Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Anruf eines Zwitters

Hadmut
9.4.2016 12:44

Ein unerwartetes Gespräch über Politik, Kastration und Sternchen.

Ab und zu passiert es, dass mich Leute als Reaktion auf Blogartikel anrufen, mit denen ich sonst nie ins Gespräch gekommen wäre, und die mir andere Sichtweisen mitteilen. Heute bekam ich wieder mal so einen Anruf.

Mich rief heute ein Zwitter zu meinem Artikel über die Vokabelkriege an. Ich habe fast nichts mitnotiert und fasse das mal so aus dem Gedächtnis zusammen.

Wichtige Vorbemerkung: Weil sich jetzt garantiert irgendwer darüber aufregt, dass ich „Zwitter” schreibe: Ich habe am Ende des Gesprächs die Person gefragt, wie ich über sie schreiben soll. Er oder sie, Bezeichnung Intersexuell OK und so. Antwort: Ist ihm sch…egal, weil er sich nicht um Sprache schert, sondern darum, ob ihm Leute feindlich gegenüber treten. Ich wähle deshalb „er”, weil ein Gesprächsthema Kastration war. Und er sagte, dass er sich selbst als Zwitter, oder noch lieber als Hermaphrodit bezeichnet und nicht als Intersexueller (obwohl das ein korrektes Wort wäre), weil sich die Leute unter ersteren was vorstellen können und ohne weitere Erläuterungen wissen, was gemeint ist, unter letzterem aber nicht und da viel Unfug herumgeistert. Eine Person uneindeutigen Geschlechts, beiderlei Geschlechtsmerkmale rief mich an und wir haben uns darauf geeinigt, dass mich ein Zwitter anrief. Der Begriff mag zwar politisch nicht korrekt sein und von political correctness-Kämpfern irgendwo zwischen Zigeuner und Neger eingeordnet werden, aber für mich ist maßgeblich, dass die Person sich selbst so nennt und das so will.

Damit sind wir eigentlich schon im Thema des Gesprächs. Grund des Anrufs, Stein des Anstoßes war, dass ich in besagtem Blogartikel geschrieben hatte

Damit sich trans- und intergeschlechtliche Menschen repräsentiert fühlten.

Was ich ja eigentlich nur als Zitat aus dem urprünglichen Artikel über die Spinnereien der rot-grünen Regierungen von Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg übernommen hatte.

Stein des Anstoßes war, „trans- und intergeschlechtliche Menschen” durch die Schreibweise und das zusammenpacken in einen Topf zu werfen.

Das wollen sie nicht.

Weil es sich um völlig unterschiedliche Phänomene handelt und die einen mit den anderen überhaupt nichts zu tun haben (und ich hatte den Eindruck, auch nichts zu tun haben wollen).

Transsexuelle
sind Leute, die körperlich/äußerlich ganz eindeutig und gesund einem Geschlecht angehören, aber das andere Geschlecht sein möchten, und sich daher verändern möchten, im Ergebnis aber die eindeutige und zweifelsfreie Zugehörigkeit zu einem Geschlecht anstreben, nur eben dem jeweils anderen. Also Kopf-Sache. Ziel ist die radikale Veränderung des Status Quo.
Intersexuelle
sind Leute, die körperlich nicht eindeutig oder voll ausgeprägt einem Geschlecht zu gehören, weil es eben nicht richtig ausgeprägt ist oder sie Merkmale beider Geschlechter tragen (oder beide Merkmale fehlen), also vorrangig Körper-Sache. Sie möchten sich gerade nicht verändert und auch nicht (vor allem nicht zwangsweise) verändert werden, und sich auch nicht einem Geschlecht zuordnen. Und wie das bei mir angekommen ist, möchten sie sich nicht nur einem bestimmten Geschlecht nicht zuordnen, sondern überhaupt nicht auf die Geschlechtsfrage einlassen. Ziel ist eher, den Status Quo einfach behalten zu dürfen und sich nicht ändern oder einordnen zu müssen.

Als Informatiker würde ich da sagen: Eigentlich in jeder Hinsicht das genaue Gegenteil, quasi komplementär (deshalb habe ich es jetzt so aufgeschrieben, das wurde nicht so direkt an mich herangetragen, sondern ich habe es durch Rückfragen aus meiner Denke heraus so herausgearbeitet).

