Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Kleinkram zu Scholz & Friends

Hadmut
16.12.2016 0:10

Ich habe noch ein paar Zuschriften zum Fall „Scholz & Friends” – Hensel bekommen.

Ich habe heute keine intensive Presseschau gemacht, aber mir wäre zumindest nirgends aufgefallen, dass die „etablierte Presse” irgendwo über die Vorgänge berichtet hätte. Als es drum ging, Edeka Nazi-Symbole vorzuwerfen, waren nicht alle, aber doch einige mit dabei, aber wenn es um’s Aufklären und Aufdecken geht, scheint’s recht dünn zu werden. Leser haben mir dann aber doch ein paar Hinweise geschickt. Und das ist dann doch wieder sehr einseitig gefärbt.

Der Tagesspiegel berichtet immerhin, dass die Amadeu Antonio Stiftung ohne Erklärung schon zum zweiten Mal Webseiten „gegen Rechts” aus der Öffentlichkeit nimmt. Aber was steckt dahinter? Stellt sich deren Zeug als nicht vertretbar heraus? Oder machen die das absichtlich, dass sie unvertretbaren Mist rauslegen und dann gleich wieder zurücknehmen?

Der Stern dreht die Sache einfach um. Er schreibt, dass der Urheber dieser #KeinGeldFürRechts-Kampagne nunmehr der „Angefeindete” ist. Nicht etwa dass seine Kampagne eine Anfeindung gewesen wäre, die wäre toll, aber dass irgendwer das nicht gut finden würde, das ginge ja gar nicht. Der wird jetzt zum Opfer gemacht:

Vor zwei Wochen führte Gerald Hensel noch ein normales Leben. Doch dann rief der Strategy Director bei der Agentur Scholz & Friends die Aktion #KeinGeldFürRechts ins Leben. Er möchte Werbetreibende dafür sensibilisieren, keine Banner auf rechten Websites zu buchen. Auf seiner inzwischen nicht mehr öffentlich zugänglichen Homepage hat er eine Liste mit Seiten präsentiert, die er als rechts einstuft.

Moment mal. Hieß es die Woche nicht noch von Seiten Scholz & Friends, das habe mit denen nichts zu tun, das sei privat? Hier nun wird das so formuliert, als habe er das in seiner Tätigkeit bei Scholz & Friends getan. (Unten schreiben sie dann allerdings, dass es seine Privatsache gewesen sei, was ich, wie gesagt, für falsch halte, weil das wettbewerbsrechtlich nicht getrennt wird.)

Die Resonanz auf diese Idee ist gewaltig. Allerdings fällt sie nicht nur positiv aus: Rechte Websites wie “Junge Freiheit”, aber auch konservative Magazine wie “Tichys Einblick” oder der von Henryk M. Broder betriebene Blog “Die Achse des Guten” schießen sich seit Tagen auf Hensel ein. Der 41-Jährige wird im Netz massiv beschimpft und hat Morddrohungen erhalten.

Ich will dazu mal eine Frage stellen: Wenn jemand so eine Kampagne „gegen Rechts” startet, sich selbst so in die Bredouille fährt, es als sein Ziel sieht und angibt, von ihm als „rechte” Webseiten zu diffamieren und diskreditieren, und der in einer Werbeagentur arbeitet, die (siehe Schweizer Katzenfresser) die Desinformation als Mittel einsetzt, wie glaubwürdig ist es dann, dass der Morddrohungen wirklich erhalten und nicht selbst erfunden hat? Ist das nicht schon die nächste Kampagne?

Oder anders gefragt: Wird es nicht immer als Auszeichnungskriterium seriöser Presse hingestellt, dass sie recherchieren und überprüfen, bevor sie publizieren? Wieviele der „Morddrohungen” hat man überprüft?

Sie werden persönlich bedroht?

Ja. Es ist ein systematischer, konzertierter Shitstorm, der zu einem Angriff auf mein persönliches Leben und mein Arbeitsumfeld, meine Kollegen, meinen Arbeitgeber geworden ist. Ich bekomme seit sieben Tagen täglich Tausende von Hass-Tweets und Facebook-Messages, es wurden mehrere Fake-Profile mit meinem Namen angelegt.

Ach. Webseiten die Werbe-Einnahmen abzudrehen ist da kein Angriff auf „persönliches Leben und Arbeitsumfeld, Kollegen, Arbeitgeber”?

Und Werbekunden anzuschreiben und zu nötigen ist keine „Hassmail”?

Wie sind Sie in diese Situation gekommen?

Ich bin Politologe und Digitalstratege. Ich bin mit der Logik von Mediaschaltung vertraut. Wenn ich auf eine Seite komme, die hetzt, und daneben den Banner einer großen Marke sehe, finde ich das nicht nachvollziehbar. Dadurch bin ich an einen Punkt gekommen, wo mir ein Fehler im System aufgefallen ist. Darauf wollte ich hinweisen.

Es gab mal Zeiten, in denen man das „Selbstjustiz” nannte. Oder „Blockwart”.

Ich sehe auch ständig „Fehler im System” und kann auch nicht auf eigene Faust loslegen, wie ich will.

