Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wehe der Logik!

Hadmut
29.10.2017 14:09

Eine neue Argumentationsweise.

Eine übliche und weit verbreitete Argumentationsfigur (neudeutsch: Narrativ) ist das Argument mit der Logik. Also auf Metaebene. Es wird nicht logisch argumentiert, sondern auf einer Meta-Ebene behauptet, der eigene Standpunkt sei logisch, der gegnerische natürlich unlogisch. (Den ständig gemachten Fehler, dass eine Argumentationsweise nicht logisch oder unlogisch wird, indem man sie also solche bezeichnet, sondern indem man den eigenen Standpunkt logisch herleitet oder für den gegnerischen Standpunkt einen logischen Widerspruch darlegt, übergehen wir hier an dieser Stelle mal.)

Im wesentlichen geht es heute in den verbalen Auseinandersetzungen (neudeutsch: Diskurs) darum, dass es positiv und negativ konnotierte Begriffe gibt (oft sogar zwei bedeungsgleiche, aber gegenpolit konnotierte, damit das rhetorische Arsenal immer das enthält, was man gerade braucht), und auch sonst ist es selbstverständlich, dass der eigenen Standpunkt immer moralisch, der gegnerische rassistisch, sexistisch, patriarchalisch, kolonialisitisch und so weiter ist, und die linken Schwafelfabriken sorgen dafür, dass der öffentliche Streit immer in Bewegung bleibt (kritische Theorie), indem sie regelmäßig neue Schmähbegriffe in Umlauf setzen. Der zentrale Punkt ist, dass nie inhaltlich argumentiert wird, sondern man immer mit Schmähworten wirft, die die entsprechende Bäh-Reaktionen auslösen, bis sie abgenutzt sind und das nächste dran ist.

Nach meinem Kartoffelpüree-Artikel bekamen sich auf Twitter zwei in die Wolle, ein mir wohl- und ein mir feindlich gesonnener Leser des Artikels. Und weil ich da immer drin genannt wurde, bekam ich das alles in meine Timeline mit rein.

Ich will mal daraus zitieren.

Zur Orientierung: Der meinte nicht etwa, wie man nach dieser Wertung denken müsste, das, was da auf der Bühne lief, sondern meinen Bericht darüber.

Nachdem der Gegenpart nach einer Begründung fragte, hieß es

Erst mal Holz hacken zu gehen ist nicht verkehrt und manchmal gut für’s Hirn. Manchmal. In diesem Fall war es allerdings nicht begründungsfördernd:

Heute ging’s dann weiter.

Das muss ich mir jetzt im Kalender (naja, das heißt im Blog, deshalb heißt es ja Web-Log, ist ja quasi ein Tagebuch) rot anstreichen.

Dass man jemandem vorwirft, dass seine Haltung unlogisch, oder eben die dem gegenteilige Meinung logisch ist, ist ja bekannt, das passiert oft.

Dass aber einem vorgeworfen wird, dass es gar nicht darauf ankomme, was da auf der Bühne passiert ist, sondern dass überhaupt die Anwendung von Logik darauf boshaft wäre, das ist gewissermaßen neu. Ich habe zwar schon in der Gender-Literatur gelesen, dass Wissenschaft frauenausgrenzend wäre, weil sie auf Logik baue und das subjektiv-körperlich-geschlechtliche draußen vorlasse, ohne das Frauen einfach nicht könnten, aber das hatte immerhin noch so eine Neid-Komponente, so ein Aroma von „Männer können schneller rennen, also darf man Menschen nicht nach der Laufgeschwindigkeit beurteilen”, die ja insgeheim noch zugibt, dass schnell zu rennen per se erst mal nicht schlecht ist. Auch findet man gelegentlich Maulen, dass das Rationale und die Verifikation als zu hoch gewertet und das Emotionale als zu niedrig gewertet würde, und das frauenausgrenzend sei. Aber immer irgendwo in Schwafelbergen versteckt.

Dass aber Logik an sich als boshaft eingestuft wird, weil sie dem „subjektiven Empfinden” der politisch Bevorzugten widerspricht, das habe ich so explizit und so isoliert noch nicht gefunden.

Das heißt, dass man da ganz bewusst und gewollt auch mit Aussagen arbeitet, die nicht stimmen, nicht stimmen können, weil sie der Logik widersprechen.

Umso bemerkenswerter, weil es ja aus dem linken Lager ständig Kampagnen gegen „Fake News”, „Filter Bubbles”, „Echo Kammern” gibt, man sich selbst aber immer über den Begriff „Lügenpresse” aufregt.

Zur Kenntnis nehmen sollte man, dass der Begriff der Logik politisch anscheinend auf dem Weg vom positiven zum negativ konnotierten Kampfbegriff sein und damit einer Werteumkehr unterliegen könnte.