Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Unterbelichtet: Wenn Journalisten sogar für Fotografie zu dämlich sind

Hadmut
31.8.2017 2:01

Es gab mal eine Zeit, in der war es eine Selbstverständlichkeit, dass Journalisten – oder wenigstens deren Verlagshäuser – über profunde oder wenigstens grundlegende Kenntnisse in Fotografie verfügten.

Im Zeitalter der Handy-Knipserei kriegen manche nicht mal mehr das hin. Das nimmt mittlerweile Formen an, die nicht mehr haltbar sind. [Nachtrag zu Marketing]

Der Berliner Tagesspiegel beklagt sich darüber, dass Fotografie rassistisch sei. Denn sie bilde weiße Personen heller ab als schwarze.

Ursprung ist eine Behauptung der Soziologin (!) Lorna Roth, die (2009) dazu was abgelassen hat. Dass Soziologen mit Technik überfordert sind und da immer irgenwelche magisch-bösen Absichten reinlesen, sich in Animismen steigern, hatte ich ja schon einige Male erwähnt. Geschenkt, von Soziologen erwartet man nicht mehr viel anderes, von Journalisten aber schon.

Die Belichtungstechnologie sei für weiße Haut entwickelt worden.

Für viele professionelle Fotografinnen und Fotografen sowie Filmschaffende ist es gar nichts Neues, dass Fototechnologie nicht neutral ist. Barry Jenkins etwa, der Regisseur des oscarprämierten Films „Moonlight“, sagte dem Tagesspiegel unlängst: „Technisch gesehen war das Kino immer schon auf helle Haut fixiert: Setlicht, Make-up, selbst die Filmemulsion, auf der Kinobilder über ein Jahrhundert lang festgehalten wurden. Dunkle Haut reflektiert das Licht anders als helle Haut. Um Reflexionen zu vermeiden, wird sie mit Puder zugekleistert.“

Auch im Zeitalter der Digitalfotografie sind Kameras auf weiße Personen eingestellt, wie Tagesspiegel-Fotografin Kitty Kleist-Heinrich sagt: „Ohne zusätzliches Licht geht bei schwarzen Menschen nichts.“

Das ist schlichtweg Quatsch.

In der Anfangszeit der Fotografie, als der ganze Kram nämlich erfunden wurde, hat man sich allein auf Sachfotografie beschränkt, weil die Belichtungszeiten viel zu lang sind, um Personen aufzunehmen, die können nämlich nicht zig Minuten oder Stunden still halten.

Auch als die Fotografie sich brauchbar entwickelte, hat man das nicht so gemacht, da hatte man nämlich erst mal Schwarz-Weiß-Filme. Und damals konnte man nicht wie heute einfach auf den Knopf drücken, sondern musste verstehen, was man da tat. Und mit der Filmemulsion klarkommen.

Wie ist ein Kamerabelichtungsmesser (früher getrennt als separates Gerät, heute eingebaut) eingestellt? Auf 18%.

Und man hat Fotografie nicht verstanden, wenn man nicht verstanden hat, warum das so ist.

Die frühen Filme hatten einen Kontrastumfang von 5 Blenden. Das heißt, dass von der hellsten, gerade noch mit Zeichnungen versehenen und nicht überbelichteten/weiß ausgefressenen Stelle bis zur dunkelsten Stelle im Film, die noch Zeichnung darstellen kann und nicht einfach in schwarzer totaler Unterbelichtung absäuft, ein Helligkeitsunterschied von 5 Blenden besteht. Das ist das, was Film klassisch darstellen kann. Die Schwarzweißfilme wurden besser, manche schafften bis zu 8 Blenden. Ein guter Farbnegativ-Film schaffte mitunter und leichten Qualitätsabstrichen auch 7 bis 8. Aber auch ein moderner Diafilm schaffte nur etwa 5 Blenden zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle, die noch „funktionieren“, also nicht nach schwarz oder weiß ausbrechen.

Nun hat man bei Schwarzweiß-Filmen immer noch etwas Spielraum über die Art der Entwicklung (Dauer, Temperatur), die konnte man noch um zwei, drei Blenden „pushen“. Habe ich als Student gemacht, da habe ich mit Kodak T-Max 3200 fotografiert (3200 ASA), und den im Labor des Studentenwohnheimes durch veränderte Entwicklung auf 6400 ASA „gepusht“. Also eine Blende mehr Empfindlichkeit rausgeholt. Für damalige Verhältnisse war die Empfindlichkeit sensationell, und ich habe damit ohne Blitz und mit Studentenbudget-Objektiv bei einer Theateraufführung fotografiert und gute Bilder erhalten.

