Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über den von links betrachtet seltsamen Unterschied zwischen einer 11- und einer 15-Jährigen

Hadmut
3.2.2019 0:45

Die eine totgeschwiegen, die andere Prinzessin.

Wir erleben gerade, wie sich weltweit unzählige Leute eine – nicht mal charismatische oder schöne – 15-Jährige, die noch nichts Schlaues gesagt hat, zum Leithammel, zum Messias, zur Medienprinzessin erwählen, ihr huldigen, ihr folgen, sich ihr unterwerfen. Unzählige Menschen wählen sich eine 15- (inzwischen 16-)Jährige als die überlegene Ikone, als Heilige, als geistige Führerin.

Auf der anderen Seite hat sich in Berlin ein 11-jähriges Mädchen das Leben genommen, weil sie das Mobbing an der Schule nicht mehr ertrug. Und alle hatten sie weggesehen.

Warum?

Beides linker Zeitgeist.

Die eine sagte, was man so gerne hören wollte, das Klima so schlimm, wir werden alle sterben, wohliger Gesellschaftshass.

Die anderen Kinder an dieser Schule sagten, was man so gar nicht hören wollte. Gewalt. Mobbing. 25 Kinder, die zugaben, schon an Selbstmord gedacht zu haben. Man schwieg es tot, weil man es für Gesellschaftshass hielt. Bis sie tot war.

Nun berichtet posthum die Lokalpresse. So ein bisschen. Wer da wen wie warum gemobbt hat, steht nicht da. Zumindest nicht auf den Zeilen. Zwischen den Zeilen ist Platz zum Denken. Und so schreibt der Tagesspiegel:

In die Trauer der Elternvertreter mischt sich inzwischen aber auch viel Zorn und Empörung. „Seit mehr als einem Jahr gibt es massive Mobbingfälle an der Schule“, sagt ein Vater: „Es wurde immer wieder den Lehrern und der Schulleitung gegenüber angesprochen, vom Elternbeirat, aber auch von Müttern und Vätern, deren Kinder betroffen waren. Doch man hat alle Fälle einfach abgetan – nach dem Motto, das sei doch alles nicht so tragisch, oder die gemobbten Kinder seien ja auch nicht gerade Engel.“

Erst vor drei Wochen habe sich die Gesamtelternvertretung intensiv mit dem Thema Gewalt und Mobbing befasst, erzählt der Vater: „Darüber weiß auch der zuständige Schulamtsleiter Bescheid. Es soll nicht nur Mobbing zwischen den Kindern, sondern auch Gewalt von einer Lehrerin gegenüber den Schülern gegeben haben. Doch geschehen ist nichts.“ Nach seinen Informationen hatten die Eltern des Mädchens noch kurz zuvor wieder einmal auf die verbalen und körperlichen Attacken von einigen Mitschülern auf ihre Tochter hingewiesen – ohne, dass es Konsequenzen durch die Schulleitung gegeben habe.

„Die Eltern machen gerade das Schlimmste durch, was man sich vorstellen kann“, sagt Carsten Stahl. Er arbeitet seit Jahren als Anti-Mobbing-Trainer – nicht nur – an Berliner Schulen. […]

„Als Stahl die Frage stellte, wie viele der ungefähr 150 anwesenden Schüler schon mal so stark gemobbt wurden, dass sie an Selbstmord dachten, hoben mindestens 25 die Hand“, sagt Karge: „Das hat mich sehr erschüttert. Da hätten doch die Lehrer und Schulleiter schon aufhorchen müssen. Aber leider war keiner von ihnen anwesend.“

Das Thema Mobbing an Schulen werde überall in Deutschland verdrängt, sagt Thorsten Karge: „Und wenn dann wie hier in Berlin was ganz Schlimmes passiert, greifen immer die gleichen Mechanismen: Es wird beschwichtigt, geschwiegen oder sogar das Opfer zum Täter gemacht. Das Thema Mobbing sollte auch von der Politik viel, viel ernster genommen werden.“

Carsten Stahl erlebt auch, dass Betroffene eingeschüchtert werden. Sie sollen auf keinen Fall an die Presse gehen, heißt es. Und weil die Medien in der Regel nicht über Suizide berichten, erfährt die Öffentlichkeit oft nichts davon. […]

