Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Femizide – über den Unterschied zwischen Wendehälsen und Halsumdrehen

Hadmut
11.9.2018 20:48

Ein Lehrer berichtet mir gerade, was er heute im Lehrerzimmer vorgefunden habe.

Die Zeitschrift Die GEW-Zeitung 9/2018, also die Zeitung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Zu finden hier, derzeit vierter Eintrag von oben, direkter PDF-Link.

Darin wird auf Seite 18 der „Femizid” beklagt.

Die Bewegung gegen Femizide wächst weltweit, während in Deutschland Morde an Frauen instrumentalisiert werden, um Minderheiten zu verurteilen. Der Landesfrauenausschuss der GEW Rheinland-Pfalz weist auf die Gefahr hin, dass die öffentliche Auseinandersetzung mit ausgewählten Mordfällen nicht nur rassistisch, sondern auch sexistisch ist.

Also: Wir sind zwar irgendwie gegen Morde an Frauen, weil ganz schlimm, aber wissen auch, dass das eine Spezialität der Wandergoldstücke ist, und deshalb sagen wir gleichzeitig: Wehe, es sagt einer was dagegen, das wäre rassistisch und sexistisch.

Also irgendwie dagegen sein, aber nur nichts sagen.

Es ist ja auch gemein, sich immer nur die „ausgewählten” Mordfälle rauszusuchen. (Huch, wieviele Frauen werden denn von Deutschen abgestochen oder mit Säure übergossen oder sowas?)

Man muss also erst über genug Frauenmorde von Deutschen berichten, damit das nicht mehr rassistisch aussieht, um dann etwas dagegen sagen zu müssen. Die Frage wäre natürlich, woher man die nimmt. Müsste man nicht analog zur bisherigen Politik eine Deutschenquote bei Frauenmorden fordern? Fördern? Strafrabatte? Freigutscheine? Förderlehrgänge? Würde sicher das Arbeitsamt übernehmen. Man könnte die ganzen arbeitslosen Geisteswissenschaftler zu Frauenmördern umschulen, um die Quote wieder politisch korrekt zu machen. Die Anlagen dafür hätten viele sicherlich. Und der alte Witz funktioniert da auch bestimmt: Hängt an das schwarze Brett in der Soziologenfakultät einen Aushang „Die Polizei sucht einen Frauenmörder, der in Kreuzberg immer wieder Frauen belästigt”, dann bewerben die sich sofort. Geringe Bezahlung und seltsame Jobs sind die ja gewohnt, und es hört sich ja nach Dauerstelle an. Endlich mal nicht mehr prekär.

In Rheinland-Pfalz instrumentalisieren die Rechten vermehrt die Morde an zwei jungen Mädchen, um gegen Menschen mit Fluchterfahrungen zu wettern und ihre rassistische Hetze zu verbreiten. Bereits seit Beginn des Jahres suchen immer wieder Rechtsextremisten und -populisten Kandel heim unter dem Deckmantel „Schutz von Frauen“, seit der Tötung eines 14-jährigen Mädchens aus Mainz auch die Landeshauptstadt.

Ouh…

Jetzt heißen sie „Menschen mit Fluchterfahrungen”.

Was sind dann Frauenmörder? „Menschen mit Morderfahrungen”? Und die Leichen dann „Menschen mit Würgeerfahrungen”?

Von der semantischen Schwachsinnigkeit abgesehen, denkt mal über den Sprachkrampf nach. Schon die Substantivierungssprache der Politiker (wir fordern die Durchführung statt wir schlagen vor, es zu tun), die im letzten Jahrhundert entstand, war strunzdämlich. Aber nun jegliche Kategorien auf das Sprachkonstrukt „Mensch mit *-Erfahrung” zu reduzieren, das ist schon pathologisch im psychiatrischen Sinne. Und die wollen unsere Kinder unterrichten?

Der „Landesfrauenausschuss der GEW Rheinland-Pfalz”?

Die überwältigende Mehrheit der Täter hat einen deutschen Pass und ist weiß.

So?

Ist sie das?

Wir haben normalerweise unter 400, in den letzten Jahren sogar unter 300 Mordopfer pro Jahr. Seit der Migration es wieder angestiegen, wir sind wieder über 400.

Die allermeisten Ermordeten sind übrigens Männer. Ich weiß zwar nicht mehr genau, wieviele das genau sind, aber ich habe sowas von 70,80 Prozent dumpf in Erinnerung. Berichtigt mich, wenn jemand eine Quelle hat.

Wieviele Frauen bleiben denn da überhaupt übrig?

Das gesellschaftliche Bewusstsein für geschlechtsbezogene Tötung ist gering.

Na, vor allem das der GEW. Die meisten Toten sind nämlich Männer. Der, der gerade in Chemnitz erstochen wurde. Gestern wurde in Berlin in Clan-Rivalitätskämpfen einer erschossen. Und so weiter. Aber von toten Männern redet keiner.

Was mir daran aber wieder auffällt:

Diese feministische Wendehälsigkeit.

Bisher hat man jede noch so geringe Winzigkeit zum Verbrechen an Frauen schlechthin hochgekocht. Rainer Brüderle machte ein (mir nicht nachvollziehbares) Kompliment über den Füllstand eines Dirndls, und man zettelte den Bürgerkrieg an, #Aufschrei und so. Bei Harvey Weinstein und Dieter Wedel buddelte man Fälle aus, in denen die vor 40 Jahren mal einer an den Hintern gefasst haben sollen. Schon einer Frau auch nur die Tür aufzuhalten wurde als Sexismus der schlimmsten Art eingestuft. Jörg Kachelmann wurde gekreuzigt, gestreckt, gevierteilt, in Öl gesiedet, und den Krähen zu Fraß vorgeworfen, obwohl da nichts war. Jede noch so geringfügige Winzigkeit wurde rigoros und gnadenlos verfolgt.

Und sogar für das, was mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist, erfand man das Belästigungenmikroskop und nannte das „Mikroaggressionen” – nur kein falscher Blick, und wehe, der Zeitabstand zwischen Worten lässt ein Zögern erkennen.

Und jetzt plötzlich das völlige Gegenteil: „Ja, wir wissen, dass diese Menschen mit Fluchterfahrungen Frauen umbringen. Aber wir finden das nicht so schlimm, also haltet das Maul und kümmert Euch um was anderes!”

Weil alles andere sexistisch wäre.

Woher kommen diese Wendemanöver?

Darüber hatte ich 2016 schon geschrieben, als mir das schon mal auffiel. Spätestens seit Trump. Und gestern wieder, als ich über die Gaschke schrieb. Und auch sonst schon öfter.

Man hat eine „toxische Erregungsschleife” systematisch aufgebaut, wie Gaschke das nannte, und dann entsetzt festgestellt, dass die nicht nur in eine Richtung schießt, sondern auch in die andere Richtung losgehen kann.

Nun hat man jahrelang gegen Männer, das böse Patriarchat, Gewalt gegen Frauen gewettert, und nicht daran gedacht, dass man jede Menge Männer importiert, bei denen all das, worauf man schimpfte, noch viel ausgeprägter ist. Und dann geht das nach hinten los. Dann wird man die Geister, die man rief, nicht mehr los.

Das wird nicht mehr lange dauern, dann werden Feministinnen empfehlen, eine Burka zu tragen, damit man die blauen Flecken von der häuslichen Gewalt nicht so sieht, weil es rassistisch wäre, das anzusprechen.

Wundert’s einen da noch, dass Männer keine Lust mehr auf den Lehrerjob haben, wenn man ihnen so einen Schwachsinn ins Lehrerzimmer legt?