Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über West-Australien

Hadmut
25.5.2007 12:26

So, nun bin ich also von meinem Urlaub in West-Australien zurück. Grund genug, ein paar Worte darüber in mein Blog zu schreiben. Weil ich Gedanken und Meinungen zu verschiedenen Aspekten habe, teile ich sie in verschiedene Postings auf. Hier nun etwas zum Land an sich.

Australien ist der älteste der Kontinente. Während es andere Kontinente und vor allem deren Oberflächenformationen meist nur auf einige zig oder hundert Millionen Jahre bringen, ist dieser Kontinent über 2 Milliarden Jahre alt. Und das hat Spuren hinterlassen. Vor allem in Westaustralien.

Westaustralien ist das ursprünglichste, wildeste, extremste aber auch das am wenigsten veränderte Australien. Es ist der flächenmässig größte Staat in Australien und in weiten Teilen die am wenigsten bewohnte Gegend. Touristen sind selten und Einwohner werden außerhalb der Städte nicht in Einwohner pro Quadratkilometer sondern reziprok in Quadratkilometer pro Einwohner gemessen. Es gibt die am wenigsten veränderten Naturschönheiten und sogar Australien selbst wirbt bei seinen Einwohnern, daß man hier noch das Original-Australien findet – oder zumindest das, was dem noch am nächsten kommt. Im Gegensatz zum Northern Territory, zu Sydney und Melbourne ist das, was man in WA findet, in der Öffentlichkeit fast völlig unbekannt. Der größte Felsen ist nicht Ayers Rock/Uluru, sondern er liegt in WA. Kaum jemand kennt ihn, ich habe mir nicht einmal selbst den Namen merken können. Und so geht es mit vielen Dingen. Sie haben enorme Rinderfarmen von der Größe kleinerer europäischer Staaten, die erstaunlichsten Tiere und Naturbegebenheiten, und kaum jemand weiß es.

Weil alles so weit entfernt ist. Die Entfernungen sind riesig, die Einwohner- und Besucherzahl sehr gering. Will man am helllichten (schreibt man das nach der Rechtschreibreform jetzt aktuell eigentlich mit zwei oder drei L ?) Tag auf einer Autobahn (!) fahren und stundenlang kein anderes Auto zu sehen bekommen? Hier gibt’s das. Sucht man einen Hauptverkehrsstraße, von der unklar ist, ob sie gerade befahrbar ist, die nicht asphaltiert ist, für die man ein Allradfahrzeug braucht, das auch durch mindestens 1 Meter tiefes Wasser waten kann? Hier gibt es das, jede Menge. Selbst auf den manchen wirklich stark befahrenen und gut ausgebauten Zufahrtsstraßen in größere Städte sind alle paar Kilometer in den Senken zwei Meter hohe Maßbalken angebracht, an denen man bei den Überschwemmungen die Wassertiefe ablesen kann. Die überwiegende Mehrzahl der Fahrzeuge, die nicht nur für den Innerstadt-Betrieb gedacht sind, sind watfähig und haben den obligatorischen Luftansaugschnorchel über der Wasserlinie. Auch wenn kein Hochwasser ist, heißt es vorsichtig zu sein. Es stehen regelmäßig Kühe, Schafe, Känguruhs und anderes Viechzeugs auf der Autobahn herum. Bei Nacht mit 100 Sachen in eine Kuh oder ein großes Känguruh zu brettern hat ernsthafte Folgen. Nicht nur für die Kuh. Liegen auch genug tote Känguruhs auf den Straßen rum, und die laufen nicht mal mehr weg. Nur um mal eine Vorstellung zu geben, wie es da auf den Straßen zugeht.

