Ansichten eines Informatikers

To Mac or not to Mac

Hadmut
17.10.2026 13:10

Anmerkungen zu Apple.

Also, die Sache ist ja die: Es gibt im wesentlichen drei Hauptbetriebssysteme für Desktop-Rechner: Windows, MacOS und die Linux-Familie. Wobei mich die BSD-Anhänger dafür schlagen werden, sie nicht genannt zu haben, aber ich rede von Hauptbetriebssystemen. Man nennt die FDP ja auch nicht Regierungspartei.

Linux/Unix ist mein Leib- und Magenbetriebssysteme.

Windows/Microsoft kann ich so gar nicht ausstehen (außer die ergonomischen Tastaturen von Microsoft).

MacOS … so naja. Einerseits ist es ein Unix-Derivat, also mein Revier, andererseits zu proprietär und sehr undurchsichtig, wenn man etwas unter die Oberfläche will. Optisch zu verspielt und auf Durchschnittsanwender ausgelegt, aber diese ganze Apple-Developer-Nummer passt mir nicht. Ich hatte mich zwischen 2009 und 2011 mal damit befasst, wie man Apps für iOS schreibt, und mir damals dazu auch einen MacMini gekauft, fand aber dieses Objective-C katastrophal schlecht und hatte ständig das Problem, dass ich bei allem, was ich machen wollte, nicht weiterkam, weil das alles irgendwie undokumentiert ist. Ich hatte mich etwas später mit einem unterhalten, der für eine Firma iOS-Apps schreibt, und der sagte mir, das sei volle Absicht von Apple. Das sei schon alles dokumentiert, aber nur gegen teuer Geld zugänglich. Das hat mir dann gereicht. Mit sowas will ich dann nicht arbeiten.

Und dann gab es noch diese Möchtegern-Bohème der Berliner Dekadenzia, wo man sich in narzisstischen Krämpfen zum „Arbeiten“ in Berliner Cafes setzte, selbstverständlich alle mit MacBook und selbstverständlich alle mit einem Schal um den Hals, selbsverständlich alle auf genau dieselbe Weise gebunden: Halbiert gefaltet, um den Hals, zwei Enden durch die Schlinge. Und dazu irgendein Spezialkaffee, Latte irgendwas. Allein schon deshalb wäre ich nie mit einem Mac in der Öffentlichkeit herumgelaufen, um nicht für einen dieser Idioten gehalten zu werden, von denen viele nicht mehr konnten, als Tabellenkalkulation und Präsentationsfolien. Aber das teuerste MacBook musste es da immer sein. Der Mac als Lifestyle-Produkt, als modisches Accessoire wie der Schal. Ein Neo-Minimalismus, bei dem man nichts mehr auf dem Tisch und in der Tasche hat, als ein MacBook Air. Generationen von Umhängetaschen exakt auf MacBook Air oder iPad geschneidert.

Das Betriebssystem viel zu kommerziell vernagelt. Sie schaffen (und wollen) es bis heute nicht, ein Package-System aufzusetzen, weil das Ding auf kommerziellen, applikationsnahen Einsatz ausgelegt ist. Das ist interesseninduzierter Murks. Die Opensource-Szene hat zwar dann mit homebrew eine Art Ersatz geschaffen, aber gerade das ist doch schon ein Armutszeugnis für Apple. Die legen Wert auf Design und Ästhetik, in gewissem Umfang auch auf Hardware-Qualität, charakteristische Oberfläche, Usability und Einfachheit, aber an funktionalen Elementaraufgaben scheitern sie. Außen schön lackiert, aber unter der Haube Murks.

Und unverschämt überteuert. Insbesondere, seit sie RAM und SSDs so einlöten, dass man sie nicht austauschen kann und bei ihnen kaufen muss.

Dennoch habe ich mehrere. Vor etwa 10 Jahren habe ich mir noch einen großen iMac gekauft (der bei Metro gerade im Angebot war), weil der MacMini nicht mehr unterstützt wurde und auch veraltet und zu schwach war. Denn in der Fotografie und Videoverarbeitung gibt es zu viele wichtige Programme, die auf Linux nicht laufen und Windows oder Mac brauchen. Und Windows will ich nicht im Haus haben.

Dann kam aber dazu, dass ich 2012 in Berlin bei einem Unternehmen angefangen habe und gleich am ersten Tag einen großen MacBook als Dienstrechner bekam. Developer-Firma, und die Developer verwendeten damals alle Macs, deshalb kaufte die Firma Macs.

Mit diesem Mac habe ich lange und viel gearbeitet (ich habe ihn heute noch), wobei ich nur die Office- und Firmenprogramme darauf verwendet habe, die eigentlich Arbeit in einer virtuellen Maschine unter Linux gemacht habe. Dieser Mac war zwar damals sauteuer (für die Firma, nicht für mich), aber er hat mir lange Jahre sehr gute Dienste geleistet. So gut, dass ich irgendwann mal von der Firmenleitung aufgefordert wurd „Hadmut, bestell Dir endlich mal einen neuen Mac!“

Ich so: Warum? Der ist doch noch gut? Macht alles, was ich will!

