Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Fliegender Feminismus

Hadmut
11.5.2019 17:10

Ein wütender Verkehrspilot schreibt mir.

Die Gender-Marxismus-Mafia baut ja weiterhin daran, beliebige Leute gegen beliebige andere Leute aufzuhetzen, auf dass sie endlich ihren ersehnten Klassenkampf bekommen.

Die UFO (Gewerkschaft der Flugbegleiter) hat eine Umfrage zum Thema “Jedes zweite Cabin-Crew-Mitglied wird Opfer sexueller Belästigung” veröffentlicht.

Anbei der entsprechende Link:

https://www.aero.de/news-31604/Jedes-zweite-Mitglied-der-Cabin-Crew-Opfer-sexueller-Belaestigung-.html

Die Umfrage fand sich im Radio, auf der Seite der Tagesschau und in anderen Medien wieder.

Gut, dass Stewardessen zumindest früher mal Gegenstand des Begehrens und als heiße Feger bekannt waren, ist jedenfalls Leuten meines Alters noch bekannt. Ich muss da immer an dieses Klassiker-Foto aus den fünfziger Jahren über die gerüchteweise „Modernisierung” damaliger schwedischer Stewardessen-Uniformen denken. Rechts keine echte Stewardess, sondern ein Show-Girl, aber man dachte genau über solche Kostüme nach.

In meiner Jugend hatten wir mal so ein Traumpaar im Bekanntenkreis, er gut verdienender Arzt, sie attraktive Stewardess. Das war damals so die Traumkombination, die gute Partie für beide.

Ganz von der Hand zu weisen wäre es also nicht, dass Stewardessen früher mal Lustobjekte waren. Das kann ich aber schon lange nicht mehr beobachten, insbesondere seit das Fliegen jeglichen Luxus- und Eliteflair verloren hat und Massentransportmittel geworden ist und sie schnöde Flugbegleiter heißen. Der Umgang von Passagieren mit Stewardessen ist sicherlich nicht besser, oft rüpelhaft, laut, unverschämt, auch Handgreiflichkeiten habe ich schon gesehen, aber nicht mehr sexuell, sondern weit ins Saftschubsige.

Erstaunlicherweise geht’s hier aber nicht darum. Hier nochmal die Links: Artikel in Aero und Umfrage als PDF

Die Hälfte des Kabinenpersonals in Deutschland ist während der Arbeitszeit Opfer sexueller Belästigung geworden – zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag veröffentlichte Umfrage der Flugbegleitergewerkschaft UFO. UFO-Referentin Sylvia Gaßner ordnet die Erkenntnisse im Interview mit aero.de ein.

Und was ist sexuelle Belästigung? Ach, das lassen sie einfach jeden selbst definieren (wer würde schon zugeben, nicht sexuell belästigt zu werden…?):

Wir haben die Kolleginnen und Kollegen gefragt, wie sie selbst sexuelle Belästigung definieren und ihnen dafür mehrere Auswahlmöglichkeiten angeboten: zum Beispiel anzügliche Kommentare, unerwünschte körperliche Nähe oder das Zeigen von Pornos. Sexuelle Belästigung ist ja immer eine subjektive Definitionssache.

Zeigen von Pornos im Verkehrsflugzeug. Ja, klar.

Wobei auch das ein weitreichender Begriff ist. Irgendwer liest einen Playboy und eine Stewardess, die zufällig vorbei kommt, fühlt sich belästigt? Da möchte ich mal daran erinnern, dass der Playboy bei der seligen Air Berlin lange Zeit zum Sortiment der kostenlosen Bordzeitungen gehörte, wenngleich auch mit schamhaftem Schutzumschlag außenrum. So mit zwei Berggipfeln durch die Wolkendecke. Belästigt man Stewardessen, indem man die Zeitung liest, die einem die Fluglinie selbst kostenlos hinlegt?

