Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Warum die Besteuerung der Roboter nicht funktioniert

Hadmut
19.9.2018 22:15

Ein Leser ist mit meinem Ausführungen zum Bedingungslosen Grundeinkommen nicht einverstanden.

Ich bin mir seiner Kritik nicht einverstanden.

Er meint:

Nach meiner Einschätzung werden wir viele Arbeitsplätze für “Hilfsarbeiter” an die “Digitalisierung” (irgendwie ein blöder Begriff) verlieren und wir werden nicht aus jedem einen Ingenieur machen können. Es gibt eine sehr große und sehr einfache Schicht in unserer Gesellschaft. Je mehr dieser Menschen nicht mehr in Jobs vermittelt werden können, desto größer die Sozialabgaben, desto geringer die Renteneinzahlungen. Das ist ein Teufelskreis, der gebrochen werden muss.

Das ist richtig. Aber nicht richtig zu Ende gedacht.

Denn je mehr solcher zu alimentierenden Arbeitslosen haben, desto höher werden die Steuern werden, weil man immer mehr Geld für Sozialausgaben braucht, das von immer weniger Leuten eingetrieben wird.

Der Haken daran ist: Je mehr Arbeitslose wir haben und je mehr unserer Arbeitsleistung von Robotern erbracht wird, desto mehr sind wir auf Ingenieure angewiesen. Ingenieure sind aber nicht blöd. Auch Ingenieure sind nicht arbeitssüchtig, sondern werden nicht mehr arbeiten, wenn sie nichts mehr davon haben, weil ihnen der Staat dafür, dass sie ihre Lebenszeit mit Arbeit vergeuden, das Einkommen wegnimmt. Oder sie gehen in andere Länder.

Das ist ein zentraler Denkfehler beim BGE: Man sieht es immer alleine aus Sicht der unteren Sozialschichten und einfachen Arbeiter, die dann keine Aussicht auf einen Job mehr haben. Das mag ja sein, dass das aus dieser Perspektive so aussieht und zu diesem Ergebnis führt.

In Informatikerkreisen geht so ein Bildwitz rum, in dem jemand an einer Vortragswand eine riesige komplexe Projektstudie zeigt, mit dem Zeigestab an eine bestimmte Stelle zeigt und dazu sowas wie „This is, where the miracle happens” sagt. Ich glaube, einen solchen Dilbert gab es auch mal.

Die ganze Planung nutzt nichts, wenn sie an den meisten Stellen plausibel erscheint, aber an einer Stelle in unerklärliches Wunder voraussetzt.

Schon einfache Überschlagsrechnungen zeigen, dass das mit dem BGE nicht funktionieren kann. Wo soll das Geld herkommen? Wer soll so dumm sein, mit seiner Arbeit des BGE für gleich 10 Personen zu erarbeiten?

Es gibt einen weiteren notorischen Denkfehler, auch in der Zuschrift des Lesers:

Es stellt sich mir die Frage, warum ein Lagerist Lohnsteuer abführen muss, der Lagerroboter jedoch nicht. Obschon dieser im Grunde die gleiche Arbeit macht und damit den gleichen (oder höheren) Ertrag für ein Unternehmen erwirtschaftet. Warum zahlt die Mitarbeiterin am Bankschalter Lohsteuer und Sozialabgaben, der Chatbot, der ihren Job übernimmt, jedoch nicht.

Dieselbe Argumentation mit demselben Denkfehler brachten Marxisten schon bei der Einführung der Dampfmaschine und bei der Elektrifizierung. Es funktioniert nicht und es wird nicht besser, wenn man es jeweils durch den Stand der Technik ersetzt.

Merkt Ihr, wo der Fehler ist?

Warum zahlt ein Roboter keine Steuern?

Aus einem einfachen Grund: Weil er kein Einkommen hat, von dem er einen Teil als Steuer abgeben könnte.

Der Roboter arbeitet ja nicht auf eigene Kasse und wird reich. Das unterstellt man aber, indem man das linke Weltbild vom Kapitalisten und starkschultrigen Reichen durch fiktive Roboter ersetzt.

Den Lageristen mit einem Roboter gleichzusetzen ist ein ziemlicher Denkfehler.

