Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Migration und Softwareentwicklung

Hadmut
18.2.2019 0:44

Ich hab den Beruf verfehlt… Flüchtling hätt ich werden sollen.

Dann hätt ich nicht so lange Informatik studieren müssen: [Nachtrag]

Bei mir laufen gerade viele Mails von empörten Lesern ein, die einem Artikel beim Heise Online – oder eher dem da Beschriebenen – zürnen.

Titel: Missing Link: Migration in die Industrie 4.0 – Flüchtlinge als Software-Entwickler gegen Fachkräftemangel

Wieder mal eine Wende. Erst hieße es vor Jahren, Flüchtlinge bringen uns Bildung und Wohlstand. Dann gab es die Phase Kölner Silvester, in der es um Analphabeten, Kriminalität, Clans und Kopftücher ging. Inzwischen nun ist seit kurzem wieder die Fachkräftenummer am Zug. Was erstaunlich ist, weil man uns einerseits einhämmert, dass wir das Bedingungslose Grundeinkommen bräuchten, weil wir doch alle arbeitslos werden, weil Maschinen, Roboter, KI unsere Arbeit übernehmen werden (Mercedes stellt angeblich gerade von Robotern wieder auf Arbeiter um), andererseits ganz viele Migranten brauchen, weil wir unseren riesigen Bedarf an Fachkräften nicht decken könnten. Mindestens eins von beidem muss gelogen sein.

Mein Verdacht ist, dass man das bedingungslose Grundeinkommen will, weil man das Land zum sozialistisch-marxistischen Experimentalkontinent macht, indem man endlos Billiglöhner importiert, und man sich schon mal drauf einstellt, dass alles, was nicht Billigstlöhner ist, arbeitslos werden wird. Oder anders gesagt: Wir alle von den importierten Migranten ernährt werden sollen. Dass ich die Migration für eine Wiederholung der Sklavenschiffe für Amerika, die Arbeitssklaven brachten, und eine Art virtueller Kolonialisierung, die einem ins eigene Land angeliefert wird wie Pizzaservice, halte, habe ich schon geschrieben. Ich hörte mal den Lacher, dass Passagiere in der Flugbranche „selbstladende Fracht” heißen. Insofern könnte man Migranten als so eine Art selbstverschiffende Versklavungsbewerber halten. Oder genauer gesagt: Der Politik unterstellen, dass sie das so sieht. Denn ich bin der Überzeugung, dass das so nicht funktionieren wird. Das kracht. Aber sie glauben es.

Nun also tauchen wir ein in eine Welt aus niedrig qualifizierten Billigstlöhnern ein.

Heise berichtet über eine neue Wunder-Person. Frau natürlich, was sonst. Für Frau geht heute alles.

Und die betreibt in Berlin eine Programmierschule:

Anne Kjaer Riechert, eine Mittdreißigerin, […]

Der FC Bayern München hat gerade angekündigt, sie gerne treffen zu wollen, um eine Kooperation mit ihrer IT-Schule auszuloten. Hinter ihr liegt eine anstrengende Podiumsdiskussion, viele Fragen von JournalistInnen, in zwanzig Minuten ist der nächste Termin. Riechert ist in diesen Tagen viel gefragt, denn ihre Person verkörpert die Lösung für die zwei wichtigsten Fragen Deutschlands. Ach was, die zwei wichtigsten Fragen Europas: Wie soll man mit der Migration umgehen? Und wie meistert man die digitale Transformation?

Riechert hat im Jahr 2015 in Berlin die erste Programmierschule nur für Flüchtlinge gegründet. AsylbewerberInnen erhalten schnell und unkompliziert ein dreimonatiges Training in den wichtigsten Programmiersprachen. Die Kompetenzen die für die Entwicklung der Industrie 4.0. relevant sind. Von Java zu Python, von Internet of Things (IoT) zu Netzwerksicherheit, von Seminaren zur Datenschutzgrundordnung bis zu Roboteranwendungen – alle Kurse sind strikt auf die Bedürfnisse des aktuellen Arbeitsmarkt ausgerichtet, um möglichst schnell den wachsenden Bedarf an Software-Entwicklern für deutsche Unternehmen zu stillen.

Wenn ich sowas lese, dann halte ich das doppelt für Betrug.

