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Eurasien war nie im Krieg mit Pazifika

Hadmut
17.1.2016 12:47

Die linksfeministische Presse wirbt für die Akzeptanz von sexueller Belästigung und macht sich über „Opfer” lustig. Oder: Mehr zu feministischer Arithmetik und Lügenmechanik.[Nachtrag]

Ein Leser weist mich gerade auf bemerkenswerte aktuelle Ähnlichkeiten zwischen Feminismus und George Orwells 1984 hin (und diese Parallelen sind ja auch ein Lieblingsthema in diesem Blog):

Eine Redakteurin der erzlinken TAZ hat dem feministischen Deutschlandfunk ein Interview gegeben. Darin heißt es:

Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln an Silvester müsse man die Fremdenangst beiseite lassen und zum Bann der Tat zurückkehren, kommentiert Heide Oestreich von der “taz”. Denn in vielen Fällen sei etwa das “Grapschen” nach deutschem Recht gar nicht strafbar. Einwanderer mit einem archaischen, sexistischen Frauenbild sollten in die Verantwortung genommen und nicht weggeschoben werden. […]

Bürgerwehren bilden sich, Waffenscheine werden vermehrt beantragt, Gesetze im Eiltempo verschärft. Nach Köln sind wir in einen merkwürdigen Zustand geraten. Das Wort von Justizminister Heiko Maas von einem “zeitweiligen Zivilisationsbruch” drückt es aus: Die Menschen sehen sich existenziell bedroht. Der Ausdruck Zivilisationsbruch wird gemeinhin für die Zeit des Nationalsozialismus verwandt, eine Diktatur, die unter anderem zur Ermordung von sechs Millionen Juden führte. In grellem Kontrast dazu stehen drei angezeigte Vergewaltigungen und eine große Menge sexueller Übergriffe, von denen die meisten in Deutschland noch nicht mal strafbar sind. Nein, man kann man sie gering schätzen, denn man muss die Situation berücksichtigen: Eine Masse von Menschen, eine bedrohliches Szenario inmitten von Rauch und Knallen, und dann die Ausweglosigkeit, keine Polizei greift ein, eingekesselt, eingemauert und dann angegriffen – das fühlt sich sicherlich anders an, als ein singuläres Busenfassen, dessen Urheber man beherzt anschreien kann.

Aber ist das ein Zivilisationsbruch? Ab wieviel Händen fängt denn der dann an? Oder liegt es doch an den Besitzern der Hände, die offenbar aus dem Ausland stammten? Wären wir in eine solche Aufregung geraten, wenn ein Oktoberfest so ausgeartet wäre? Hätte man das “Zivilisationsbruch” genannt?

Wohl kaum – wir befinden uns in einem Zustand, den Soziologen “moral panic” nennen. Die entsteht immer, wenn es schon eine grundlegende Angst gibt, in diesem Fall die Befürchtung, die vielen fremden Menschen, die nach Deutschland kommen, könnten irgendwie gefährlich sein. Dann kommt es zu einem Ereignis, mit dem die Befürchtung wahr zu werden scheint.

Heißt: Wir haben uns die Vorfälle von Köln nur eingebildet. Da war gar nichts, schon gar nicht strafbar. Wir haben da nur was gesehen weil wir was sehen wollten. (Ich hatte ja schon gebloggt, dass andere Feministinnen behaupten, dass viele Anzeigen von Frauen kämen, die gar nicht belästigt wurden sondern die Gelegenheit nutzen wollten, um Stimmung zu machen, und deshalb Belästigungen erfunden hätten.)

Deshalb ist es gut, wenn man die Fremdenangst beiseitelässt und vom Bann des Täters wieder zum Bann der Tat zurückkehrt. Zur sexuellen Belästigung, zur Körperverletzung und zur Vergewaltigung. Das sind wohlbekannte Delikte, die sind kein Zivilisationsbruch durch dunkle Horden. Die Massenjagd ist auf jeden Fall eine extrem widerliche Form dieses Sexismus – aber dennoch nur eine Variante des alten Sexismus, den wir kennen. Diese neue Variante gehört leider nun auch in unsere Gesellschaft. Nervend, schrecklich – und auch kriminell. Wir sind aber eine Einwanderergesellschaft und hier leben nun auch Einwanderer mit einem archaischen, sexistischen Frauenbild. Die müssen in die Verantwortung genommen und nicht weggeschoben werden. Das ist übrigens auch die einzige Art, wie man die Angst vor dem Fremden los wir: ihn zu einem Bekannten zu machen.

