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Gefährliche Studentenverblödung an britischen Universitäten

Hadmut
14.1.2016 0:44

Von der Verblödung von Studenten hatten wir es hier im Blog oft, aber fast immer von Universitäten in Deutschland und den USA. Nun auch mal ein Blick nach England. Und: Was das mit der Silvesternacht in Köln zu tun hat.

Die FAZ hat einen lesenswerten Artikel darüber, wie die „political correctness” und der ganze safe-space-Wahn auch in England zum Zusammenbruch des Hochschulsystems führt – und welche seltsamen Koalitionen dahinter stecken.

An britischen Universitäten läuft die „neue politische Korrektheit“ aus dem Ruder. Sie verbindet Feministinnen mit politisierten Muslimen und macht nicht einmal vor Dichtern halt. Professoren sehen das Grundrecht auf freie Rede bedroht.

Feministinnen mit politisierten Muslimen? Hört sich nach einer Emulsion an, einer Mischung aus zwei Komponenten, die eigentlich nicht mischfähig sondern gegenseitig phob sind.

Sie, das waren die Studenten, von denen er sich bedroht fühlte. „Rassist!“ und „Islamhasser!“ hatten sie gebrüllt, und Glees, Professor für Politikwissenschaften, wusste einen Moment lang nicht, wie er unbeschadet aus dem Saal kommen sollte. „Mir war wirklich mulmig zumute“, erinnert er sich.

Eine seltsame Situation. Bedient sich der Feminismus nun eines Islamismus? (Und würde man Köln unter diesem Licht anders sehen? Deshalb diese Abwiegelungen und Verharmlosungen?)

Was sich heute an den britischen Universitäten abspiele, sagt Glees, erinnere ihn am ehesten an Frankfurt zum Ende der sechziger Jahre, als niedergebrüllt wurde, wer nicht ins Weltbild der Studenten passte. „Aber damals waren wenigstens die Professoren auf der anderen Seite – heute werden die Studenten von ihren Dozenten oft noch angeheizt.“

Naja, eben diese 68er-Generation ist die, der wir den ganzen Schwachsinn und diese Ideologie zu verdanken haben. Die heutigen Dozenten sind im Prinzip deren Ableger, Kinder, Spätfolgen.

Glees, ein Fachmann für innere Sicherheit, hatte auf einem Podium in der University of London gesessen, ein paar Wochen ist das her, und gleich zwei Sünden begangen: Zuerst verteidigte er die staatliche Organisation „Prevent“, die versucht, junge, extremismusgefährdete Muslime zu deradikalisieren. Etwas später beklagte er, dass der Botschafter Israels trotz vieler Bemühungen von keiner Universität im Königreich mehr eingeladen werde, aus Angst vor Protesten. Aus Sicht der Studenten war das Maß damit voll. Tumulte brachen aus. Glees hat so was nicht zum ersten Mal erlebt. „Wir werden alle eingeschüchtert“, sagt er.

Wie bitte!?

Feministinnen greifen einen an, weil der versucht, extremismusgefährdete Muslime zu deradikalisieren?

Die „neue politische Korrektheit“ an Britanniens Universitäten läuft aus dem Ruder. Kurz vor Weihnachten schlug eine Gruppe von Professoren in der Zeitung „Telegraph“ Alarm und sprach von einer „zutiefst besorgniserregenden Entwicklung“. Eine Kultur, die den freien Austausch von Ideen beschränke, fördere die Selbstzensur und mache Menschen Angst, ihre Meinung zu äußern: „Dies droht das Wesen der Demokratie zu zerstören.“

Vielleicht ist das dieser Artikel oder dieser. Darin heißt es

Writing in The Telegraph, the academics, led by Frank Furedi, professor of sociology at the University of Canterbury, and Joanna Williams, education editor, Spiked, say it is part of a “long and growing” list of people and objects banned from British campuses, including pop songs, sombreros and atheists.

They say the “deeply worrying development” is curtailing freedom of speech “like never before” because few things are safe from student censors.

Because universities increasingly see fee-paying students as customers, they do not dare to stand up to the “small but vocal minority” of student activists who want to ban everything from the Sun newspaper to the historian David Starkey.

The letter says: “Few academics challenge censorship that emerges from students. It is important that more do, because a culture that restricts the free exchange of ideas encourages self-censorship and leaves people afraid to express their views in case they may be misinterpreted. This risks destroying the very fabric of democracy.

Das ja ein zentrales Problem: Diese Deppen weigern sich ja nicht nur selbst, andere Meinungen zur Kenntnis zu nehmen, sie wollen es ja auch Dritten verbieten.