Zum einen stinkt das für mich eine Meile gegen den Wind nach krimineller Abzockindustrie, die sich am Flüchtlingsgeschäft die Taschen aus dem Steuersäckel füllt, denn wer bezahlt solche Schulungen? Die Flüchtlinge wohl kaum.

Und für seriös kann ich die schon deshalb nicht halten, weil sie „nur für Flüchtlinge” ist. Wer, der etwas zu bieten hat, würde sich selbst so einschränken? Warum nicht auch für andere Kundschaft, schließlich will man doch Geld verdienen und die Schulungsräume auslasten. Warum also nicht arbeitslose Geisteswissenschaftler, entlassene Journalisten und sowas schulen? Oder wenigstens solche Araber, die nicht „geflüchtet” sind? Oder solche aus Ländern, in denen es keine Fluchtgründe gibt? Warum nur Flüchtlinge? Riecht für mich danach, weil es nur da Geld abzugreifen gibt.

Und das zweite: Wenn ich sowas schon höre: „schnell und unkompliziert ein dreimonatiges Training in den wichtigsten Programmiersprachen. […] Von Java zu Python, von Internet of Things (IoT) zu Netzwerksicherheit, von Seminaren zur Datenschutzgrundordnung bis zu Roboteranwendungen – alle Kurse sind strikt auf die Bedürfnisse des aktuellen Arbeitsmarkt ausgerichtet”, dann wölben sich mir die Zehnägel, selbst wenn man zu ihren Gunsten unterstellt, dass es unsauber formuliert ist und es für jedes dieser Themen um eigene 3 Monate geht.

Ich habe bis zum Jahr 2000 so ungefähr 30 verschiedene Programmiersprachen verwendet und war aufgrund des eben großen Kontextwissens damals in der Lage, mir eine neue Programmiersprache in einem Tag durch Lesen eines Buchs anzueignen.

Das kann ich heute nicht mehr (bei allen Sprachen). Spekulationen über die Entwicklung meiner geistigen Fähigkeiten bitte ich an dieser Stelle zu unterlassen, der Grund liegt eher darin, dass es keine ordentlichen Bücher zu den Sprachen mehr gibt. Klare präzise Darstellungen findet man kaum mehr, stattdessen Anhäufungen von Beispielen, aus denen man sich das selbst zusammensaugen soll. Sowas wie Backus-Naur-Form, formale Syntax-Beschreibungen, präzise Semantikdarstellungen findet man kaum noch, weil die Autoren von Programmiersprachen das kaum noch können oder selbst nicht mehr verstehen. Neulich las ich in den FAQ zu einer Programmiersprache, dass sie keine BNF mehr angeben können, weil sie sich beim Entwurf der Sprache keine Gedanken über formale reguläre Syntax gemacht haben und nicht mal wissen, ob ihre Sprache zu den so beschreibbaren gehört. Programmiersprachen werden mehr und mehr zu einem Akt der Sozialisierung, dem Einwachsen in die Community per Code of Conduct. Tatsächlich wissen und können muss man eigentlich nicht mehr als die Beispiele per copy-paste zu übernehmen. Das dauert.

Dazu kommt, dass es heute nicht mehr reicht, die Sprache selbst zu beherrschen. Das war mal zu Zeiten von C und C++ so, aber inzwischen gehört da längst die Kenntnis der inzwischen unüberschaubar großen Bibliotheken, der IDE, der Build-Prozesse, der Infrastruktur für Fehler, Patches, Hilfe, der Best Practices, und weiß der Kuckuck was nicht alles dazu. Heute verlangt man noch agiles Programmieren, Continuous Delivery, DevOps, Debugging, die Fähigkeit, Bug Reports abzuschicken, und so weiter.

Natürlich neben der allgemeinen Befähigung zur Programmierung, also Algorithmentechnik, Softwaretechnik und so weiter.

Zugegeben, da hat man sich schon eingeschränkt, weil man sowas auf dem Arbeitsmarkt kaum noch findet. Vollinformatiker sind rar.

Und die behaupten nun, sie könnten Leute in 3 Monaten auf Industrieniveau bringen. Flüchtlinge, für die wir keine Stands zum Stand der Vorbildung haben.

Ich habe schon Leute mit einem Informatik-Master (neueren Datums!) erlebt, selbst Informatikprofessorinnen, die das nicht können. Die nach 12, 14, 16 Semestern nicht auf einem von der Industrie geforderten Stand waren.

