nicht. Zumal es in Broome passiert ist, daß wir nicht in die Herberge konnten, weil Western Xposure die Buchung der Betten verschlampt hatte. Glücklicherweise konnten wir den Fahrer zurückholen, der uns dann die Zelte und Swags noch einen Tag länger auslieh und wir auf einer Fußballwiese übernachten konnten. Wie ich erfahren habe, passiert das öfters. Ein Schlamperladen ist das schon. Und das mit den Fahrzeugen ist auch Bockmist. Ärgerlich auch, daß der Fahrer der einzige ist, der in die Fahrzeuge und die Notrufabläufe eingewiesen ist. Wir hatten zwar ein Satellitentelefon, aber niemand wußte, wo der Fahrer das hatte.

Auch beschreibt Western Xposure in seinen Beschreibungen die Reisen als zu schön, einfach und harmlos. Deshalb waren einige Leute dabei, die auf so einer Reise nichts verloren haben und überfordert waren. Schließlich gab es unvorhergesehen und ohne Vorwarnung einige sehr schwierige und teils sehr gefährliche Kletterpartien. In einer anderen Reisegruppe [anderer Veranstalter, nicht WesternXposure!] gab es gerade einen Todesfall durch einen Absturz bei solcher Gelegenheit.

Man merkt auch sehr deutlich, daß Western Xposure an vielen Stellen einfach das billigst-mögliche macht und den Bus bis zum Beifahrersitz vollstopft, egal ob der Platz reicht oder nicht. Teils sind die Fahrzeuge Billig-Mist (Schulbus, keine Ausstattung). Ich würde gerne etwas mehr zahlen und dafür dann vernünftig sitzen. Und verkehrssichere Fahrzeuge wären mir auch lieber.

Es gibt aber eben auch kaum Alternativen.

Im Ergebnis kann ich Western Xposure nur sehr bedingt empfehlen. Für die meisten Leute ist es nichts. Wer’s besser und bequemer haben will und höchstens 35 ist, soll mit Contiki ins Northern Territory fahren. Wer über 35 ist, soll man bei AAT King’s gucken, die führen nämlich die Contiki-Reisen in Australien durch. Vermutlich sind deren andere Reisen sehr ähnlich, nur mit anderem Namen auf dem Bus.

Wer’s aber lieber etwas rauh und abenteuerlich mag, wer gerne improvisiert und wen Dreck nicht stört, wer lieber mit wenig Klamotten im Rucksack reist, für den ist es richtig.

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