Als der Playboy trotz kostenlos zu langweilig wurde und ja auch nur einmal im Monat neu erschien, bin ich mal auf die Metropolitan umgestiegen, die auch die besseren Sex-Stories hat. Ist das dann auch Belästigung des Personals?

aero.de: Laut der Umfrage ist beinahe jede zweite Flugbegleiterin/jeder zweite Flugbegleiter bei der Arbeit Opfer sexueller Belästigung geworden. Überrascht Sie diese hohe Quote?

Gaßner: Nein, eigentlich nicht. Ehrlich gesagt habe ich mit einer noch höheren Quote gerechnet. Doch 50 Prozent ist schon sehr hoch. Schließlich geht es hier um den Arbeitsplatz, ein Ort an dem wir alle viel Zeit unseres Lebens verbringen – und es schockiert mich, dass sexuelle Belästigung ein Thema ist, mit dem man sich als Flugbegleiter oder als Flugbegleiterin früher oder später in 50 Prozent der Fälle beschäftigen muss.

Da frage ich mich dann: Warum haben sich diese Leute dann überhaupt diesen Beruf ausgesucht?

Ich habe mal eine Stewardess kennengelernt, die unter Flugangst litt. Da frage ich mich genauso intensiv „warum?” wie bei Informatik-Professorinnen, die Informatik enttechnisieren wollen. Warum ergreift jemand einen Beruf, in dem er praktisch seine ganze Arbeitszeit hindurch auf engstem Raum mit ganz vielen Leuten in einer großen Blechbüchse ohne jede Fluchtmöglichkeit eingesperrt ist, wenn er mit menschlicher Interaktion nicht klarkommt? Wenn die Gesellschaft eben nicht dem soziotheoretischen Wunschgesellschaft ohne jegliche Eigenschaften und Sexualität entspricht?

Es gibt so einen Spruch: Wer die Hitze nicht verträgt, soll die Küche meiden.

Wer lieber allein ist, sollte seine Berufswahl als Stewardess überdenken und auf Landschaftsgärtner umschulen.

Gaßner: Ich sehe ein großes Problem in der häufig sexistischen Werbung der Airlines. Fast immer geht es um drei, vier Flugbegleiterinnen, die adrett gekleidet im kurzen Röckchen um einen Kapitän herumstehen.

Catch me if you can.

Gut, bis hierhin kann ich es sachlich, aber nicht bezüglich des Beschwerdearguments nachvollziehen. Stewardessen sind nun mal – je nach Fluglinie – attraktiv, hübsch zurechtgemacht, man wird bedient und die Raumsituation bringt es mit sich, dass die Abstände gering sind.

Jetzt kommt aber der Punkt, über den der Pilot so erbost ist.

Zudem geht aus der Umfrage hervor, dass 45,8 Prozent der Übergriffe durch Vorgesetzte an Bord stattfinden. Faktoren dafür können hierarchische und patriarchale Strukturen an Bord sein.

Ich bin ziemlich schockiert von dieser Quote – denn im Grunde besteht ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Kabinenpersonal und seinen Vorgesetzten. Die Kabinenmitarbeiterinnen und Kabinenmitarbeiter müssen sich im Notfall auf ihren Purser und die Cockpit-Crew verlassen.

In so einem Flugzeug gibt es nicht so viele Vorgesetzte. Das sind die Purser (heute übrigens oft Frauen) und eben die Piloten. Es wird also quasi gesagt, dass die Piloten die Stewardessen an Bord sexuell belästigen.

Ich verstehe nicht ganz, wie das gehen soll. Ich kann mich noch an früher erinnern, als gerade bei Start und Landung das ganze Flugzeug von vorne bis hinten komplett offenstand und alle Vorhänge und Türen aus Unfallsicherheitsgründen offen waren und ich vom einem Gangsitzplatz der hinteren Touristenklasse aus den Gang entlang vorne zu den Cockpitfenstern rausgucken konnte. Aber seit 9/11 ist die Tür da zu und kugelsicher.