Über 900 geflüchtete AbsolventInnen haben in den letzten zwei Jahren ihren Abschluss gemacht. Der Erfolg ihrer Schule, der “Digital School of Integration”, kurz: ReDi, war so überwältigend, dass Riechert und ihr Team, das fast ausschließlich aus Frauen besteht, so eben eine zweite Schule in München eröffnet haben.

Ihren Abschluss gemacht. Hähä. „Ihr Team, das fast ausschließlich aus Frauen besteht.”

Sorry, wenn ich es mal so sage, aber wenn ich als Maßstab heranziehen, was man mir aus den Universitäten so schreibt, dann haben wir nicht mal genug befähigte Informatikprofessorinnen, um daraus ein „Team” zu bilden. (Und ich habe ja nun einige auch persönlich erlebt.) Und die meinen nun, sie machen mal eben eine Flüchtlingsschule, die denen in 3 Monaten alles beibringt, während einem die Deutschlehrer heulend berichten, dass sie kapitulieren. Da kommen die nun an und erklären, sie hätten den Leuten Java und Python beibebracht. Auf Industrieniveau.

Frau Riechert, sind Flüchtlinge die besseren Programmierer? “Es ist offensichtlich, dass Flüchtlinge traumatische Kriegserfahrungen mit sich tragen, den Verlust von Familienangehörigen erlitten haben. Wer das einmal durchgemacht hat, und immer noch in der Lage ist einen Alltag zu haben, hat zwangsläufig eine gewisse Resilienz erworben. Das Schlimmste was im Leben passieren kann, ist bereits passiert.”

Ach, verstehe, ja. Wer den Krieg überstanden hat, der hält auch eine Programmiersprachendruckbetankung locker aus. (Gut, wenn ich an meine eigenen Erfahrungen mit der Uni zurückdenke, dann sind Kriegserfahrungen und die Fähigkeit zum Töten durchaus als nützlich einzustufen.)

Und dann wird’s derb:

Es galt den Start der neuen Spendenkampagne für einen speziellen Programmierkurs für geflüchtete Frauen vorzubereiten, gerade hat sie über das Thema eine Podiumsdiskussion hinter sich. “Diese Resilienz von MigrantInnen, die sie nach Deutschland mitbringen, kann man auch ‘agile Kompetenz’ nennen”, fährt sie fort, “also die Bereitschaft sich neuen Verhältnissen anzupassen. Veränderung ist für MigrantInnen keine Katastrophe mehr, sie sind flexibel. Insofern ist es für geflüchtete Menschen einfacher, sich an die Anforderungen von Unternehmen anzupassen, die an der Schwelle zur vollständigen Digitalisierung ihrer Betriebsabläufe stehen.”

Migration als „agile Kompetenz”. Das ist der Punkt, an dem ich es auch inhaltlich für Betrug halte. Da hat die irgendwo den Begriff des Agilen Programmierens aufgeschnappt und denkt sich, ja, flüchten ist doch agil.

Muss man sich mal vorstellen: „Flüchtlinge und die Bereitschaft, sich neuen Verhältnissen anzupassen.” Gerade habe ich irgendwo ein Buch von einem gesehen (nicht gelesen), der schon länger hier lebt, und darin beschreibt, wie ungemein schwer es ihm fiel und immer noch fällt, sich an unsere Sitten und Gebräuche zu gewöhnen. Aus der Werbebeschreibung habe ich noch in Erinnerung, dass es ihm völlig unverständlich ist, dass wir hier alle Tiere mögen und sogar Esel streicheln. (Warum sollte man Esel auch nicht streicheln? Meistens sind das nette Tiere.) Integration fällt ja bisher eher so aus.

Und die meint nun, dass gerade Migranten besonders veränderungs- und anpassungsfreudig und so agil sind.

Wie kann man auf sowas reinfallen?

Riechert spricht nicht mit der Stimme einer wütenden Aktivistin auf einer Pro-Flüchtlings-Demonstration. Sie hat einfach ein Problem gesehen und bietet eine Lösung an. Und in der Tat: Agilität ist eines der Schlagworte, mit dem Unternehmen sich momentan landauf und landab auseinandersetzen. Wer agile Mitarbeiter hat, ist agiler auf dem Markt, kann neue Trends frühzeitig erkennen und sich dem Wettbewerb anpassen. Agil bedeutet: MitarbeiterInnen müssen schneller umdenken, ChefInnen auch.

