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Medienkritik: Das Damsel-in-Distress-Paradoxon

Hadmut
6.1.2016 20:22

Fällt mir gerade noch so auf: Noch eine Divergenz zwischen Mediendarstellung und Realität.

Ich hatte es ja neulich schon bei Star Wars VII und einem weiteren Artikel dazu oder auch allgemein beschrieben: Wir werden bombardiert mit Filmen und Darstellungen, in denen junge Frauen sich als Einzelkämpfer alleine gegen die ganze Welt durchschlagen und noch die Männer retten. Rey in Star Wars, demnnächst die gegenderte Version von Ghost Busters, Mad Max, Mission Impossible, Terminator und so weiter: Überall werden Filme, Stories, Bücher eingegendert und Figuren durch starke Filmfrauen ersetzt. (Von dem Trend und der Kritik ausnehmen will ich mal Filme wie Resident Evil, die mir gar nicht gefallen, Lara Croft, geht so, Tribute von Panem, mit denen ich nichts anfangen kann, und Kill Bill, der mir sehr gut gefallen hat, jedenfalls der erste Teil, weil da nicht irgendwelche bestehenden Stoffe umgegendert, sondern neue Stories gebaut werden, aber auch da werden uns solche Filmfiguren vorgesetzt.) Selbst James Bonds Moneypenny hat man durch eine attraktive Kampfsau ersetzt. Natürlich wurde für auch für Shrek die Prinzessin zur Kampfsau aufgemöbelt, und nach meinen Blog-Artikeln schrieb mir ein Leser, dass er mit seinen Kindern in irgendeinem Märchenfilm (Der kleine Prinz oder irgendsowas) war, in dem sich der Filmheld auch erst mal von einem Mädchen retten lassen musste.

Hintergrund ist, dass sich der Feminismus über die Rolle der „Damsel in Distress” beschwert. Frauen immer nur als armes, schutzbedürftiges, hilfloses Wesen darzustellen. Frauen seien stark, selbständig, unabhängig, und bedürften keinerlei Schutzes. Lehrt uns der Feminismus auch ständig.

Gut, kann man machen. Verständlich. Ich habe sogar einige Frauen mit enormer Nahkampfstärke kennengelernt, die problemlos ne ganze Reihe von Männern der Sorte Großmaul mit Schlägerqualitäten plattmachen. Die meisten derer hatten einen schwarzen Gürtel in irgendwas. Eine davon, Kampfsporttrainerin, war mal Ziel eines Vergewaltigungsversuchs und hat dabei den Täter so dermaßen verdroschen, dass er nicht mehr fliehen konnte, verzweifelt um Hilfe schrie und vom Rettungswagen zusammengekehrt werden musste. Eine andere war ein Naturtalent und Kraftpaket, arbeitete in einem Gaststättenbetrieb als Küchenhilfe und bei Bedarf als ziemlich rabiate Rausschmeißerin, und hat zuhause eine ganze Truppe von Polizisten erfolgreich abgewehrt, indem sie mit Kühlschrank, Herd, Waschmaschine, Bierkästen, Sesseln, Sofa, Kronleuchter und so weiter, was halt gerade greifbar war, aus dem vierten Obergeschoss nach denen geworfen und dabei zwei Polizeiautos zertrümmert hat, weil sie dachte, dass die Polizei, die nur zufällig wegen etwas völlig anderem da war, ihren per Haftbefehl gesuchten Verlobten festnehmen wollte. Den wollte sie verteidigen. Für die brauchten sie ein SEK, und es ward kolportiert, auch das SEK hätte dabei Schaden genommen.

Keine Frage: Es gibt sie, die starken, selbständigen Frauen, die keine Hilfe brauchen. In Nahost kämpfen ja auch ne ganze Menge gegen den IS.

Schaut man nun allerdings zu den Vorgängen am Kölner Hauptbahnhof, den Berichten und den Reaktionen, dann ist der Tonfall plötzlich ein ganz anderer:

Noch nie so viele heulende Frauen auf einmal gesehen, die Polizei müsse sie schützen, die begleitenden Männer müssten sie schützen (haben viele, wurde aber verschwiegen). Es könne nicht angehen, dass Frauen auf sich selbst achten oder den Minirock verzichten müssten (Warum sind die alle so scharf auf Minirock? In Berlin sieht man nur selten Miniröcke, wenn, dann allerdings auch bei -10°C. Warum? Den Berlinerinnen sind Miniröcke einfach zu lang und zu züchtig. Hier trägt man Hotpants, die kürzer sind.), andere hätten einfach Abstand zu halten. Frau müsse unbehelligt bleiben, und wenn sie behelligt werde, müsse ihr sofort Hilfe zuteil werden, für deren Gewährung selbstverständlich Männer – ob nun Polizei, der Freund/Gatte oder die Gruppe – zuständig sind. Zwar zeigen sie dazu – wie heute in der Presse so oft – gerne Polizistinnen, aber die eigentliche Gewaltarbeit bleibt in der Regel an den Männern hängen.

Gut, auch das ist eine vertretbare Position, die ich an sich nicht kritisieren würde. Kann man machen, ist OK.

Aber: Das Idealbild von der Kämpferin und der Verachtung der Damsel in Distress, und die Realität am Kölner Hauptbahnhof passen nun auch nicht zusammen. Dort gab’s keine Lara Croft, keine Rey, keine Katniss Everdeen, keine Pippi Langstrumpf, keine Prinzessin Fiona, aber jede Menge der damsels-in-distress, die es ja eigentlich gar nicht geben sollte. Und ganz viele Feministinnen, die den Schutz durch Männer anmahnen.

Man kann nicht beides in den Medien seriös vertreten. Unsere Medien haben mit Seriosität aber auch nichts mehr zu tun. Auch hier wieder der Effekt, dass die Medien ein Trugbild vorgaukeln.