Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die SPD heute und vor 100 Jahren

Hadmut
11.9.2018 23:17

Hähä.

Keine Ahnung, ob das echt ist, aber vergleicht mal [Update: Zuverlässige Quelle für das „Fort mit den Schwarzen!” der SPD gefunden]

die Standpunkte der SPD von heute mit denen der SPD vom Mai 1920.

Die Situation und Bedrohung durch Migration wird als gleichartig beschrieben, aber völlig entgegengesetzt bewertet.

Und beidesmal heißt es, das entspräche den Prinzipien der Sozialdemokratie.

Stellt Euch mal vor, was bei der SPD, in der Tagesschau, in der Printpresse, bei der Kanzlerin los wäre, wenn die AfD einfach 1:1 diesen Text der SPD von vor 100 Jahren veröffentlicht hätte.

Auch wenn’s echt aussieht, bleibt die Frage: Wie kann man das auf Echtheit überprüfen?

Update: Es ist eigentlich ganz einfach, das nachzuprüfen. Denn die Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD hat ein öffentlich zugängliches Digital-Archiv ihres Parteiorgans Vorwärts (zu dem manche Leser schrieben, aktuell müssten sie es in „Abwärts” umbenennen). Darin findet man auch diese Ausgabe mit dem „Fort mit den Schwarzen!”.

Was wohl gar nicht so trivial zu finden ist, denn mehrere Leser schrieben, die Suchfunktion sei grauenhaft und zudem sei diese Zeitung damals sogar mehrmals täglich (Frühform der Webseite?) erschienen.

Die schwarze Schmach – black horror on the rhine

Ich bekam auch Hinweise, dass das damals generell ein Thema war:

Der historische Hintergrund, daß die Franzosen schwarze Soldaten als Besatzungstruppen im Rheinland zur Demütigung der Deutschen stationierten, ist erstmal richtig. Die im Vorwärts beschriebenen Vergewaltigungen, etc. sind sogar international ein Thema gewesen, durch E.D. Morel im Daily Herald (Zitat Reinders* “the Herald was the leading left-wing daily [newspaper] in Britain”) veröffentlicht. Englische Linke und Labour Party schlossen sich der Forderung, schwarze franz. Soldaten deswegen aus Deutschland abzuziehen, an.

E.D. Morel im Daily Herald, 10. April 1920: https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Horror_on_the_Rhine#/media/File:Black_Scourge_in_Europe_Daily_Herald_April_10_1920.png

*Robert C. Reinders “Racialism on the left”, E.D. Morel and the “black horror on the rhine”, PDF von Cambridge University Press:
https://www.cambridge.org/core/services/aop-cambridge-core/content/view/S0020859000000419
Reinders beschreibt darin Morels Kampagne gegen die Stationierung schwarzer Soldaten in Deutschland, Einfluss der Kampagne auf Gewerkschaften und Labour Party in England, sowie Reaktionen der internationalen Presse und Linken in Frankreich, Italien, USA und Thematisierung bis hin in den jeweiligen Regierungen.

Gewalttätige senegalesische Besatzungstruppen: https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Horror_on_the_Rhine
Zitat daraus: In a speech given in Darmstadt on 13 February 1923, the Social Democratic German president Friedrich Ebert said: “daß die Verwendung farbiger Truppen niederster Kultur als Aufseher über eine Bevölkerung von der hohen geistigen und wirtschaftlichen Bedeutung der Rheinländer eine herausfordernde Verletzung der Gesetze europäischer Zivilisation ist”.

Ein Hinweis zur Abberufung schwarzer Soldaten aus Deutschland in einer französischen sozialistischen Zeitung in der vorherigen Vorwärtsausgabe, Nr 256 vom 20.5.1920:
http://fes.imageware.de/fes/web/index.html?open=VW37234
http://fes.imageware.de/fes/repository?method=getPagePdf&medianumber=VW37234&pageId=0&sessionId=5654a23dc3e37dc1007875bfbc0165cb5a587402187die
(Kurzer Artikel Mitte unten “Zur Ehrenrettung der Senegalesen”.)

Bemerkenswert besonders der Text von Reinders, in dem es um den „Rassismus der Linken” geht.

Bemerkenswert aber auch, dass es bei der FES da auch Seiten gibt, die wegen „Urheberrecht” gesperrt seien. Das ist eine interessante Frage, wie eine Partei urheberrechtlich an der Veröffentlichung ihrer eigenen Zeitung gehindert sein könnte. Wer weiß, was da noch lagert.

Nachtrag zum Nachtrag: Nochmal zur Klarheit der Hinweis, dass die Zeitung damals zweimal täglich erschien, es also zwei Zeitungen dieses Datums gibt. Das war wohl die Abendausgabe.