Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über den Krieg National gegen Antinational

Hadmut
9.3.2018 23:37

Es reduziert sich wohl alles auf diese Achse.

In den letzten Tagen habe ich mich ja durch einen Haufen Erkenntnisse – mühsam – durchgebloggt, die alle darauf hinauslaufen, dass der große Konflikt des 20. Jahrhunderts allein aus der Achse Antinationalismus/Marxismus gegen Nationalismus hinausläuft, dass der Krieg nie aufgehört hat und andauert, nur seine Mittel, Taktik und Intensität etwas geändert hat. Und dass Rechte und Linke historisch die gleiche Gruppe sind bzw. Nazis eine deckungsgleiche Kopie der Bolschewisten, die sich nur in diesem Detail unterscheiden. Und dass die Bezeichnungen rechts und links eigentlich falsch, irreführend, täuschend sind, man sie eigentlich als Nationalsozialisten und Antinationalsozialisten bezeichnen sollte. Wobei mir gerade auffällt, dass letzterer Begriff mehrdeutig ist, man kann ich als Anti-Nationalsozialisten und als Antinational-Sozialisten lesen. Ich meine hier letzteres. Letztlich sind Rechte historisch nur abtrünnige Linke.

Bei Publicomag gibt es nun einen Artikel über das „European Democracy Lab (EDL)” – von dem ich noch nie gehört habe. Schaut man in deren Impressum, dann steht da keine Rechtsform. Im About Us steht

The European Democracy Lab is an intergenerational think tank founded by Dr. Ulrike Guérot and Viktoria Kupsch in 2013.

Wie will man etwas gegründet haben, wenn’s keine Rechtsform hat? Worin soll da der Gründungsvorgang liegen? Naja … nennt sich „Denkfabrik”. Aller Anfang ist schwer.

Dafür sitzen sie in unmittelbarer Nähe der Humboldt-Universität. Dort kann man ja Gründer und Direktor von etwas sein, was gar nicht existiert. Würde mich mal interessieren, wer die eigentlich finanziert. Und wer als Mieter oder Eigentümer der Räume und als Arbeitgeber auftritt, wenn sie keine Rechtsform haben.

Schauen wir in den Artikel über diese „Denkfabrik”.

Im ersten Moment wirkt die Plattform überraschend, auf der Guérot vor kurzem ihre Forderung nach dem europäischen Einheitsstaat einer größeren Öffentlichkeit vorstellte: der Podcast der Deutschen Bank.

In der Reihe „Thought of the Week“ hielt sie dort einen Vortrag, in dem sie die von ihr geforderte Nationalstaatsüberwindung näher ausführt. Nun gibt es bekanntlich weder ein europäisches Staatsvolk noch ein europäisches Bürgergefühl. Das sieht die Thinktank-Leiterin als korrigierbaren Fehler. […]

Wem das womöglich unterkomplex vorkommt, der sollte erst einmal den Originalwortlaut Guérots studieren:

„Der Nationalstaat muss in Europa abgeschafft werden, denn wir wollen eine europäische Demokratie. Wir müssen verstehen, dass die Nation kein Identitätsträger ist. Ich zum Beispiel komme aus dem Rheinland. Vor 150 Jahren waren wir noch Sachsen, Hessen, Pfälzer und so weiter. Wir wurden über die institutionalisierte Solidarität, die allgemeine deutsche Krankenversicherung, zu den Deutschen gemacht.

Diesen Prozess sollten wir für Europa nutzen und uns zu Europäern machen lassen, zum Beispiel indem wir eine europäische Arbeitslosenversicherung schaffen. Dann haben wir eine europäische Nationenbildung, die auf gleichem Recht beruht.

Das ist die Zukunft Europas.“

Aha. So, so. „Wir wollen…” „Wir müssen…” Wer ist da „wir”? Eine erstaunliche Behauptung für jemanden, der nicht mal seine eigene Rechtsform angeben kann.

Publicomag stellt da auch die Frage, wer das „wir” sei, und vergleicht den Tonfall mit Angela Merkel, die auch immer von einem „wir” spricht. Da ist aber ein wesentlicher Unterschied: Merkel ist gewählte Kanzlerin (ab Mittwoch dann wieder) und kann damit durchaus und im Rahmen ihrer Aufgaben von „wir” reden und Deutschland meinen. Das darf man als Bundeskanzler. Aber als „Gründer” einer gestaltlosen Phantasieorganisation?

Kurioserweise taucht die Rede dann bei der Deutschen Bank auf. Offenbar sind deren Anforderungen und Kriterien dafür, wen sie in ihrem Namen und unter ihrem Logo öffentlich politisch reden lassen, weitaus geringer als die für eine Darlehensvergabe. Versucht mal, unter solchen Bedingungen, fehlende Rechtsform, unklare Geldquellen, keine Sicherheiten, bei der Deutschen Bank einen Kredit zu bekommen. Geht natürlich nicht. Aber in deren Namen politisch reden, das geht. Seltsamer Laden.