Heißt: Wir sind eben ein Einwanderungsland und Einwanderer sind nunmal archaisch und sexistisch, machen aber gar nichts neues, das haben wir hier schon immer so gemacht, siehe Oktoberfest. Also gewöhnt Euch dran und haltet die Klappe. Stellt Euch nicht so an wegen dem bisschen Busengrapschen.

Ja, das ist mal ein Standpunkt.

Ich hab mal noch etwas rumgesucht und bin dazu noch auf diesen Artikel in der TAZ von gestern gestoßen. Auch da nämlich entdecken sie plötzlich das Oktoberfest als Ort der Vergewaltigung (Köln ist nichts gegen das Oktoberfest…), und interviewen die Oktoberfestvergewaltigungsspezialistin Kristina Gottlöber zu Sexueller Gewalt auf dem Oktoberfest, weil das jetzt nämlich mal ganz dringend gesagt werden musste.

Kristina Gottlöber: Unter anderem ging es um die vielzitierte Dunkelziffer von Vergewaltigungen auf dem Oktoberfest im Zusammenhang mit den sexuellen Übergriffen in Köln. Wir haben diskutiert und verschiedene europäische Studien zum Thema verglichen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass bei Vergewaltigungen das Dunkelfeld zehn bis zwanzig mal so groß ist ist wie die tatsächlich angezeigten Straftaten.

Typisch Feminismus: Man sagt nicht, wie man auf etwas kommt. Sondern dass es oft zitiert wurde. Damit muss es wahr sein. Es ist eine Dunkelziffer, aber wir wissen genau, wie hoch sie ist: 10 bis 20. Daher muss man jede Vergewaltigung stets und immer mit 20 Multiplizieren, um die Wahrheit herauszufinden.

TAZ: Wie ist die Lage auf dem Oktoberfest?

Gottlöber: Wir gehen von ähnlichen Werten aus, haben aber insbesondere Täter, die das Opfer nicht persönlich kennen. Hinzu kommen viele Frauen aus dem Ausland, die möglicherweise wegen geringer Aufenthaltszeit oder Sprachbarrieren keine Anzeige erstatten. In den Dunkelfeldstudien geht es hingegen nicht nur um sexuelle Gewalt im öffentlichen Raum, sondern auch um Taten im sozialen Nahraum, also Vergewaltigungen in Partnerschaften, der Familie oder der Ehe. Eine Untersuchung explizit auf dem Oktoberfest wäre sehr aufschlussreich.

Höhö, was ist das denn? Erst redet sie von »grundsätzlich« und »Oktoberfest«, und jetzt gibt sie zu, dass diese „Dunkelziffer” sich auf den Privatraum, Familie und Ehe bezieht, aber vom Oktoberfest weiß man es gar nicht. Wäre schön, wenn man da mal etwas wüsste. Aber behauptet – und zitiert – hat man es immer.

Heißt im Klartext: Es gibt überhaupt keine »Dunkelziffer« für das Oktoberfest, man hat das einfach ohne jegliche Grundlage ins Blaue behauptet und unterstellt, dass es auf dem Oktoberfest zugeht wie in der Ehe und Frauen Fremde genauso selten anzeigen wie ihren Ehemann.

Wird noch besser:

TAZ: Hat sich die Zahl der angezeigten Übergriffe verändert?

Gottlöber: Die Zahl der Anzeigen schwankt von Jahr zu Jahr, insgesamt weniger geworden sind die Übergriffe nicht. 2015 gab es 20 Anzeigen aufgrund von Sexualdelikten, darunter eine versuchte Vergewaltigung.

TAZ: Dann käme man mit den Schätzungen aus Studien auf ein Dunkelfeld von 200-400 sexuellen Übergriffen für das Jahr 2015. Werden Sie solche Dunkelziffern in Zukunft benennen?

Gottlöber: Nein, wir haben keine wissenschaftliche Grundlage dafür, halten das somit für unprofessionell.