Auch wenn man in der Regel nur auf Straßen fährt, die zumindest formal als solche ausgewiesen sind, und meistens nur auf Wegen wandert, die dazu gedacht und sporadisch mit einem Farbklecks oder kleinen Schildern markiert sind: Man befindet sich weitab der Touristenzentren und oft auch weitab – teils mehrere hundert Kilometer – fernab der Zivilisation. Freizeitparks, Hotels, Restaurants gibt’s da nicht. Da gibt es das, was man zum Überleben braucht. Ab und zu mal ne Tankstelle. Gelegentlich irgendwo ein Wasserhahn zur Aufnahme von Trinkwasser. Handy-Netz-Abdeckung? Nicht hier. In einigen der kleineren Städte. Aber nicht außerhalb. Wer hier telefonieren will, braucht ein Satellitentelefon. Es gibt Landkarten im Maßstab 1:1.000.000 , auf denen Geldautomaten und Internet-Zugänge eingezeichnet sind, so spärlich sind sie. Wer sich hier in die Natur außerhalb der Städte begibt, der muß damit rechnen, für Tage oder Wochen von der Außenwelt abgeschnitten und auf sich alleine gestellt zu sein.

Ursprünglich war das Land, insbesondere WA, Meeresboden, der sich gehoben hat und versteinert ist, und der dann über die Millionen und Milliarden von Jahren wieder erodiert ist. Westaustralien ist deshalb flach. Es gibt zwar viele Buckel und Hügel, doch nur wenige sind mehr als 100 oder 200 Meter hoch. Man sieht praktisch überall, wie die Erosion in den ursprünglichen Meeresboden Furchen und Ebenen gefräst und die unterschiedlich harten, dicken und gefärbten Sediment-Schichten freigelegt hat. Weil die Schichten unterschiedlich hart sind, haben sie sich teilweise wie Bande herausgeschält und ziehen sich einheitlich über viele Hügel und Anhöhen hinweg. Weil die Schichten unterschiedlich viele Mineralien und Siliziumverbindungen enthalten, speichern sie Wasser unterschiedlich lang. Es gibt trockenere Schichten, die hell bleiben, und feuchtere Schichten, die die Oberflächenfeuchtigkeit länger halten, die von Bakterien besiedelt sind, die sie schwarz färben. Auf diese Weise werden die Schichten gut sichtbar.

Im Norden, in der Kimberley, gibt es vorwiegend Sand- und Kalkstein. Im Mineral- und bodenschatzreichen Westen eher eisenhaltiges Gestein, das sich oft in viele, nur wenige Zentimeter dicke Schichten aufspaltet und unterschiedlich erodiert. Beim Bergsteigen und Klettern hat man gelegentlich das Gefühl, über einen ungeordneten Stapel alter, rostiger Eisenplatten zu klettern.

Die Erosion über Jahrmillionen hat Spuren hinterlassen. Auch wenn der Boden teilweise reich an Mineralien und Bodenschätzen ist, das Land ist karg und extrem nährstoffarm. Es gibt praktisch keine Erde im eigentlichen Sinne, aber viel Sand und überall diesen rotbraunen Staub. Das Land ist entweder gar nicht oder nur von den Pflanzen bewachsen, die sich an diese extremen Bedingungen angepasst haben. Spinifex-Gras oder Boab-Bäume, beispielsweise.

Um Westaustralien zu bereisen, muß man enorme Entfernungen bewältigen. Mehrere tausend Kilometer. Man muß sich darauf einstellen, viele Tage nur im Bus, Truck oder Auto zu verbringen. Die Landschaft ist interessant, aber eintönig. Man sieht über Wochen fast immer dasselbe, wenn man aus dem Fenster blickt. Man kennt es schnell. Die Ausnahmen muß man explizit suchen.