Eine demokratisch nicht legitimierte Gruppe setzt eigenmächtig und mit Gewalt durch, dass andere nicht mehr lehren und nicht mehr hören dürfen, was sie wollen.

Es trifft nicht nur Redner, die man auf der konservativen Seite verorten würde. Unlängst wurde Germaine Greer zum Opfer, eine Art britische Alice Schwarzer, die allerdings nicht die neuerdings gebotene Sensibilität für Transsexuelle aufbringt. Weil sie vor Jahren geschrieben hatte, dass man durch eine Operation nicht zur Frau werde, ging ihrem Auftritt in der Cardiff-Universität ein digitaler „Shitstorm“ voraus. Eine Online-Petition, die von 3000 Studenten unterschrieben wurde, forderte ein Redeverbot auf dem Campus. Das gleiche wiederholte sich in Oxford. Dutzende Studenten beschimpften sie von der Galerie als „transphob“.

Diskussionsveranstalter befinden sich mittlerweile so sehr in der Defensive, dass manche, wie an der University of Manchester, Tricks wie aus dem politischen Untergrund anwenden. Als ein Autor Tage vor der Podiumsdiskussion als „professioneller Frauenfeind“ und „Vergewaltigungsverteidiger“ beschimpft wurde, verlegten die Veranstalter die Runde an einen geheimen Ort und gaben diesen erst kurz vor Beginn bekannt.

Der Journalist Brendan O’Neill spricht von einer „no platform policy“, einer Strategie also, mit der die Studentenführer das Auftreten von Leuten, die nicht dem vorherrschenden „Gruppendenken“ entsprächen, systematisch verhinderten.

Das muss man sich mal klarmachen, was da läuft:

Die müssen sich dort schon konspirativ treffen, um überhaupt noch etwas sagen und hören zu können, was nicht der political correctness exakt entspricht. Da hat sich ein regelrechter intellektueller Lynchmob entwickelt.

Für O’Neill war dies nur ein Höhepunkt in einer ganzen Reihe unerfreulicher Erlebnisse. Zuvor war er schon an anderen Universitäten niedergebrüllt worden: in Cambridge, als er argumentierte, dass Jungenkultur nicht notwendigerweise Vergewaltiger produziert, in Cork, als er sich gegen die Homoehe aussprach, in London, wo er der industriellen Entwicklung Afrikas den Vorrang vor dem afrikanischen Kampf gegen den Klimawandel gab.

Das ist kein Kleinkram. Denn hier werden ja nicht nur Andermeinungen angegriffen, sondern schon das Nichtfolgen gegenüber der Zwangsmeinung.

Begründet wird der Studentenprotest mit den immer gleichen Worten. Egal ob über Muslime oder Transsexuelle, Schwarze oder Frauen gesprochen wird – immer fühlen sich die Angesprochenen „offended“, also verletzt oder beleidigt. Sie argumentieren wie Lucy Delaney von der Oxford University Student’s Union, die an vorderster Front gegen den Auftritt Germaine Greers protestiert hatte: „Die Meinungen dieser Redner sind nicht kontrovers – sie sind gewalttätig.“ Gewalt, hieß es einmal, rechtfertige Gegengewalt.

Die Studenten fordern einen „safe space“, einen Schutz- oder Sicherheitsraum, aber so, wie er definiert wird, läuft er dem Grundelixier der britischen Demokratie zuwider: der freien Rede. Der „Independent“ stellte kürzlich ein Glossar der neuen politischen Korrektheit zusammen und erklärte den Begriff so: „Safe spaces sollen frei von Diskriminierung, Belästigung und Hassreden gegen unterprivilegierte Gruppen wie Frauen, Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transsexuelle und ethnische Minderheiten sein. … Menschen können aus diesem Schutzraum entfernt werden, wenn ihre anstößigen Sichtweisen denselben bedrohen.“ In Cambridge pochten Studenten auf ihr „Recht auf Behaglichkeit“.

Anstößige Sichtweisen. Wie borniert kann man sein? Wie »reaktionär« ?

Zu besichtigen sind erstaunliche Koalitionen. Am Goldsmith Institute in London musste die iranische Menschenrechtlerin Maryam Namazie kurz vor Weihnachten ihren Vortrag über „Apostasie, Blasphemie und freie Meinungsäußerung im Zeitalter des IS“ unterbrechen, weil ihr Studenten der „Islamischen Gesellschaft“ den Projektor abgestellt hatten. Namazie hatte sich gegen die Verfolgung von Bloggern und inhumane Bestrafungen in einigen islamischen Ländern ausgesprochen. Ihre Kritik hatte den „safe space“ der muslimischen Studenten verletzt – die wiederum von der Fraktion der Schwulen und Lesben unterstützt wurde, die eigentlich keinen Ehrenplatz im Weltbild gläubiger Muslime haben.

