Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Was den Berlinern ihre Straße, ist den Frankfurtern ihre Apotheke

Hadmut
24.1.2018 21:37

Und weiter geht’s mit der Gehirnwäsche.

Den Krach um die Berliner Mohrenstraße habt Ihr doch sicherlich mitbekommen. Wird als rassistisch, kolonialistisch und politisch nicht korrekt beschimpft und müsse als Straßenname getilgt werden. Vor einiger Zeit gab’s mal eine Aktion, die langweilig-monotonen-anonymen Haltestellenansagen in der U-Bahn für kurze Zeit durch Ansagen von Prominenten zu ersetzen, und Dieter Hallervorden wurde geshitstormed, weil er es wagte, die Ansage für die Mohrenstraße zu sprechen. (Warum nennt man das eigentlich nicht gehatespeeched? Kommt immer auf die politische Richtung an. Nur wenn es gegen die political correctness geht heißt es hate speech.)

Kopp, dessen Verein sich eine kritische Würdigung der Spuren des Kolonialismus in Berlin zur Aufgabe gemacht hat, bezieht sich auf die Debatte um das 2012 von Hallervorden am Schlossparktheater inszenierte Stück „Ich bin nicht Rappaport“ von Herb Gardner, in dem ein weißer Joachim Bliese mit viel schwarzer Schminke die Rolle des Midge spielte. Für dieses sogenannte „Blackfacing“ war Hallervorden von Berliner Vertretern der schwarzen Community kritisiert worden.

Ich habe noch nie verstanden, wie sich Leute als „Vertreter der schwarzen Community” aufspielen können ohne eine Mandatierung vorzulegen. Meines Wissens gibt es nämlich keine „schwarze Community” in Berlin, und komischerweise wusste auch ein Bekannter, der hier in Berlin arbeitet und aus dem mittleren Afrika stammt, und nun wirklich sehr schwarz ist, den ich darauf mal angesprochen habe, auch nichts davon. Er habe von sowas noch nie gehört und wüsste auch nicht, was das sein soll. Er habe auch nicht die geringste Absicht, sich da mit irgendwem zusammenzuschließen und sich vertreten zu lassen. Das ist eine häufige Betrugsmasche unter Linken, sich als selbsternannter Vertreter von irgendeiner Gruppe aufzuspielen, egal ob Frauen, Lesben, Schwule, Behinderte, Muslime, Schwarze, irgendeine politisch geschützte Gruppe halt.

Insbesondere finde ich das aber dubios, wenn man Hallervorden angreift, weil ein Schauspieler in dessen Theater schwarz geschminkt auftrat, der selbsternannte Retter der Schwarzen aber selbst ein Weißer ist. Fragen wir mal so: Wie rassistisch und kolonialistisch ist das eigentlich, wenn man vorgibt, dass sich die „Schwarze Community” durch einen Weißen vertreten lassen müsse, ob sie will oder nicht?

Bei den Verkehrsbetrieben hält man den Vorwurf der Provokation für „völlig absurd“, wie eine Sprecherin mitteilt. Die Straße heiße nun einmal so. Die Zuteilung der Haltestellen und Sprecher sei auch nicht von der BVG vorgenommen worden, sondern vom RBB. Dabei sei es ausschließlich um pragmatische Gesichtspunkte gegangen, etwa die Verständlichkeit der Aufnahme. Auf der Website des RBB ist auch zu finden, dass die „Mohrenstraße“ nach einer „Delegation afrikanischer Repräsentanten aus der Kolonie Großfriedrichsburg (das spätere Ghana) benannt wurde“. Mit Sklaven habe der Name nichts zu tun, sagt auch die Sprecherin der BVG.

Seit wann interessieren „Fakten”?

Wie auch immer, das gleiche Spiel spielen sie jetzt in Frankfurt. Da gibt es nämlich eine „Mohrenapotheke” und eine „Zeil-Apotheke zum Mohren”.

Und auch da stehen Schwarze unter weißer Zwangsvormundschaft, in diesem Fall der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung der Stadt Frankfurt am Main (KAV). Schaut man sich deren Mitglieder- und Präsidiumsliste an, dann sieht das doch sehr links-grün-lastig und den Namen nach ausschließlich deutsch-türkisch-arabisch an. Warum sich Afrikaner von denen vertreten und bevormunden lassen müssten, ist nicht ersichtlich.

Der Magistrat möge mit den beiden Unternehmen Kontakt aufnehmen und darauf hinweisen, „dass der Ausdruck ‚Mohr‘ als rassistisch angesehen wird und dass bundesweit bereits viele Bezeichnungen für Speisen, Straßen und sogar Firmenlogos geändert wurden“.

Von wem wird der Ausdruck als rassistisch angesehen? Ist die Stadt Frankfurt jetzt schon die Sprachbehörde?