Denn der Lagerist hängt nicht an den Fäden eines Marionettenspielers. Der arbeitet selbst, da ist niemand im Hintergrund beteiligt.

Der Roboter dagegen macht von selbst nichts. Er ist im Prinzip nur der Stellvertreter eines Rudels von Ingenieuren, die im Hintergrund die Arbeit machen, das Ding zu entwickeln und zu programmieren, und die halt einfach nicht im Lager stehen, sondern im Büro sitzen, und deshalb von Marxisten nicht gesehen werden.

Und wenn der Roboter arbeitet, verdient nicht der Roboter Geld, sondern diese Ingenieure.

Den Roboter zu besteuern ist nur eine Selbstbetrugsmetapher, um die Ingenieure nicht zu sehen. Denn den Roboter zu besteuern heißt, die Ingenieure zu besteuern, die aus den Erträgen bezahlt werden. Womit wir wieder bei dem Punkt von oben sind: Warum sollen sich Ingenieure die Mühe machen, Roboter zu entwickeln, zu programmieren, zu installieren, zu warten, wenn das, was der Roboter damit erwirtschaftet, zusätzlich besteuert wird, sie dann weniger brutto bekommen und davon noch höhere Steuern zahlen, also immer weniger bekommen?

Nochmal anders gesagt: Da wird kein Roboter im Lager stehen, wenn die Ingenieure keinen Grund mehr haben, einen hinzustellen. Und den haben sie nicht mehr, wenn andere volle Freizeit haben, während sie arbeiten sollen und nichts mehr dafür kriegen. Es wird niemand mehr arbeiten, kein Mensch und kein Roboter.

Und dann wird man feststellen, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen wertlos ist, das nur aus Papiergeld besteht, aber keine Warenleistung mehr dahintersteht, weil man Papiergeld nicht essen kann. Es wird darauf hinauslaufen, dass man 1000 Euro bekommt, es aber nichts nutzt, weil es nichts mehr geben wird, dass man dafür kaufen kann. Zustände wie in der DDR.

Stell Dir vor, jeder Mensch, jede Produktionsmaschine und jedes Dienstleistungsunternehmen würde 50% Steuern auf alles bezahlen, außer auf Dein Grundeinkommen. Also 31% mehr als heute. Das Kaugummi an der Tanke kostet dann nicht 1,30 Euro, sondern 1,64 Euro. Es gibt keine andere Steuerregel außer 50%. Im Gegenzug bekommt jeder 2.000 Euro zur freien Verfügung, bezahlt aus Steuereinnahmen. Genau wie Gesundheitskassen, Renten und alle weitere Kosten, die ein Staat (wir) so hat.

Da wird wieder mal das berühmte Wunder von der wundersamen Geldvermehrung bemüht: Maschinen, die Steuern zahlen, obwohl sie gar kein Geld bekommen. Man könnte auch schreiben, es wird ein Wunder geschehen und das nötige Geld vom Himmel regnen.

Aus das trägt wieder Züge eines Schneeballsystems, in dem jeder Geld bekommt, weil man genügend Dumme finden wird, die einzahlen.

Machen wir mal ein Beispiel, und Informatiker neigen dazu, solche Dinge von den Trivial- und Randfällen her aufzurollen und nicht soziologisch in der Masse zu zerquatschen.

Nehmen wir mal ein Staat aus zwei Personen an. Einer arbeitet, einer nicht.

Jeder bekommt 2.000 Euro als Grundeinkommen. Der Staat muss allein dafür (sonstige Staatsaktivitäten noch nicht berücksichtigt) 4.000 Euro an Steuern einnehmen, real natürlich viel mehr, weil der Staat ja noch mehr leisten muss. Wenn der, der arbeitet, aber 50% Steuern zahlt, dann muss er schon deshalb 8.000 Euro im Monat verdienen, um 4.000 Euro Steuern zu zahlen und das Grundeinkommen beider zu verdienen. Er hat dann 6.000, der andere 2.000 Euro.

Wo sollen die 8.000 Euro herkommen, die der zweite im Monat verdienen soll?