Nee. Agil heißt nicht, dass die Mitarbeiter mal so, mal so sind und ein unstetes Leben führen. Es ist eine bestimmte Form der Softwaretechnik, die auf sehr kurze Entwicklungszyklen und Reaktionszeiten auf Anforderungen ausgelegt ist. Damit ist nicht gemeint, dass man ständig umdenkt und flatterhaft ist. Was aber anscheinend weder diese IT-Lehrerin, noch die Interviewerin wissen.

Sind veränderungsbereite Migranten als Mitarbeiter das Tor zu Umsatzwachstum? Namhafte Firmen, wie beispielsweise das deutsche IT-Mittelstandsunternehmen Klöckner, stellen der Redi-Schule bereits Räumlichkeiten und Dozenten bereit.

Das Tor zu Umsatzwachstum. Mitarbeiter, deren Schlüsselfähigkeit „Veränderungsbereitschaft” sein soll. Also, wenn ich mir das hier in Berlin so ansehe, dann geht die Veränderungsbereitschaft von Migranten meist ziemlich gegen Null. Es wird ja auch immer wieder – von links – gefordert, dass wir uns an die Migranten anpassen sollen, weil es andersrum nicht geht.

Jedes Land in Europa hat dasselbe Problem: Die Politik kann keine Garantie für die zukünftigen Renten übernehmen. Durch den Geburtenrückgang wird es keine Beitragszahler mehr geben. Gleichzeitig jedoch sucht fast jedes Unternehmen in Europa händeringend Software-Entwickler.

Und das Problem gehen wir durch Einwanderung in die Sozialsysteme und eine IT-Ausbildung in 3 Monaten an?

Na, wenn das mal nicht nach hinten losgeht.

Die digitale Transformation ist nicht nur für die deutsche Industrie relevant. Auch Firmen im Dienstleistungssektor müssen ihre Arbeitsspeicher in die Cloud verlagern, aus Datenschutzgründen Experten für Datensicherheit anstellen, ihre Websites warten oder Datenströme in ihrer Buchhaltung bündeln.

Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber,… was hat das mit Migranten zu tun? Oder geht’s nur um allgemeines IT-Geblubber? IT ist wichtig?

Die wenigen auf dem deutschen Markt vorhandenen EntwicklerInnen können aufgrund des Fachkräftemangels sich mittlerweile Gehälter im sechsstelligen Bereich aussuchen. Das wiederum führt zu sinkenden Gewinnen von Unternehmen.

Dass der gemeine Entwickler sechsstellig verdient, wäre mir jetzt neu. Sowas gibt’s bei Führungskräften und mitunter mal bei Freiberuflern, aber die Regel ist das nicht.

“Wer sein Unternehmen nicht vollständig mit Programmierern digitalisiert, den wird der Markt fressen, so wie ein Hai einen Menschen in einem Happs verschlingt”, warnte Keynote-Speaker Stefan Engeseth mit markigen Worten auf der letzten CeBit: “Digitize or die.”

Deshalb war’s ja auch die letzte CeBIT. Denn Keynote-Speaker, die mit leeren Worthülsen werfen und sagen, was schon jeder weiß, braucht keiner mehr.

Dem KMU-Unternehmen, das die digitale Revolution verschläft, werden bald beißfreudige Start-Ups, die Haie, mit schnelleren digitalen Mitteln das Fürchten lehren.

Liest sich für mich, als müsste man den Unternehmen Angst einjagen, um die Muster-Absolventen abzunehmen.

Was steht also der Umsetzung einer breiten Bildungsoffensive für Geflüchtete in Europa im Weg? Es sind: konservative Regierungen. Wer das verstehen will, muss nach Österreich fahren.

Wir importieren Flüchtlinge in Massen und nennen dann die Regierung „konservativ” weil flüchtlingsfeindlich?

Bisher stand der „breiten Bildungsoffensive für Geflüchtete” eher entgegen, dass sich gar zu viele als „unbeschulbar” erwiesen, dass schon Grundschulunterricht nicht mehr möglich ist, Lesen und Schreiben und Mathematik zu unüberwindbaren Problemen werden. Und jetzt kommen die daher und meinen, der „breiten Bildungsoffensive” stünde nur die konservative Regierung entgegen?