Je nachdem, wohin man kommt, kann man auch Leute treffen. Echte, urwüchsige Australier. Nicht die modernen Business- oder Partytypen und Modefamilien, wie sie an der Ost- und Südküste herumlaufen. Nicht die Surfer der Sunshine-Coast, sondern Leute die irgendetwas am Leben erhalten. Man trifft Aboriginals und merkt auf einmal, daß es da völlig verschiedene Mentalitäten und Communities gibt, die sich auch in Aussehen und Hautfarbe deutlich unterscheiden. Man sieht welche, die sich völlig in die westliche Lebensweise des weißen Mannes eingepaßt haben. Man sieht welche, die in Anlehnung an die Traditionen aber westlicher Aufmachung in den Parks den ganzen Tag herumsitzen und darauf warten, daß der Tag vorbei geht. Man sieht welche, die völlig verdreckt in Bergen von Müll herumsitzen und dem Alkoholismus verfallen sind. Alkohol ist sowieso ein großes Problem in der nördlichen Hälfte Australiens. Und man trifft welche, die außerordnetlich freundliche und hochkompetente Ranger und Fremdenführer sind, die das Land pflegen und erhalten, die mehr wissen als Weiße, und die sowohl über das traditionelle Wissen der Aboriginals verfügen, als auch Helikopter fliegen können. Die erfolgreiche Geschäftsleute sind, die Rastanlagen oder Farmen betreiben, die mit aller moderner Computertechnik ausgestattet sind, und trotzdem auch noch die traditionelle Lebensweise verfolgen, die – Aboriginals haben besondere Jagdrechte, nur sie dürfen das – dann fürs Abendessen doch gelegentlich mal mit dem Speer eine Meeresschildkröte erlegen oder den Kleinkindern Krokodileier zu essen geben. Leute, deren Vorfahren das Land seit 30.000 Jahren bewohnt, benutzt und in Ordnung gehalten haben.

Auch wenn man mit einer Reisegesellschaft im Bus oder LKW in der Gruppe reist und dabei vom Reiseleiter betreut wird, man stets auf befestigten und vorbereiteten Campingplätzen oder zumindest Bush-Camps mit Plumpsklo reist, sollte man keinesfalls dem Irrtum erliegen, daß man sich auf einer Pauschalreise befände, die man mit Mallorca oder Ibiza vergleichen könnte. Auch wenn es einem nicht immer bewußt wird, hier ist man in der Natur, hier ist nichts vorhersagbar. Hier geht schief, was schief gehen kann. Und auch, was eigentlich nicht schief gehen kann.

Wir mußten wegen verschiedener unvorhergesehener Umstände den Reiseplan erheblich umstellen und improvisieren. Wir waren fast durchgehend immer bei mindestens Plan D.

Wer nach Australien, vor allem nach Westaustralien reist, muß sich bewußt sein, daß das keine gewöhnliche Urlaubsreise ist. Australien, insbesondere das Outback, ist lebensgefährlich! Und das meine ich ernst. Wie der SPIEGEL berichtete, starben zwischen 2000 und 2007 insgesamt 2433 Australien-Besucher. Und das ist nicht nur theoretisch. Das ist wirklich so.

Schon die “tote” Natur in Australien ist sehr gefährlich. Hitze und Trockenheit sind lebensbedrohend. Auch heute noch kann man in Australien ohne weiteres in kürzester Zeit verdursten. Eine andere Reisegruppe deselben Veranstalters, mit dem ich unterwegs war, hat bei einer Wanderung zwei Leute verloren, obwohl sie eigentlich angewiesen worden waren, nur dem ausgetrockneten Flußbett zu folgen und es nicht zu verlassen. Da war echte Hektik angesagt, die sind tatsächlich mit dem LKW mehrfach das Flußbett abgefahren. Ein Ranger hat die beiden zufällig aufgegriffen, weil er sie auf große Entfernung wegen ihrer knallbunten Kleidung entdeckt hat. Bei der dortigen Hitze und Sonneneinstrahlung muß man selbst als junger, gesunder und trainierter Mensch mit schneller Erschöpfung und einem Wasserbedarf von deutlich über 5 Litern pro Tag rechnen. Auf Wanderungen nimmt man gewöhnlich 1-2 Liter mit. Dort verloren zu gehen ist unmittelbar und in kurzer Zeitspanne lebensgefährlich.

