Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Sie sind de facto

Hadmut
5.8.2017 10:33

Gruselige Sitten Down Under. [Oops, Link korrigiert]

Kennt Ihr „Der Fuchs im Hühnerstall“ von Ephraim Kishon?

Ich kenne nur den Film. Ein Politiker kommt in ein verschlafenes, abgelegenes Provinznest, das von Politik keine Ahnung hat, und in dem alles seinen traditionellen Weg geht, alle sind doof, einfältig und zufrieden. Alles prima. Er aber meint, ihnen (linkes) Politikverständnis nahebringen und politische Strukturen anerziehen zu müssen. Sie kapieren es zwar nicht, sind aber begeistert und machen das sofort nach, und in kürzester Zeit verwandelt sich das eben noch beschauliche, friedliche Dorf in eine durchgeknallte Klapsmühle, alle drehen durch und bekriegen sich, alle prügeln sich am Ende. Der Dorfdepp wird natürlich Bürgermeister, weiß zwar nicht, was es ist, bekommt aber gesagt, dass er jetzt de facto Bürgermeister sei, und stolziert fortan herum und erklärt allen „Ich bin De Facto!“.

Oder so ähnlich, habe ich nicht mehr so exakt in Erinnerung. Auch wenn die Erinnerung vielleicht falsch ist, musste ich trotzdem (oder deshalb) daran denken: De facto.

In Australien nämlich gibt es die „de facto“-Beziehung, ein Rechtskonstrukt, wonach man beim Ende einer Beziehung dieselben Finanzausgleichsansprüche habe wie bei einer regulären Ehe. Läuft natürlich darauf hinaus, dass – in der Regel – Frauen Männer ausplündern, auch ohne sie vor den Altar gekriegt zu haben. Die Männer wollten nicht mehr so heiraten, also sagte der Gesetzgeber, dass sie dann eben auch ohne Trauschein zahlen müssen. Wer eine Beziehung hat, der zahlt. (Was vielleicht auch zur erhöhten Akzeptanz von Prostitution in Australien beiträgt, ich habe dort mal in einer Zeitung gelesen, dass sie irgendwo ganz feierlich und mit viel Tam Tam offiziell ein luxuriöses Großbordell nach neuesten Erkenntnissen eröffnet hätten, das als AG geführt und an der Börse gehandelt wird. Man konnte da ganz normal Aktien kaufen. Vermutlich werden sich viele Australier denken, dass der Bordellbesuch langfristig einfach günstiger als eine Freundin kommt.)

Ich bin gerade drauf gekommen, weil mir jemand einen Link auf diesen Artikel von abc Australien schickte, der da die Rechtslage etwas beleuchtet. Es gibt keine festen Regeln dafür, was eine „de facto-Beziehung“ ist. Man muss nicht mal zusammen wohnen. Es reicht schon, wenn man bei gegenseitigen Besuchen beim jeweils anderen übernachtet.

Nach australischen Maßstäben wäre ich damit schon Bigamist. Ich habe gute, alte Freunde, über Deutschland verteilt. So alle Jubeljahre besuchen wir uns mal und übernachten dabei schlafsackmäßig beim anderen. Würde nach australischem Recht wohl schon für einen „Zugewinnausgleich“ oder Unterhaltspflichten reichen.