Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Fifty Shades of Neuland

Hadmut
14.10.2017 23:04

Zur (mangelnden) Sorgfalt und Sachkunde der Presse.

Heute ergoss sich die Presse in Schadenfreude gegen die CDU (Fraktion in NRW). Weil die CDU sich mit ihrem Einsatz für Rauchmelder blamiert habe. Sie wollte ein Foto eines Rauchmelders twittern, und, so die hämische Presse, habe stattdessen einen WLAN-Router fotografiert. Darunter die WELT, die Aachener Zeitung, die Neue Westfälische, die BILD, und noch andere mehr.

Man spottet über Neuland und dass die CDU nicht wisse, was ein WLAN-Router ist, und so weiter und so fort.

Nun halte ich als Informatiker die Verwechslung (trotz des kleinen Aufklebers) für entschuldbar und nicht vorwurfswürdig, denn objektiv betrachtet gibt es durchaus WLAN-Geräte und Rauchmelder, vor allem wenn sie vernetzt sind, die sich sehr ähnlich sehen, und die nötige Sachkunde würde ich nicht von jedem verlangen, zumal in der haushaltsüblichen Variante nur die Rauchmelder so aussehen, die Internet-Büchse aber ganz anders. Das ist bei Laien nicht bekannt, dass es auch solche Geräte gibt, und man muss sich wirklich nicht mit WLAN auskennen, um auf Rauchmelder hinzuweisen. Ich sehe da eigentlich keinen Raum für Vorwürfe oder Schadenfreude. Das muss wirklich nicht jeder wissen und die Detailunterschiede von Geräten an der Decke kennen, die alle ähnlich aussehen. Und ich kann Euch versichern, ich war in meinem Berufsleben in – grobe Größenordnung, ich hab’s nicht gezählt – ungefähr hundert Rechenzentren und Serverräumen, und das ist wirklich nicht immer auf Anhieb erkennbar, was da an Decken, in Doppelböden und in Racks hängt. Es gibt noch mehr Dinge, die so oder so ähnlich aussehen können.

Wenn man aber schon das Maul aufreißt und sich über andere lustig macht, dann sollte man es selbst besser wissen.

Das sind nämlich keine WLAN-Router.

Zwar gibt es WLAN-Router, das sind eben so die typischen Internet-Büchsen für zuhause, aber selbst die sind keine WLAN-Router, sondern ein WLAN Access-Point und ein Router in einem Gehäuse, weshalb sie – fälschlich – so genannt werden. Aber immerhin kann man sie so nennen, weil da ein Router drin ist.

In den Infrastruktur-WLAN-Geräten, die typischerweise in Firmen verwendet werden, wenn man mehrere braucht – und dazu gehören solche festmontierten Geräte an der Decke – ist normalerweise nämlich kein Router drin. Das ist kein Router, das ist ein Access Point, und der hat die Funktion eines Switches oder Repeaters. Die arbeiten nämlich auf Schicht 1 und 2, während ein Router auf Schicht 3 arbeitet.

(Viele Leser hatten mich auf die Zeitungsartikel hingewiesen, einige davon hatten bereits selbst gemerkt, dass „WLAN-Router” falsch ist. )

Zwar habe ich jetzt den Hersteller nicht erkannt, ich kenne diese Geräte nicht, aber Infrastruktur-WLAN-Accesspoints sind in der Regel eben keine Router. Das merkt man insbesondere daran, wenn man per WLAN IP-Adressen aus demselben Adressbereich (derselben Netzwerkmaske) bekommt wie im Ethernet, so die typische Konfiguration. Also routen sie nicht. Und das ist auch zuhause nicht anders, denn auch die Home-Geräte routen nicht zwischen WLAN und LAN, denn da verwenden sie in aller Regel und bei fast allen Herstellern in LAN und WLAN denselben Adressbereich, und switchen dazwischen. (Mir fällt da momentan eigentlich nur OpenWRT ein, womBILDit man kleine billige Heimgeräte dazu bringt, zwischen LAN und WLAN zu routen, dazu muss man aber auch einiges an der Einstellung ändern.) Die Geräte routen nur zwischen Wohnung und Internet, weil sie eben noch ein DSL-Modem oder Kabel-Modem (oder LTE oder ISDN oder einen gerouteten Port) haben. Wie gesagt, WLAN und Router in einem Gehäuse, nicht WLAN-Router. Außerdem treiben die noch NAT, Firewalling und so weiter. Die Dinger, die an der Decke hängen , sind aber nicht ans Internet angeschlossen, sondern an die Hausverkabelung.

Wenn man sich also schon über andere lustig macht und zerreißt, dann sollte man es selbst besser wissen und nicht – Qualitätsjournalismus – irgendeinen Technik-Scheiß von Twitter oder anderen Blättern abschreiben.

Die CDU hat was verwechselt.

Die Presse hat sich blamiert.

Von wegen „Neuland”. Verstanden habe es die Schreiberlinge selbst nicht. Wenn man sich aber ansieht, wer heute Presse ist, und wie die so leben und arbeiten, dann ist natürlich verständlich, dass die wie „Internet ist, wenn’s blinkt und man Webseiten sieht” ticken. Deshalb erklären die auch so gerne irgendwelche Tussis zu „Internet-Expertinnen”, auch wenn die selbst nicht wissen, wo die kleinen Webseiten herkommen, und dass die nicht der Klapperstorch bringt.