Eine europäische Arbeitslosenversicherung will sie haben. Heißt im Ergebnis, dass wir wieder mal für Südeuropa zahlen müssen. Wer ist also das „wir”, die das wollen könnten?

Irgendwie kann man im Moment hinschauen, wo man will, überall geht es um diesen marxistischen Globalismus, den Krieg gegen die Staaten, die Schaffung einer großen Insolvenzunion.

Sie meint, man müsse verstehen, dass die Nation nicht der Träger von Identität sei. Wir wären Sachsen, Pfälzer, Rheinländer gewesen, und durch die „institutionalisierte Solidarität” seien wir zu einer Einheit geworden. Es ist eine strunzdumme Aussage. Ich kenne jede Menge Leute, für die die Eigenschaft als Sachsen, Pfälzer, Rheinländer unmittelbar identitätskonstituierend ist. Und wir sind auch nicht die Deutschen geworden, weil jemand mit einer Krankenversicherung daherkam (die Krankenversicherung, bei der ich bin, war damals auch nur in Sachsen tätig), sondern weil wir über die Luther-Bibel zu einer gemeinsamen Sprache gekommen sind und es da einen großen Vorteil gab. Und es hat ein paar hundert Jahre gedauert.

Von Europa haben wir bisher wenig Vorteile, viele Nachteile. Und die Vorteile, die wir haben, sind eher verwaltungs- und zolltechnischer Natur. Einen Identitätsersatz bildet das nicht. Man kann sich als Deutscher statt als Pfälzer verstehen, weil Deutschland – und auch jedes andere europäische Land – sprachliche, intellektuelle, kulturelle, auch biologische gemeinsame Eigenschaften hat, an die sich eine Identität binden lässt.

Aber was bietet Europa?

Ich habe das mal jahrelang versucht, mit „Europa” zu antworten, wenn mich jemand fragt, woher ich komme. Man kommt sich blöd vor, als würde man „weiß nicht” sagen. Europa ist eine künstliche Vereinigung, deren Grundlage kaum mehr als geographische Grenzen sind. Es gibt nichts, nicht mal die Form der Steckdosen, an die man sich als Identität binden kann, und mit unterschiedlichen Sprachen funktioniert das sowieso nicht. Eine Schnapsidee.

Ich will es mal anhand von Einbauküchen beschreiben. Einbauküchen sind ein wunderbares Beispiel.

Vor einigen Jahren hat man einen deutschen, aber international tätigen Hersteller von Einbauküchen (weiß nicht mehr, welcher) gefragt, warum er sich viel mehr in den USA als in Europa engagiert, obwohl es doch in Europa mehr Haushalte gibt. Die Antwort war überzeugend. Die sagten, dass sie für die ganzen USA nur ein Angebot erstellen müssen und ihre Küchen dann einheitlich in den ganzen USA verkauft werden können, nur einen Katalog brauchen, nur eine Schulung für Verkäufer. Das ist effizient. Für Europa dagegen würde sich das kaum oder oft gar nicht lohnen, weil man für jedes Land andere Küchen entwerfen, andere Anforderungen erfüllen, andere Geschmäcker befriedigen, andere Kataloge machen, alles übersetzen und Verkäufer anders schulen müsse. Der Aufwand rentiere sich kaum.

Wo soll denn da eine Identität herkommen, wenn wir nicht mal die gleichen Küchen haben? Welche Identität soll denn an die Stelle einer nationalen Identität treten? Ich habe es jahrelang versucht und habe keine gefunden. Außer der blauen Flagge und einem siechen Euro ist da nichts.

Und warum überhaupt? Es ist mit keinem Wort begründet, was das überhaupt bringen soll. Es heißt „wir müssen” und „wir wollen”, aber mit keinem Wort warum.

Wer steckt dahinter?

Wer betreibt das?

Und warum lässt sich die Deutsche Bank darauf ein?

Nun, man sollte Wert auf Meinungsvielfalt legen. Eine zweite Meinung einholen. Eine katholische Webseite meint, die Freimaurer wärn’s, die dahinterstecken und das befohlen hätten. Naja. Man hat mir vor 20 Jahren mal aus ganz innen heraus und hoher Ebene gesteckt, dass eine gewisse Universität komplett unter der Kontrolle einer gewissen Logen-ähnlichen Vereinigung stünde und etwa nur Rektor werden könnte, wer da Mitglied ist.

Keine Ahnung, wie die auf die Freimaurer kommen und ob daran irgendetwas glaubwürdig ist. Wenn man sich aber diese häufig vorkommenden seltsamen Think Tanks anschaut, die ja von irgendwem betrieben und bezahlt werden müssen, und die wie Tarnung und Geldwäsche riechen, dann fragt man sich schon, welche Strukturen hinter alledem stecken.