Sie haben daraufhin die Aktion #KeinGeldFürRechts ins Leben gerufen. Haben Sie das allein entschieden oder haben Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber Scholz & Friends abgestimmt?

Nein, das ist komplett meine eigene Entscheidung gewesen. Scholz & Friends hatten weder in der Vorbereitung noch in der Umsetzung etwas damit zu tun, außer dass sie die Auswirkungen spüren. Die Agentur wurde übel beschimpft. Kunden bekamen Boykott-Drohungen. Und es ist auch eines nicht: eine großangelegte Aktion. Es waren zwei Beiträge und ein Tweet.

Das muss man sich mal klarmachen, wie der an sich und andere ganz unterschiedliche Maßstäbe anlegt. Denn die, die da mit Boykott gedroht haben, haben ja auch nichts anderes gemacht als er selbst: Sie sahen einen Fehler und haben ihre Konsequenzen daraus gezogen. Warum glaubt er, dass er etwas darf, was andere nicht dürfen?

Auf ihrer Website “davaidavai.com” haben Sie eine Liste veröffentlicht mit Websites, die Sie als rechts klassifizieren.

Es geht mir nicht darum, dass ein Kreuzzug gegen einzelne Seiten geführt wird. Es geht darum, dass die Leute, die Banner schalten, ein Verständnis dafür kriegen, wohin sie eigentlich ihre Werbegelder lenken. Es geht mir nicht um Blacklisting. Ich habe nie zu einem Boykott aufgerufen. Ich habe gesagt: “Werbeleiter dieser Welt, schaut mal wieder hin, wohin ihr euer Geld gebt. Ihr habt nämlich keine Ahnung mehr, wie eure Budgets funktionieren. Oft sind es eben manipulative Knoten, die Gesellschaften in Echtzeit in Hate-Mobs verwandeln.”

Widerspricht sich schon selbst so sehr, dass man das nicht mehr kommentieren muss.

In der Liste taucht die “Achse des Guten” nicht auf. In einem langen Text über Ihre Aktion stellen Sie den von Henryk M. Broder betriebenen Blog allerdings in einen Kontext mit “Breitbart” und “Pi-News”. Warum haben Sie das gemacht?

Ganz einfach, weil ich manchmal ein naiver Idealist bin. Ich bin ein Mensch, der eine Idee hatte. Ich habe einen definitiv nicht rechtsicheren Text geschrieben. Dennoch haben sich diese Leute demaskiert und gezeigt, wer sie wirklich sind.

Macht Euch diese Begründung mal klar: „Weil ich ein naiver Idealist bin. Ich bin ein Mensch, der eine Idee hatte. Ich habe einen definitiv nicht rechtsicheren Text geschrieben.”

Und auf dieser Grundlage werden Publikationen finanziell ruiniert.

Ich erinnere nochmal daran: Ich halte das für üble Nachrede, Nötigung, und sittenwidrige vorsätzliche Schädigung.

Steht der [Arbeitgeber] noch hinter Ihnen.

Ja. Die Firma steht rückhaltlos hinter mir. Dennoch habe ich mich entschlossen, mein Vertragsverhältnis mit Scholz & Friends zu beenden. Nicht weil ich denke, ich hätte etwas falsch gemacht. Ich habe alles richtig gemacht. Aber der Erfolg war insgesamt so groß, dass ich mich für zukünftige Ideen selbst freier machen muss – und meinen Arbeitgeber auch.

Hahahahaaaa.

Die albernste Camouflage für eine Vertragsauflösung, die ich je gehört habe. Anscheinend gab es so viele negative Reaktionen für Schulz & Partner, dass die die Notbremse ziehen mussten.

Ein anderer Leser weist auf etwas hin, was mir so diffus auch schon durch den Kopf gegangen war:

Vielleicht geht’s da gar nicht nur um „Kampf gegen Rechts”, sondern auch um den Kampf gegen Online-Werbung. Denn Online-Werbeanbieter wie Google haben den üblichen Seilschaften aus Agenturen und Zeitungen den Wind aus den Segeln und das Geschäft genommen.

Ich habe ja vor vielen, vielen Jahren mal versucht, die Sache mit der Uni als Buch in einem Verlag zu publizieren, und das hat kein Verlag genommen. Ein Verleger hat mir das am Telefon aber mal erklärt: Sie sind massiv von Werbeeinnahmen abhängig. Weil die Verlage inzwischen zu größeren Konzernen gehören, die auch Zeitungen usw. haben, und die werden über Werbeschaltungen systematisch erpresst. Da stecken aber häufig auch die Agenturen als Zwischenschalter drin.

Bleibt festzuhalten:

Einer wie Hensel, der schon selbst sagt, dass er darüber nicht nachgedacht hat, maßt sich an, Leuten vorzuschreiben, was sie lesen dürfen und was nicht.

Ich hielte es für äußerst wichtig, dass auch mal eine Liste der Firmen veröffentlicht wird, die da ihre Werbung zurückgezogen haben. Ich würde die nämlich gerne mal fragen, wie sie es mit der Meinungsfreiheit so halten. Und man sollte die durchaus auch mal shitstormen.