Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Stinkt’s wieder nach 5 vor Hitler?

Hadmut
10.3.2018 12:58

Ein Leser meint, ich hätte historisch etwas falsch betrachtet, bei richtiger Betrachtung käme man aber zum selben Ergebnis, nämlich dass es nach „5 vor Hitler” stinke.

Er verweist dazu auf einen Artikel bei SPIEGEL ONLINE, der genau das Thema behandelt, über das ich es die letzten Tage hier hatte: Das Gespenst der Dreißigerjahre ist zurück. Auch der sieht eine Wiederholung der Situation kurz vor der Wahl der NSDAP. Sehr gruselig, sehr lesenswert (und das vom SPIEGEL…), aber der Artikel ist von gestern mittag, den hätte ich also noch gar nicht kennen und berücksichtigen können.

Auch dieser Artikel sieht viele Parallelen zwischen damals und heute, sieht sogar die Parallele zu Mussolini, weil sich Italien gerade dem allgemeinen Linksmarsch durch einen national(istisch)e Gegenbewegung entgegenstemmt. Setzt dann aber einen anderen Kausalschwerpunkt (oder übernimmt ihn, genauer gesagt, aus der angegebenen Forschungsquelle):

Welch epochale Folgen ein falsch verstandener Sanierungskurs haben kann, lässt die Studie einer Gruppe internationaler Forscher um den renommierten Wirtschaftshistoriker Christopher Meissner erahnen, die gerade veröffentlicht wurde. Die Ökonomen gingen dabei akribisch der Frage nach, was genau zu Beginn der fatalen Dreißigerjahre dazu führte, dass in Deutschland die Nazis so viel neuen Zulauf bekamen. Dazu werteten sie detailliert die Wahlergebnisse nach Regionen in der Zeit zwischen 1930 und 1933 aus, also der Zeit des stärksten Zustroms für die NSDAP – und verglichen die Ergebnisse damit, wie stark in denselben Regionen in dieser Zeit auf Druck des Austeritäts-Kanzlers Heinrich Brüning die Steuern erhöht oder die Sozial- und andere Ausgaben gekürzt wurden, um damit die Staatsfinanzen zu sanieren; was je nach Region in Deutschland damals unterschiedliche Ausmaße annahm.

Das beeindruckende Ergebnis: Den größten Zulauf bekamen die Nazis gar nicht dort, wo es als Folge von Finanzcrash und Rezession per se etwa besonders viele Arbeitslose gab. Die wählten damals vor allem die Kommunisten. Die Stimmenzuwächse gab es vor allem dort, wo besonders brachial Austerität durchgezogen wurde, die Steuern besonders deutlich angehoben und Ausgaben etwa für Rente oder Gesundheit gekürzt worden waren. Das betraf oft Leute aus der Mittelschicht – kommt uns bekannt vor, oder?

In Regionen, wo Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen stärker ausfielen als im Schnitt, stieg der Stimmenanteil, den die Nazis bis 1933 bekamen, um zwei bis fünf Prozentpunkte mehr als anderswo, so die Berechnungen der Ökonomen.

Klar, es gab eine Menge anderer Einflüsse, die den Aufstieg der Nationalsozialisten beförderten. Das Spektakuläre an den Auswertungen der Ökonomen ist trotzdem: Der zusätzliche Schub, den der Unmut über die Austerität für die Nazis in der entscheidenden Zeit bis 1933 offenbar brachte, war den Berechnungen zufolge gerade so groß, dass es am Ende für die NSDAP zur Mehrheit reichte. Anders gesagt: Ohne diesen Effekt und die heillosen Brüningschen Sparversuche hätten die Nazis womöglich gar nicht an die Macht kommen können.

Naja, gut, es sind halt Ökonomen, die haben den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität nicht so kapiert.

Die Parallelen sind aber schon erkennbar: Man hat einer Mittelschicht – also denen, die was zu verlieren hatten und die die Gesellschaft tragen – immer höhere Steuern aufgedrückt und immer weniger Gegenleistung erbracht. Man könnte sagen, der Staat hat quasi seine Kunden verloren, weil das Produkt „Staat” immer teurer und immer schlechter wurde. Anscheinend hatten die damals irgendwann die Schnauze voll.

Eine sehr ähnliche Situation haben wir heute: Die Steuern immer höher, Rot-Grün will sie ja immer weiter erhöhen, aber Gegenleistungen bekommt man faktisch immer weniger:

  • Es verdreckt alles zunehmenend, überall Müll, Graffiti, Vandalismus, zumindest in den stimmenreichen Ballungszentren.
  • Polizei und Ordnung knicken ein, sacken ab, viele Straftaten werden nicht mehr verfolgt, es entstehen No-Go-Areas und – neudeutsch – „Angsträume”.
  • Rente wird zum Witz, Zinsen gibt es nicht mehr, Wohnen wird unbezahlbar.
  • Recht existiert eigentlich nicht mehr als bürgerliches Recht, sondern nur noch als Mittel gegen Bürger, die Justiz ist durchpolitisiert.
  • Öffentlich-rechtliche Medien sind nur noch Propaganda, Hetze und Verhöhnung.
  • Die Meinungsfreiheit und in diesem Kontext die Handlungsfreiheit sind massiv eingeschränkt.
  • Politisch geförderte Gewalt.

Ich habe das neulich schon geschrieben, ich stehe damit offensichtlich nicht alleine, und ich wiederhole es: Höchste Brandgefahr. Die Gefahr der Wiederholung. Und die Kausalgefahr geht – wie damals – nicht wie von den Medien verkündet, von rechts, sondern von links aus. Ich habe in meinen Blogtexten häufig geschrieben, zunächst nur als Beobachtung, dass wir nicht den von den Medien suggerierten Rechtsruck, sondern eine Linksflucht haben. Wie damals. Nicht Rechte sind so anziehend, sondern Linke sind so schrecklich, dass man vor denen flieht.

In den letzten Tagen habe ich verschiedentlich Artikel gelesen, wonach immer mehr hochausgebildete, gutverdienende Männer der Mittelschicht (der verhasste weiße Mann), die eben die sind, die die Gesellschaft tragen, erarbeiten, am Laufen halten, die Schnauze gestrichen voll davon haben, fast nur noch für die Steuer zu arbeiten und immer weniger dafür zu kriegen, einem Staat zu dienen, der nur noch plündert und wegnimmt und nichts leistet. Das sieht nicht nur so aus wie damals, das sind die ersten Anzeichen.

Ein wesentlicher Unterschied zu damals ist aber: Bücher und Zeitungen waren dezentral und robuster, davon haben genug die Bücherverbrennung überstanden, so dass wir heute zumindest mit Mühe noch nachvollziehen können, was damals passiert ist. Heute ist alles digital. Das kann man löschen, vernichten, unlesbar machen. Man wird in 100 Jahren nicht mehr nachvollziehen können, warum es zu einer Wiederholung kam und wer sie ausgelöst hat.

So werden die Historiker und Archäologen in 100 Jahren nicht mehr erfahren, dass die, die die Situation wieder herbeiführen und sie historisch wiederholen, die, die davor warnen, als „Nazis” beschimpft und kaltgestellt haben, und dass die, die Hitler-besessen sind und ihn – und seine damalige Vorlage – nahezu identisch kopieren, sich „Antifa” nennen. Man müsste das eigentlich alles speichern und auf einem Asteroiden hinterlegen, der nur alle 300 Jahre an der Erde vorbeikommt und ansonsten außer Reichweite bleibt.