Bei Farbnegativfilm geht das nicht, da muss die Entwicklung genau sitzen und exakt verfolgen, sonst sind die Farben im Eimer. Aber: Gewöhnliche Fotoabzüge auf Papier oder gar Zeitschriftendruck schaffen normalerweise nur 3 bis 4 Blenden. Bei einem Farbnegativ-Film mit 7 bis 8 Blenden Umfang ergibt sich so ein Belichtungsspielraum von bis zu 5 Blenden, wenn man den Film auf Abzüge umbelichtet oder druckt, mit dem man nachträglich Belichtungsfehler korrigieren kann. Manche werden sich an die billigen Pocket-Film-Kameras (Ritsch-Ratsch-Klick!) der 70er Jahre erinnern. Wie konnten wir damals damit fotografieren, obwohl die meist gar keinen oder nur einen ganz groben Belichtungsmesser hatten? Weil die immer gleich belichtet haben, und man dann hinterher im Labor beim Erstellen der Abzüge versucht hat, Fehlbelichtungen zu korrigieren. Deshalb gab es da nur Farbnegativ- aber keine Diafilme.

Und das war auch schon vor den Pocket-Kameras so, ich kannte das als Kind mit meiner ersten eigenen Kamera (Beroquick) nämlich auch noch so, dass man Belichtung nicht gemessen, sondern Regeln befolgt hat: „Sonne lacht, Blende 8“. Stand damals sogar auf den Filmpackungen, welche Blende man bei welchem Wetter verwendet. Die Belichtungszeiten waren nämlich fest (1/50), die Filmempfindlichkeit auch (21 DIN entspricht heute 100 ASA), und an meiner Beroquick hatte der Blendenring erst gar keine Zahlen, sondern Symbole (Sonne, halbe Wolke, ganze Wolke).

Schon deshalb ist es falsch zu sagen, dass Fotografie auf Weiße abgestimmt sei, weil Fotografie in den Amateurbereichen nahezu unabhängig von dem war, was man fotografiert hat. Es war der Kamera schlichtweg egal, ob man einen Weißen, einen Schwarzen, Blumen oder ein Auto fotografiert. Gesichtserkennung und sowas gab’s ja alles noch nicht.

Und auch im professionellen Bereich hat man damals nicht auf Gesichter oder Hautfarben gemessen, sondern nur so ganz grobe Belichtungsmesser gehabt, die einfach das gesamte Licht maßen, das irgendwie aus einer Richtung kommt.

Und am schwierigsten ist der Diafilm, denn da kann man gar nichts korrigieren, der muss exakt entwickelt werden und Abzüge gibt’s nicht, man zeigt ja direkt den Film als Dia. Und der hat auch nur 5 Blenden Umfang, die der Projektor aber an die Wand strahlt. Deshalb muss beim Dia-Film die Belichtung exakt sitzen. Schon eine halbe Blende Über- oder Unterbelichtung fällt da auf.

Analoge Spiegelreflexkameras und Handbelichtungsmesser waren deshalb so eingestellt, dass sie Diafilm möglichst gut belichten.

Was heißt das?

Man belichtet so, dass man genau in die „Mitte“ der 5 Blenden belichtet, wenn man einen ganz altmodischen, einfachen Belichtungsmesser hat, der ganz undifferenziert „alles“ misst und so einen Mittelwert bildet. Die besten Gewinnchancen hat man, wenn man den Mittelwert des Bildes (halt einfach mal grob in die Richtung messen) genau in die Mitte legt, damit also nach oben und nach unten 2,5 Blenden Spielraum sind.

Wie macht man das? Na, Mathematik.

Jede Blende ist eine Verdopplung der Lichtmenge. Deshalb liegt zwischen den Blendenzahlen immer ein Faktor von ungefähr 1.4 (1/1.4, 1/2.0, 1/2.8, 1/4, 1/5.6, 1/8, 1/11, 1/16), denn die Blende bezeichnet den Durchmesser, genauer gesagt das Verhältnis von Durchmesser der Blende zu Brennweite (deshalb als Bruch 1/4), und weil die Fläche eines Kreises bekanntlich quadratisch mit dessen Durchmesser steigt, muss man den Durchmesser um den Faktor Wurzel aus 2 = 1.4142… vergrößern oder verkleinen, um die Lichtmenge zu verdoppen oder zu verkleinern.