Also folgen wir mal dem Text und schauen mit ihnen nach Österreich:

Der Gründer der Wiener Programmierschule “New Austrian Coding School”, Stefan Steinberger, hat vor zwei Jahren begonnen, den Zustand “österreichische IT-Fachkräfte” mit dem Problem “Migration” in einem Unternehmen miteinander zu verknüpfen. Doch die rechtskonservative Regierung unter Sebastian Kurz machte Steinberger beinahe einen Strich durch die Rechnung. “Als die rechtspopulistische FPÖ 2017 neu von Kurz in die Regierungskoalition aufgenommen wurde, mussten wir jedes Mal das Wort “Flüchtling” aus unseren Anträgen für staatliche Fördergelder für die Programmierschule streichen, heikles Unterfangen.” Flüchtlinge, die erfolgreich den österreichischen Arbeitsmarkt unterstützen? “Undenkbar für die FPÖ, die einen Großteil ihrer Stimmen auf der Angst vor Flüchtlingen einsammelt”, erklärt Steinberger. Auch sonst seien Steuergelder für Ausländer ohne nationale Staatsbürgerschaft vielen Einheimischen in Österreich nicht vermittelbar.

Genau gelesen? Wenigstens da, wo ich es angestrichen habe? Das ist der springende Punkt: Fördergelder, Steuergelder.

Wenn die Ausbildung nämlich etwas wert wäre, dann bräuchten sie keine Fördergelder. Denn dann würden ihnen die Firmen die Absolventen mit Freude aus der Hand reißen und ihnen locker die 3-Monats-Ausbildung bezahlen, jeder Head-Hunter kostet nämlich schon mehr. Dann wäre sie längst Startup oder schon darüber hinaus und nicht Förder- und Steuergeldempfänger. Dann würden die Firmen sogar längst selbst „IT-Ausbildungen” anbieten.

So eine Aussage ist für mich deshalb der klare Hinweis darauf, dass es nur um solche Fördergelder geht und die Ausbildung auf dem Markt wertlos ist.

Der heutige Dozent Fabian Wurm, ein Informatikstudent, gestikuliert ausladend und erklärt den technischen Aufbau von Datenbankstrukturen. Auf der Beamerprojektion sieht man Listen mit Musikstücken, von Beethovens “Ode an die Freude” bis zum Beatles-Song “Imagine”. Die SchülerInnen sind angehalten die Lieder zu klassifizieren und einer Datenbank richtig zuordnen. Die ZuhörerInnen bilden eine bunte Mischung: Es gibt ältere TeilnehmerInnen mit tiefen Sorgenfalten, die neben jungen Männern im Hoodie sitzen, eine Frau trägt ein Kopftuch mit Zebrastreifenmuster, manche Männer tragen Stehkragen und Anzugjacket.

In der Klasse herrscht rege Beteiligung. Kaum ein Satz von Wurm vorne vergeht, ohne dass jemand von den SchülerInnen die Hand hebt und eine Frage stellt. Wurms Antwort ist beinahe jedesmal dieselbe “Deine Frage führt in eine fortgeschrittene Richtung, das werde ich später erklären.” Man merkt: Die TeilnehmerInnen wollen wirklich verstehen und sind gedanklich oft schon weiter.

Huahahaha. Ja. Da kann ja nichts mehr schiefgehen, da ist unser Weg an die IT-Spitze ja gesichert.

Wie Riechert gehört Steinberger zu der Kohorte der “Social Entrepreneurs”. “Der Profit unseres Unternehmens ist für uns zweitrangig, wir wollen einen Unterschied machen”, sagt Steinberger. “To make a difference” – dieselbe Formulierung nutzt auch Riechert während der Podiumsdiskussion bei der Spendenveranstaltung für das Frauenprogramm in München.

Hört sich für mich eher nach „Social Abkassiering” an. Sozialmelkerei. Man verkauft dem Mainstream einfach irgendwas, was der gerade gerne sehen will und aus Steuergeldern finanziert.

Nach was genau charakterisiert sich Social Entrepreneurship? Das “soziale Unternehmertum” bezeichnet das unternehmerische Wirken einer aufstrebenden Elite, für die Einkommensgenerierung mit dem gesellschaftlichen Sinn ihres Unternehmens Hand in Hand gehen.

