Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Diese Tretminenmentalität…

Hadmut
27.4.2017 23:02

…widert mich an.

Heute bekam ich eine Reihe von Zuschriften zu meinem Blog-Artikel von gestern abend über die Baers. Fast alle einfach informativ mit Links und Hinweisen. Aber bei einer war ich dann richtig sauer. Ein Journalist, der mir bislang sehr wohlgesonnen war und in vielen Hinsichten auf meiner Wellenlänge tickt, schrieb mir

Dein Text über die Baers ist abstoßend. Du verwendest das Wort Sippe und zeigst damit übelste Wurzeln. Willkommen im Neonazi-Milieu. Ich werde dir da nicht folgen können, zu viele aus meiner Familie sind ins Gas gegangen.

“Sippenforschung wird Ehrenpflicht jedes Volksgenossens”. (Heinrich Himmler)

Das verbitte ich mir.

Ich halte das für einen frontalen Affront, eine bodenlose Frechheit.

Es spielt überhaupt keine Rolle, was ich schreiben, was der Inhalt ist. Aus einem einzigen Wort, einem ganz normalen Wort der deutschen Sprache (und anderer Sprache), das aus dem Althochdeutschen kommt und seit dem 8. Jahrhundert zu finden ist, folgert er, ich hätte „übelste Wurzeln“ und würde mich im „Neonazi-Milieu“ bewegen. Der Grund, warum ich hier überhaupt darüber schreibe, ist die Vermutung, dass das irgendwer über mich verbreitet, denn ich glaube eigentlich nicht, dass der von selbst sowas folgern würde, denn sonst ist der schlauer.

Ich halte den Vorwurf an sich schon für eine Unverschämtheit.

Ich habe diesen Begriff gewählt, weil ich ihn für einen ganz gewöhnlichen, umgangssprachlichen Begriff halte, der zwar nicht wertschätzend, ansonsten aber neutral und ohne ideologische Bedeutung ist. Ich lege beispielsweise Schriftstücke und Bilder im Zusammenhang mit meiner Familie in einem Ordner namens „Sippe“ ab.

Ich habe keinerlei Wurzeln, die irgendwie mit Nazis in einem Zusammenhang stehen würden. Ich habe damit überhaupt nichts, wirklich gar nichts zu tun. Ich habe nicht die geringste tatsächliche oder geistige Verbindung dahin. Ich habe auch überhaupt nichts gegen, im Gegenteil sogar Sympathie für Israel, dessen Leistungen bei mir hohes Ansehen genießen. Nur heißt das eben nicht, dass bei mir dann auch jeder mit jüdischem Hintergrund automatisch sakrosankt und gegen Kritik immun ist. Wer schlecht handelt, wird dafür kritisiert, aber wegen der Handlung, nicht wegen der Herkunft. (Mir ist im Gegenteil sogar aufgefallen, dass man sich in Berlin wegen des arabisch-israelischen Konflikts sogar unter vielen linken Deutschen in Gefahr begibt, wenn man sich in diesem Konflikt für Israel ausspricht, weil mit diesem Konflikt und der vorgegebenen political correctness es längst schon wieder Gruppendruck ist, auf Israel zu schimpfen und die Palästinenser als deren Opfer darzustellen, wir also eigentlich schon wieder einen gefährlichen Antisemitismus entwickeln, der als schick und selbstverständlich gilt.)

Es ist also einfach Quatsch, wenn der meint, dass man den Begriff „Sippe“ nur mit einem Nazi-Kontext verwenden könnte. Den Begriff gab es schon über tausend Jahre vor dem Dritten Reich. Dass Journalisten sich zunehmend mit Sprache schwer tun, ist auch nicht neu.

Und so nebenbei: Mit derselben Denkweise müsste er auch jeden angreifen, der „Genosse“ sagt. Macht er aber nicht.

Perfide an dieser Denkweise finde ich auch diese Doppel-Logik, die einem da überhaupt kein Entrinnen mehr lassen, die Möglichkeit der Unschuld völlig eliminieren soll:

  • Obwohl ich mich für das Thema Nationalsozialismus nicht näher, nur im Rahmen der Allgemeinbildung interessiere, und deshalb die einzelnen Aussprüche nicht kenne oder auswendig gelernt habe, wird mir einfach ein Nazi-Kontext unterstellt. Ich kannte den Ausspruch gar nicht.

    Obwohl ich ihn nicht kannte, wird mir unterstellt, ihn übernommen zu haben.

  • Würde man aber die Aussagen alle kennen (und sorgfältig vermeiden), würden sie einem unterstellen, dass man Nazi sein müsse, weil man das ja regelrecht studiert habe.

Die Masche ist nicht neu.