Wenn ein Film also 5 Blenden Umfang hat, dann bildet die hellste Stelle 25 = 32 mal so viel Licht ab wie die dunkelste Stelle, die jeweils noch Zeichnung darstellen können. Oder anders gesagt, die dunkelste Stelle hat 1/32 = ca. 3% der hellsten.

Wo ist die Mitte? Na, dann bei 2,5 Blenden, also bei 1 / 22,5 = ca. 0,17677…, also rund 18%.

Deshalb sind bei Kameras alle Belichtungsmesser auf 18% eingestellt. Ganz einfache Kameras messen einfach das ganze Licht und belichten dann so, dass man damit mittendrin bei diesen 18% liegt. Weil das Bild ja nicht einheitlich grau ist, sondern hellere und dunklere Stellen hat, hat man dann jeweils nach oben und nach unten den gleichen Spielraum, nämlich zweieinhalb Blenden.

Weil das Bild aber manchmal von diesem einfachen Modell abweicht und man mit dem Mittelwert nicht klarkommt (Gegenlicht, usw.), kann das zu Fehlern führen. Fotografiert man jemanden, der im Schnee steht, sieht der Schnee matschig-grau aus und die Person ist unbelichtet. Weil die Kamera ja nicht „weiß“, dass das weißer Schnee ist und deshalb versucht, das ganze Bild bei 18% in den mittleren Graubereich zu legen, obwohl dann unterbelichtet. Genauso würde jemand in schwarzer Kleidung überbelichte, weil die Kamera nicht weiß, dass das schwarz sein soll und das einfach auf 18% liegt. (Die Kamera kann weiß bei wenig Licht nicht von schwarz bei viel Licht unterscheiden, sondern misst nur die Lichtintensität, die bei ihr ankommt.)

Deshalb hat man Spot-Belichtungsmesser erfunden, die nur einen kleinen Teil des Bildes messen, nämlich den, der einem wichtig ist. Und entweder hat man genug Wissen und Übung um zu sehen, der Schnee ist weiß, also belichte ich den nicht in die Mitte sondern „nach oben“ (heißt: Man misst ihn an, und stellt die Kamera auf +2 oder +2,5 damit der Schnee also an die ober Grenze kommt und nicht in die Belichtungsmitte), oder man misst nur die Person.

Woher weiß man aber, in welchen Bereich die Person dann muss? Die Kamera hält sie ja für 18%, kann aber nicht sagen, ob die Kleidung hell oder dunkel ist.

Traditionell hat man dazu Graukarten. Die sind sauteuer, reflektieren genau 18% (unabhängig von UV-Licht usw., haben deshalb auch keine Aufheller in der Farbe), und die drückt man dem Menschen in die Hand, und dann kann man messen, und dann ist die Kamera richtig eingestellt.

Was macht man, wenn man keine Graukarte dabei hat? Dann hat man Fachwissen dabei. Und weiß ungefähr, was Dinge, die es überall gibt, so reflektieren. Ein weißes Blatt Papier ist nahe an den 100%. Zufälligerweise aber sind frisches grünes Gras und Haut von Weißen ziemlich genau bei 18%. Das ist aber Zufall und nicht Rassismus. Das heißt, dass man ein Foto auch gut belichten kann, indem man mit der Kamera eine Spotmessung auf etwa das Gesicht einer weißen Person durchführt.

Was würde passieren, wenn man die Spotmessung auf die Haut einer schwarzen Person durchführt? Sie würde genauso hell abgebildet, denn die Kamera weiß ja nicht, dass das eine schwarze oder weiße oder überhaupt eine Person ist (bei der heutigen Gesichtserkennung natürlich schon anders). Die Kamera ist also nicht diskriminierend, sondern im Gegenteil würde sie jede vernünftig gemessene Person gleich hell darstellen, nämlich bei 18% Grauwert. Es ist Aufgabe des Fotografen sich was dabei zu denken und zu sehen, dass die fotografierte Person schwarze Haut hat und man deshalb mal eine Blende knapper belichtet. Das ist Aufgabe des Fotografen, nicht der Kamera, denn die Kamera kann einen Schwarzen nicht von einem Weißen und beide nicht von einer Topfplanze oder einer Schreibtischlampe unterscheiden. Sie misst, was an Licht reinkommt und legt das auf 18%.