Klare Sache: Die machen kein Produkt, was irgendwas wert wäre, sonst wären sie ja normale Unternehmer, sondern irgendeinen Sozialkrampf und bekommen dafür Steuergelder. „Einkommensgenerierung.”

Oft werden soziale Unternehmen zusätzlich anteilig auch aus öffentlichen Geldern unterstützt.

Eben. Würden sie funktionieren, wären es ja normale Unternehmen.

Doch profitabel ist Steinbergers Schule noch nicht. Dafür geben die TeilnehmerInnen umso begeisterteres Feedback. “Programmieren ist für mich wie Musik”, erzählt die 17-jährige Leen Raslan nach der Unterrichtstunde. Die junge Syrerin vergleicht ihren Unterricht mit ihrem Klavierspiel. “Jede Note ist wie eine Programmierzeile und wenn du sie kombinierst ergibt sich ein Lied daraus”, sagt die junge Frau. “Es ist wirklich spannend: Seitdem ich den logischen Aufbau einer Programmiersprache erlerne, merke ich, wie sich meine Gedankengänge irgendwie verändern.

Ja, das ist tatsächlich so. Nur dass es von da bis zur Industrietauglichkeit noch ein ziemlich langer Weg ist. Das hat einen Grund, warum man bei Ausbildungsende nicht mehr 17 ist.

Die digitale Revolution ist weiblich

“Wir werden gerade quasi von TeilnehmerInnen überrannt”, erzählt Jonke. In Österreich war es nicht anders. “Im ersten Durchgang mussten wir 21 TeilnehmerInnen aus aus 140 Bewerbern auswählen. Mittlerweile haben wir rund 50 Absolventen”, sagt Steinberger. Eines ist Jonke und Kjaer Riechert aber schon damals aufgefallen. “Als wir aber gemerkt haben, dass nur 10 Prozent unserer Absolventen in den letzten Jahren weiblich waren, war uns klar, wir müssen etwas tun. Deswegen haben wir das spezielle Frauenprogramm “Digital Women” auf die Beine gestellt.”

Auch hier: ein exponentielles Teilnehmerinnenwachstum. “Zwanzig Plätze hatten wir, 50 Frauen sind bei der ersten Veranstaltung gekommen.” Jonke stellt ihre freiwllige Assistentin Alejandra Ramirez vor. Ramirez ist für die Betreuung des Digital Women Programms zuständig. “Viele unserer TeilnehmerInnen haben zuhause noch nicht einmal einen Laptop”, erklärt sie, “deswegen können sie nur hier im Seminarraum lernen. Ich denke aber auch, es ist für viele Frauen wichtig, erst einmal in einer geschützten weiblichen Gruppe sich an neue technische Kompetenzen heranzuwagen.”

Und dann das:

Die verzweifelte Suche der Unternehmen nach Fachkräften

Ein Unternehmen, das bereits kräftig in ReDi investiert, ist Microsoft. Magdalena Rogl ist Head of Digital Channels bei Microsoft in München. Die ehemalige Kinderkrankenschwester ist zur Podiumsdiskussion mit Anne Kjaer Riechert im Mindspace gekommen.

Eine ehemalige Kinderkrankenschwester als Head of Digital Channels. Das ist mir schon öfters aufgefallen, dass Microsoft Deutschland sich mit Frauen besetzt, egal wie.

Viele ihrer Kollegen arbeiten jetzt als Dozenten in der ReDi-Schule. Spezielle Seminare für die Entwicklung von “Internet of Things” finden direkt in den Veranstaltungsräumen der Münchener Microsoft-Zentrale statt. Der Konzern stellt seine Mitarbeiter drei Tage im Jahr bei voller Bezahlung frei, in denen sie sich ehrenamtlich für ReDi engagieren können. Experten von Microsoft haben den TeilnehmerInnen in Workshops gezeigt, wie sie IoT-Lösungen mit der hauseigenen Plattform Azure entwickeln können und wie man eine holographische Brille im industriellen Kontext anwenden kann.

