Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

An amerikanischen Unternehmen verzweifeln

Hadmut
24.7.2018 9:51

Manchmal kann einen das Amerikanische schlechthin in den Wahnsinn treiben.

Innerhalb von 24 Stunden erlebt:

  • Ich habe bei einer Firma hier etwas bestellt, aber an der Bestellbestätigung gemerkt, dass sie das Falsche geschickt haben. Sie sagten, ich solle die Annahme des Pakets verweigern, sie schicken das Richtige nach.

    Nun foppt mich UPS seit Mitte letzter Woche mit Lieferankündigungen, die ständig wieder verschoben werden. Also habe ich versucht, über deren Online-Portal, auf das man ständig verwiesen wird, die Annahme zu verweigern.

    Zum Einloggen muss man mit ihnen erst mal einen ewig langen „Technologievertrag” über die Nutzung ihres (überdies hundsmiserabel schlecht gemachten) Portals abschließen, in dem man das Schicksal seiner Seele für die nächsten 500 Jahre festlegen muss, aber die Möglichkeit, die Annahme eines Pakets zu verweigern, gibt es nicht. Ist nicht vorgesehen.

  • Ich habe von einem Amerikaner einen Scheck einer amerikanischen Bank bekommen. Ich kenne die zwar, habe aber noch nie selbst einen bekommen. Schnell eine sehr bequeme und angenehme Methode gefunden, den einzulösen: Paypal hat eine App, mit der man den Scheck einfach abfotografiert. Dann wartete man, bis er bestätigt ist, schreibt VOID drauf und fotografiert ihn nochmal, und sie lösen einem das ein.

    Bei 8 Android-Geräten, die ich habe (Android 4.x, 7.x, 8.1) war die App nur auf einem zu installieren, bei allen anderen heißt es „Mit Ihrem Gerät nicht kompatibel”. Und auf dem einen, auf dem es geht, gibt es keine Scheckeinlösungsfunktion.

    Bei Paypal nachgefragt.

    Nun, war die Antwort, diese Funktion habe nur die amerikanische App, nicht die europäische. Ich solle mich an den amerikanischen Kundenservice wenden. Wie ich das mache? Verraten sie einem nicht.

    Man kann den Kundenservice nur kontaktieren, wenn man eingeloggt ist, und da werde ich auf der Kontaktseite immer autoamtisch an den deutschen geleitet. Nutzlos im Kreis herumgeschickt.

    Aber sie schreiben unter ihre Mitteilung „Ich freue mich, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte und wünsche Ihnen einen schönen Tag.”

  • Im Großen und Ganzen bin ich mit Amazon zufrieden, aber in den Formalitäten sind sie einen Katastrophe. Es ist praktisch nicht möglich, bei ihren Angeboten zuverlässig zu sehen, ob die Preise deutsche Mehrwertsteuer enthalten (d.h. ob es eine Rechnung gibt, die sie ausweist) oder nicht, und oftmals gibt es keine Rechnung, die muss man mühselig unter „Ihre Bestellung” dann einzeln anfordern. Völlig bekloppt und systemwidrig.

    Nun dachte ich, ich hätte die Lösung gefunden. Amazon bietet ein „Geschäftskonto” an, das genau diese Problem lösen soll: Zu allem immer und automatisch eine Rechnung, und Anzeige der Mehrwertsteuer. (Warum sie das nicht einfach als Auswahloption für das normale Konto anbieten?)

    Also habe ich die Erstellung eines solchen Kontos beantragt.

    Zurück bekomme ich eine Mail, dass ich zwei Dinge einreichen möge:

    Wahlweise

    • Auszug aus dem Handelsregister, in dem Ihr Unternehmen eingetragen ist
    • amtliches Dokument mit Ihrer gültigen Umsatzsteuernummer – Eintrag ins Handelsregister
    • Berufszulassung

    UND

    • ein Dokument Ihres Unternehmens, das das Arbeitsverhältnis für Hadmut Danisch bestätigt (nach Möglichkeit auf Geschäftspapier mit Briefkopf und Logo Ihres Unternehmens).

    Habe ich aber beides nicht. Ich habe mich nicht ins Handelsregister eintragen lassen und ich habe als Informatiker auch keine Berufszulassung, weil Informatiker in Deutschland nicht zu den Berufen gehören, für die es eine Zulassung gibt.

    Und ein Arbeitsverhältnis mit mir selbst kann ich auch nicht bestätigen, weil es die Eigenkontraktion im Deutschen Recht gar nicht gibt. Und ein Logo habe ich nicht auf dem Briefbogen.

    Also habe ich versucht, den Gewerbeschein hochzuladen. Geht nicht. Weil man den Send-Button erst aktiviert, wenn man für beide Anforderungen Dokumente angibt. Weil sie aber meinen, man solle sie kontaktieren, wenn man Hilfe braucht, eben mal getan.

    Ich habe versucht, dem Menschen vom Call-Center zu erklären, dass das so nicht funktioniert. Nun, meint er, dann soll ich eben nur den Gewerbeschein hochladen, dann werden sie das prüfen. Wollte ich ja, ging aber nicht, weil das Formular dann den Button nicht aktiviert.

    Nun, meinte er, wenn ich den Gewerbeschein nicht hochladen möchte, dann könnten sie mir eben auch nicht… Heieiei, hören Sie mir denn gar nicht zu? Ich habe ihnen doch eben gesagt, ich will und habe es versucht, und es geht nicht.

    Ja, dann müsse ich eben die Bestätigung dazulegen, dass ich mein eigener Geschäftsführer bin. In der Mail steht was anderes, sage ich. Da steht „Arbeitsverhältnis”. Ich habe kein Arbeitsverhältnis mit mir selbst. (Eigentlich wollte ich nur wissen, wie genau die Anforderung einzuhalten ist.) Es gibt im deutschen Recht keine Eigenkontraktion.

    Und dann wurde es interessant:

    Das habe mit deutschem Recht gar nichts zu tun, werde ich belehrt.

    Wie bitte!? Was!?

    Mit deutschem Recht nichts zu tun?

    Ich bin hier in Deutschland, Deutscher und habe eine Rechtsform nach deutschem Recht und das soll mit deutschem Recht nichts zu tun haben?

    Womit denn dann?

    „Hausrecht!”

    So ein Schwachsinn. Erstens bin ich nicht bei ihnen im Haus, und zweitens steht das Hausrecht ja nicht als Alternative zum deutschen Recht, sondern ist im deutschen Recht normiert. Man braucht das deutsche Recht, um ein Hausrecht zu haben.

    Die glauben tatsächlich, sie hätten mit unserem Recht nichts zu tun und könnten ihr Recht da willkürlich selbst festlegen.

Irgendwie komme ich mir gerade dreifach genarrt vor. Irgendwie glauben die alle, sie können tun und lassen, was sie gerade wollen.