Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Warum das ZDF kein gutes Fernsehen (mehr) macht

Hadmut
4.10.2017 23:59

Ich war mal wieder auf einer Medienveranstaltung. [Nachtrag]

Heute war ich bei der 12. dbb Medienkonferenz 2017 beim Beamtenbund in Berlin. Titel und Thema: „Alternativlose Fakten – Gefährden Fake News und Bots die Programmqualität?“

Eigentlich hängen mir diese Fake-News-Konferenzen ja zum Hals raus. Wir haben inzwischen weit mehr Fake-News-Konferenzen als Fake-News, und seit sich alle für die großen Fake-News-Entdecker halten, gibt es auch mehr Fake-News-Fehlalarme als Fake-News. (Die Nummer mit der Bananenspinne spare ich mir jetzt, die habe ich schon so oft erzählt und gebloggt, aber mittlerweile ist das wirklich so eine Psychoseuche geworden, sich überall Fake-News einzubilden. Wieviele Fake-News habt Ihr zur Bundestagswahl gesehen?)

Die lausigste Fake-News-Veranstaltung, auf der ich bisher war, war die bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Demgegenüber kam mir die Veranstaltung des dbb als von der Tendenz her als die bisher beste vor. Ich sage nicht gut, weil sie an den Kern des Problems nicht heranrührte, aber bisher beste. Allerdings auch etwas kurz, aber in der Kürze liegt manchmal die Würze. Man muss nicht alles zerlabern. Zumal die Sache vom dbb her prinzipiell offen und neugierig angegangen worden war, und der Drall erst durch die Gäste hereinkam.

Allerdings habe ich jetzt auch wieder mal darauf verzichtet, zu genau mitzuschreiben, zumal ich auch keinen Tisch hatte, also will ich jetzt auch keine Inhaltsangabe machen, sondern nur die Eindrücke verwerten, die bei mir – so ganz subjektiv – hängen geblieben sind. Es ist kein Protokoll, es ist eine prosaische Darstellung dessen, was da bei mir kleben geblieben ist.

Dr. Peter Frey, Chefradakteur ZDF

Zuerst hielt Peter Frey vom ZDF einen etwa dreiviertelstündigen Einzelvortrag, Titel „Lügenpresse, Fake News und Glaubwürdigkeit der MEdien – Das Fernsehen und seine Rolle in der neuen digitalen Welt“. Dieser Vortrag hat für mich schon den Besuch gelohnt, nicht weil ich ihn so gut fand, sondern weil er mir zeigte, was das Problem ist. Und weil er eigentlich sein eigenes Vortragsthema verfehlte, denn mit digital hatte es nicht viel zu tun.

Ich musste nämlich direkt an eine Managementschulung denken, an der ich vor 17 Jahren mal teilgenommen habe. Darin hieß es auch: Was ist eine Rechtfertigung? Eine Antwort auf eine Frage, die keiner gestellt hat. Egal, ob man dem zustimmt, ich musste daran denken. Denn Frey hielt da einen Rechtfertigungsvortrag. Er erklärte etwas, was ihn da noch keiner gefragt hatte.

Frey rechtfertigte sich und das ZDF sehr umfassend und umfangreich für den Umgang des ZDF mit der AfD.

Wobei die Fragen offenbar schon gestellt, besser gesagt Angriffe gegen das ZDF durchgeführt worden sind, aber eben nicht dort. Er deutete es an und es war ansonsten auch sehr klar, dass irgendwer dem ZDF ganz massive Vorwürfe gemacht und ihnen die Schuld am Wahlerfolg der AfD gegeben hatte. Dadurch, dass man sich überhaupt mit der AfD befasst habe, und das noch mit den Themen (Zuwanderung), mit der die AfD für sich werbe, habe zum Wahlergebnis geführt. Es ging um den (auch wörtlich genannten) Vorwurf, ARD und ZDF hätten die AfD „groß gemacht“.

Dagegen suchte er sich zu verteidigen.

Beispielsweise sei es für einen Sender wie das ZDF schlicht nicht möglich und auch nicht Ziel sein könne, die AfD – wie offenbar gefordert bzw. zum Vorwurf gemacht – einfach zu ignorieren. Totzuschweigen. Denn immerhin seien sie ja bei der Wahl angetreten und wären auch schon in Landtage eingezogen, da sei es einfach journalistisch nicht möglich, diese zu ignorieren.