Für mich ist auch das eine klare Strategie: Überall, wo kompetente, befähigte Programmierer und Informatiker sitzen, ist Microsoft einfach draußen. Ich kenne in dem Bereich nur sehr wenige Leute, die tatsächlich noch Windows einsetzen, fast alle haben Linux oder Mac. Insofern hat Microsoft natürlich ein ganz vitales Interesse daran, Leute in die Unternehmen zu bringen, die von IT gerade soviel Ahnung haben, dass sie nicht sofort untergehen, wenn man Schwimmen als Metapher heranzieht. Denn solche Leute wollen dann gerne fertige Beratungsleistungen und lassen sich leicht auf eine Klicki-Bunti-Oberfläche festnageln. Das erscheint mir als die Geschäftsstrategie, den Leuten hintenrum minderqualifizierte Mitarbeiter zuzuschieben, um ihnen dann vornerum mediocre Dienstleistungen andrehen zu können. Wie Cola-Automaten in der Schule.

Geradezu gemeingefährlich ist das dann:

Ein weiterer ReDi-Kurs in München zu Netzwerksicherheit wird seit zwei Jahren von Cisco unterstützt. “Das Unternehmen hat sich selbstständig an uns gewandt, weil sie, wie alle anderen auch, verzweifelt nach neuen Fachkräften suchen”, erzählt Sophie Jonke. “Also bieten sie jetzt mit unseren TeilnehmerInnen Kurse zu Cybersecurity an.” Und auch hier ist der Erfolg durchschlagend: “Mittlerweile wurden siebzehn von unseren SchülerInnen von Cisco als Praktikanten beschäftigt, und drei als Vollzeitkräfte eingestellt” sagt Jonke.

„Cybersecurity” (ich find den Begriff einfach so abstoßend laienhaft…) ist ein Thema, an dem man aufbauend auf einer soliden IT- und Informatikausbildung dann nochmal jahrelang lernen muss. Und die wollen das in einer 3-Monats-schulung vermitteln.

Was kommt als nächstes? 3-Monatsschulungen in Herz- und Hirnchirurgie für Flüchtlinge? Zum Richteramt in 3 Monaten?

Google stellt ReDI ebenfalls seine MitarbeiterInnen als Dozenten ehrenamtlich zur Verfügung. Cisco, Microsoft und Google – sind das nicht Konkurrenten? “Vielleicht ist das unsere neue Art von kooperativen Kapitalismus”, sagt Anne Kjaer Riechert und klingt dabei wie Grameen Bank Gründer Yunus. “Es gibt wegen der Digitalisierung so unfassbar viel zu tun, dass sich IT-Unternehmen gar nicht mehr leisten können, in Konkurrenz miteinander zu treten. Bei uns packen Sie alle ehrenamtlich miteinander mit an.”

Huahahaha.

Ein weiteres Merkmal der digitalen Wirtschaft im 21. Jahrhundert fällt auf: Ob ein Bewerber Autodidakt ist, oder ein Hochschuldiplom in der Tasche hat, ist für viele IT- Unternehmen nicht mehr wichtig. Hauptsache die BewerberIn kann programmieren und schafft das Assessment-Center. Ob mit oder ohne Zertifikat ist in Zeiten des Fachkräftemangels zweitrangig.

Falsch.

Grundfalsch.

Ich habe das ja neulich über die USA berichtet. Den Unternehmen ist nicht egal, ob jemand programmieren kann. Es ist nur so, dass die Hochschulabschlüsse inzwischen wertlos sind, weil jeder gemerkt hat, wie dumm die Universitäten inzwischen sind und dass die Noten längst politisch vorgegeben und bedeutungslos sind, die Lehrpläne ein Witz.

Das heißt nicht, dass Unternehmen keinen Wert mehr auf Bildung legten, es heißt nur, dass ein Abschluss nichts mehr über die Bildung sagt.

Kleiner Denkanstoß: Früher gab es sowas wie „Assessment-Center” gar nicht. Früher hat man seine Zeugnisse vorgelegt und ein erstes und dann ein zweites Bewerbungsgespräch geführt, und das war’s. Fertig. Dass die Firmen selbst überprüfen, ob einer was kann, ist neu.

Und dann noch der in meinen Augen ultimative Schwindelbeweis:

Erfolgreiche Zusammenarbeit von Geisteswissenschaftlerinnen und EntwicklerInnen

Herr Steinberger, können Sie eigentlich programmieren? Steinberger lacht. “Niemand von uns Schulorganisatoren kann programmieren. Das ist auch gar nicht nötig. Wir stellen nur die Infrastruktur und Ressourcen bereit.” Programmierkompetenzen hat auch Gründerin Riechert nicht. Es fällt auf, dass keine Programmierer als gründungswillige Social Entrepreneurs auftreten. Steinberger ist Absolvent der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Riechert studierte Friedens-und Konfliktforschung in Tokio und leitete dann das “Stanford Peace Lab” in Berlin.