Ich haben zwar nur wenig Ahnung vom Fliegen und das nur auf Laienniveau, aber ich weiß genug, dass die da vorne drin keine Langeweile haben, sondern die permanent mit irgendwas beschäftigt sind. Ich kann mir das gerade überhaupt nicht vorstellen, wie das eigentlich funktionieren soll, dass ein Pilot eine Stewardess während des Fluges sexuell belästigen soll. Telefonsex?

Hätte ich jemals mitbekommen, dass ein Pilot im Flug eine Stewardess durch das Flugzeug jagt, selbst dann hätte ich die sexuelle Belästigung nicht als das Leitproblem angesehen. Ich habe es nie erlebt.

Nach meinem Wissensstand ist die Sachlage eher umgekehrt. Ich hatte auf Reisen schon eine Stewardess in der Reisegruppe, die mir ähnliches berichtete wie auf einer anderen Reise eine Krankenschwester über die Wäschekammer der Station, an der man vor Betreten anklopfen muss. Nämlich dass manche Stewardessen hinter den Piloten her sind.

Ich kann mich so dumpf entsinnen, dass in Südamerika mal zwei geflogen sind, naja, also nicht nur geflogen sind, sondern gefeuert wurden, weil die während des langen Fluges im Cockpit Damenbesuch empfingen und davin das ganze Flugzeug wackelte, weil sie gegen das Steuernhorn gestoßen sind. Wie das vom Platz her möglich sein sollte, verstehe ich nicht, aber es beruhte auf freiwilliger Basis – der Besuch ging von den Damen aus.

Etwas realer dürfte ein Skandal aus Asien sein, ich glaube es war Japan, bei dem sich Stewardessen im großen Stil bei den Piloten prostituierten. Die Piloten wurden sehr hoch, die Stewardessen nur lausig bezahlt. Und das gesellschaftliche Verhältnis zu Sex ist dort ein gänzlich anderes. Deshalb habe sich dort die Praxis eingebürgert, dass die Piloten bei der Begrüßung des Personals durch einen Griff an die eigene Nase die grundsätzliche Bereitschaft signalisierten, die jeweilige Dame gegen Bezahlung im Zielhotel zu empfangen. Ob die Damen dann das Angebot annahmen, lag in deren Entscheidung, aber es hieß, für manche sei es die Haupterwerbsquelle gewesen.

Letztlich aber auch nicht wesentlich anders als dort, wo Menschen eben zusammenarbeiten. Und in allen diesen Fällen, die mir aus der Presse bekannt sind, keine Belästigung der Cabin Crew durch die Piloten, sondern höchstens umgekehrt.

Das ist vielleicht auch genau der Punkt: UFO ist die Gewerkschaft der Flugbegleiter. Die Piloten haben sie nicht gefragt.

Was den Piloten auf die Palme bringt:

Gaßner: Je mehr solcher Vorfälle gemeldet werden, umso mehr Aufmerksamkeit bekommt das Thema in einem Unternehmen, umso mehr Akzeptanz gibt es dafür und umso mehr Sicherheit gibt es auch im Verhaltenskodex.

Je mehr Betroffene einen Vorfall melden und berichten können, dass das Unternehmen sie ernst genommen und unterstützt hat, desto mehr werden andere Betroffene ermutigt, Vorfälle ebenfalls zu melden.

Ich denke, nur so schafft man es: Mit einem ersten Schwung von Kolleginnen und Kollegen, die mutig genug sind, eine Meldung zu machen und dann den Erfahrungswert zu generieren, dass es keine negativen Folgen für sie selbst hatte.

Es liest sich wie die Aufforderung zu falscher Beschuldigung.

Wie die Aufforderung, dass möglichst viele „Fälle” gemeldet werden sollen, weil man das braucht, nicht weil es passiert.

Womöglich braucht man die Cockpit-Tür und die Stimmrekorder bald mehr, um Falschbeschuldigerinnen abzuwehren und seine Unschuld zu beweisen, als gegen Terroristen und bei Abstürzen.

Und wieder mal stecken Gewerkschaften dahinter.