Und man kann leicht verloren gehen, denn es sieht oft alles gleich aus. Ich bin einmal im Karijini National Park abends kurz vor Sonnenuntergang alleine los um zu fotographieren. Eigentlich wollte ich nur einem mir bekannten Pfad folgen und wieder zurückgehen, und habe mich von einer gewissen Sorglosigkeit leiten lassen. Unterwegs traf ich eine nette, englische Familie, mit denen ich mich verquatscht und beim Quatschen nicht mehr auf den Weg geachtet habe. Nachdem ich mich von denen verabschiedet hatte und sie weg waren, merkte ich plötzlich, daß ich nicht mehr wußte, wo ich war – obwohl nicht einmal einen Kilometer vom Camp entfernt. Um mich herum dichte, etwa 2-3 Meter hohe Vegegation, die überall gleich aussieht. Die Sonne gerade untergegangen, noch hell, aber keine Orientierung bezüglich der Himmelsrichtung mehr. Ich wußte überhaupt nicht mehr, wo ich bin und in welche Richtung ich zu laufen hätte. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Weder Zeit für einen Fehlversuch, noch das Risiko hinnehmbar, sich dadurch mehr zu verlaufen und weiter vom Camp zu entfernen. Und kein Wasser dabei, ich wollte ja nur für 10 Minuten weg. Für genau solche Fälle – in war ja nicht zum ersten Mal in Australien – hatte ich einen GPS-Empfänger dabei, der mir zuverlässig die Richtung zum Lager angezeigt hätte. Ausgerechnet an diesem einzigen Abend hatte ich vergessen, den Empfänger mitzunehmen. Er lag noch in der Wandertasche und ich hatte nur die Kamera dabei. Von einem Moment auf den anderen befand ich mich durch Unachtsamkeit in einer sehr gefährlichen Situation. Der Reiseleiter, dem ich das später erzählte, bestätigte mir, daß das hochgefährlich war. Glücklicherweise fand ich an diesem Abend noch einen Ranger, der auf Kontrollfahrt war, der mir dann die Richtung zeigte. Eigentlich war ich nur 500 Meter vom Camp weg, aber es war nichts zu hören, nichts zu sehen, keine Orientierungsmöglichkeit.

Die Wanderwege sind nicht aufbereitet, es gibt jede Menge Möglichkeiten, abzurutschen, abzustürzen oder sich an scharfen Felsen zu verletzen. Gelegentlich gibt’s mal ne Leiter oder wurden Felsen mit etwas Beton zu einer stilisierten Treppe geformt, wenn es zu steil wird. Aber auch da kann man abstürzen. Noch gefährlicher ist das Meer. Sieht schön aus, aber ist voller harter Brandung und gefährlicher Strömungen. Ich bin mal beim Schnorcheln in so eine Strömung gekommen. Keine Chance gegen die Strömung anzuschwimmen. Ich kam quer zur Strömung an den Strand, der zwar Sandstrand war, aber trotzdem steil. Nur 50 cm vom Sandufer weg war die Strömung noch so stark, daß ich mich nicht an der Stelle halten konnte. Viele Leute werden durch die Strömung hinausgerissen oder erschöpfen sich bei dem Versuch, dagegen anzuschwimmen.

Man muß sich bewußt machen, daß das Land schwer zugänglich ist und man meist viele hundert Kilometer vom nächsten Arzt entfernt ist. Es geht nicht so wie in Deutschland, daß man im Handy eine Nummer wählt und nach 5 Minuten sind Notarzt und Heli da, und nach 10 Minuten liegt man in der Notaufnahme. Ohne Satellitentelefon oder wenigstens Funk und gute Sicht kann man in der Regel überhaupt keinen Notruf absetzen. Und dann dauert es viele Stunden, bis sie zu einem kommen. Das hat uns der Reiseleiter gesagt, und es hat sich traurig bewahrheitet.