Huahahahaaaa.

Meine Bewertung

Ich halte das für kriminell und hochgefährlich, was die da machen. Ich halte es für Betrug.

Da sind irgendwelche Sozialakrobaten, die keinen blassen Schimmer davon haben, was sie da machen, unterwegs und befüllen den Mainsteam mit marxistischen Ideen davon, dass wirklich jeder Programmierer und IT-Hirsch sein und ruck-zuck werden kann und es auf lange Ausbildung gar nicht erst ankommt. (Ich hör schon jetzt die Pay-Gap-Rufe.) Dass wir alle den 3-Monats-Absolventen gleichgestellt werden.

Damit werden außerdem Steuer- und Fördergelder abgepumpt, was wieder mal nach dem typischen Betrugsschema der Migrationsindustrie stinkt.

Man redet dann irgendwelchen Leuten einfach ein, sie wären jetzt „Programmierer” und industrietauglich. Und wenn die nicht sofort und am besten sechsstellig eingestellt werden, kann es dann natürlich nur an Konservativen und Rassisten liegen. Perfide Taktik: Pseudowitzqualifizierte in die Firmen drücken und jeden als Rassisten verfolgen, der das nicht mitspielt.

Und damit die Firmen dann dumm machen und ihnen natürlich wunderbar die Dienste von Microsoft, Google, Cisco andrehen.

Hört sich für mich an, als hätten amerikanische Firmen ein großes Interesse daran, uns als IT-Kolinie zwar in IT breit, aber sehr flach zu halten.

Dazu passt natürlich die Haltung des Bundesverfassungsgerichts, nur keine greifbaren Kriterien in der Informatik-Promotion zuzulassen und die Abschlüsse da rein willkürlich und politisch zu vergeben.

Es ist eine Frage der Zeit, wann Flüchtlinge mit der Registrierung gleich automatisch einen Master und Doktor in Informatik oder sowas bekommen, um sie „gleichzustellen” und pay-gap-überwindend gleich in die oberen Gehaltsstufen einzusortieren.

Das Interview selbst ist dazu noch schreiend dämlich, da merkt man so richtig, dass da die Geisteswissenschaftler mit ihren leeren Prasen geschwafelt und wieder mal gar keine Ahnung von dem hatten, worüber sie reden. Wenn ich schon höre, wer hinter diesen Firmen steckt: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Friedens-und Konfliktforschung. Da müssen alle Alarmglocken schrillen. Wenn ich dieses dumme Geschwätz über Agilität nur lese…

Die Folgen solcher Methoden halte ich für brandgefährlich: So werden die Firmen mit unqualifizierten Leuten vollgepumpt.

Schon längst haben wir das Problem, dass wir die Sicherheit eigentlich gar nicht mehr halten können, weil in der IT viel zu viele Stümper unterwegs sind und wir der Menge miserabler Software längst nicht mehr Herr werden. Keine Wartung mehr sicherstellen können. Die Bugs nicht weniger, sondern mehr werden. Sicherheitslöcher immer derber.

Und dann wollen die da nicht nur 3-Monats-Programmierer, sondern auch Datenschützer und „Cybersecurity”-Fachkräfte mit 3-Monatsausbildung hinschicken. Weil die aufgrund ihrer Kriegs- und Migrationserfahrung so besonders qualifiziert und geignet, weil doch agil seien.

Wie gesagt: Ich halte es für brandgefährlichen Betrug.

Und ich halte es für unverantwortlich und für den Schwachsinnsnachweis dieser Regierung, die doch an die Weltspitze möchte, für sowas auch noch Steuergelder rauszugeben.

Nachtrag: Leser haben mich darauf hingewiesen, dass man hier nachlesen könne, was es mit der Autorin auf sich hat:

Valerie Lux (*1991), ist freie Politik – und Wirtschaftsjournalistin. Sie moderiert Themen zu Politik und Kultur, Wirtschaft und Digitalisierung.

Da muss man sich dann nicht mehr wundern, was für ein Quatsch dabei herauskommt. Da machen Geisteswissenschaftler die IT-Ausbildung unter sich aus und bejubeln das dann. In Abwesenheit von Sachkunde.