Jetzt spielt uns aber das Gehirn einen Streich.

Ihr könnt Euch sicherlich an die Diskussion von kürzlich um das Kleid erinnern: Ist es schwarz-blau oder weiß-gold?

Oder die berühmten Beispiele des Schachfeldes, in dem ein weißes Feld im Schatten exakt denselben Grauton wie ein schwarzes Feld im Licht hat, unser Gehirn aber trotzdem sagt, dass das eine viel heller ist als das andere. Der gleiche Effekt tritt bei schwarzen und weißen Personen aus. Obwohl die Kamera beide gleich belichten würde, rechnet unser Gehirn natürlich rauf und runter, weil es ja an der Form des Gesichtes erkennt, aha, das ist ein Schwarzer, also muss was mit dem Licht anders sein. Wie beim Kleid.

Und wenn die „Fotografin“ des Tagesspiegels dann so sagt, dass die Kameras alle auf Weiße eingestellt wären (Naja, bei den modernen Gesichtserkennungen könnte das sogar der Fall sein, aber solche Betriebsarten sind eines Fotografen nicht würdig), dann ist das Quatsch. Vielleicht macht sie schöne Bilder, aber von fotografischer Technik hat sie dann keine Ahnung.

Und wenn sie sagt, dass bei Schwarzen ohne zusätzliches Licht gar nichts geht, dann scheint sie auch nur eine mäßige Knipserin zu sein. Ich habe in Namibia und Südafrika wochenlang ohne jedes künstliche Licht jede Menge Schwarze fotografiert, vor allem Kinder, und prima Bilder gemacht (ein paar habe ich versaut, aber das hatte andere Gründe, ich mache auch viele Fehler, weil ich auch zu selten fotografiere, aber das lag dann auch eindeutig an mir, nicht an der Kamera).

Der nächste Irrtum ist der Farbton.

Ich habe es noch nicht selbst untersucht, aber irgendwo gab es mal einen Bericht eines Fotografen zu genau diesem Thema. Und der hat festgestellt, dass fast alle Menschen der Welt den gleichen Hautfarbton haben, was auch nicht verwundert, weil sich die Hauttöne ja nur in unterschiedlichen Dichten des gleichen Hautpigmentes unterscheiden. Betrachtet man die Hautfarben nicht in RGB, sondern in den kamerainternen Farbmodellen, dann unterscheiden sich die Hautfarben in Helligkeit und Intensität, aber nicht im Farbton. Anders gesagt: Blaue und Grüne gibt’s nicht. Also bleibt auch da wenig Spielraum, eine Kamera auf Weiße und gegen Schwarze einzustellen.

Der nächste Denkfehler ist, dass viele Pressefotografen wegen des Zeitdruckes direkt JPEG-Bilder machen. Und damit wieder in das Problem rutschen, dass die Kamera etwas interpretieren muss, ohne zu wissen, was es sein soll, weil die Umwandlung nach JPEG eine massive Reduktion mit sich bringt.

Fotografiert man professinell und ohne hohen Zeitdruck, dann fotografiert man RAW und hat einen Tiefe von 12 oder 14 Bit pro Farbkanal. Und das reicht ganz locker, um auch die Hauttöne von Schwarzen voll zu erfassen und sie ordentlich darzustellen. Man muss – wie auch bei den Portraits von Weißen – etwas davon verstanden haben, was man da macht.

Und dazu gehört eben auch, dass man das mit den 18% verstanden hat.

Man fotografiert eben in den seltensten Fälle nur einen nackten Menschen und sonst gar nichts. Man hat fast immer noch irgendwie Kleidung, Hintergrund, Himmel, oder sonstwas mit drauf. Die Haut Weißer mit ihrem Helligkeitswert von 18% liegt nun mal – zufällig – genau in der Mitte der 5 Blenden Tonwertumfang. Die Haut Schwarzer ist aber – Herrje, wie drückt man das jetzt politisch korrekt aus? – naja, sie ist eben dunkler. Ist so. Lässt sich nicht wegdiskutieren.