Vor einiger Zeit habe ich mal Blog-Kommentare bekommen, die mir vorwarfen, rechtsradikal und zugunsten rechtsradikaler Parteien zu schreiben. Ich habe eingewandt, dass das frei erstunken und erlogen ist, und ich noch nie, nicht einen einzigen Artikel über irgendwelche rechten Parteien geschrieben habe, ich da noch nie war, noch nie an irgendeiner Demo oder Veranstaltung oder was auch immer teilgenommen, nicht mal in der Nähe gewesen bin. Ich habe gefragt, wie man denn darauf komme, dass ich irgendetwas damit zu tun hätte, weil ich eine Verwechslung vermutet hatte.

Die Antwort verblüffte: Gerade weil ich da nicht hinginge und niemals darüber schriebe und mich nie mit denen befasste, sei ich rechtsradikal. Denn ich würde ja kritisch schreiben, und wer nur Linke kritisiert und Rechte ignoriert, der wäre rechtsradikal, weil er die ja schone.

Würde ich da aber mal – hypothetisch – hingehen, nur um darüber kritisch zu berichten, und jemand würde mich da sehen oder fotografieren, würde es sofort heißen „Guck mal, wo der sich rumtreibt“.

Macht Euch mal diese perfide Denkweise klar, die sich da etabliert hat: Es ist völlig egal, wie man sich verhält. Beides, das Verhalten und sein Gegenteil, werden als Beweis genommen. Geht man da nicht hin, beschimpfen sie einen als rechtsradikal, weil man nicht hingeht (und sie damit vor Betrachtung schont). Und geht man hin, beschimpfen sie einen, eben weil man hingeht.

Dasselbe hier: Kennt man die Sprüche von Himmler nicht und verwendet unwissentlich und ohne Hintergedanken und Absicht einen Begriff der normalen Sprache, der zufällig trifft, wird man als Neonazi beschimpft. Wegen eines einzelnen Wort-Treffers. Kennt man die Sprüche aber, dann wird man auch beschimpft, eben weil man sie kennt.

Das gleiche Problem hat ein unschuldig Verurteilter: Gesteht er (fälschlich) die Tat, heißt es, er sitzt zu Recht im Knast. Beteuert er seine Unschuld, heißt es, er leugnet, und wird noch härter bestraft. Es ist egal, was er sagt, er gilt immer als schuldig.

An dieser Denkweise widern mich noch viele Aspekte an.

Vor allem dieses ständige opportunistische Ändern der Maßstäbe. In Berlin werden Leute, die als jüdisch erkennbar sind, mittlerweile auf offener Straße angegriffen. Viele trauen sich nicht mehr, ihre Kippa zu tragen. Neulich wurde ein Junge aus der Schule gemobbt und angegriffen. Da bekommt die Journalie das Maul kaum auf, weil man da ja etwas gegen unsere arabischen Fachkräfte sagen würde, und das geht politisch ja gar nicht. Deshalb geht man darüber fast still hinweg. Komme ich aber als deutscher Blogger und schreibe „Sippe“, dann ist das natürlich sofort der Beweis für „übelste Wurzeln“.

Und das finde ich frappierend, wenn ich als jemand, der tendenziell pro Israel eingestellt ist, aus einer linken geistigen Ecke heraus, aus der auch dieser neue Berliner Antisemitismus protegiert wird, angegriffen werde.

Erinnert mich an die Kölner Domplatte. Sagt ein Rainer Brüderle etwas über ein Dirndl, dann gilt das als die ultimative Frauenrechtsverletzung. Greift aber eine Horde den Frauen in Köln in den Schritt, dann kommen dieselben Leute und erklären im Fernsehen, das sei jetzt gar nichts besonderes, das sei hier in Deutschland der normale Umgang mit Frauen. Dieses ständige Hin- und Herschieben der Maßstäbe, um immer das zu „belegen“, was man gerade behaupten will.

Mich widert diese Art der Holocaustleugnung an, denn dafür halte ich es, wenn man heute Meinungsäußerungen gleich mit dem Nationalsozialismus gleichsetzt oder als rechtsextrem (extrem heißt: mehr geht nicht) einstuft. Denn damit leugnet man, dass Leute damals – auch auf der Straße – ermordet wurden. Man tut damit so, als hätten die Nazis damals nur demonstriert und Hate Speech gebraucht.

