Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

End of Windows?

Hadmut
24.4.2018 20:28

Beachtliches über Microsoft.

Vor genau 10 Jahren habe ich vermutet, dass Microsoft mit Windows nicht mehr klarkommen und das wirtschaftlich mehr oder weniger aufgeben wird, weil die mit Windows einen großen Haufen Ärger haben, sie damals ihr Vista nicht losbekommen haben, und da generell die Perspektive fehlte, und weil sie, wie man so hörte, schon damals ihr Geld nicht mit Windows, sondern mit den ganzen Anwendungen verdient haben. Meine Vermutung war, dass man einen Kern von Windows als OpenWindows herausgeben würde, damit die Software noch läuft, und sich um den Rest wirtschaftlich nicht mehr so kümmert.

In der Branche war schon länger gerüchtet worden, dass Windows zum letzten Mal ordentlich aufgeräumt war, als man damals Windows NT von den VAX/VMS-Leuten hat konstruieren lassen, und seitdem sei das immer weiter verfilzt und verharzt, ein großer Haufen Altlasten. XP war zwar ein Erfolg, aber am Ende nicht mehr wartbar, Windows 8 unbeliebt, und Microsoft hat letztlich Windows 10 quasi verschenkt, nur um die Kundschaft vom alten Mist wegzukriegen und weniger Wartungsaufwand zu haben. Man hatte den Eindruck, dass sich Windows immer mehr zur Last entwickelt. Zumal in vielen Bereichen Apple Microsoft die Kunden ausspannte.

Noch bis vor gar nicht allzu langer Zeit war Microsoft spinnefeind gegenüber Linux, was an der Ära Gates & Balmer lag. Es war auch die Zeit, in der Microsoft systematisch zu allem inkompatibel war und quasi jeden Standard so implementierte, dass nichts mit anderen ging. Das ging vor allem nicht gut.

Mit dem Wechsel von Balmer zu Nadella änderte sich das grundlegend. Auf einmal fing Microsoft an, etablierte Entwicklungsstandards anzunehmen, sogar an einer eigenen Linuxdistribution zu basteln, Windows bekam ein Linux-artiges Subsystem. Microsoft veränderte seine Strategie und sein Geschäftsfeld, weg vom lokalen Windows-Tischrechner – sprich: dem Personal Computer, der einst den Wechsel vom zentralen Rechenserver einleitete – wieder zurück zum Rechenzentrum, das ganze als Cloud Computing. Man nannte das nun Office 365, und im Prinzip ist man damit wieder auf dem Stand der Rechentechnik von vor 40 Jahren: Ein Block-Terminal (heute: Webbrowser) ist mit einem zentralen Server verbunden und dient nur noch als Ein- und Ausgabegerät.

Man könnte auch sagen, dass die Ära – besser gesagt: die Episode – des Personal Computers einfach vorbei ist. Aus der Szene wurde mir berichtet, dass man in Bewerbungsgesprächen auf die ersten Leute gestoßen ist, die zwar Abitur haben, aber noch nie an einem Computer saßen, weil sie nur noch Handy und Tablet kennen. Wischen können sie gut. Irgendwo auf Youtube habe ich mal ein Video gesehen, in dem man einem Kleinkind ein Bilderbuch gab, und statt umzublättern versuchte das Kind zu wischen. Es wird nicht mehr lange dauern, dann können Kinder nur noch mit Alexa quatschen.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift iX, Heft 5/2018, Seite 29, gibt es einen Artikel über den Großumbau bei Microsoft.

Man wolle auf eine „intelligente” Cloud und passende Endgeräte setzen. Laut einem Rundschreiben vom Ende März ziehe man einen Schlussstrich unter die Balmer-Ära. Personal Computing und Windows hätten nicht mehr oberste Entwicklungspriorität. Und der für Windows zuständige Manager habe nach über 20 Jahren das Unternehmen verlassen.

Zwei Entwicklungsstränge gäbe es künftig: „Cloud und künstliche Intelligenz” und „Erlebnisse und Geräte” (Experiences & Devices). Es heiße auch nicht mehr Windows Azure, sondenr nur noch Azure. Dazu hätte es einen Tweet aus Microsoft-Entwicklerkreisen gegeben, wonach 40% der Azure-VMs unter Linux laufen und 60% der Anwendungen im Azur Marktplatz Linux-basiert seien.

Umsätze und Wachstum mache man mit dem ganzen Cloud-Kram, Office 365, Dynamics 365, das PC-Geschäft dagegen schwächele.

Das wird nicht lange dauern und Microsoft verdient mehr Geld mit Linux als mit Windows. Falls das nicht schon der Fall ist.

Deshalb finde ich es bezeichnend, dass die gesamte deutsche Behördeninfrastruktur auf Windows setzt. In München hat man gerade Limux gekillt und will wieder auf Windows setzen, weil man mit irgendwelchen Microsoft-basierten Beratern in der Wanne hockt.

Was machen die eigentlich, wenn Microsoft irgendwann entscheidet, dass sie Windows ganz einstellen? Dass ihnen das nichts mehr bringt und sie jetzt nur noch Cloud-Kram und Internet-of-Things und sowas machen?