In den Kimberley hatten wir viele der Gorges (Felsschluchten, in denen Bäche laufen und sich zu kleinen Seen sammeln, in denen man herrlich schwimmen kann, die aber oft schwer zu erreichen sind) besichtigt und dabei auch Kletterpartien hinter uns gebracht, die nicht immer ganz einfach waren. Teils gings da ziemlich runter. Nur zwei Tage, nachdem wir aus den Kimberleys raus waren, ging ein Fall durch die australischen Nachrichten: In einer der Gorges war eine Frau abgestürzt und etwa 5 Meter tief mit dem Kopf auf Felsen gestürzt. Sie hatte sich dabei schwere Schädelverletzungen zugezogen. Obwohl man mit einem Satellitentelefon sofort Hilfe rief, kam diese nicht: Das Gelände war für Helikopter völlig unzugänglich. Weil die Reisegruppe mit einem Boot unterwegs war, mußte man die Frau erst vor Ort und mit improvisierten Mitteln auf das Boot schaffen, während die Rettungskräfte in Broome mühsam ein Flugzeug auftreiben mußten, das auf Wasser landen und dort manövrieren konnte. Insgesamt hat es über 17 Stunden gedauert, die Frau alleine zu bergen und sie endlich in der Luft zu haben, und wenigstens in Richtung eines Krankenhauses mit ihr zu fliegen. 17 Stunden mit schweren Schädelverletzungen ohne ärztliche Hilfe. Die Frau ist dann am übernächsten Tag im Krankenhaus an ihren Verletzungen gestorben. Da wird einem dann sehr bewußt, daß man nicht auf einem Rummelplatz war.

Mehr Gefahren kommen durch die “lebende” Natur dazu. In Australien gibt es die mit Abstand giftigsten Schlangen. Und nicht nur im Bilderbuch. Obwohl eigentlich schwer zu entdecken sind wir zweimal welchen begegnet. Es gibt sehr gefährliche Krokodile. Auch denen sind wir begegnet. Die Viecher, jedenfalls die Salties, sind gut getarnt, kaum zu sehen, und können mit extremer Geschwindigkeit weit aus dem Wasser springen. Chance der Gegenwehr: Null. Die meisten Krokodile sind auf dem Land weit schneller, als ein Mensch rennen kann. Es gibt welche, die auf kurze Strecken 70 km/h schaffen. Eine Beißkraft wie eine hydraulische Presse. Jede Menge Zähne. Perfekte Killermaschinen. Ach ja, weil die Frage immer wieder auftaucht: Die Crocodile-Dundee-Nummer mit dem Krokodil, der Wasserflasche und dem großen Messer ist Schwachsinn. Die Frau hätte dem Croc keinen Sekundenbruchteil widerstanden, und ein solches Messer, das die Schädeldecke eines Salties durchdringen könnte, gibt es auch nicht. Aussage eines Mitarbeiters der bekanntesten Krokodilfarm (Malcolm Douglas’ Farm): Mit ner Kettensäge käme man vielleicht durch, falls man das Vieh dazu bekäme, still zu halten.

Es gibt jede Menge andere giftige Viecher. Spinnen. Diesmal haben wir einen Redback auf dem Klo gefunden. Im Meer treiben sich allerlei giftige Fische, Schnecken, Kraken und solches Zeugs rum. Dummerweise bleiben die nicht alle im Wasser, sondern können auch am Strand rumliegen. Drauftreten und tot sein. Nicht nur die gefährlichen Schachtelquallen, man hat kürzlich eine neue gefährliche Quallenart entdeckt. Ganz klein und unauffällig. Man spürt und merkt es nicht, wenn sie einen stechen. Das Gift wirkt langsam. Man kommt aus dem Wasser und fühlt sich wohl. Nach 20 Minuten wird einem schwindlig, das Atmen wird schwer, schließlich unmöglich, der Kreislauf versagt. Man kann es angeblich überleben, wenn man sofort in einem Rettungshubschrauber liegt. Natürlich gibt es auch im Meer Krokodile. In Darwin warnen sie einen gleich neben der Fußgängerzone am Strand, daß man bitte davon absehen möge, die Viecher zu füttern. Freilich gibt’s natürlich auch die giftigen Seeschlangen, Stachelrochen (an so einem ist Steve Irwin kürzlich gestorben) und solches Zeugs.