Und damit nicht bei 18% und dem Mittelwert des Filmes, auf das der Belichungsmesser geeicht ist. Das liegt aber nicht daran, dass der rassistisch wäre, sondern weil die Filme und Filmemulsionen 5 Blenden hergeben und 18% eben in der logarithmischen Mitte liegen. Und das ist auch bei Digitalkameras nicht wesentlich anders, weil die erstens auf Kompatibiltät mit den alten Analogkameras eingestellt sind und zweitens in der Regel (oder bei JPEG-Darstellung) eine Auflösung von 8 Bit pro Kanal haben. Zieht man noch Rauschen ab und will etwas Zeichnung haben, dann landet man bei etwa 5 bis 6 Bit, und weil ja jedes Bit immer eine Zweierpotenz und damit Verdopplung darstellt, ist das wieder eine Sache von etwa 5 Blenden. Es sei denn, man macht wie Profis RAW, dann kommt man auf bis zu 14 Bit.

Und dann kommen wir auch mathematisch in das Problem, dass die Fotografin meint, Schwarze bräuchten künstliches Licht.

Das Rauschen der Kamera findet nämlich in den unteren Bits statt. Fotografiert man jetzt einen Weißen mit weißem Hemdkragen (oder weißen Augen), dann liegt der aufgrund seiner Hautfarbe in den oberen drei Blenden, und da rauscht’s nicht.

Fotografiere ich aber einen Schwarzen mit weißem Hemdkragen, dann liegt der zwangsläufig vier, fünf Blenden unter der hellsten Stelle und damit in den tieferen Bits und näher am Rauschen.

Das hat aber nichts mit Rassismus zu tun oder damit, dass Kameras auf Weiße gebaut wären, sondern schlicht mit Physik, Mathematik, den 5 Blenden und damit, ob man Fotografieren kann oder nicht.

Von Anfang an wurden die Filmchemie, die Entwicklungsverfahren und die Farbabmischung für Bildschirme auf das Weißsein als globale Norm ausgerichtet, schreibt Lorna Roth von der Concordia University in Montreal in einem Aufsatz von 2009. Schließlich dominierten Weiße die Entwicklung der Technik. Und Weiße waren diejenigen, die sich Kameras als Erste leisten konnten. Später hätten sich die Marktführer Kodak und Fuji laut Roth aber auch auf eigene Konsumentenbefragungen berufen, die eine internationale Präferenz für helle Haut zeigten.

So’n Quatsch. Die ersten fast 100 Jahre dominierte Schwarzweiß-Fotografie. Und Farbbildschirme gab’s auch erst ab den siebziger Jahren, in der Fotografie spielten sie erst ab den Neunzigern eine nennenswerte Rolle.

Auf Fotos von US-amerikanischen Schulklassen strahlen nur die Gesichter weißer Schüler, während die ihrer schwarzen Mitschüler fast mit dem Hintergrund verschmelzen.

Dann liegt’s am Hintergrund und nicht an der Kamera.

Wie soll eine Kamera schwarze Schüler vom Hintergrund abheben, wenn der Hintergrund einen ähnlich dunklen Hautton hat? Soll die Kamera zwei fast gleiche Töne ganz unterschiedlich darstellen? Deshalb reden die auch immer von zusätzlichem Licht, weil damit Gesichter und Hintergründe künstlich auf unterschiedliche Helligkeitsstufen gebracht werden. Klar, das ist Aufwand, aber dafür können doch Film und Kamera nichts, wenn einer so aussieht wie der Hintergrund. Das ist allein Bockmist des Fotografen, der den falschen Hintergrund gewählt hat.

Zwar hat Kodak dann sogar behauptet, dass ihre Filme auch für Schwarze besser wären, weil sie jetzt auch dunkle Hautfarben bei dunklem Licht aufnehmen könnten. Das hat aber nichts mit Inklusion zu tun, sondern damit, dass man Filme (siehe oben) im Kontrastumfang verbessert und gleichzeitig die Qualitätsansprüche runtergeschraubt hat, um den Ritsch-Ratsch-Klick-Markt zu bedienen. Dass die das politisch verwurstet haben und auf ihre Messkarten Frauen unterschiedlicher Herkunft gesetzt haben, ist Marketing, nicht Technik.

Zwar gab es da diese Shirley-Cards zum Ableich des Hauttons. Aber die dienten der Kalibrierung der Printer, und nicht des Films oder der Kamera.