Insofern aus deren Sicht klar und nachvollziehbar, dass man mit den anderen nicht in einen Topf geworfen und vermischt werden will.

Ich habe aber dagegen gehalten, dass die beanstandete Schreibweise aus meiner Sicht auch vertretbar ist, denn erstens schreibe ich ja nicht über Intersexuelle, sondern kritisiere die Politik zum Thema Gender, LGBTIXYZ und so weiter, und zur Kritik gehört eben auch, sie zu zitieren und damit deren Ausdrucksweise wiederzugeben, richtiger Adressat für derlei Beschwerden sei damit zuvörderst die Politik und nicht ich.

Und, so hielt ich dagegen, dass wenn ich es getrennt und separat schriebe, sich daraus nicht der gewünschte Aufklärungszweck ergebe, das würde den meisten Lesern nicht mal auffallen, geschweige denn sich ihnen die Intention dahinter erschließe.

Daraus entstand aber schon ein längeres Telefonat.

Denn Kern des Blog-Artikels waren ja die * und _ Schreibweisen. Die finde nicht nur ich lächerlich, sondern auch die drei oder vier Intersexuellen, mit denen ich bisher gesprochen habe (und von denen ich es positiv wusste, dass sie es sind), die sich davon eher verarscht fühlen. Denn der Anrufer beklagte sich ja immer wieder, dass die Bevölkerung das Thema nicht ernst nähme und nicht differenziere und das Leid und die Probleme dahinter nicht sähe. Mein Standpunkt war, dass sich das auch nicht bessern würde, solange man sich von solchen Witzfiguren wie rot-grün – wohl nicht mandatiert, aber zumindest widerspruchslos-stillschweigend – vertreten und zu Micky-Maus-Darstellern in einem Sexual-Disneyland machen lässt. Ursache des Problems seien sie meines Erachtens selbst, weil sie es zuließen, sich da zu politischen Zwecken von jedem Depp missbrauchen zu lassen. Und solange sie * und _ dulden, würden sie meines Erachtens auch weiter die Witzfiguren bleiben, für die gehalten zu werden er sich beklagte.

Denn, so seine Aussage, in der Bevölkerung würden sie ja immer als solche angesehen, die selbst nicht so recht wüssten, was sie seien, und damit verächtlich gemacht.

Mein Einwand war, dass sie sich das zu weiten Teilen selbst zuzuschreiben haben, wenn sie es wortlos und widerstandslos hinnähmen, dass die Gender-Idioten das immer unter „freie Geschlechtswahl” und darunter subsumieren, dass es kein angeborenes Geschlecht gäbe und der ganze Geschlechterkram nur anerzogen sei (ich habe ja schon oft geschrieben, dass Transsexualität ein Gegenbeweis zu Gender ist, denn wenn Gender stimmte, könnte es Transsexualität ja gar nicht geben, weil die Leute dann immer das wären, wozu sie erzogen wurden). Er stimmte mir darin zu, dass der Gender-Kram Quatsch sei. Natürlich sei das alles bereits von Geburt an biologisch festgelegt, und es gerade deshalb so unsinnig, zu versuchen, es zu ändern. (Er beklagte ausführlich, welche üblen Operationen und Zwangsmaßnahmen selbst heute noch üblich wären. 5-Jährige würden in Panik aus dem OP fliehen, wieder eingefangen und zwangsweise kastriert, und hätten dann später riesige gesundheitliche Probleme deswegen, während sich die Vorteile nicht einstellten, weil die künstlich modellierten Geschlechtsorgane einfach nicht funktionierten und nicht taugten.)

Ja, so meine Rede, dann sei es doch unbedingt erforderlich, dass sie endlich mal selbst das Maul aufmachen und sich nicht mehr von den Gender-Idioten vertreten und zu deren politischen Zwecken missbrauchen lassen. Sie sollten halt endlich mal selbst publizieren, anstatt sich von anderen vertreten zu lassen. Ja, naja, druckste er da herum, sei halt schwierig, weil viele sich damit nicht in die Öffentlichkeit trauten, Angst um Arbeitsplatz und so. (Ich fragte, wieviele das überhaupt beträfe, er meinte, man weiß es gar nicht, sie schätzen aber etwa 4% der Bevölkerung.) Dann schreibt man eben unter Pseudonym und ohne Foto. Wichtig sei es meines Erachtens aber doch, sich mal gegen diesen Polit-Gender-Schwachsinn zu wehren, vor allem, wenn sie selbst doch wüssten und überzeugt seien, dass Gender falsch ist. Wer sonst, wenn nicht sie selbst, könnte das so gut, klar, glaubwürdig und ohne Mandatsfiktion darstellen?