Mich widert – hier aktuell vor allem bei Ulrich Baer – dieses Opfersurfen, dieses Trittbrettfahren an. Millionen von Menschen wurden emordet, habe großes Leid erlitten. Völlig unbestritten. (Und ich habe hier schon dargelegt, wie ich mich von der Wahrheit dessen überzeugt habe und woher ich verlässlich weiß, dass das wirklich alles so passiert ist und auch damals schon allgemein bekannt war, also unmöglich nach dem Krieg erst erfunden worden sein kann, wie manche Leute behaupten wollen.) Aber: Es hat 1945 mit dem Sieg der Alliierten geendet. Und damit ist der Kreis der Betroffenen abgeschlossen. Trotzdem versucht man rhetorisch immer wieder, den Opferkreis „nachzufüllen“, ebenso wie man auch den Täterkreis „nachfüllt“. Das Problem ist eben, dass nach 70 Jahren von Überlebenden und Tätern eben nicht mehr viele leben, und die wenigen inzwischen alt und gebrechlich sind. Deshalb versucht man ständig, die Situation zu verlängern, indem man auf Opfer- und Täterseite einfach „nachfüllt“. Irgendwelche Minderheiten, die die Aufnahmeprüfung für die Uni nicht geschafft haben, werden einfach den Holocaust-Opfern zugerechnet (Macht Euch das mal klar: Ulrich Baer tritt für Minderheiten an den amerikanischen Universitäten ein, die das Leistungsniveau nicht erreichen, und argumentiert da mit der Shoa. Habt Ihr mal drüber nachgedacht, was für eine Riesen-Drecksnummer das eigentlich ist? Fremd-Leid-Surfen?)

Und wer nicht bei drei auf dem Baum ist, der muss auf der Nazi-Seite mitspielen, wird als Nazi klassifiziert und beschimpft, auf dass der Täter-Opfer-Konflikt auf ewig weitergehe, und sei es nur als grotesker Abklatsch (oder Hate-Speech-Bots in den Social Media).

Mich widert diese Logik „Meine Familie ging ins Gas, also habe ich immer Recht“ an. Als ob Rechthaben erblich sei.

Ich habe überhaupt ein Problem, mit dieser Soll- und Haben-Vererbung. Der Feminismus reitet ja schon die Masche, dass Frauen dafür entschädigt werden müssten, dass andere Frauen benachteiligt würden. Als könnte jede Frau eigenmächtig jede andere beerben. Das ist so eine typische Masche: Man will den Schadensersatz für anderer Leute Schaden kassieren.

Seine Familie ist ins Gas gegangen. Das tut mir zutiefst leid. Mein aufrichtigstes Mitgefühl. Aber was hat das mit ihm zu tun?

Ständig erzählen sie einem, Geschlecht sei nicht angeboren, das würde nur zugewiesen und nachträglich anerzogen, könne man aber ändern.

Es sei denn, freilich, man wird als Mann geboren. Weiß noch dazu. Dann hat man verloren, denn dann ist man erblich und durch Geburt ein Schuft. Der einzige, dem das Geschlecht unabänderlich angeboren sein soll.

Und wenn man dann noch Deutscher ist (und das kann man sich vorher ja nicht aussuchen), dann ist man gleich auch noch schuldig und hat das Maul zu halten und zu zahlen, wegen etwas, was lange vor der eigenen Geburt stattgefunden hat.

Wie im indischen Kastenwesen. Und dann wird immer behauptet, es ginge um Gleichheit und gleiche Chancen.

Die besondere Frechheit

Ich empfinde das vor allem deshalb als Frechheit, weil ich mir die Befassung mit Gender und den Hintergründen der Familie Baer ja nicht ausgesucht habe, sondern mir das aufgedrängt wurde.

Leser fragen mich oft, warum ich mir diesen ganzen Gender-Schwachsinn antue, wie ich das aushalte.

Ich mache das ja nicht, weil es mir Spaß macht oder mich interessiert. Wenn ich könnte, wie ich wollte, wäre ich völlig unpolitisch, würde beruflich Informatik treiben und ansonsten in der Welt herumreisen und fotografieren, und ansonsten gar nichts machen. Hätte man mich gelassen, wäre ich vermutlich vor 20 Jahren nach Australien oder sowas ausgewandert und hätte mir dort die Freizeitmentalität und das Wetter gutgehen lassen.

Ich wühle ja hier nicht in diesen Themen, weil mich das irgendwie persönlich interessieren würde.

{\bf Ich will wissen, was hier meiner Karriere zugestoßen ist.}

Ich will wissen, was an dieser Universität Karlsruhe abgelaufen ist.

Ich will wissen, wie es dazu kam, dass das Verwaltungsgericht Karlsruhe jahrelang ein Verfahren nur vorgegaukelt hat, und reihenweise Professoren Gutachten erstellten, die zur Sache nichts enthielten, weil sie das, was sie begutachten sollten, nie bekommen hatten. Ich will wissen, warum ein vorsitzender Richter das Protokoll fälscht und Bandaufnahmen der Verhandlung nachträglich heimlich neu aufspricht und austauscht.