Immerhin habe man die AfD ja zu jenen Veranstaltungen nicht eingeladen, die sich auf die Parteien bezögen, die im bisherigen Bundestag nicht vertreten waren. Hätte man das aber, wie offenbar von irgendwem verlangt, weiter durchgezogen, hätte man ja auch über die FDP nicht berichten dürfen, denn die war ja auch nicht im Bundestag. Zumal man sich eben an das Prinzip der „Abgestuften Chancengleichheit“ gehalten habe. (Vielen scheint der Begriff zu gefallen, in meinen Ohren wirkt er wie eine schmerzhafte Dissonanz, eine contradiction in terms, weil sich das eine Wort mit dem anderen prügelt, da rebelliert mein Sprachgefühl. Dazu unten mehr.), wonach man die AfD manchmal erwähnt habe.

Und auch der Vorwurf, man habe die AfD nur auf ihre bevorzugten Themen angesprochen, sei unwahr, davon könne man sich in der Mediathek in den Talkshows von Maybrit Illner, insbesondere Illner Intensiv, überzeugen. So habe man die AfD bloßgestellt, weil sie kein Rentenkonzept habe. Freilich habe man daraus lernen müssen, sich etwa nicht provozieren zu lassen, nicht über jedes Stöckchen zu springen, das einem hingehalten wird.

Und ich sitze da und wundere mich.

Was zum Geier treibt denn den um?

Irgendwer muss ganz enorm auf das ZDF eingedroschen haben. In den 10 Tagen, die die Wahl nun her ist, müssen die wohl ziemliche Prügel bezogen haben. Keine Ahnung, von wem, das hat er nicht gesagt. Aber benommen hat er sich wie ein verprügelter Hund. So wie er sprach, sah der vor meinem geistigen Auge aus, als hätte er ein Veilchen, eine gebrochene Nase und ein paar demolierte Rippen, so Warnprügel von der Mafia im übertragenene Sinne. Irgendwer in diesem unserem Lande, der einige Macht hat, glaubt offenbar, dass er dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen sagen kann, was die zu senden haben und was nicht. Und versucht es auch. Ich komme gleich darauf zurück. Jedenfalls trat da einer auf, der sich rechtfertigte und verteidigte, obwohl ihn da keiner angegriffen hatte.

Er kam – vorgeblich – zum zweiten Teil seines Vortrages (Themenwechsel), der auf mich aber wie eine Fortsetzung der Verteidigung wirkte. Jetzt nämlich ging es darum, was guter Journalismus ist und wie gut das ZDF doch sei (nicht weniger als die Besten). Denn es ging da auch um Glaubwürdigkeit, unter deren Schwund man beim ZDF offenbar sehr leidet.

Er legte seinen Standpunkt dar, dass der Journalist Beobachter bleiben müsse und nicht Akteur mit Sendungsbewusstsein werden dürfe. (Anscheinend hat das jemand von ihm verlangt oder es ist das Ziel von ZDF-Mitarbeitern, so mein Verständnis seiner Aussagen.)

Kritik, so sagte er, würde sehr aggressiv vorgetragen. Aber, so weiter, das ZDF erziele hohe Zuschauerzahlen, und hohe Zuschauerzahlen seien ja ein Vertrauensbeweis, immerhin erziele mal 13% der Zuschauer und sei damit auf Platz 1. (Da rollen sich mir dann die Zehnägel ob der Widersprüchlichkeit, denn wenn eine AfD 12,6% holt und drittstärkste Partei ist, gilt das als Populismus und Betrug der Wähler, die darauf hereingefallen sind, aber holt das ZDF 13% und den ersten Platz, ist das Beweis für das große Vertrauen der Zuschauer und die himmlische Güte des ZDF. Die scharfe Grenze zwischen gut und böse muss also irgendo zwischen 12,6 und 13% und zwischen dem ersten und dem dritten Platz verlaufen. Da merkt man dann, wie die sich ihre Wunschwahrheit zusammennageln. Dass das ZDF schlecht sein könnte, kommt ihnen kaum in den Sinn. Erster unter Schlechten gibt es nicht, sie sind die Besten der Guten. Komisch, dass meine Leser das meist ganz anders sehen. Erinnert mich an den Wahlkampf, bei dem meistens – diesmal ja nicht so uneingeschränkt – alle Parteien erklären, selbst gewonnen und einen Vertrauensbeweis des Wählers erhalten zu haben, während andere immer eine krachende Niederlage erlitten haben.)

Nun, so fuhr er fort, freilich habe man Fehler gemacht. Doch es gelte, Fehler zuzugeben, Irrtümer enizugestehen und die Arbeitsweise zu erklären. So habe etwa heute.de nun eine Rubrik mit Fehlerkorrekturen. Selbst bei ihren Fehlern sind die vom ZDF noch die allerbesten der besten. Selbst ihre Fehler adeln sie noch. Und wer so hohe Einschaltzahlen wie das heute journal mit Slomka und Kleber erreiche, der kann ja gar nicht schlecht sein. (Was ich persönlich im Falle Kleber doch ganz anders sehe.)