Es funktioniert nur, wenn beide sofort wieder bei dem, der arbeitet, das ganze Geld ausgeben und sofort dessen Arbeit oder Waren für 8.000 Euro einkaufen.

Zahlenmäßig also genau der Utopie-Kreislauf, den sich Linke Utopisten so gerne vorstellen.

Jetzt kommt aber der Haken:

Denn die Zahlenspielereien und Geldschiebereien vernebeln, dass die ja nicht von Geldscheinen und Zahlen auf dem Konto leben. Das Grundeinkommen bringt dem, der nicht arbeitet, ja nur was, wenn er dafür Wohnung, Lebensmittel und so weiter bekommt. Und da ja nur ein anderer da ist, der arbeitet, heißt das, dass der jeden Monat ein Viertel seiner Arbeit für den anderen aufwendet, aber selbst keine Gegenleistung bekommt.

Die ganzen Zahlenkunststücke und Im-Kreis-herumzahlereien übertünchen nur, dass einer arbeitet und der andere nicht, und der, der arbeitet, dem anderen jeden Monat ein Viertel seiner Arbeitsleistung schenkt, ohne jemals irgendeine Gegenleistung zu bekommen.

Deshalb muss der, der arbeitet, notwendigerweise zwei Überlegungen anstellen:

  1. Warum soll ich jede Woche 40 Stunden arbeiten, um insgesamt 6.000 Euro auf dem Konto zu haben, wenn man auch von 2.000 leben und die Füße hochlegen kann und Freizeit hat? Wir sind doch alle gleich, also will ich das auch! Und dann arbeitet der auch nichts mehr.
  2. Warum soll ich überhaupt für Geld arbeiten?

    Arbeite ich gegen Geld, hat das nur Nachteile für mich, weil es dazu führt, dass man mir ein Viertel meiner Arbeitsergebnisse abnimmt, ich aber überhaupt nichts davon habe. Ich arbeite für 8.000 Euro, habe aber nur Leistungen für 6.000 Euro für mich selbst.

    Arbeite ich aber nicht mehr gegen Geld, sondern nur noch für mich alleine und pfeife auf das Geld, kann ich Leistungen für 8.000 Euro behalten ohne irgendwelche Nachteile zu haben, oder ich könnte denselben Ertrag nur mit 30 Stunden pro Woche erarbeiten.

Das wird aber noch härter:

Die wohnen ja beide noch nicht. Also baut der, der arbeitet, ein Haus. Und vermietet es. Natürlich für 3.000 Euro im Monat, und zieht da selbst ein, weil er es sich leisten kann. Einen Grund, eine zweite Wohnung zu bauen, hat er nicht, denn er hat ja nichts davon. Es ändert ja an den Zahlenspielen nichts.

Oder nur so ein bisschen. Man könnte ja sagen, dass er als Vermieter nun zusätzliche 3.000 Euro im Monat verdient (eigentlich nur sein eigenes Geld) und damit 11.000 Euro im Monat bekommt, obwohl nur sein eigenes Geld im Kreis herumgegangen ist. Dann kommt der Staat und will 50%, der zahlt nun also noch mehr Steuern, also 5.500 Euro im Monat. Das Spiel geht also noch schlechter für ihn aus. Der Staat könnte zwar nun jedem 2.750 Euro Grundeinkommen zahlen, was eine Folge der Inflation wäre, weil man durch diesen Kreislauf fiktiv höhere steuerpflichtige Einnahmen verursacht hat, obwohl nicht mehr gearbeitet wurde, denn derjenige arbeitet immer noch nur 40 Stunden pro Woche und der andere gar nichts. Ein Dach über dem Kopf hat er auch nicht, denn auch wenn er 2.750 Euro Grundeinkommen bekommt, die Mietwohnung kostet 3.000, und es gibt nur eine.

Wie man es dreht und wendet: Die Zahlen vernebeln nur, dass einer nichts arbeitet und der andere für zwei arbeiten soll, und der andere eben dumm wäre, wenn er das täte. Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum der Zweite an diesem Spiel überhaupt teilnehmen sollte. Er wird also seinen Job einfach kündigen, die Waren nicht mehr verkaufen und sie nur noch für sich behalten, weil er dann keine Steuern mehr zahlen muss.