Und so kommt dann so ein Mist zustande, wie er hier beschrieben wird:

According to Roth, the dynamic range of the film — both still photo stock and motion picture — was biased toward white skin. In 1978, the filmmaker Jean-Luc Godard famously refused to use Kodak film to shoot in Mozambique because he declared the film was racist. People also complained that photos of blacks and whites in the same shot would turn out partially under- or over-exposed.

Dann hätten sie erstens mal lernen sollen, richtig zu belichten, und zweitens einsehen müssen, dass ein Schwarzer mit weißem Hemdkragen mehr Kontrast hat als ein Weißer, und Filme eben nur begrenzten Umfang haben. Und die unterschiedlichen Belichtungen sind durchaus offenkundig erklärbar, nämlich je nachdem, wen die Kamera gerade mit ihrem Spot-belichtungsmesser oder nachher der Printer erwischt hat. Tatsächlich dürfte das Problem aber nur bei Diafilm oder bei Prints entstanden sein, weil Negativfilm das locker hinbekommt. Wenn da aber steht „filmmaker“, werden sie bewegte Filme gemacht haben, und die entsprechen Diafilm. So hat man etwas technisch nicht verstanden und versucht, dem eine politische Erklärung zu geben.

Aber wer seine Filme in den Massenprinter zum Entwickeln gab, der hat sowieso immer Glücksspiel betrieben, denn auch der Printer kann nicht erkennen, was da zu sehen war. Und das Personal war meistens zu faul. Profis würden das aber nicht nutzen, sondern ins Fachlabor gehen.

Und wem das immer noch nicht reicht: Es gibt Farbkalibrierkarten und -Software, mit denen man seine moderne digitale (Profi-)Kamera exakt auf Farbtreue kalibrieren kann (habe ich mal gebraucht, weil ich mal für eine Malerin und Galeristin deren Bilder für einen Katalog fotografiert habe und das dann echt aussehen sollte). Da kann sowas nicht mehr auftreten.

Was bleibt also?

Politisch-soziologisch-ideologisches Geschwätz und ein Verlag, der sich keine befähigte Fotografin und ausgebildete Journalistinnen leisten kann, und fertig ist das blöde Geschwätz über rassistische Technik.

Ist Euch mal aufgefallen, dass in diesem Artikel die Ur-Schreiberin des Papers, dann die Journalistin und die Fotografin alle Frauen sind?

So werden dann der Blödsinn und die Technikfeindlichkeit unters Volk gebracht.

Nachtrag: Man muss sich auch mal bewusst machen, wie das Marketing im Fotobereich funktioniert.

Ein Leser hat mir einen Hinweis auf noch so einen Gag gebracht: Der – kleinere – Filmhersteller Konica brachte irgendwann einen Baby Film auf den Markt, mit dem man Babies schöner fotografieren könne. Die Welt jubelte und fragte, warum die Großen wie Kodak und Agfa sowas nicht hätten. Tatsächlich aber war es nur der bessere – und teurere – Profi-Film, den man den Amateuren verkaufen wollte, und die hätten den nicht gekauft, wenn man ihn einfach als „besser und teurer“ angeboten hätte. Also erzählt man den Leuten, der wäre für Babies, und sie kaufen.

In dieser Besprechung wird nicht nur das erläutert, sondern auch beschrieben, dass Kodak in Indien spezielle Filme für indische Hochzeiten angeboten hat, die dunkle Hauttöne angeblich besonders schön darstellten. Für die Besprechung hatten sie sich mühsam die Filme besorgt und mit amerikanischen Portraitfilmen verglichen. Sieht etwas anders, aber kein Stück besser aus. Wenn man den Leuten aber erzählt, das würde dunkle Hauttöne besser darstellen, und es sieht einfach ein bisschen anders aus, dann glauben die Leute alles. (Leider zeigt die Google Auswahl nicht, wie es mit dem Artikel weiterging.)

