Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Presse … äh … Hä!?

Hadmut
23.4.2019 23:47

Leser wundern sich – Danisch versteht’s auch nicht (sofort).

Leser wiesen mich mit der Frage, was das zu bedeuten habe, und der Bitte um Erleuchtung auf diesen Tweet hin:

Ein Journalist setzt DDR und AfD gleich.

Zunächst wollte ich schreiben: Sorry, Leute, bei mir leuchtet da auch nichts. Leute meiner Generation wussten noch, dass die DDR links war und die mit den DDR-Verhältnissen DIE LINKE, formerly known as SED, war. Heute wissen das ja nicht mehr so viele, was und wessen Ding die DDR war.

Auch die Russen waren eigentlich nur auf der Landkarte rechts, ansonsten waren die Russen, wenn ich das so richtig in Erinnerung habe, eigentlich eher ganz links, das waren die Kommunisten mit Lenin, Stalin und so. Ab dem Alter, bei dem bei mir so eine politische Wahrnehmung zumindest so in Form von Personenerkennung einsetzte, bin ich mit Willy Brandt, Helmut Schmidt, Erich Honecker und Leonid Breschnew aufgewachsen. Mag sein, dass meine Erinnerungen auch nicht mehr so ungetrübt sind, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die alle vier, aber hier in diesem Kontext vor allem Honecker und Breschnew, so gemeinhin links zu verorten wären, das waren nicht die Nazis oder Rechten.

Wenn jetzt also ein Journalist daherkommt und meint, DDR-Verhältnisse und Russen seien mit der AfD deckungsgleich … sorry, dann verstehe ich das auch nicht. Vor allem dann, wenn der offensichtlich auch nicht mehr der Jüngste ist und das eigentlich miterlebt haben müsste.

Ich verstehe es vor allem deshalb nicht, weil es doch derzeit gerade die Linken sind, die mit aller Macht und Gewalt an der Wiedererrichtung der DDR, oder noch mehr der Neuerrichtung einer DDR 2.0 arbeiten. Und wenn ich mir anschaue, wer die Presse- und Meinungsfreiheit hier einschränkt, dann sind das auch die Linken. Also alle Angriffe, die mir bisher widerfahren sind, kamen stramm von links.

Ich vermag anhand dieses Tweets nicht zu erklären, was dieser Journalist sich da gedacht haben könnte.

Mir erscheint es noch unerklärlicher, wenn man seinem Link da folgt: Die FAZ berichtet, dass die AfD im Osten nun stärkste Partei ist. Die Ossis sind aber nun auch gerade die, die sich gegen die „Lügenpresse” stellen, weil sie gerade keine gelenkte Presse mehr haben wollen. Viele Leser aus dem Osten schrieben mir, dass sie sich deshalb anders verhalten als Wessis, weil sie ständig so ein Deja-Vu-Erlebnis haben, weil ihnen so viel vom dem, was da heute in der Politik passiert, exakt wie die Erlebnisse aus der DDR vorkommt, dass sie deshalb besser als Wessis erkennen würden, was sie schon einmal hatten und nicht wiederhaben wollen. Auch deshalb erscheint mir das extrem widersinnig.

Etwas erklärlicher erscheint mir das dann, wenn ich diesen Tweet dazu sehe:

Das erweckt bei mir den Eindruck, dass es einfach gar nicht mehr um irgendwelche Logik, Stringenz, historische Richtigkeit oder sowas geht, sondern einfach nur noch darum, als Presse irgendwas gegen Ossis, AfD und so weiter zu sagen. Es hat anscheinend überhaupt keine Substanzgehalt mehr, es geht nur noch um jegliche Kampfrhetorik, egal was, egal wie.

Bonusquote aus dem Profiltext:

Journalist alter Schule, für den Recherche kein Fremdwort ist. Das rechtsradikale Portal Journalistenwatch über mich: Nichts in der Birne, aber große Klappe!

Schreibt der so selbst über sich da rein. Da kratzt man sich dann ratlos am Kopf. Vielleicht lagen die von Journalistenwatch da ja gar nicht so falsch.

Er sucht übrigens ab sofort einen neuen Job:

Ja … dann mal viel Erfolg … also für mich wäre so ein Russen-Tweet ein Ausschlusskriterium. Vielleicht war es das für jemand anderen ja auch.