Und, so meint er, das Vertrauen in die Medien sei groß, würde gar noch steigen, ein Vertrauensverlust sei nicht erkennbar. Medienverdrossenheit sei kein Breitenphänomen.

Zwar gebe es dann welche, die sich dem allem verweigerten, aber das pathologisierte er dann wieder. Warum fühlten sich diese Menschen ausgegrenzt? (Man kann die Medien also nicht schlecht finden, das hat immer eigene, subjektive Ursachen.) Man müsse sich um deren Sorgen und Nöte der Leute kümmern (also nicht etwa besseres Programm machen), um deren Verweigerung und Enthemmung (=wer die Medien kritisiert, verweigert sich dem ultimativ Guten, und Kritik ist einfach eine Form der Enthemmung). Es gäbe halt Leute, die hocken da in ihren Filterkugeln und sind von der Welt nicht mehr erreichbar.

Bei mir kam das aber wie eine Fortsetzung des ersten Teils an, weil das ZDF anscheinend bei derselben Gelegenheit auch Vorwürfe bekommen hatte, dass sie Qualität, Zuschauer und Glaubwürdigkeit verlören. Und sie seien einfach die Besten, und die paar Leute, die mit ihnen nicht zufrieden sind, nur pathologische Eigenbrötler, Unerreichbare. Wer ZDF ansehe, müsste spätestens bei Illner vor Begeisterung überwältigt sein. Oder so ähnlich.

Frage 1

Ich habe dann gefragt, was denn diese „abgestufte Chancengleichheit“ genau sei. Inhaltlich hat er es nicht erklärt. Es sei ein juristischer Fachbegriff (ah, wieder mal Juristenrabulistik, sie deklarieren wieder mal etwas als sein Gegenteil, das übliche Schema, immer ist es ja so, aber hier ganz anders), wieder mal so eine Volksverarsche. Es geht darum, die Parteien stark unterschiedlich zu behandeln, das dann aber „Chancengleichheit“ zu nennen, weil es ja eine abgestufte Chancengleichheit sei. Die glauben das wirklich, der Frey jedenfalls. (Naja, sie halten Frauenbevorzugung ja auch für Chancengleichheit.) Das heißt dann, dass die etablierten Parteien mehr und bessere Sendezeiten für die Wahlwerbung bekommen. Mehr Präsenz in Talkshows und so weiter. Als der Trick, die Abwesenheit von Chancengleichheit Chancengleichheit zu nennen. So wie vegetarisches Schnitzel.

Große Selbstachtung kann man als Chefredakteur des ZDF wohl nicht haben. Mit meiner Würde und Selbstachtung wäre es nicht vereinbar, mich vor angezogene Leute zu stellen und so einen Blödsinn zu erzählen, aber er und die Juristen finden das offenbar richtig so. Und sie meinen, der Zuschauer vertraut ihnen.

Frage 2

Ich habe ihn weiter gefragt, ob ich das jetzt so richtig verstanden hätte, dass es nur zwei Arten von Menschen gäbe, nämlich die, die das ZDF ganz toll finden und ihm voll vertrauen, und die unerreichbaren Spinner in Filterkugeln. Es also keinerlei seriöse Kritiker des ZDF gäbe.

Da guckte er pampig und meinte, das hätte er so nicht gesagt, ich würde da nur hören, was ich hören wolle.

Sagen wir es so: Ich glaube wirklich, da mehr gehört zu haben, als er explizit gesagt hat. Und die scheinen ja ziemlich Kritik und Prügel bezogen zu haben. Nur gestehen sie das Zuschauern nicht zu. Einfache Leute und gewöhnliche Zuschauer sind bei ihnen begeistert oder bescheuert. Tertium non datur.

Frage x

Einige Fragen später stellte eine Journalistin (ich hatte es mir nicht gemerkt, irgendwas kirchliches oder vom Bischof oder sowas) eine sehr gute Frage, deren Güte mir leider erst etwas verzögert und im Nachhinein einleuchtete.

Es ging darin um die Political Correctness. Die nämlich sei irgendwo irgendwie als „verhandelt“ hingestellt worden, die Bürger jedoch verwahrten sich dagegen energisch, mit ihnen sei die nicht verhandelt worden.

Und dann sagte Frey etwas, was sich anhörte, wie ein Stromschlag schmeckt: Er halte das für ein Misstrauen gegenüber der repräsentativen Demokratie.