Ja, also es gäbe ja schon Texte, in denen sie sich dagegen wehren, durch LGBTI vereinnahmt zu werden. Sieht aber keiner, liest keiner. Tja, warum wohl? Meine Empfehlung wäre, sich mal ihren Stil schleifen und überarbeiten zu lassen, notfalls mit professioneller Hilfe. Ja, drucks, also, hmmm, die Sache wäre halt schon die, dass LGBTE ja überhaupt die einzigen wären, die sie überhaupt erwähnen, und sie bräuchten Sichtbarkeit, und sich gegen die jetzt zu sehr zu wehren…

Aha. Da liegt das Problem.

Sie suchen verzweifelt Fürsprecher und Sichtbarkeit, und lassen sich deshalb lieber von der rot-grün-Gender-Mafia ausnutzen und missbrauchen, als gar nicht erwähnt zu werden.

Ich habe ihm die Empfehlung gegeben, das zu ändern. Mein spontaner Gedanke war, dass sie mindestens mal zwei Texte schreiben müssten, die aber nicht so wie so oft psychischn verkorkst und im ich-weiß-ja-auch-nicht-Stil geschrieben sind, sondern klipp und klar und sprachlich gut und eben PR-tauglich und zitierfähig geschrieben sind. Nämlich

  • Einen nüchternen, unpolitischen, emotionslosen, wertungslosen rein sachlich-medizinisch-naturwissenschaftlichen Text, der beschreibt, worum es da geht, was es ist, woher es kommt, was es medizinisch bedeutet, sachlich aufklärt.
  • Darauf aufbauend (aber klar getrennt und separat) einen zweiten Text mit einem politischen Standpunkt, der klarstellt, dass sie sich selbst vertreten möchten und nicht durch andere selbsternannte Vertreter vertreten und missbrauchen lassen, und dass der ganze Gender-Kram falsch ist und sie das eben aus eigenem Wissen und eigener Erfahrung für sich selbst klarstellen können. Dass das also nicht Geschlechterwahl oder weiß-nicht-was-ich-will ist, und der ganze Judith-Butler-Kram einfach nicht stimmt, und sie sich davon nicht repräsentieren lassen wollten.

Ja, mmmh, er nimmt’s mal als Anregung mit.

Ich habe aber schon gemerkt, wie uneins die sich mit sich selbst sind.

Ich habe den Standpunkt vertreten, dass diese * und _ -Schreibweisen einfach lächerlich sind und damit dazu beitragen, sie als Clowns und Witzfiguren darzustellen, über die man lacht, also massiv kontraproduktiv sind. Sie würden niemals ernstgenommen, wenn man sie mit solchen Micky-Maus-Spirenzchen darstellt. Da stimmte er mir zu, er möge das auch nicht. Als ich aber empfahl, sich von solchen Lächerlichkeiten offen zu distanzieren, rückte er später damit heraus, dass das mit dem Sternchen doch von einigen von ihnen gekommen sei. Man brauche dringend und verzweifelt Sichtbarkeit, und das wäre der einzige Weg gewesen.

Meine Diagnose: Die leiden vor allem unter einem PR-Desaster und miserabler Darstellung, und sind in ihrer Not an die Scharlatane und Kurpfuscher von rot-grün geraten. So wie Menschen in Not häufig an Betrüger und Hochstapler geraten.

Ich habe ihn auch mal auf die Gender-Klos angesprochen. Ich habe nämlich von den drei oder vier Intersexuellen, mit denen ich bisher auf Veranstaltungen gesprochen habe, erfahren, dass die das gar nicht wollen. Sie sähen sich zwar weder als Mann noch als Frau, aber wollten das eher für sich behalten und nach außen hin auch gerade nicht als Alien oder „was anderes” auftreten, weshalb sie – auch aus geschmacklichen Gründen – entweder weibliche oder männliche Kleidung und Erscheinung bevorzugten und entsprechende Toilettenwahl. Mein bisheriges Bild war, dass sie für sich selbst und in ihrer Gedankenwelt nicht Mann oder Frau sein wollen, nach außen hin aber durchaus eine männliche oder weibliche Darstellung bevorzugen und diese wählen. Also schon klare Präferenzen pflegen, welches Äußerliche sie bevorzugen, und deshalb gerade kein Alien-Klo wollen, sondern sich für Männer- oder Damenklo entscheiden.