Und ich will wissen, was in diesem Bundesverfassungsgericht da vor sich geht. Ich will wissen, wie und warum Susanne Baer überhaupt Professorin und dann Verfassungsrichterin werden und dabei viele, auch den Bundestag täuschen konnte.

Ich will wissen, ob die Verfassungsrichter hier als geheime Statthalter aus den USA installiert werden.

Und ich will wissen, was ein BND-Direktor in meinem Promotionsverfahren verloren hatte.

Danach habe ich gesucht und danach suche ich.

Das hat mich auf die Verfassungsrichterin Baer gebracht, und erst von der bin ich auf diesen Genderismus, diesen vermutlich jüdischen Kontext, und dieses ganze Geldwasch- und Betrugssystem Gender Studies gekommen.

Und der Leser möge sich das überlegen: Wenn ich auf der Suche nach den Hintergründen des Promotionsverfahrens und all dieser juristischen Manipulationen am Bundesverfassungsgericht auf all diesen Mist stoße, über wen sagt das dann mehr? Über mich oder über dieses Bundesverfassungsgericht?

Ich empfinde es vor allem dann als schäbig, wenn ein Journalist mir solche Vorwürfe macht. Journalisten zeigen gerne auf andere Länder, wenn es um Pressefreiheit geht. Bei Free Deniz und sowas sind sie immer gerne dabei.

Die Pressefreiheit auf Ebene des Bundesrechts (es gibt kein Bundespressegesetz) muss ich aber gerade vor dem Verwaltungsgericht Berlin erkämpfen, um diesen Schwindel um die Richterwahl Baers aufzudecken. Da hilft kein Journalist. Wie in der ganzen Sache seit 20 Jahren kein Journalist hilft.

Macht Euch das klar: Die Journallie gibt sich gerne als die vierte Gewalt, als die letzte Bastion der Demokratie aus.

Der demokratische Grundsatz, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht und in Wahlen und Abstimmungen ausgeübt wird (Art. 20 Abs. 2 GG), wird hier verletzt und völlig ausgehebelt. Baer hat nach meinem derzeitigen Wissenstand und meiner derzeitigen Aktenlage (und sie weigert sich selbst, irgendetwas vorzulegen, was den Vorwurf entkräften könnte) bei der Richterwahl über ihre Person und Tätigkeit massiv getäuscht. Die Mitglieder des Wahlausschusses kannten sie nicht, haben sie nie gesehen oder gesprochen, haben nur Lebenslauf und Personalakte gesehen, die nach meinem derzeitigen Ermittlungsstand beide falsch waren, und haben sie irrtümlich für eine normale Jura-Professorin gehalten, was sie aber nie war. (Und weder sie selbst noch die Humboldt-Universität konnten etwas vorlegen, um das zu entkräften, obwohl sie gesetzlich Akten und Unterlagen haben müssten. Nach derzeitiger Aktenlage war Baer nie ernstlich als Professorin tätig, hat das aber bei der Wahl vorgetäuscht.) Man war also im Irrtum über die Person Baer, und hat sie damit nicht gewählt, weil sie nicht die gewählte Person ist.

Das Verwaltungsgericht Berlin hat in den Auskunftsklagen schon die Rechtsmeinung geäußert, dass es darauf nicht ankäme. Sie sei ernannt und – man versucht, das da aus Beamtenrecht herzuleiten, was aber nicht stimmt, weil Beamtenhandlungen gerichtlich nachprüfbar sind – damit Richterin, und selbst wenn ihre Ernennung unwirksam wäre, blieben die Urteile rechtsbeständig.

Das heißt, dass hier höchste Staatsgewalt, die mit Gesetzeskraft bindet und noch über der Kanzlerin und dem Bundestag steht, von jemandem ausgeübt wird, der nie demokratisch legitimiert wurde und sich in das Bundesverfassungsgericht geschwindelt hat.

Wir sind hier am zentralen demokratischen Kern unserer Staatskonstruktion. Am Bundestag als der, der sie gewählt hat, am Bundespräsidenten, der sie ernannt hat, und am Bundesverfassungsgericht, also drei Verfassungsorganen.

Und was machen Journalisten, die immer so groß posaunen, wie wichtig sie für Aufdeckung von Machenschaften und Demokratie wären, dass Demokratie ohne sie nicht möglich ist?

Sie machen nichts.

Sie schreiben nichts.

Sie sagen nichts.

Einer von ihnen beschimpft mich sogar dafür, dass ich als kleiner Blogger das mache, was Aufgabe der Presse wäre.

Mit der Begründung, dass ich das Wort „Sippe“ verwendet hätte. Der Gebrauch dieses einen Wortes würde mich zwingend zum Neo-Nazi mit üblen Wurzeln stempeln.

So sieht’s in Deutschland aus. Mit der Presse. Und mit dem Bundesverfassungsgericht.