Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Verschwedisierung Australiens

Hadmut
1.8.2018 20:27

Über die Zustände in Schweden habe ich auch schon lange nichts mehr geschrieben. Wird wieder Zeit. Heute: Australien.

Ich war ja nun einige Male in Australien, auch in allen größeren Städten einschließlich Sydney. Ich kenne Australien als überaus sicheres und freies Land, jedenfalls was Kriminalität angeht. Auf meiner zweiten Reise hatte ich da so ein Schlüsselerlebnis. Damals gab es von einem Hersteller Schutznetze, wie die Einkaufsnetze, die es in meiner Jugend noch gab, nur eben nicht aus Nylon, sondern aus Stahlseil, in das man seine Fotoausrüstung packen und irgendwo anschließen kann. Ich hatte das kurz vor der Abreise erst entdeckt und wollte das bestellen, hätte das aber nicht mehr rechtzeitig bekommen. Weil ich (2002 war das noch revolutinär neu) auf der Webseite des Herstellers Reseller in Melbourne gefunden und die Adresse dann auch gleich auf irgendeiner Online-Karte entdeckt habe und merkte, dass das nur ein paar Straßen vom Hotel weg ist, dachte ich mir, gehste gleich nach dem Flug direkt dorthin und kaufst es eben dort. Gedacht, getan, ich komme also dorthin, schicker moderner Outdoorladen in der Innenstadt (so wie hier Globetrotter), umgeguckt, tatsächlich so einen Ständer mit dem Zeugs des Herstellers gefunden und genau das genommen, das ich in Deutschland kaufen wollte. Uff, ganz schön schwer. Ich wollte mich gerade Richtung Kasse wenden, da quatscht mich ein Verkäufer an. „Was willste denn daaamit?” (natürlich auf südaustralisch). Ich so: Naja, von wegen Kamera und Sicherheit und Diebstahlschutz… Er verständnislos: Wo willste denn hinreisen? Ich: Australien. Tasmanien, dann Neuseeland, dann wieder Adelaide. Er: Biste verrückt? Lass das verdammte Ding da. Reine Geldverschwendung und schwer ist es auch. Das brauchst Du hier nicht. Und tatsächlich. Ich habe da nie irgendwelche Kriminalität oder Konflikte erlebt. In der Nähe der Oper in Sydney ist ein Park, durch den ich in der Dämmerung mal gelaufen bin und ziemlich alleine war, als zwei wirklich finster aussehende Typen schnurstracks auf mich zukamen. Sie kämen mit ihrer Kamera nicht klar, ob ich Ihnen was mit der Belichtung erklären könnte. So in der Art. Ein Rotlichtviertel gibt’s, das jetzt nicht so wohlfühlig ist, und da ist dann auch richtig Polizei unterwegs und durchaus nicht zu Diskussionen da, aber ansonsten ist mir da nichts Negatives aufgefallen.

Allerdings ist Sydney sehr groß. Und ich habe wirklich nur den Innenstadtbereich kennengelernt. In Australien hat man ein anderes Verständnis von Städten als hier. Da wird tief ins Land fast alles, was noch in Auto-Entfernung zu Städten wohnt, zu den Städten gezählt. Damals gab es etwa für Queensland nur zwei, fast gleich dicke Telefonbücher: Eins für Leute, die in der Stadt wohnen (=Küste) und eins für Leute, die nicht in der Stadt wohnen. Wenn also jemand sagt, dass irgendwas in der Stadt x ist, ist das dort ein sehr viel weitreichenderere Begriff als bei uns. Allerdings ist das, worum es jetzt geht, durchaus richtig in der Stadt, kann man sich auf Google Maps anschauen. Es geht um einen Stadtteil namens Lakemba. Ein Stadtteil muslimischer Einwanderer.

Eine Frau namens Lauren Southern, die ich überhaupt nicht kenne und deren Namen mir überhaupt nichts sagt, was daran liegt, dass ich ein Namensgedächtnis wie ein totes Pferd habe, denn die kam schon mal im Blog vor, und dem Aussehen nach ist es diesselbe, wollte mal den Gerüchten nachgehen, dass es in Sydney eine No-Go-Area gäbe. Ob das möglich wäre, will sie herausfinden, und tatsächlich ist Lakemba für sie eine No-Go-Area, aber etwas anders als gedacht: Ein Polizist kommt an und verwehrt ihr den Zugang zum Stadtteil, weil der „öffentliche Frieden” gefährdet sei, wenn sie sich da an der Moschee herumtreibe. Deshalb ist da jetzt die Rede davon, dass die Polizei dort auf Scharia umgeschwenkt ist.

So ganz glasklar ist das nicht, weil der Polizist sagt, dass er informiert worden sei, dass sie da irgendwas vorhabe, und er da sei, das zu verhindern. Man könnte das also mit dem vergleichen, was die deutsche Polizei als „Platzverweis” bezeichnet, aber der setzt in der Regel voraus, dass man sich schon irgendwie danebenbenommen hat. Es ist ohne Kenntnis des Kontexts nicht so ganz abschließend zu beurteilen. Aber unangenehm wirkt es schon, wenn man nicht mehr einfach überall rumlaufen kann. Und es ist natürlich ein Zeichen dafür, dass das mit der Integration nicht so funktioniert: