Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wenn Frauen an Technik leiden

Hadmut
4.7.2018 22:24

Neues aus Absurdistan.

Kennt Ihr die Webseite StackOverflow? Jeder, der mal etwas mehr programmiert hat, wird da schon mal Antworten auf Fragen und Probleme gefunden haben, die andere auch schon hatten. So viele Probleme und Aufgabenstellungen tauchen nämlich immer wieder auf, und so oft hat schon mal irgendwer danach gefragt – und irgendwer anderes eine Antwort gegeben oder Lösung gewusst. Es ist zwar eigentlich eine realativ unstrukturierte Sammlung von technischen Fragen und Antworten, aber es ist (oder gerade deshalb ist es) eine der nützlichsten Seiten überhaupt.

Auch sie – genauer gesagt die Oberorganisation Stack Exchange – wurden jetzt von der Genderpest ereilt und mussten einen „Code of Conduct” einführen (Textentwurf), obwohl sie vorher schon eine „Seid Nett”-Regel hatten und seit über 10 Jahren sehr erfolgreich und beliebt waren.

Aber so ist das halt in Gender-Zeiten. Da kann man 10 Jahre wunderbar funktionieren, dann kommen die Genderasten und erklären, dass man unbedingt Diversität und gendermäßiges Verhalten brauche. Auf einmal soll ohne ersichtlichen Grund etwas, was man noch nie brauchte, ganz, ganz wichtig und dringend sein.

Wie kommt es zu sowas?

Ein Leser aus den USA meint dazu, das wäre womöglich der Auslöser gewesen: Suffering on Stack Overflow – How We Might Heal einer gewissen April Wensel.

Schrecklich, so ganz schrecklich haben sie auf Stack Overflow gelitten. Also meint sie, dass sich die gesamte Welt nach ihr richten müsse. Feministischer Egozentrismus.

Was ist der Frau aber widerfahren, was so schrecklich und traumatisierend war?

Das da:

Sie hatte wohl ein Problem mit irgendeinem Stück Software und irgendein Compiler oder Interpreter sagte ihr, dass da in Zeile 49 etwas nicht stimmt. Dann hatte sie wohl 7 Zeilen des Programmtextes auf Stackoverflow gepostet und um Hilfe gebeten, aber keine Zeilennummern angegeben.

Ein böser maskuliner Mann hatte ihr geantwortet, dass diese Fehlermeldung ja genau sagt, wo der Fehler ist, nämlich in Zeile 49. Sie aber könnten ihr auf Stack Overflow ohne Zeilennummer nicht helfen, wenn sie nur 7 Zeilen Ausschnitt angibt, weil sie ja nicht wüssten, welche dieser 7 Zeilen die Zeile 49 ist.

Ähm… ja.

Offenbar hat die Frau eine wirklich kreuzdämliche Frage gestellt, die nicht zu beantworten ist, und erträgt den Hinweis, dass man ihr so nicht helfen kann, nicht.

Das nimmt sie nun zum Anlass für einen Genderkrieg, denn das wäre ja herablassend, und dass er darin auch noch die Worte „exactly” und „clearly” verwendet, seien klare Anzeichen für Frauenfeindlichkeit.

Sie stellt eine strohdoofe Frage, und wenn man sie nicht beantworten kann, sind die Männer frauenfeindlich.

Die Dame scheint generell von der Pöbelfraktion zu sein:

10 Jahre lief der Laden gut und war nützlich, und kaum wird’s divers, geht das dumme Gepöbel los. Da baut einer etwas auf, was wirklich, wirklich nützlich ist, und soll sich dann dafür entschuldigen, es nicht frauenkompatibel gemacht zu haben. Weil es Frauen und Farbige (ach, verdammt, jetzt habe ich Farbige geschrieben, wo man mir doch am Samstag auf der Journalistenkonferenz eingehämmert hat, dass es historisch unerträglich sei, People of Color mit Farbige zu übersetzen, das muss „Schwarze” heißen) ausgrenzt und inhumanes Ödland sei, wenn man Fehler ohne Zeilenangabe nicht findet.

It is compassionate toward the people who have been hurt by Stack Overflow, but since it’s written sarcastically, it’s not very compassionate toward Joel, Jeff, the Stack Overflow team, and the often well-meaning people in the Stack Overflow community.

In my workshops, I advise teams to avoid sarcasm and embrace nonviolent communication, so I won’t make excuses for my decision to use sarcasm, but because I also teach self-compassion, I will explain. I’m a human being with emotions, and I was definitely feeling some difficult emotions when I started composing that tweet.

Gottogottogott. Sie hat schwierige Emotionen gefühlt. Hatten wir vielleicht doch zuviel von der Kernkraft?

Und was ist mit ihrer eigenen, derben Sprache?