Hab ich was vergessen? Ach ja: Haie gibt’s auch jede Menge. Wir waren u.a. in Coral Beach schwimmen, tauchen, schnorcheln, auch im offenen Meer und teils weit draussen. War echt schön. Zwei Tage später ist dort eine Frau von einem Hai angegriffen und schwer verletzt worden.

Geradezu harmlos erscheinen im Vergleich dazu die Dingos, die Wildhunde, die in vielen Nächten um unser Camp strichen, nachts direkt neben den Zelten wie die Wölfe heulten, uns Zeugs stahlen (trotz größter Vorsicht: einen Rucksack haben sie geklaut und im Busch verstreut und selbst von dem mannshohen Anhäger die Mülltüten mit Nahrungsresten runtergeholt und zerrissen). Die Viecher sind so frech, daß sie keine Angst haben und selbst solange die Menschen noch wach und im Lager unterwegs sind, drin herumlaufen. Es ist mir mehrfach passiert, daß ich was aus dem Bus holen wollte und direkt vor mir (< 1 Meter) ein Dingo stand, unbeeindruckt von der Taschenlampe, und mich neugierig anglotzte. Ungefährlich sind sie auch nicht, aber nur die Mischlinge sind wirklich übel aggressiv. Echt lästig sind übrigens die Moskitos. Nach einer Woche habe ich meine eigenen Füße nicht mehr wiedererkannt, so zerstochen waren sie. Der Reiseleiter meinte lapidar, das sei doch gar nichts, wir wären ja in der Trockenzeit, der dry season. Da gäb's die wenigsten Moskitos. In der wet season würden sie einen gleich komplett als Beute wegtragen. Tja. Schön war's schon. Aber empfehlen kann ich es nicht jedem. Nicht nur weil es gefährlich, sondern auch weil es wirklich anstrengend ist. Und einfach nicht das richtige für jeden. Für manchen ist eine Pauschalreise an irgendeinen Hotelpool tatsächlich besser. Und wer noch keine Australien-Erfahrung hat, sollte auch nicht gleich mit Western Australia anfangen. Vielleicht erst mal Northern Territorry, da hat man auch viel mehr von dem, was man von Australien erwartet. Uluru, Olgas, Didgeridoos, ganz viele Känguruhs, Koalas, die bekannten Aboriginal-Zeichnungen und so'n Zeug. Die ganzen Stellen, an denen Crocodile Dundee gedreht wurde, der Kakadu National Park. Devil's Marbles, King's Canyon, Alice Springs und Kamele. Da kann man auch Bumerang-Werfen lernen. Man erlebt mehr und bekommt mehr von dem, was man sich unter Australien vorstellt. Und das mit kürzeren Entfernungen. Wer's mehr feucht-fröhlich liebt, ist an der Ostküste gut aufgehoben. Great Barrier Reef, Sunshine Coast, Sydney. Wer es rustikal mag, soll mal nach Tasmanien, auch gut. Da gibt's auch viel zur neueren Geschichte Australiens. Wer gerne Kultur und Stadtleben mag, soll nach Sydney oder Melbourne. Wer es gemütlich mag und nach deutschen Wurzeln sucht, ist in Adelaide gut aufgehoben. Wer das alles aber schon gesehen hat, und mal hinter die Kulissen schauen, das echte, unveränderte, rauhe, lebensfeindliche Australien sehen will, der soll dann nach Westaustralien.