Ich habe den Anrufer deshalb gefragt, wie er das sieht. Wie er das haben will, wenn vor die freie Wahl gestellt. Drei Türen, durch welche geht er?

Sei ihm egal, er nimmt immer die mit der kürzesten Schlange.

Gute Idee, sprach ich, aber das ist ja kein Ausdruck eines Standpunktes. Also welches Klo?

Das jeweils sauberste.

Verflixt noch eins, was ist denn nun das Ziel? Sollen sie nun ein drittes Klo bauen oder nicht?

Ja, die würden ja nicht neu gebaut, sondern man hätte so viele Toiletten, dass man da nur das Türschild…

Meine Güte, das ist doch scheißegal und an der Frage vorbei, wie diese Toiletten zustandekommen. Nochmal die Frage: Zwei oder drei Toiletten? Was wollt Ihr, was wollen Sie?

Will sich nicht festlegen. Keine Antwort.

Und da sind wir eigentlich an dem Punkt, der die Ursache des Übels, das eigentliche Problem darstellt.

Es ist schwer, es jemandem recht zu machen, der selbst nicht weiß, was er will.

Der Vorwurf, das sie biologisch/sexuell nicht wüssten, was sie sind und was sie wollen, ist falsch, dagegen wehren sie sich auch. Den Vorwurf, dass sie politisch nicht wüssten, was sie sind und was sie wollen, den müssen sie sich aber machen lassen.

Und wenn man dann in dieser Situation ist, sich da gequält und durch Ärzte verstümmelt zu fühlen – wofür ich volles Verständnis habe und das gut nachvollziehen kann – und dabei verzweifelt um Aufmerksamkeit, Beachtung, Sichtbarkeit bettelt, aber selbst nicht weiß, was er eigentlich sagen will, dann wird’s nichts. Das ist, wie wenn jemand auch mal endlich auf der Bühne, im Radio, im Fernsehen stehen will, und dann die Gelegenheit bekommt und mit Mikro im Scheinwerferlicht steht, und dann nicht weiß, was er sagen soll. Und sich dann darüber beschwert.

Und das macht die Leute natürlich zur ganz leichten Beute der Gender-Polit-Mafia.

Und vor lauter Freude darüber, dass sie überhaupt jemand erwähnt, machen sie da stillschweigend mit, obwohl die genau das Gegenteil dessen behaupten, wie sie selbst.

Mir ist das vor allem an einem Punkt aufgefallen: Er erklärte mir, dass sie sich halt an Blogger wenden, um erwähnt zu werden, um sichtbar zu werden. Ich habe ihm gesagt, dass sie das selbst machen müssen, dieses Thema könnten sie nur selbst authentisch darstellen (abgesehen davon, dass es nicht mein Thema ist und ich mir nicht noch mehr, gar fremde Themen aufladen kann). Sie seien aber doch so wenige.

Eine Gruppe aus wenigen, die einen Ein-Mann-Blogger um Vertretung bittet, weil sie zu wenige sind, sich selbst darzustellen?

Merkt Ihr was?

Ihr müsst lernen, Euch selbst darzustellen, Euch selbst zu vertreten.

Würden sie ja, meint er, aber es würde sich ja einfach keiner dafür interessieren. Dann müsst Ihr es halt interessanter schreiben. Dann wird’s auch gelesen. Das Thema ist doch politisch andauernd der Vorwand, da kann er mir nicht erzählen, dass sich gar niemand dafür interessierte.

Ob ich nicht trotzdem mal auf sie verweisen könnte? Oder über sie schreiben?

Klar. Mach ich. Verspreche ich. Habe ich hiermit sofort getan. Das Schreiben. Und nun auch das Verlinken (sogar extra-groß):

www.zwischengeschlecht.de

Aufgabe an den Leser: Guckt’s Euch an. Überlegt Euch, ob es Euch interessiert, und wenn nein, warum nicht. Gebt den Leuten Feedback, was sie anders/besser/effektiver machen können.

Und die schwerste Aufgabe von allen:

Bildet Euch eine Meinung dazu.