Das heißt (und nur so ist es meines Erachtens zu verstehen), dass das ZDF diese Political Correctness mit Bundestagsabgeordneten und Politikern – und offenbar nur mit denen – „verhandelt“, und meint, der Bürger habe das zu akzeptieren, weil wir ja eine „repräsentative Demokratie“ hätten, also nicht die Politiker den Bürger verpflichtet sind, sondern der Bürger sich in die Vormundschaft der Politik begeben habe.

Und das ist der Punkt, an dem für mich dann alles vorbei war. Denn Presse, Journalismus, Medien soll im Namen und Auftrag des Bürgers die Politik überwachen. Wenn aber das Fernsehen mit der Politik auskungelt, was gesagt werden darf oder muss, dann ist eigentlich alles vorbei. Dann ist das ZDF nicht mehr in der Lage, über seichtes Unterhaltungsprogramm hinaus seine Aufgaben zu erfüllen. Eine solche Aussage ist für mich der inhaltliche Offenbarungseid, da fehlt es dann an der Substanz.

Das war der Punkt, an dem für mich dann nicht nur klar, sondern evident wurde, dass das ZDF mit der Politik gemeinsame Sache macht, um uns einen vom Pferd zu erzählen, und das auch noch für gut und richtig hält und schöne Fachbegriffe dafür hat.

Diese beiden Punkte, diese „abgestufte Chancengleichheit“ und diese „repräsentative Demokratie“ waren heute die beiden beiden Kracher, an denen man erkennt, dass das ZDF praktisch nichts mehr mit seinem Auftrag zu tun hat und nur noch Propagandamaschine der aktuell Mächtigen ist.

Besessen von der AfD

Ich habe nicht mitgezählt (hat jemand anderes, siehe unten), wie oft der eigentlich AfD sagte oder die Umschreibungen nannte. Aber er sagte es immer wieder. Die anderen Parteien hat er nicht (oder nicht nennenswert) erwähnt.

Das fand ich völlig frappierend, denn in so einer Situation hätte ich ausgeführt, wie man mit Parteien und deren Politikern umgeht, ohne da nach einzelnen Exemplaren zu differenzieren. Gleicher Umgang mit allen.

Frey aber kannte eigentlich gar kein anderes Thema mehr als den Umgang mit der AfD und wie gut das ZDF doch sei. Der kam mir regelrecht fixiert, traumatisiert, (fasziniert?) vor. Der kreiste so intensiv um dieses einzelne Kalb, und nichts anderes, dass ich das schon nicht mehr für nur tages- oder situationsaktuell halten kann. Dem ist jegliche Distanz verloren gegangen, der scheint kein anderes Thema mehr zu kennen.

(Der Veranstalter nahm das in seiner Abschlussmoderation auf die Schippe und sprach von der Voldemort-Partei.)

Warum ist das so?

Ist das mit den Aufgaben eines öffentlich-rechtlichen Senders vereinbar?

Willibald Müller, AGF Videoforschung GmbH

Danach gab es einen Vortrag des Geschäftsführers der AGF Videoforschung GmbH zur Rolle der bewegten Bilder.

Er erklärte, dass sie sich ganz dolle Mühe geben, die Sehgewohnheiten der Nutzer auszuwerten, und sie geben sich wirklich ganz doll Mühe, und sind da auch ganz penibel, und sie geben sich so viel Mühe, dass sie sogar Fehler, die irrrelevant geringfügig sind, groß ankündigen, weil sie sich so dolle Mühe geben, damit das alles ganz genau sei, nur wie sie das genau machen, das könne er nicht erläutern, weil das sei so dolle komplex und …

Ich weiß nicht, was der mir eigentlich sagen wollte. Ich habe den Verdacht, dass er selbst es auch nicht weiß. Das ist so der Punkt, an dem ich junge Kollegen mal zur Seite nehme und ihnen sage, dass man sich vor einem Vortrag mal überlegen sollte, was man so im Ganzen und überhaupt eigentlich sagen und wo man damit hin will. Die Amerikaner schreiben dafür an den Universitäten unzählige Essays, aber damit üben die natürlich solche Handlungs- und Dramabögen vom Problem über die Bearbeitung zur Lösung. (Haben wir in der Schule zum Aufsatz auch mal so gelernt.) Powerpoint ist kontraproduktiv. Man neigt dazu, Folien mit Graphiken zu zeigen, zu ganzen Stapeln anzuhäufen und darüber das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Jedenfalls wirkte es so auf mich.