Und der erste wird nicht nur erfrieren, sondern auch verhungern.

Das Grundeinkommen scheitert schon an trivialen Überlegungen, die aber stets nach dem Muster „Da passiert dann ein Wunder” ausgeblendet werden.

Hier war es ein Beispiel mit 1:1. In der Realität werden nann immer mehr, die nicht arbeiten, auf einen kommen, der arbeitet, und die werden dann immer öfter aufgeben.

Und 50% wird nicht reichen.

Nehmen wir mal das Beispiel von oben. Jeder bekommt 2.000 Euro. Wer arbeitet bekommt 8.000 und zahlt darauf 50% Zinsen und es reicht gerade so..

Jetzt nehmen wir mal an, der Staat habe 3 Leute. Weil noch ein Migrant dazugekommen ist, der erst mal BGE beantragt. Woher sollen dann die zusätzlichen 2.000 Euro kommen? Das Beispiel war ja schon auf Kante genäht, und das Einkommen von 8.000 Euro schon sehr hoch angesetzt.

Wo aber will der Staat dann die zusätzlichen 2.000 Euro hernehmen?

Gehen wir mal davon aus, dass es drei Leute gibt, von denen einer arbeitet. Es müssten nun also 6.000 Euro an Steuern gezahlt werden und der Arbeitende damit plötzlich 12.000 und nicht nur 8.000 Euro verdienen.

Rein rechnerisch ginge das, denn wenn er 12.000 verdient, gibt er davon 6.000 dem Staat als Steuer, der jedem dann 2.000 gibt. Die zwei, die nicht arbeiten, haben je 2.000 Euro und der Arbeitende hat 2.000 plus 50% von 12.000 = 8.000 Euro, es stimmt aber in der Summe.

Das ist der Kern des Schwindels: Denn solange man das als geschlossenen Kreislauf betrachtet, in dem kein Geld zu- oder abgeführt wird, ist es immer ein Nullsummenspiel, es geht zahlenmäßig immer auf. Kommen 10 Nichtarbeitende auf einen Arbeitenden, dann verdient der halt 40.000 Euro, von denen er 20.000 dem Staat gibt, der es allen als Grundeinkommen gibt und die es wieder bei ihm ausgeben.

Nur: Der hat noch kein Stück mehr gearbeitet. Obwohl er nach wie vor das gleiche arbeitet, bekommt er zuerst 8.000, dann 12.0000 und schließlich 40.000 Euro für ein und dieselbe Arbeit. Inflation extrem. Nur mit dem Unterschied, dass er dann auch 20.000 + 2.000, also 22.000 Euro im Monat hat, die anderen aber 2.000. Und dafür können sie sich einfach gar nichts kaufen, weil er ja immer noch nur 40 Stunden und alleine arbeitet, also nicht mehr produziert.

Und kommt mir jetzt nicht damit, dass ja mehr als einer arbeiten. Ihr könnt die Betrachtung immer so skalieren, dass ihr auf einen Arbeitenden reduziert, quasi immer Zellen aus einem Arbeitenden und die um ihn herum nicht arbeitenden betrachtet.

Der ganze Schwindel funktioniert nicht.

Es ist das alte Märchen von der wundersamen Geldvermehrung, wieder mal ein Schneeballsystem: Jeder kann leben ohne zu arbeiten, wenn nur alle das Geld gleich wieder ausgeben. Wo das herkommen soll, was man essen will, wird nicht geklärt. Reines Geldschieben.

Und deshalb müssen seit Anbeginn des Marxismus immer irgendwelche Dampfmaschinen oder Roboter herhalten, um das „This is where the miracle happens” zu übertünchen.

Sämte Zahlenspiele und Steuersätze können denkende Menschen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es einfach nicht funktioniert, wenn einer arbeiten soll, damit andere von ihm leben, sofern man unter der Prämisse arbeitet, dass Sklaverei ausgeschlossen sein solle.

Denn letztlich läuft das BGE darauf hinaus, dass wenige Arbeitende die Sklaven vieler Nichtarbeiter sind.