Das ist doch genau das Phänomen, das wir hier gerade beobachten: Feministinnen verteidigen Islamismus.

Ich hatte doch neulich beschrieben, dass sie in Abu Dhabi so gerne Weihnachten feiern, und auch in Berlin haben die Grünen in Kreuzburg schon Weihnachtsmärkte umbenannt.

In seiner unaggressiven Form hat das Denken in „safe spaces“ den Campus schon lange hinter sich gelassen und ist zu Allgemeingut geworden. In weiten Kreisen des Königreichs gilt es mittlerweile als unhöflich, Weihnachtskarten zu verschicken, auf denen „Merry Christmas“ steht. Ein Muslim könnte sie zu Gesicht bekommen und sich verletzt fühlen. Also werden „Season’s Greetings“ verschickt, Grüße der Saison. Die anglikanische Kirche darf nicht einmal in der Adventszeit für sich werben. Der Kino-Spot, den die Staatskirche unlängst gedreht hatte, könnte „jene beleidigen, die einen anderen Glauben oder gar keinen haben“, begründete die Kinoagentur DCM im November ihre Entscheidung, das Filmchen mit christlichen Gesängen nicht auf der Leinwand auszustrahlen.

Völlig durchgeknallt.

An vielen Unis ist Robin Thickes freizügiger Popsong „Blurred Lines“ verboten worden – „weil dem Well-being unserer Studenten die Priorität gehört“, wie es etwa am Balliol College in Oxford heißt. Das London University College hat für den „Schutz der Studenten“ die Nietzsche-Gesellschaft verboten. Die University of East Anglia untersagte nach Protesten der Stundentenunion Sombreros auf dem Campus: Das Tragen der breitkrempigen Hüte – Werbegeschenke eines nahe gelegenen mexikanischen Restaurants – könnte als rassistisch aufgefasst werden, hieß es.

Selbst Traditionszeitungen werden inzwischen vom Campus verbannt. Mehr als dreißig Studentenvertretungen setzten das Boulevardblatt „Sun“ auf den Index – vor allem wegen der leichtbekleideten Modells auf der dritten Seite. „Früher haben radikale Studentinnen ihre BHs verbrannt, heute bestehen sie darauf, dass die Models welche tragen“, schrieb O’Neill.

An einer Stelle liegen die verbliebenen Dozenten aber falsch:

In den Vereinigten Staaten, wo die neue politische Korrektheit ihren Ausgang genommen hat, wird schon über die „Verhätschelung der amerikanischen Psyche“ – so ein Artikel in der Zeitschrift „The Atlantic“ – diskutiert. O’Neill sieht auch auf Großbritannien etwas zukommen. Hinter dem „Recht auf Behaglichkeit“ verstecke sich letztlich das „Recht, nie von irritierenden Ideen herausgefordert oder von Angriffen aufgerüttelt zu werden“. Besorgt blickt der Journalist in die Zukunft, wenn diese Studenten, die sich vor jeder Kontroverse schützten, das Land führen und komplexe politische Entscheidungen werden treffen müssen. Oxford-Dozentin Rundell hat aus diesen Gründen beschlossen, den neuen Forderungen ihrer Studenten nicht nachzugeben und Shakespeare weiterhin ohne Alarmsignale zu lesen: „Irgendwann werden sie aus der Uni ins Leben entlassen, und dort gibt es auch keinen Schutz.“

Der letzte Punkt, dass es im Leben keinen Schutz gäbe, stimmt so nicht. Denn dafür gibt es Frauenquoten. Ein kompletter Karriereweg für Dumme. An der Schule sorgt man dafür, dass sie an die Uni können. An der Uni sorgen die „safe spaces” dafür, dass sie nichts lernen müssen. Und die Frauenquote sorgt schließlich dafür, dass sie trotzdem Karriere machen. Ein Vollversorgungsprogramm für Dumme.

Wer noch weiter lesen will, kann auch diesen Artikel mal lesen (obwohl diese Vorgänge hier im Blog schon beschrieben wurden), oder auch diesen über safe spaces als Ausdruck der Angst vor der Angst.

Was für mich da jetzt aber besonders heraussticht ist diese seltsame Koalition aus Feministinnen und Islamisten.

Ich habe das Gefühl, dass da noch Verblüffendes ans Tageslicht kommen wird.


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