Firmenleitung: Geht gar nicht. Die Developer verlangen, dass sie alle drei Jahre einen schönen neuen Mac bekommen, so aus Lifestyle und Hierarchiemarkierung heraus, und wenn der ISO seinen Mac sieben Jahre behält und meint, der laufe doch prima weiter, könnte das Controlling auf dumme Fragen kommen.

Ich so: Gut, dann bestelle ich einen neuen, und statt den alten wegzuwerfen nehme ich ihn mit nach Hause für Home-Office, dann habe ich zwei, und offiziell merkt es keiner, und ich muss keinen Firmenrechner mit Firmendaten in der U-Bahn mitschleppen. Also hatte ich dann noch einen mit diesem Touch Bar, den sie mal kurz hatten, und den ich ziemlich gut fand, und nicht verstehe, warum sie den wieder aufgegeben haben.

Und das sie beim Ausscheiden den Leuten immer anbieten, ihre Dienstrechner zu übernehmen, weil sie damit nichts anfangen können und Developer zu eingebildet sind, einen gebrauchten Mac zu nehmen, den schon jemand anderes berührt hat, habe ich gleich eben diese zwei MacBooks übernommen. Standen wegen der Corona-Krise sowieso schon beide bei mir zuhause.

Und weil die Firma auch noch gebrauchte Macbooks von verblichenen Developern billig verkloppt hat, habe ich mir noch zwei kleine dazu gekauft. Macht vier MacBooks. Zwei große, die meine eigenen Dienstrechner waren, und zwei kleine, die von Developern genutzt worden waren.

Die Qualität

Eigentlich nämlich war ich von der Qualität der Hardware sehr angetan. Die Dinger sind zwar irre teuer, aber wenn ich bedenke, dass das MacBook von 2012 auch nach Jahren in täglichen Dauerbetrieb bis auf Abnutzungsspuren an der magnetischen Stromanschlussbuchse und ein wenig an den USB-Buchsen gar keine Gebrauchsspuren zeigte und selbst heute noch genauso aussieht wie 2012 (aber natürlich technisch völlig veraltet ist), ist das doch eine famose Sache.

Die Metallgehäuse haben sich als robust erwiesen (das silberfarbige von 2012, während das graue des neueren doch kratzempfindlich ist), und ganz toll sind die Tastaturen. Ich merke nicht nur keine mechanische Abnutzung, sondern die Beschriftungen sind durchgefärbt, weißer Kunststoff in dunkelgrauem. Während bei meinem Gebrauch bei bedruckten oder beklebten Tasten die Beschriftung spätestens nach 2 Jahren an den meistverwendeten Tasten weg ist, haben sich die Mac-Tasten überhaupt nicht verändert. Man muss schon sehr genau hinschauen, um an diesem Mac überhaupt Veränderungen zu entdecken.

Der Punkt ist aber: Ich hatte nur großes Glück, zwei wirklich gute und fehlerfreie Exemplare zu erwischen.

Denn generell sind die nicht so haltbar.

Ich kann mich erinnern, dass wir in der Firma gewaltige Probleme hatten, weil wir einen Stapel MacBooks gekauft hatten, weil neue Mitarbeiter kamen, und diese nach zwei, drei Wochen alle zur Reparatur auf Gewährleistung mussten, weil die Buchsen nicht richtig eingelötet waren und Kontakt verloren oder sich lockerten, die musste alle nachgebessert werden.

Mit den Akkus gab es Probleme.

Und ein ganz großes Ärgernis sind die Bildschirmbeschichtungen. Die beiden kleinen MacBooks, die ich oben erwähnt habe, und die ich der Firma für Kleingeld gebraucht abgekauft habe, sehen aus wie Trümmerlandschaften, wenn man nicht genau senkrecht auf den Bildschirm schaut. Der hat eine metallisierte Oberfläche (keine Ahnung, wozu, ob das was mit Touchscreen zu tun hat oder eine Vergütung/Entspiegelung ist), die sich zersetzt, und offenbar hat das mit dem Fett von den Fingern zu tun. Man sieht nämlich bei den beiden Geräten sehr deutlich, dass die chemische Zersetzung dieser Beschichtung/Metallbedampfung in der Mitte genau die quadratischen Abdrücke der Tasten zeigt. Und genau da berührt der Bildschirm im geschlossenen Zustand bei etwas Druck von außen die Tasten, auf denen das Fingerfett haftet.

Warum ist das bei meinem nicht passiert?

  • Ich habe meine Rechner nur sehr selten in der Tasche herumgetragen, immer nur in der Schreibtischschublade weggeschlossen, deshalb kein Druck von außen.
  • Ich kann Fingerabdrücke auf dem Bildschirm partout nicht ausstehen. Während viele Leute notorisch mit dem Finger auf dem Bildschirm herumtatschen, selbst auf fremden Rechnern, wenn sie etwas zeigen wollen, fasse ich den Bildschirm nie an und habe immer Scheibenreiniger parat.
  • Und weil ich das ebensowenig ausstehen kann, wenn man einen Notebook aufklappt und dann die Tasten als Fettabdrücke auf dem Bildschirm sieht, lege ich vor dem Schließen bei Notebooks immer ein dünnes Mikrofasertuch zum Schutz ein.