TAZ: Offensiv eine Zahl zu nennen, hilft jedoch dabei, das Problem abzubilden. Aus diesem Grund gibt es ja Dunkelfeldforschung. Wäre es da nicht sinnvoll, dies auch zu tun?

Gottlöber: Vielleicht. Mir als feministische Frau und Pädagogin reicht es jedoch aus, zu sagen, dass es eine großes Dunkelfeld gibt. […]

Das muss man sich mal klarmachen, was da läuft: Selbst der Feministin Gottlöber ist das zu wackelig, sowas zu behaupten, weil es da keinerlei greifbare Grundlage gibt. Trotzdem will die TAZ das „offensiv” behaupten, um „das Problem abzubilden”, also bewusst desinformieren.

Man muss sich da aber auch nochmal einen anderen Rabulistik-Griff bewusst machen:

  • Oktoberfest 2015: 20 Anzeigen, bei 5,9 Millionen Besuchern in zwei Wochen
  • Köln Silvester: Über 650 Anzeigen, bei geschätzten 200 bis 2000 Tätern in zwei Stunden

Es ist unglaublich, wie da gelogen wird, um die Vorgänge in Köln unter die Oktoberfestschwelle herunterzurelativieren:

  • Schon die absoluten Zahlen: Oktoberfest 20 Anzeigen, Köln 650 Anzeigen. Das Oktoberfest multipliziert man einfach mit einem willkürlichen Phantasiefaktor 20, damit daraus 400 werden. In Köln müsste man das damit – weil es nämlich keine Oktoberfest-Besonderheit ist, sondern man von einer »allgemeinen Dunkelziffer« ausgeht, auch mit 20 multiplizieren, um nicht Phantasiedunkelziffer mit realer Anzeigenzahl zu vergleichen. Stattdessen kürzt man Köln aber herunter, indem man behauptet, dass viele Anzeigen nur politisch motiviert und erlogen wären, während die Oktoberfest-Anzeigen natürlich alle knallhart wahr sind, da wird nichts angezweifelt.

    Entweder vergleicht man echte Anzeigen mit echten, oder Dunkelziffer mit Dunkelziffer, aber nicht Dunkelziffer gegen echte.

  • Man vergleicht ein Volksfest in Bierlaune, bei dem besoffene Frauen besinnungslos auf der Wiese herumliegen oder im Bierzelt mit Fremden rumknutschen mit einem Hauptbahnhof.
  • Man vergleicht ein 2-Wochen-Event mit einem 2-Stunden-Vorfall, ohne das an die unterschiedlichen Zeitspannen anzupassen.

    Das Oktoberfest dauert normalerweise 16 Tage und ist von 10:00 Uhr bis 23:30 Uhr, faktisch Mitternacht, geöffnet, dauert also 224 Stunden. Damit müsste man die Zahl der Anzeigen beim Oktoberfest durch 112 dividieren um auf vergleichbare Zahlen zu kommen.

  • Auf dem Oktoberfest waren 5,9 Millionen Besucher, früher waren es etwas über 6 Millionen. Nehmen wir mal zugunsten des Feminismus ohne weiteres Hinterfragen oder Anzweifeln an, dass sexuelle Belästigung nur von Mann zu Frau geht und dort keine Lesben unterwegs sind, sowie keine homosexuellen Taten angezeigt wurden (deren Zudringlichkeiten man nämlich aus dem Vergleich auch noch herausrechnen müsste, denn bei den Münchner Zahlen steht nicht dabei, ob Täter und Opfer jeweils männlich oder weiblich waren).

    Zum Frauenanteil sagt die Stadt München:

    Das Geschlechterverhältnis ist mit 51 Prozent weiblichen und 49 Prozent männlichen Besuchern ausgewogen. In den Jahren 1999/2000 waren noch 62 Prozent der Gäste Männer und nur 38 Prozent Frauen. 2008 hingegen hatten Frauen mit 49 Prozent und Männer mit 51 Prozent annähernd gleichen Anteil am Festgeschehen.

    51% Frauenanteil beim Saufen? Das Handelsblatt sprich von 40% Frauenanteil. Nehmen wir also zugunsten des Feminismus den höheren Anteil und gehen mal davon aus, dass dort etwa 3 Millionen Männer herumlaufen.

