20.000 Agenten
Erstaunlicher Hinweis zur Dichte der Überwachung in der DDR.
Bei mir laufen gerade zum Artikel von vorhin Hinweise dafür und dagegen ein. Beispielsweise, dass die mitgeteilten Hinweise nicht stimmen könnten, zum Beispiel weil Klaus Kinkel nie Innenminister, sondern Justiz- und Außenminister gewesen sei.
Es gibt aber auch Bestätigungen:
Ihr Beitrag “das-young-global-leader-programm”
Hallo Hadmut,
Sie stellen die Frage: Hatte die CIA Agenten im Osten?
1988 war Hermann Axen (Mitglied des SED-Politbüros für Außenpolitik) in Washington. Sein ehemaliger persönlicher Referent Manfred Uschner schreibt dazu: “Ich saß bei diesem Empfang am Rande und da waren die für die DDR zuständigen Mitarbeiter der CIA und des Außenministeriums an meinem Tisch und sagten, daß sie in der DDR 20.000 Agenten hätten und das Ende 1989 die Mauer fallen würde.”
sinngemäß zitiert nach: Manfred Uschner „Die zweite Etage. Funktionsweise eines Machtapparates“, 1993 erschienen
Honecker bezieht sich auch in einem Nebensatz in seinem längeren Interview mit der ARD im Moskauer Exil 1990 darauf.
Naja, gut. Ich kann mir vorstellen, dass die CIA das gesagt habe, aber die CIA ist bekanntlich meisterhaft in Verhör- und Manipulationstechniken. Die Frage ist, ob das stimmt oder weit übertrieben war und die Delegation nur einschüchtern sollte. Manchmal ist so etwas eine self-fulfilling prophecy. Wenn die CIA 20.000 Agenten im Osten gehabt hätte – wären sie dann so blöd, denen das zu sagen, damit sie wissen, wonach sie suchen müssen, und nach wievielen? Es ist ein Grundprinzip der Geheimdienste, gar nichts an Informationen rauszulassen, und insbesondere die eigenen Leute niemals zu gefährden.
Und ob das wirklich stimmt, dass die das gesagt haben … die DDR war bekanntlich meisterhaft darin, die Schuld an allem dem Westen zu geben.
Es ist, vorsichtig gesagt, anspruchsvoll, sich vorzustellen, dass einer so dicht überwachenden Organisation wie der Stasi 20.000 Agenten komplett durchrutschen würden. Ein gewisser Bestandteil fliegt immer auf, die hätten dann bestimmt 1% entdeckt, also 200, und selbst bei 0,1% wären das immer noch 20, und die dann exekutiert oder zumindest eingelocht und politisch ausgeschlachtet.
Und wenn sie erst einmal 20 oder 40 oder 100 geschnappt haben, wäre da mit Sicherheit der Teufel los gewesen.
Bei solchen Aussagen wäre ich sehr, sehr vorsichtig. Geheimdienstler sagen aus Prinzip niemals die Wahrheit, verraten niemals, was sie haben, schon gar nicht dem Gegner, der darauf sofort lossuchen würde. Kein Geheimdienst würde einfach so die eigenen Agenten verraten. Schon gar nicht an den Gegner, und noch weniger an einen, der dafür exekutiert.