Ansichten eines Informatikers

Die Doppelmoral der Tagesschau

Hadmut
12.10.2017 9:28

So unterschiedliche Maßstäbe für sich und andere.

Die Tagesschau twittert:

Wie die Presse mit Trump umgeht, ist bekannt, hier aber nicht das Thema.

Wenn es nämlich darum geht, auf Social Media und Blogs zu hauen, dann sind Tagesschau und ARD sofort mit dabei. Dann regen sich auch Tagesschau-Leute (wie neulich bei der Netzwerk-Recherche-Konferenz im NDR) darüber auf, dass man in den Social Media schreiben könnte, was man will.

Und wenn ein Heiko Maas – oder im Ergebnis die Bundesregierung und die Fraktionen – ein Netzdurchsetzungsgesetz erlassen, mit dem wie mit der Kettensäge sofort alles weggeschnitten wird, was nicht gefällt, dann loben sie ihn dafür. So schrieb dieselbe Tagesschau:

Das umstrittene Gesetz gegen Hass und Verleumdung in den sozialen Netzwerken hat den Bundestag passiert. Das “verbale Faustrecht” im Internet werde dadurch nun beendet, sagte Justizminister Maas.

Es ist zwar ein Zitat und keine eigene Aussage der Tagesschau, aber man merkt sehr deutlich, dass die Trump und Maas so ganz unterschiedlich behandeln. Mal ist es Pressefreiheit, zu schreiben, was man will, mal ist es „verbales Faustrecht”. Zwar erwähnen sie darin auch, dass das Gesetz kritisiert wird, überlassen das aber den Reportern ohne Grenzen, die zu erwähnen sie aus Kollegialität verpflichtet sind (die sind ja auch immer bei den Konferenzen im NDR dabei, man kennt sich).

Und wenn die Bundesregierung über die Amadeu-Antonio-Stiftung, ihre vielen anderen Zuwendungsempfänger oder auch selbst gegen Social Media wettert, dann finden die Medien daran auch nichts auszusetzen.

Besonders widerlich ist es aber, das mit dem eigenen Gebaren der ARD und ihrer Sender zu vergleichen. Denn wenn denen was nicht passt, wird sofort und ohne jede Berücksichtigung auf die Frage, ob die ARD überhaupt rechtsfähig ist, gelöscht, gesperrt und mit Abmahnungen geschossen, bei denen dann auch journlistisch gar nichts mehr geklärt wird, sondern einfach aus dem gebührenfinanzierten Milliardensäckel Streitwerte angezettelt werden, die privat arbeitende Leute ruinieren, bei denen es dann nur noch um das Recht des Stärkeren geht.

Die Meinungs- und Pressefreiheit anderer achten sie nicht, die brechen sie mit medialer und finanzieller Gewalt.

Wenn sie aber selbst so angefasst werden, wie sie andere anfassen, dann kommen wieder diese widerliche #Aufschrei-Rhetorik.

Und was man auch mal anmerken muss: ARD und ZDF betreiben Regierungspropaganda und finden das normal und angemessen. Gleichzeitig aber regen sie sich über Trump auf, wenn der meint, dass die Medien dort nicht regierungskonform schreiben. Wenn Trump also das will, was man hier als selbstverständlich ansieht, dann gilt er als Schuft. Anstatt mal zu fragen, ob die deutschen öffentlich-rechtlichen Medien nicht genau das sind, was der böse Trump gerne haben will.

Zahlen müssen wir die.

Aber wer glaubt denen noch was?