Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

VT220 Terminal

Hadmut
5.5.2009 0:17

Ich hab übrigens noch ein echtes VT220 Terminal übrig, zwar das Gehäuse etwas vergilbt (typisch für die damals verwendeten Kunststoffe), müßte aber noch funktionieren. Ist zu schade zum wegwerfen. Wenn jemand eine wirklich gute Verwendung dafür weiß (Museum oder sowas…), bitte Mail an mich.

Nachtrag: Wer weiß heute schon noch, daß man sich früher mit solchen Terminals und direkt angeschlossenen Modems per AT-Befehl über die Kommandozeile an Zentralcomputern eingewählt und eine Terminalsitzung aufgemacht hat? Daß Modems für diese Zwecke ein paar Telefonnummern und die Einstellungen speichern konnten? Daß das überhaupt der Zweck war, wofür man diese Hayes-AT-Befehle eingeführt hat und daß der ganze spätere Kram mit PPP und Internet erst später draufgeflanscht wurde?

Als man das alles noch mit 300 Baud oder so machte, und die Curses-Library noch so richtig ihre Stärken ausspielen konnte, weil sie die Bildschirminhalt im Cache hatte und per Cursor-Move-Befehle immer nur das aktualisierte, was zu ändern war, damit der Bildschirmaufbau schneller ging? Daß Programme wie vi und emacs dafür geschrieben wurden und daß emacs dafür auch Unterprogramme aufrufen und compiler starten konnte? Daß man news usw. ursprünglich auch im 80×24 gelesen hat? Und emacs Unterstützung dafür hatte, trotzdem mehrere Dateien gleichzeitig zu editieren?

Daß es Terminal-Multiplexer wie screen und ähnliche gab, um über einen Terminal-Login mehrere Shells zu bekommen? Daß auch die üblichen Shells eigentlich viele Überbleibsel aus dieser Zeit haben? Daß auch das Mailsystem mitsamt den alten Tools wie uuencode darauf ausgelegt war? Und daß man sich damals in Bulletin-Boards einwählte, die unter bestimmten Telefonnummern erreichbar waren?

Daß man später, als die Terminals dann selbst Computer wurden, Programme entwickelte, die über Terminal-Sitzungen Daten pumpten? (Wie hießen die noch gleich? cmodem oder so ähnlich? Später dann das modernere Kermit?

Und daß man damals auch ohne Internet Daten ganz lustig übertragen konnte, nämlich per uucp? Daß man darüber Mail, News und sonstwas losschicken konnte, die dann von einem Rechner zum anderen weiterkopiert wurden, weil die Rechner sich untereinander regelmäßig anriefen? Daß da eine Mail auch mal tagelang unterwegs sein konnte? Und dann der Abgleich von News-Gruppen über uucp? Als Software noch in 37 einzelnen Postings in comp.sources.unix verteilt wurde und man die zusammenstückeln mußte? Erst zusammensetzen, dann durch uudecode oder uudeview, und dann als shar-Archive entpacken?

Und als noch kein Normalsterblicher auch nur annähernd ahnte, was man da eigentlich trieb?

Oh, war das ne geile Zeit. So schön wird’s nie wieder.

Ob ich das Terminal vielleicht doch behalte? So aus reiner Sentimentalität?

2 Kommentare (RSS-Feed)

yasar
6.5.2009 22:03
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ich würde dem Terminal Asyl gewähren, damit es nicht auf den Müll kommt.

Ich habe hier sogar noch serielle Terminalserver (vergraben in einer Kiste) , an die ich es anschließen könnte und so per VPN und telnet (*hust*) für Wartungszwecke einsetzen könnte.

und: xmodem/ymodem/zmodem 😉

Und hack/nethack kann man mit dem terminal sicher auch noch toll spielen.

PS: Ich habe in meiner Zeit als HiWi an der FhG/IITB noch mit VT100-Terminals gearbeitet. War immer ganz lustig, die Tasten umzuprogrammieren.


Claudia Freytag
16.9.2009 11:12
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Das Haus der Geschichte sucht genau diesen Terminal, denn darauf lief vor 25 Jahren in Karlsruhe die erste email über ein offenes Netz in Deutschland. Könnten Sie uns den Terminal schenken?
Für eine Nachricht wäre ich dankbar!
Claudia Freytag