Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Angriff auf die Leistung

Hadmut
28.3.2018 0:20

Der nächste Schritt in der ultimativen Gleichmachung.

Der Deutschlandfunk berichtet über das Buch „Die Erfindung der Leistung” von Nina Verheyen. Leider kann man den Unsinn der Buchautorin und den der Autorin des Deutschlandfunkartikels kaum auseinanderhalten, das vermischt sich.

Sie meint, dass es Leistung nicht gibt, dass das nur erfunden wäre, um Leute auszugrenzen und künstlich unterschiedlich zu bewerten:

Wie gut es uns geht, das ist nicht nur vom Zufall abhängig. Wir leben in einem meritokratischen Zeitalter mit dem zentralen Versprechen, dass höhere Leistung sich auszahlt.

Doch der Begriff ist schillernd. Ist es eine größere Leistung, wenn ein ohnehin begabter Schüler mit viel Hilfestellung von zuhause eine eins schreibt? Oder ist die drei eines prekär aufwachsenden Schülers ohne Rückendeckung die größere Leistung? Die Autorin positioniert sich hier gleich zu Beginn: Eine individuelle Leistungszuschreibung, wie sie gang und gäbe ist, hält sie für eine Illusion, weil

“[…] hinter dem, was vermeintlich eine Person leistet, immer ganz viele andere stehen, die dieser Person geholfen haben, und da wird eben manchen sehr viel mehr geholfen als anderen. Und ich finde, das sollte man berücksichtigen, wenn man sich überlegt, wen man befördert oder wen man wie gut benotet, als Lehrer etwa, und indem man daran denkt, welche Rolle man selber spielt als Leistungsbewerter.”

Das alte feministische Geschwätz um sich aller Anforderungen zu entledigen. Das ist aber nicht neu. Susanne Baer schwafelte vor Jahren schon davon, dass Qualität ein Mythos sei, den sich nur die bösen weißen Männer ausgedacht hätten, um unter sich bleiben und andere ausgrenzen zu können. Hört sich so schön links-sozialistisch an, läuft aber nur darauf hinaus, dass man von Frauen keine Qualität erwarten dürfe, weil die, so die Begründung, ja keinen Spaß an langen Nächten im Labor hätten und mehr Wert auf Work-Life-Balance legten, vulgo: einfach zu faul wären. Und das wird jetzt wie so ein alter gammeliger verbrauchter Teebeutel jetzt wieder neu aufgekocht.

Und wer ist dran schuld? Wieder die Männer, die des 19. Jahrhunderts.

Und dann rutscht das auf so eine strunzdumme Wortbedeutungsverschieberei:

“Das Selbstverständnis bürgerlicher Männer […] zwischen […] Spätaufklärung und […] Vormärz […] erscheint gegen die Folie des heutzutage üblichen Bemühens um stromlinienförmige Selbstoptimierung […] als regelrechter Gegenentwurf, […] gelebt von Träumern und Rebellen, die manchmal nur halbtags arbeiteten, viel Zeit mit ihren Freunden, Ehefrauen und Kindern verbrachten, gemeinsam musizierten, spazieren gingen und sich wohltätig engagierten. Dabei nahmen sie durchaus für sich in Anspruch, etwas zu leisten. Sie leisteten einander zum Beispiel Gesellschaft.”

Die Männerleistung im 19. Jahrhunderts: Sie leisteten einander Gesellschaft.

Was für ein Schwachsinn.

Danach erst, meint die Autorin, hätten sich das über die Physiologie und die Auffassung des Körpers als Maschine verschoben.

Nur mal so: Die Dampfmaschine wurde im 18. Jahrhundert erfunden und führte im 19. Jahrhundert mit der Mechanisierung zur industriellen Revolution. Da wurde die Abhängigkeit von der körperlichen Leistungsfähigkeit gerade abgeschafft, vorher musste alles mit Muskelkraft und in ein paar Sonderfällen Wind- und Wasserkraft bewegt werden.

Die These, dass es bis im 19. Jahrhundert nur so eine Spaßleistung gegeben habe und dann die Körperkraft eingeführt wurde, ist reiner Quatsch. Männer waren schon immer Krieger und Sportler, und schon im alten Rom kam es auf Kraft an, es gab Gladiatorenkämpfe und Olympische Spiele. Und die Autorin will Historikerin sein.

Es ist kaum möglich, ein Buch anhand so einer Rezension abschließend zu beurteilen, aber mir erscheint schon aufgrund des oben vorliegenden Zitats ein zentraler Irrtum vorzuliegen, nämlich die verwechslung subjektiver mit objektiver Leistung. Ob sich jemand Mühe gibt und was tatsächlich dabei herauskommt. Der gute Wille muss zählen.

Von wem würde man sich lieber operieren oder herumfliegen lassen? Von dem Arzt, dem alles mühelos in den Schoß fällt und der reihenweise erfolgreiche Operationen mit dem kleinen Finger macht und dem Piloten, der einfach nur Spaß am Fliegen hat? Oder von denen, die sich wirklich Mühe geben, und es immer wieder versuchen, und es trotzdem immer wieder schief geht?

Letztlich geht es da anscheinend wieder mal nur um die Ideologie der Gleichmacherei, der Gleichbewertung derer, die was leisten und derer, die eben nichts leisten. Die Gleichstellung.

Rhetorisch werden immer zwei Typen verglichen: Der, der mühelos und mit fremder Hilfe hohe „Leistung” bringt, und der, der sich enorme Mühe gibt, und wirklich will, aber nur Mittelmaß schafft. Man stellt zwei Archetypen gegenüber, um der gemessen Leistung einen emotionalen Gegenpol gegenüberzustellen. Die Erfahrung zeigt aber, dass es andersherum läuft: Auf der einen Seite der, der sich Mühe gibt und hohe Leistung bringt, und auf der anderen Seite der, der keine Leistung bringt, weil er erst gar keine Lust dazu hat. In der Realität sind Leistung und der emotionale Sieger eben auf der gleichen Seite und nicht die Alternativen.

So, wie es auch bei Baer und anderen älteren Feministinnen – ich habe das auch in anderen Büchern gefunden – bei Licht betrachtet war: Sie stellen nicht den faulen Mann und die fleißige Frau gegenüber. Sondern den Mann, der sich die Abende und Nächte in Labors herumschlägt, weil er sich weiterbilden will und im Ergebnis höhere Leistung bringt, auf der einen Seite und die Frau, die sich erst gar nicht bilden will, sondern Work-Life-Balance feiert, auf der anderen Seite, die zur Gleichstellung einen Anspruch nicht nur auf Gleichbezahlung hat, sondern darauf, keinesfalls nach Leistung und Qualität gefragt zu werden, weil diese Frage sie ja benachteiligen könnte.

Und genau darin findet sich der ideologische Betrug und Selbstbetrug der Frauenförderung, nämlich Leute, die weder etwas können, noch sich irgendwelche Mühe geben, denen, die hart arbeiten und sich bilden, vorzuziehen. Deshalb werden massenweise qualifikationslose Leute per Frauenquote in Ämter gehievt.

Das Ergebnis ist die flächendeckende Dysfunktionalität. Hat in der DDR auch schon nicht funktioniert.