Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Es schrieb mir eine Rechtsanwältin über Rechtsanwältinnen

Hadmut
1.8.2017 22:49

Ein Leserinnenzuschrift:

Ich hatte doch gerade über die Statistiken zu Rechtsanwälten geschrieben. Dazu schreibt mir eine Leserin:

Zum Thema Rechtsanwälte und dem geringeren Einkommen der Anwältinnen:

Der Grund ist, wie bei Ärzten, überwiegend in dem geringeren Umfang der Tätigkeit der Kolleginnen zu sehen.

Auch viele Anwältinnen arbeiten nur halbtags, generieren so natürlich wesentlich weniger Umsätze und damit Gewinn.

Es kommt hinzu, daß viele Anwältinnen sich auf Rechtsgebiete spezialisiert haben, in denen die Gegenstandswerte geringer sind, wie Familienrecht und Sozialrecht.

Ergänzend, und das ist politisch so gewollt, liegen die Gegenstandswerte im Familienrecht im unteren Bereich und werden von Richtern gerne weiter eingeschränkt, indem z.B. ein Abschlag für einverständliche Scheidungen festgesetzt wird.

Das trifft allerdings alle Familienrechtler, unabhängig vom Geschlecht.

Ich bin seit fast [anonymisiert, aber viele] Jahren Anwalt, habe noch nie eine Benachteiligung als Frau erlebt und kenne auch keine Kollegin, die darüber berichtet hat.

Ich kenne aber auch aus dem Mandantenkreis keine Frau, die weniger verdient, weil sie eine Frau ist.

Der ganze gender pay gap ist meiner Meinung nach Politkampf und der Versuch, die Bevölkerung zu spalten und beschäftigt zu halten.

Erstaunlich, da es ja Juristinnen- und Richterinnenbünde gibt, die laut darüber jammern, ständig benachteiligt zu werden. Und das mit halbtags habe ich ja auch bei vielen selbständigen Ärztinnen schon gesehen. In einem früheren Job war ich mal in einer Rechtsabteilung beschäftigt, und hatte dort eine juristische Kollegin, die auch nur halbtags arbeiten wollte. (Die anderen Juristen hielten sie allein deshalb für unfähig, und mich als Nichtjuristen ohnehin nicht für einen Menschen. Sie waren mehr als geschockt, als ich mit der zusammen vor dem LG und OLG einen sehr wichtigen Prozess für die Firma gewonnen habe, den alle Juristen vorher als völlig aussichtslos und schon verloren angesehen hatten und deshalb nichts damit zu tun haben wollten.)

Erinnert mich an eine Rechtsanwältin, mit der ich damals im Streit gegen die Uni vor dem VGH Mannheim mal zu tun hatte, und die ihre Arbeit sehr ordentlich gemacht hat.

Einige Zeit später wollte ich sie nochmal beauftragen. Sie sagte, sie ist nicht mehr als Anwältin in Gerichtsstreitigkeiten tätig, das sei ihr zu streitig, zu stressig gewesen, dazu habe sie keine Lust mehr. Sie sei nur noch als Mediatorin und Beraterin in einvernehmlichen Familienangelegenheiten wie Scheidungen usw. tätig, wenn sie für beide Seiten und nicht konfrontativ einer gegen den anderen tätig wird. Mit Streit will sie nichts mehr zu tun haben. Und außerdem einfach weniger arbeiten.

Nachvollziehbar. Kann ich gut verstehen. Ist aber eine seltsame Lebensauffassung für einen Juristen. Wie Pilot mit Flugangst. Oder Matrose, wenn man kein Wasser abkann. (Auf einer meiner Reisen habe ich mal nacheinander einen Chinesen namens Roland und eine Stewardess mit Flugangst kennengelernt…)