Zur Begründung führt das Gremium an, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) habe „oft dazu aufgerufen, dass in Frankfurt am Main kein Platz für Rassismus ist“. Die Stadt müsse deshalb Flagge gegen die Verwendung rassistischer Bilder und Bezeichnungen zeigen, so die KAV. „Leider muss auch im Jahre 2018 noch immer darauf hingewiesen werden, dass Wörter wie ‚Neger‘ oder ‚Mohr‘ einen rassistischen Hintergrund haben. Viel zu lange wurden sie in Deutschland weder hinterfragt noch aufgegeben.“ Durch ihre Weiterverwendung werde „Rassismus weiterhin gedankenlos verbreitet“.

So ein Schwachsinn.

Bloß weil ein Politiker der radikalen Splitterpartei SPD zu etwas aufruft, ist es noch lange nicht Gesetz. Nur mal zum Vergleich: Es gingen gerade Umfragen durch die Presse, wonach die SPD nur noch vier Prozentpunkte vor der AfD liegt, und wozu AfD-Politiker aufrufen, sieht man ja auch nicht als verbindlich an.

Und was heißt „weder hinterfragt noch aufgegeben”? Das ist doch ein Widerspruch in sich. Was soll ein „Hinterfragen” sein, wenn einerseits behauptet wird, dass es nicht passiert sei, andererseits das Ergebnis dessen schon fest vorgegeben wird? Das ist doch Hirnmatsch. Und woher will man wissen, dass sich die Apothekeninhaber keine Gedanken gemacht haben? Selbst dumme Gedanken wären nicht mehr „gedankenlos”.

Karin Schweizer, Geschäftsführerin der Eschersheimer Mohren-Apotheke, zeigte sich überrascht und bezeichnete es als „befremdlich“, dass die Migrantenvertretung sie nicht kontaktiert habe. Sie erläuterte, dass die in den 60er-Jahren gegründete Apotheke den Namen schon sehr lange trage. Es sei ein bundesweit häufiger, „traditioneller Name für Apotheken“, der ursprünglich wohl auf die Verwendung von Arzneien aus fernen Ländern zurückgehe.

Möglicherweise hätten sich Apotheker auch dem Heiligen Mauritius als Schutzpatron der Kaufleute unterstellt, der im 13. Jahrhundert oft als Schwarzer dargestellt wurde. Sie habe den Namen beibehalten, als sie die Apotheke vor knapp 20 Jahren übernommen habe und bislang keine Notwendigkeit gesehen, ihn zu ändern.

Finde ich zumindest im ersten Ansatz überzeugend.

Allerdings habe es bereits Kritik am von der KAV ebenfalls beanstandeten Logo ihrer Apotheke gegeben, das den Kopf eines schwarzen Menschen mit Turban und Ohrring zeigt. „Über das Logo kann man diskutieren und wir haben es im Prinzip schon fast überall entfernt“, sagte Schweizer.

Dann würde ich dringend empfehlen, das Logo entsprechend den politischen Forderungen durch den Kopf eines weißen Mannes zu ersetzen, damit dann jeder sieht, was hier die Norm sein soll und wem man Apothekenwissen zuschreibt. Bedenke, worum Du bittest.

Verblüffend daran finde ich, dass die ja alle wie bekloppt dafür kämpfen, dass Frauen mit Hijab zum normalen Stadtbild gehören sollen und per Diversität alle Hautfarben und Kulturen dazugehören müssten. Macht aber jemand genau das und hat einen Schwarzen mit Turban und Ohrring im Logo, was ja eigentlich perfekt für Diversität steht (galt der Ohrring nicht mal als Zeichen der Schwulen?), dann ist das auch wieder falsch.

Was wollen sie denn nun?

Wollen sie nun Diversität oder nicht?

Oder geht’s nur drum, rumzupöbeln, das Maul aufzureißen, sich wichtig zu machen und Schwarze zu bevormunden? Haben wir da jetzt irgendwie solche Rassenhierarchien, in denen türkisch-arabisch-links-grüne Lobbygruppen sich als Vertreter der Schwarzen aufspielen?

Stellt Euch mal vor, was los wäre, wenn der Apothekerverband ein Rundschreiben machte, in dem steht, dass es strikt verboten sei, in Werbung und Schaufenstern schwarze Menschen zu zeigen. Also im Prinzip das, was die hier fordern. Dann wäre auch die Hölle los.

Oder stellt Euch mal vor, ein schwarzer Migrant, der nunmal gerne Turban trägt, das als Religionsmerkmal ansieht und als Parallele zum Kopftuch ansieht, würde hier eine Apotheke eröffnen und sein Foto für Schaufenster, Twitter, Facebook als Logo verwenden wollen.

Alles so unglaublich blödsinnig. Und ausgerechnet die werfen anderen Gedankenlosigkeit vor.