However, I do stand by the use of the phrase “toxic, inhumane wasteland.”

I used “toxic” to mean harmful, and I know plenty of people who have been hurt by the site, so that’s accurate.

Das ist eine tolle Aussage. Sie kenne „genug Leute, die sich verletzt fühlen”, also ist es zutreffend und exakt, von giftigem, inhumanem Ödland zu sprechen.

Ja, aber wenn sie es so schlimm finden, warum gehen sie dann überhaupt auf diese Webseite? Warum bleiben sie nicht einfach weg?

I’ve also always noticed the condescending and blatantly rude responses on the site. Seeing them was enough to discourage me from ever signing up for an account despite the fact that I actually enjoy helping people troubleshoot tech issues.

Auf die Idee, dass sie anderen Leuten auf die Nerven geht, wenn sie dumme, unbeantwortbare Fragen stellt und rumpöbelt, kommt sie nicht. Wenn sie meint, sie müsse den Leuten bei irgendwas helfen, warum macht sie denn dann nicht ihre eigene Webseite auf?

Warum muss sie sich in so penetranter Weise Fremden aufdrängen?

Stack Overflow has a reputation for making people feel bad about themselves.

Habe ich noch kein einziges Mal gesehen. Die Fragen werden immer sehr sachlich und direkt beantwortet.

Natürlich kann das Ergebnis sein, dass man dann dasteht, als könnte man nicht programmieren – nämlich genau dann, wenn man nicht programmieren kann und so schlecht ist, dass es andere merken.

Und eine andere Frau habe gleich angefangen zu heulen.

In my Compassionate Coding talks, I often mention that I believe ego is the biggest problem in tech.

Nein. Inkompetenz und das Einquoten Inkompetenter.

There’s an obsession in programming culture with dividing people into the elite and the non-elite, the ninja guru rockstars and the mediocre programmers, the 10x engineers and the 1x engineers, the 20%-ers and the 80%-ers (from Jeff Atwood’s blog), or the “great developers” and the “average developers” (from Joel Spolsky’s blog).

Nein. Man kann sich da halt einfach nicht durchmogeln und durchschwätzen. Man kann es oder man baut Mist. Und die anderen merken es.

Wir sind hier nicht in den Geisteswissenschaften, wo einfach jeder irgendwas daherschwätzt.

Das ist der Wahnsinn. Es wäre ja noch zu verstehen, wenn man sagt, da gefällt’s einem nicht, da geht man nicht hin.

Aber die sagen, da gefällt’s ihnen nicht, deshalb gehen sie hin. Alles müsse immer so gemacht sein, dass jeder Spinner sich da gebauchpinselt fühlt. Es wird nicht gestattet, dass Leute sich untereinander so unterhalten, wie sie wollen, sondern sie müssen sich immer darauf einrichten, dass ein fremder Dritter sich einmischt.

Was kommt als nächstes? Muss man seine Wohnung so einrichten, dass jeder x-beliebige Fremde sich darin wohlfühlen würde?

“…men in STEM subject areas overestimate their own intelligence and credentials, underestimate the abilities of female colleagues, and that as a result, women themselves doubt their abilities — even when evidence says otherwise”

Das aber ist doch unlogisch. Dann wären Frauen ja nicht darauf angewiesen, dass Männer ihnen helfen.

Wenn man doch der Meinung ist, dass man Männer für „toxisch” hält, warum will man dann überhaupt Diversität? Warum macht man nicht einfach eine zweite Version von Stack Overflow, nur für Frauen?

Und dann gibt’s noch ein Drama um Datenbankdesign. Jemand wollte in einer Datenbank für Personen auch das Geschlecht (Gottogott…) speichern. Und bekam die Antworten, die für solche Datentypen eben passend sind: Boolean für is_male, ein char braucht aber weniger Platz. Natürlich wieder alles frauenfeindlich.

Plastischer hätte man kaum belegen können, dass der Diversitätswahn weitaus mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt.

Was macht die eigentlich beruflich?

Founder of Compassionate Coding

Software development that values humans. Grow emotional intelligence, improve productivity, & develop socially conscious software. Founded by @aprilwensel

Siehe hier.

Eine Frau, die eine Schneise des Streits und der Zerrüttung hinter sich herzieht, hält sich für eine Expertin für „emotional intelligence”, will die Produktivität verbessern und Kinder unterrichten.

Warum suchen sich solche Leute nicht etwas, was sie können, anstatt einen Mordsstreit daraus zu kochen, dass sie unbedingt das tun wollen, was sie nicht können?

We help your team develop the emotional intelligence needed for better communication, improved productivity, and a more inclusive environment.

Aber was, wenn man das gar nicht will?

When not coding or leading workshops, she enjoys running marathons and cooking vegan food—because animals deserve our compassion, too!

Jo. Das hat noch gefehlt.