Wohl deshalb sind die Bildschirme meiner eigenen Rechner völlig unbeschädigt.

Fehlende Unterstützung von Apple

Nun habe ich die beiden MacBooks, meine ehemaligen Dienstrechner, in beiden Wohnungen als Videokonferenzrechner verwendet, zusammen mit Videomischpulten von Blackmagic Design. Denn diese können nur mit deren Software gesteuert werden, und die gibt es nur für Windows und Mac, und außerdem ist die Belastung des Rechners dabei moderat, und vor allem über die Jahre ziemlich gleich bleibend, womit auch ein über 10 Jahre alter Rechner gut klarkommt.

Apple nimmt Rechner aus dem Support, und so hatte ich für den MacBook von 2012 schon seit Jahren keinen regulären Update mehr, und bei den beiden kleinen Rechnern kurz danach auch nicht mehr.

Nun gibt es zwar den OpenCore-Patcher, mit dem man es tatsächlich schaffen kann, von Apple verschmähte alte Rechner mit neueren Betriebssystemversionen zu versorgen, und das funktioniert auch – aber nicht so richtig gut. Das Ding will auch ständig irgendwelche Aktualisierungen und fragt nach, ob es jetzt nicht doch den Bootsektor mal wieder überschreiben solle, und so weiter. Sehr vertrauenswürdig ist das nicht, und taugt auch für Konferenzen nicht so sehr, wenn da ständig Requester hochpoppen die von irgendwelchen Softwareinstallationsfragen erzählen.

Das wäre ja noch gegangen, aber inzwischen hat Apple die alten Rechner mit x86-Prozessoren ganz von den Betriebssystemupdates abgeschnitten. Man bekommt zwar für einige (meinen iMac und den neueren Dienst-MAcBook) noch Security-Updates, aber das neueste Betriebssystem gibt es für x86-Rechner schon nicht mehr.

Was also tun?

Also habe ich in den sauren Apfel gebissen und mir neulich einen neuen MacMini gekauft, gerade ist der neue mit M6-Prozessor herausgekommen.

Zum normalen Preis von 6xx Euro wäre das ein Schnäppchen, aber wegen der monströsen Preise für RAM und Flash kostet der gerade ab knapp 1000. Deshalb habe ich auch nur den kleinsten genommen, der aber für Videokonferenzen völlig reicht (reichen sollte). Der Prozessor hat richtig Rumms, zum Normalpreis wäre das ein Hammer. Das Ding ist schon ziemlich gut.

Was dann jetzt aber auch so langsam heißt, dass zumindest für mein altes MacBook von 2012 nach treuen 14 Jahren das Ende naht.

Mein iMac und mein neueres MacBook werden mit dem aktuellen Betriebssystem durchhalten müssen bis 2028, weil es heißt, dass dann die Speicherpreise wieder fallen.

Lohnt sich ein Mac?

Schwierige Frage.

Ich halte die Geräte einerseits für weit überteuert, muss aber einräumen, dass ich mit meinen beiden Dienstnotebooks großes Glück hatte und beide bis heute bei der Hardware (außer etwas an den Buchsen) keinerlei Abnutzungserscheinungen zeigen, freilich veralten. Vor allem die Metallgehäuse sind ein enormer Vorteil gegenüber den Plastikgehäusen, die dann oft brechen.

Dass sich die Bildschirme vom Fingerfett aber selbst zerstören, ist ein No Go. Man kann sie zwar noch benutzen und die Anzeige an sich ist nicht beeinträchtigt, aber es sieht schlimm aus, vor allem, wenn nicht völlig exakt senkrecht drauf schaut.

Das Problem besteht eher darin, dass Apple die jeweils nur ein paar Jahre unterstützt, und dann aus dem Support nimmt, man keine Betriebssysteme mehr bekommt, obwohl das ohne weiteres möglich wäre, wie OpenCore beweist. Sie wollen eben, dass man neue Rechner kauft. Und jetzt durch den Prozessorwechsel auch Rechner in sehr gutem Zustand aus dem Support fliegen.

Ja, man kann auch auf Macs Linux installieren. Ob es das dann aber wirklich bringt, ist eine andere Frage.

Andererseits muss man ihnen zugestehen, dass sie gerade recht gute Prozessoren haben und der MacMini ein Schnäppchen wäre – wenn die Speicherpreise nicht gerade so hoch wären, wofür Apple selbst aber nichts kann.

Ich höre aber immer öfter, dass die Leute gerade in Scharen vor Windows davonlaufen – in Richtung MacOS und Linux (Kunststück, wohin auch sonst…)

Apples M*-Prozessoren basieren auf der ARM-Architektur.

Nvidia hat gerade eine neue Notebookarchitektur vorgestellt, bei der alles zusammen in einem Chip (RISC-V) sein soll, und die kleiner und billiger sein und die KI schon eingebaut haben sollen.

Es könnte also sein, dass die X86-Ara gerade zu Ende geht.