    In Köln kann man das nicht genau sagen, aber die Polizei sprach im Zusammenhang mit Silvesterböllern und Unruhen vor dem Bahnhof von etwa 2000 Personen. Bei den Sexuellen Belästigungen wird von zwischen 20 und 200 direkten Tätern gesprochen und etwa 1000 Leuten, die das alles unterstützt haben, indem sie Polizei, Männer usw. abgeblockt haben. Gehen wir also mal von 1000 Männern aus.

    Zum Vergleich müsste man die Münchner Zahlen also noch durch 3000 dividieren.

    Eigentlich müsste man sie gleich nochmal durch 3000 dividieren, denn in München gab’s ja auch mehr Frauen als in Köln, die überhaupt potentiell Opfer hätten sein können, also mehr Belästigungsangebot darstellten. Aber lassen wir das mal weg.

Also schon mit Vorsicht und unter Weglassen einiger Aspekte müsste man die 650 Anzeigen von Köln vergleichen mit 20 / 112 / 3000 = 0.00006 Anzeigen beim Oktoberfest vergleichen.

Oder anders gesagt: Normalisiert auf die betrachtete Zeit und die betrachtete Männerzahl lag bei Zugrundelegung tatsächlicher Anzeigen die Zahl in Köln 10.920.000 mal so hoch wie auf dem Oktoberfest. Eigentlich noch viel höher, wenn man die oben genannten, quantitativ schlecht zu erfassenden Aspekte herausrechnen könnte.

Basierend darauf komme ich also zu der Abschätzung, dass die Sexualbelästigungsdichte in der Kölner Silvesternacht etwa 10 Millionen mal so hoch wie auf dem Oktoberfest war.

Trotzdem wollen uns Presse und gewerblich-feministische Berufslügnerinnen wie Anne Wizorek weismachen, das allseits beliebte Oktoberfest wäre ja schon schlimmer als diese Silvesternacht in Köln. Und dazu muss man sich auch bewusst machen, dass Leute wie Wizorek wesentlich aus den Ministerien und von SPD und Grünen gefördert und finanziert werden. Siehe hier und hier.

Und man muss sich klar machen, wo diese Oktoberfestlegende ihren Ursprung nahm: Bei ARD und ZDF. Prominent herausgestellt durch Claus Kleber im heute journal. Da wird die Bevölkerung staatlich-politisch belogen. Nach Lage der Dinge wohl auf Druck der Regierung(sparteien).

Jahrelang wetterte man schon gegen winzigste Nichtigkeiten wie wenn einer eine Frau nur kurz anguckt, oder in einem Satz die weibliche Form vergisst, führte ganze Kriege wegen eines Dirndl-Kompliments. Und urplötzlich ändert man die Richtung, ach, das ist doch alles ganz normal, weniger als auf dem urdeutschen Oktoberfest, und wir sind halt ein Einwandungsland, da ist das eben so, gewöhnt Euch dran. Was ist auch schon dabei, wenn mal einer Busen grapscht. Das bildet Ihr Euch sowieso alles nur ein, weil Ihr Euch aufregen wollt.

Eurasien war nie im Krieg mit Pazifika.

Nachtrag:

Noch zwei Anmerkungen/Korrekturen:

  1. Da könnt Ihr mal sehen, wie leicht man mit Statistik bescheißen kann. Ich habe Euch in der Oktoberfest-Rechnung einen zusätzlichen Faktor von etwa 100 untergejubelt, und keiner hat’s gemerkt. Na, seht Ihr jetzt, wo der steckt? Nein? Na, dann sucht mal schön.
  2. Ein Leser meint, ich hätte Orwell falsch zitiert. In 1984 gäbe es drei Supermächte, nämlich Eurasien, Ostasien und Ozeanien, aber kein Pazifika. Mir wurscht, es geht um’s Prinzip. War ein Vorschlag des Lesers, der mich auf die erste Quellen hingewiesen hatte, und ich hatte die drei Namen nicht mehr genau in Erinnerung, das ist über 30 Jahre her, dass ich 1984 gelesen habe. 1983, in der Schule, um genau zu sein, nämlich um uns auf 1984 vorzubereiten. So genau hatte ich es jetzt nicht mehr in Erinnerung.