Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Passivkonstruktionen nur für aktivfähige Subjekte

Hadmut
17.4.2017 19:26

Weil gerade so viele anfragen, wie ich darauf komme, dass man sprachlich richtig nur das in Passiv-Konstruktionen setzen kann, was auch aktivfähig ist.

Einige Leute fragen gerade erstaunt an, woher ich das habe.

Das habe ich in der Schule gelernt. Latein- und Griechisch-Unterricht, altsprachlich-humanistisches Gymnasium. Zu meiner Zeit (schon länger her) hat man sowas noch auf der Schule gelernt. (Bildung ist geil!)

Passiv ist nicht dazu da, um in einem Satz das Subjekt nicht zu erwähnen (ich werde vom Arzt untersucht). Das ist nur so eine Unsitte, die sich mit der politischen Sprachpanscherei eingeschlichen hat, wenn die irgendetwas nicht so genau erwähnen wollen. Weil einem die richtige Aussagen zu peinlich wäre und „irgendwer” zu unglaubwürdig oder lächerlich, versucht man, um die üblichen Grundbausteine Subjekt-Prädikat-Objekt herumzukommen, indem man Passiv-Konstruktionen verwendet, weil man glaubt, das Subjekt dann weglassen zu können. Rein formalgrammatikalisch schon, aber eben nicht vom ordentlichen Satzbau her. Passiv heißt nicht, dass man das Subjekt weglässt (das Geld wird bezahlt), genausowenig wie die Partizip-Ballerei (Geld-zahlende oder gezahltes Geld) oder die Substantivierung von Verben als Subjekt-Ersatz (die Bezahlung des Geldes ist weit fortgeschritten…). Eine Passiv-Konstruktion stellt das Objekt einer Handlung in den Vordergrund, weil darin eine besondere Erfahrung, Duldung, Bedeutung liegt. Wenn man sagt „Ich werde gewaschen“, dann heißt das eben nicht (nur), dass man sich nicht bewegt und nicht verraten will, wer einen wäscht, sondern dass sich waschen zu lassen eine völlig andere Erfahrung und „Tätigkeit“ ist, als sich selbst oder jemand anderen zu waschen. Es fühlt sich an, hinterher ist man sauber, und sowas alles. Passiv ist eine andere Bedeutung und nicht einfach eine alternative Satzkonstruktion, die es erlaubt, das Subjekt wegzulassen. „Man wird beleidigt“ heißt nicht, dass man dazu nichts beitragen muss, weil es so passiert, oder man nicht sagen will, wer es war, sondern es bedeutet, dass beleidigt zu werden eine eigene Erfahrung ist, etwas anderes als zu beleidigen (oder sich selbst zu beleidigen). Hinterher ist man sauer und stinkig. „Er wurde beleidigt“ ist eine ganz andere Aussage als „irgendwer hat ihn beleidigt“.

Die Sprachpanscher von Politik, Medien und Beamtentum haben das mit ihrem Beliebigkeitsgeschwätz so exzessiv verwendet, dass die Mehrheit der Leute heute glaubt, das wäre völlig normal so, das wäre normale Sprache, dass man das gleiche immer wahlweise vorwärts und rückwärts ausdrücken kann und das den Vorteil hat, dass man sich so um das Subjekt, um den Kern der Aussage herumlavieren kann. So könne man sagen, dass die Bombe eingeschlagen hat, ohne zu erwähnen, wer sie geworfen hat. Es ist aber nur das Sprachgepansche als Ergebnis unzureichender Bildung, das inzwischen zur Normalität geworden ist.

Übrigens hat man da auf der Schule auch gelernt, dass das sprachliche Genus nicht systematisch mit dem Geschlecht zu tun hat, sondern nur Hilfsbezeichnungen sind, weil es halt keine besseren gibt. Die heißen halt so, aber sie bedeuten nichts, außer dass man Schüler herrlich damit quälen kann, wenn sie zu Vokabeln nicht nur die Bedeutung, sondern auch Genus und Deklination, Konjugation, unregelmäßige Formen lernen müssen. (siehe hierzu auch das)

Eine Menge feministischer Unfug wäre uns erspart geblieben, wenn Politiker und Feministinnen über ein gewisses Mindestmaß an Bildung verfügen würden.