Podium

Dann gab es ein Podium aus Patrick Gensing (Leiter Faktenfinder der ARD), Tabea Rößner (MdB, Sprecherin für Medien usw. der Grünen), Siegfried Schneider (Bayerische Landeszenrale für neue Medien), Anja Hirschel (Sprecherin für Digitalisierung der Piratenpartei).

Ach, das plätscherte so vor sich hin, wohlfeiles Blabla, und die bösen fake news und so.

Dann passierte etwas. Hirschel von den Piraten (ich hätte nicht gedacht, dass die noch leben) übernahm praktisch das Podium und hielt einen langen Monolog, über Zensur und Facebook, dass man nie weiß, wer was warum löscht, und dass das alles ja nur als neu ausgegeben wird, und Trollmanagement es ja schon immer gegeben habe, und dass man den ganzen Lösch- und Sperrblödsinn bleiben lassen solle, weil es sowieso nicht funktioniert und man sich da immer nur immer tiefer reinverrennt, und man solle die Leute eben reden lassen und stattdessen lernen, damit umzugehen, und eben nicht mehr alles durch Befassung zu adeln, sondern das auch einfach mal so allein stehen zu lassen und weiterzugehen, und dass sie bei den Piraten damit gut gefahren seien, weil jeder sagen kann, was er will. Eigentlich viel, viel ausführlicher, aber viel zu schnell und zu erregt, um mitzuschreiben.

Aber: Es war gut. Es war richtig, was sie sagte. Der Standpunkt war richtig. Zutreffend. Vernünftig.

Und verlogen.

Ich habe da mal gegengehalten und erklärt, dass mir gerade der Kamm schwillt. Ich war ja bei den Piraten. Da kamen ganze, regelrecht ausgebildete Hetz- und Pöbeltruppen angerückt, um alles, was nicht stramm auf Feminismus-Linie ist, mit „sexistische Kackscheiße“ und üblen Pöbeleien niederzuschreien und rauszuekeln. In der Parteizeitung Flaschenpost saßen heimliche Zensoren, die nur unter Pseudonym auftraten und nie in den Redaktionslisten standen, für normale Mitglieder unsichtbar waren, die aber heimlich verboten, was nicht in der Flaschenpost stehen darf, etwa Personen nicht mehr auftauchen dürfen, die mal ein kritisches Wort gegen Feminismus geäußert hatten. Oder dass Mails auf der allgemeinen Mitgliedermailingliste systematisch ausgesiebt wurden, man aber nie in Erfahrung bringen konnte, wer da moderiert und zensiert, wie und warum. Alles heimlich, alles übelste Sperren. Und sie besäße nun die Frechheit und Stirn, sich da hinzusetzen und so zu tun, als herrsche bei den Piraten Meinungsfreiheit. Ob das, was sie da auftische, nicht Desinformation und Fake sei.

Ihre Antwort war professionell, offenbar geschult. Professionell verlogen.

Sie leugnete meine Darstellung nicht, sondern sagte, dass sie sogar wisse, wer das war, das wäre eine einzelne Person gewesen (klare Desinformation, sie haben ja sogar mindestens eine Konferenz abgehalten, auf der per Aushang und Hausrecht von vornherein jegliche Äußerung einer Nichtfeministischen Meinung verboten wurde, und man einen, der sich nicht daran hielt, von der Polizei wegen Hausfriedensbruch abführen ließ. Es war also ganz sicher nicht nur eine Person.)

Aber, das seien alte Vorwürfe. Sie sei es leid, die immer selben alten Vorwürfe immer und immer wieder zu hören.

Das sind so typische Rabulistik-Techniken. Nicht widersprochen und trotzdem entwertet, ohne etwas dazu zu sagen. Ich wollte da eigentlich gegenhauen, aber der Moderator gab mir das Wort nicht nochmal, er sagte, das sei nicht der Platz für innerparteiliche Auseinandersetzungen.

Typisches Beispiel für den Umgang der Medien mit unerwünschten Meinungen: Man geht nicht inhaltlich darauf ein, sondern invalidiert das außerhalb des Themas und entzieht das Wort. Es wird einfach mitgeteilt, was man davon zu denken habe.

Und dann meinen die, man müsste sich mal mit den Leuten auseinandersetzen, die von Medien nichts halten?

Nachtrag: Mist, ich hatte oben angekündigt, darauf zurückzukommen, und es dann doch vergessen. Anja Hirschel von den Piraten hatten nämlich eine Strichliste geführt, weil sie das so gestört hat, dass es da in der Veranstaltung nur noch um AfD und nichts anseres mehr ging:

Frey hat 24 mal AfD und 8 mal „diese Partei“ (oder ähnliche Umschreibungen) gesagt.