So eine Nummer fällt mir auch noch ein. Als man die ersten elektrischen Blitzanlagen erfunden hatte (muss wohl so irgendwann in den 50ern gewesen sein), merkte man recht schnell, dass diese kleinen, fast punktförmigen Lichtquellen gruselige Bilder machen. Heute verwendet man Reflektorschirme und Softboxen, um das Problem zu lösen, aber damals suchte man noch nach einer Lösung und nach einigem Experimentieren kam einer der ersten oder sogar der erste Hersteller darauf (weiß nicht mehr, wer das war, ich habe das mal irgendwo gelesen), dass man das Problem mit zwei Stücken parabolförmlig gebogenen und weißen oder versilberten Bleches lösen kann: ein kleines Stück macht man vor die Blitzlampe, das erstens verhindert, dass direktes Licht auf das Objekt fällt, und das zweitens das Licht nach hinten reflektiert, und eine große ringförmige Schüssel um den Blitz herum, die das Licht wieder nach vorne wirft, und nach dem Prinzip des Parabolspiegels eine punktförmige omnidirektionale Lichtquelle in eine große Quelle mit parallelen Strahlen wandelt. Fertig. Problem gelöst. Gut für alles mögliche. Man brachte das Ding unter irgendeinem technisch korrekten Namen (weiß ich nicht mehr, Paraboldoppelreflektor oder so ähnlich) und – weil man es einfach herstellen konnte – zu moderatem Preis auf den Markt. Und keiner kaufte es, wollte keiner haben.

Irgendwann stellte die Firma so ein Marketing-Genie ein. Der guckte sich das an, und meinte, das geht so nicht, das muss man anders machen. Er benannte das Ding in „Beauty Dish“ um, verdreifachte den Preis und setzte das Gerücht in Umlauf, dass man das Ding bräuchte, um Frauen fotografieren zu können, weil es Frauen schöner mache. Und die Leute rissen es ihnen aus den Händen, weil jeder so ein Ding haben wollte, und jahrelang war es Standardpraxis, Frauen mit Beauty Dish zu fotografieren. Heute gibt’s die Dinger immer noch, sind auch immer noch gut, aber man bekommt sie inzwischen auch billig aus China.

Vor ein paar Tagen habe ich in irgendeiner Diskussion (Forum, Twitter, weiß nicht mehr) über die neue Nikon D850 gelesen, dass sich da einer über die Kamera, den Preis und die Änderungen in Nikons Portfolio aufregte. Unfair, unangemessen, und so weiter. Ein anderer antwortete, man möge sich bitte in Erinnerung rufen, dass es keineswegs Nikons Geschäftsziel sei, Kameras zu machen. Sondern Geld zu machen. Und zwar durch den Verkauf von Kameras. Deshalb sei es ihr nicht ihr primäres Ziel, möglichst gute Kameras zu möglichst niedrigen Preisen anzubieten, sondern einfach Kameras, die am meisten Geld bringen.

In der Fotografie (und auch in allen anderen Bereichen) muss man sich immer bewusst machen, dass die Marketing-Leute einem das Blaue vom Himmel erzählen. Und es eben auch mit Filmen für dunkle Hauttöne und indische Hochzeiten versucht haben.

Fällt sowas dann solchen Schwafelprinzessinnen der Gender-Front von Quotens Gnaden in die Hände, wir daraus dann „rassistische Technik“ – und die Forderung, dass mehr Frauen, mehr Schwarze, mehr Behinderte usw. in die Technik müssten, weil denen sowas auffiele.

Vor ein paar Tagen ging schon mal so ein Ding herum. Irgendwo hatten sie einen automatischen Seifenspender installiert, der unten eine Fotozelle hatte, und kontaktlos erkennt, ob jemand seine Hand hinhält, um dann die Seife rauszupumpen. Bei Weißen funktionierte es, bei Schwarzen nicht, weil der Schwellwert falsch eingestellt war, oder der Billigsensor deren geringere Reflektionswerte nicht erkannte. Da machte man dann auch gleich so ein Rassismus-Drama draus, als ob irgendwelche fiesen weißen Rassisten das Ding extra so gebaut hätten, dass nur Weiße Seife bekämen.

Die Kombination aus Sachunkunde, Quotenfrauen und Unterdrückungsideologien ist höllisch.

Nachtrag 2: Ein anderer Leser schreibt mir gerade (ironisch?), dass ich mit diesem Artikel doch gerade bestätigt hätte, dass Fotografie rassistisch und nazimäßig sei. Immer ginge es um die 18%, das könne ja kein Zufall sein. Denn 18 stünde bekanntlich für den ersten und den achten Buchstaben des Alphabets, nämlich A und H. Das seien ja alles nur verkappte Codes für „AH“, die belegten, dass Kameras noch immer auf deren Ideologie kalibriert seien.

Ich mag nicht mehr…