Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wie Männer bessere Männer werden sollen

Hadmut
17.10.2017 23:34

Das Schundblatt ZEIT ONLINE gibt Empfehlungen heraus, wie Männer sich zu verhalten hätten.

Geschrieben hat es mir eine Leserin, die darüber stinksauer ist.

„Männer, ihr wollt Frauen besser behandeln? Fangt mit dieser Liste an!” – so titeln die jetzt auf.

Und geben Ratschläge. Darunter:

  • Wenn du an einem Meeting teilnimmst und siehst, dass nur Männer anwesend sind, mach dich dagegen stark.
  • Wenn ein Mann eine Frau unterbricht, steh für sie ein. Sage: “Hey, sie hat etwas gesagt.”

Die Leserin kocht vor Wut.

Sie fühlt sich bevormundet und behandelt wie ein kleines Kind.

Sie meint, dass sie sich selbst wehren kann, soll und wird, wenn sie unterbrochen wird. Sie braucht keine Vati-Person, die sich dann noch als ihr Aufpasser aufspielt.

Da hat sie recht. Und überhaupt: „Sie hat etwas gesagt.” – Das ist wie „Oh, sie kann sprechen”. Oder „Es hat etwas gesagt…”. Ja, sie spricht. Sie kann auch schon alleine auf’s Klo.

Und die Leserin will auch nicht, dass sich irgender außer ihr selbst „stark macht”, wenn in einem Meeting nur Männer sitzen. Sie entscheidet selbst, ob sie hingeht oder nicht. Und sie denkt nicht daran, als Gastfrau in einem Meeting zu fungieren, wenn es dort keine eigenen Frauen gibt.

Ich hätte da auch noch welche, an denen ich Anstoß näme:

Bezeichne Frauen im beruflichen Kontext niemals als hysterisch.

Auch dann nicht, wenn sie es sind? Ich schreibe (wahrscheinlich heute noch) einen Artikel zu den Zuständen an den Universitäten, an denen die blanke Hysterie herrscht. Warum soll man die nicht so nennen?

Und noch wichtiger: Was sagt es eigentlich über die Autoren der ZEIT, wenn es für die so wichtig ist, nicht als „hystischerisch” bezeichnet zu werden? Kommt das bei denen so häufig vor?

Der Volksmund sagt, dass wer sich den Schuh anzieht, dem passt er.

Schicke einer Frau keine Bilder von deinem Penis. Es sei denn, sie hat darum gebeten.

Müssen ja tolle Zustände dort sein.

(Und nein, ich habe noch nie einer Frau ein Bild von meinem Penis geschickt. Nicht mal denen, die darum gebeten haben.)

Erlaube dir keine Schlüsse über die Intelligenz von Frauen, ihre Fähigkeiten oder ihre Wünsche nur aufgrund ihrer Kleidung.

Och, das geht schon. Berlin, Kurfürstenstraße. Da gibt die Kleidung sofort Aufschluss darüber, welche „Fähigkeiten” sie feilbieten und welche (Preis-)Wünsche sie haben.

Aber es stimmt schon. Man sollte schon warten, bis sie reden. Bei nicht wenigen sind dann alle Zweifel und Unklarheiten beseitigt.

Wobei die ZEIT das ja auch nicht selbst geschrieben, sondern beim britischen Guardian abgekupfert hat. Wie ich schon sagte: Sagt was über die ZEIT.

If a woman says no to a date, don’t ask her again.

Oh, ja. Nein? Dann halt nicht. Da werden die höllenstinksauer, weil die meinen, sie müssten so romantisch erobert werden. Und nein heißt ja und ja heißt nein. Die drehen dann durch wenn man was anderes macht, irgendwas Tolles, und ihnen dann sagt „Wieso, Du hattest doch ‘Nein’ gesagt, dann bin ich eben mit x los…”. Ich hab’s nicht mit dem Erorbern. Nein heißt raus. Verblüffenderweise gilt man damit als frauenverachtend.

Noch drolliger ist es, wenn sie „Nein” sagen (und „Ja” meinen) bevor man gefragt hat, und man dann klarstellt, dass man nie die Absicht gehabt hätte und es einem nie in den Sinn käme, sie zu fragen. Dann rennen.

If a woman is really drunk, she cannot consent to you and she also cannot consent to your buddy who seems to be trying something. Your buddy is your responsibility, so say something and intervene.

Wie wär’s mit weniger saufen?

Wie wär’s mit der Einsicht, dass Saufen bis zur Entscheidungsunfähigkeit einfach ein Fehler ist und man damit anderen die Verantwortung für sich selbst aufnötigt?

Ich habe das schon einige Male miterlebt, dass Frauen sich die Birne zusaufen um die Verantwortung für sich selbst einfach an andere abzugeben. Und für Dritte soll man dann auch noch verantwortlich sein. (Die Story, als ich in Australien am Ayer’s Rock/Uluru mal eine stockbesoffene 20-Jährige Australierin, die nicht mehr stehen konnte, von der Kneipe zum Hotel geschleppt und ins Bett gelegt hatte, weil der Reiseleiter mit den vielen besoffenen Frauen nicht mehr klarkam und die Männer um Hilfe bat, hab ich schon erzählt, oder? Die schaffte es gerade noch so, mir in direkter Beischlaferwartung und entseztlicher Fahne ins Ohr zu lallen, ich sei zu alt für sie, weil sie sich wohl erhofft hatte, mit der Masche einen schönen jungen Mann zu angeln. Dass das auf mich überhaupt nicht erotisch und in keiner Weise anziehend wirkte, in der Wüste zu stehen, während mir eine besoffene 19 oder 20-Jährige über der Schulter hängt und hinten über den Rücken kotzt, während vorne zwei Polizisten gucken, was ich da mit ner jungen Frau mache, können die sich nicht vorstellen. Und ja, es war verdammt schwer, sie ins Bett zu kriegen. Die hatte nämlich in ihrem Zimmer in den Doppelstockbetten das obere. Das war ein echtes Stück Arbeit – und brauchte die Hilfe zweier weiterer Frauen, zudem des Einverständnis derer des unteren Bettes zum Bettentausch – die endlich ins Bett zu kriegen. Seitdem weiß ich, wie verdammt schwer es ist, eine Besoffene ins Bett zu kriegen. Was war ich froh, als die endlich drin und Ruhe war und ich in mein eigenes Zimmer konnte. Am nächsten Tag kam sie an, bedankte sich gesenkten Hauptes, und bat dann, ich möge das doch bitte, bitte, bitte nicht ihren Eltern erzählen. Als ob ich vorgehabt hätte, ihre Eltern kennenlernen zu wollen… Ich wollte mit der gar nichts zu tun haben, der Reiseleiter hatte mich in seiner Not um Hilfe gebeten.)

Und jetzt kommen die und meinen, besoffene Frauen könnten nicht einwilligen. Wär schon schön, wenn sie alleine stehen könnten.

Involve women in your creative projects, then let them have equal part in them.

Können die das nicht selbst?

Warum brauchen Frauen einen Mann als Kreativen?

Don’t need to literally witness a man being horrible in order to believe that he’s horrible. Trust and believe women.

Das fehlte gerade noch. Hat man ja an amerikanischen Universitäten gesehen, wohin das führt.

Heißt nicht die ganze Liste im Ergebnis nichts anders, als dass Männer als Aufpasser für Frauen fungieren sollen?

Bleibt die Frage: Wer kauft solche Schundblätter?