Er erfährt inzwischen fast alles, weil er durch seine Kampagne und seine bundesweiten Auftritte so viele Menschen erreicht. „Und ich halte das bald nicht mehr aus. Ich war, seit ich mich gegen Mobbing engagiere, schon auf sechs Beerdigungen“, sagt er. „Ich weine um all diese Kinder. Um dieses Berliner Mädchen, um den Jungen, der sich vergangenes Jahr aus dem Fenster der Berufsschule in Burg in Sachsen-Anhalt stürzte, sogar der Amokläufer von München 2016 soll ein Mobbingopfer gewesen sein. Das sind vermeidbare Tragödien. Und keine Einzelfälle. Nach meinen Berechnungen stirbt in Deutschland fast jeden zweiten Tag ein Kind wegen Mobbings.“ […]

Dass Kerzen und Blumen, mit denen an die tote Elfjährige erinnert wurde, von der Schule entfernt wurden, konnte die Sprecherin nicht bestätigen. Carsten Stahl hat das allerdings schon oft erlebt. „Man will, dass das schnell vergessen wird“, sagt er: „Dass niemand über die Fehler des Schulsystems und die Verantwortlichen nachdenkt. Aber wegschauen hilft nicht und vergessen geht nicht. Denn solange sich nichts ändert, wird es immer wieder passieren.“

Und die BZ schreibt:

Ein 11-jähriges Mädchen hat sich das Leben genommen, offenbar weil es gemobbt wurde. Die Eltern versammelten sich am Samstagabend zu einer Mahnwache für die Schülerin. […]

Das Thema Mobbing soll jedoch schon seit Längerem ein Problem an der Reinickendorfer Schule sein, berichten Eltern. „Das Gewaltproblem ist bekannt“, so Daniel Richter (39), Mitglied des Elternbeirates. Von der Schule sei jedoch wenig Unterstützung erfolgt. Schläge seien an der Tagesordnung. Auch sein Sohn sei verprügelt worden.

„Natürlich schlagen sich Kinder ab und zu, aber diese Rudelbildung darf es nicht geben.“ In Gesprächen heiße es immer, es handele sich um Einzelfälle. Doch der Gesamtelternvertretung seien acht Mobbing-Fälle bekannt, seit letzter Woche würden sich noch mehr Betroffene melden. Richter: „Zu viele Menschen haben weggeschaut und die Schnauze gehalten.“

Auch die Eltern der verstorbenen Fünftklässlerin, die als schüchtern galt, sollen sich an die Schulleitung gewandt und von verbalen und körperlichen Angriffen berichtet haben.

Schulleiterin Daniela Walter (46) stellt das anders dar: „Das Mädchen hatte im letzten Jahr in der vierten Klasse Konflikte mit Mitschülern“ – verbale Äußerungen, keine physischen Angriffe. Die Schulleitung habe mit den Eltern und der Klasse gesprochen. Die Mädchen aus der Gruppe, mit denen es die Konflikte gab, seien nicht mehr in der Klasse. „Seitdem herrschte Ruhe. Konflikte sind bei 500 Schülern normal.“

Und die Schule unternehme auch etwas: Alle sechs Wochen gebe es eine Polizeisprechstunde und ab dem Sommer ein Präventionsprojekt zum Thema Mobbing. Nach den Ferien will die Schulleiterin einen Trauerraum einrichten und nichts unter den Teppich kehren.[…]

„Das Berliner Bildungssysteme verharmlost Mobbing. Die Lehrer werden nicht ausreichend geschult. So darf es nicht weitergehen“, erklärte Stahl. […]

Der Experte: „Die meisten Kinder trauen sich nicht, darüber zu sprechen. Oft drohen die Täter auch, nichts zu verraten. Eltern sollten ihr Kind genau beobachten.“ […]

Wichtig: Tipps wie „Provoziere sie nicht! Beachte nicht, was sie sagen!“ helfen nicht. Sie bewirken das Gegenteil, denn: Nichts fördert Mobbing mehr als passives Verhalten! Nur wenn die Täter spüren, dass Erwachsene sich einschalten und es Grenzen gibt, kann das Problem gelöst werden. Mobbing muss da bekämpft werden, wo es geschieht, z. B. in der Schule.

Wer die sind, die man nicht provozieren soll, erfährt man nicht. Nur dass es die Probleme „seit mehr als einem Jahr” gibt. Also nicht schon immer. Von Zweitklässlern wird die 11-Jährige aber wohl kaum in den Suizid getrieben worden sein.

Na, wie wunderbar ist es, dass sich Politik, Presse, Fernsehen, Elternvertreter so intensiv um die heilige Greta kümmern, die wunderbare Greta.

Und dass wir und auch unsere politisch so korrekten Kinder nichts wichtigeres zu tun haben, als freitags die Schule zu schwänzen und für besseres Wetter zu demonstrieren.

Es gibt da halt einfach Prioritäten. Im Mainstream.