Der Bundestag am Südpol
Aktuelles vom unteren Ende der Republik.
1. Akt
Vor einiger Zeit, Mitte März 2026, kam es zu einem Vorfall im Bundestag. Siehe Plenarprotokoll 21/65, Seite 7885 (Seite 125 des PDF). Es sprach die Abgeordnete Kathrin Gebel von der LINKEN zum Antrag der Abgeordneten Kerstin Przygodda, Martin Reichardt, Sebastian Maack, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Frauen schützen – Im Namen der Familienehre versuchte und vollendete Morddelikte statistisch erfassen
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frauen sind der AfD zufälligerweise immer genau dann wichtig, wenn Sie ihre Gewaltgeschichte gegen Migranten instrumentalisieren können.
[…]
(Martin Reichardt [AfD]: Ihnen sind sie nie wichtig!)
Alles andere interessiert Sie nicht, und Lösungen haben Sie schon gar nicht; die sind in Ihrem Antrag nämlich nicht vorhanden.
Wenn die AfD schon den Begriff „Ehrenmorde“ propagieren will, dann sollte man dazusagen, dass solche Morde im Vergleich zu anderen Fällen von Femiziden sehr selten sind.
(Zuruf der Abg. Birgit Bessin [AfD])
Das ist nämlich eines der Ergebnisse der Studie „Femizide in Deutschland“. Das interessiert die AfD aber gar nicht; denn Sie hängen sich ja viel lieber daran auf, dass nicht 100 Prozent der Täter deutsch sind. Aber wissen Sie, was fast 100 Prozent der Täter sind?
(Kerstin Przygodda [AfD]: Männer!)
Männer!
(Beifall bei der Linken sowie des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Clara Bünger [Die Linke]: Aha!)
[… viel blabla …]
Die LINKE, von der wir heute wissen, dass sie islamistisch unterwandert ist und den Interessen der Clans und der Migranten vertritt, will also das Thema Ehrenmorde kleinreden, während gleichzeitig die Fraktion DIE LINKE im Berliner Abgeordnetenhaus regelmäßig der am 7. Februar 2005 ermordeten Hatun Sürücü gedenkt und an Gedenkveranstaltungen und Kranzniederlegungen an ihrem Gedenkstein in Berlin-Tempelhof teilnimmt. Inzwischen hat sich da wohl die Meinung der Partei gedreht.
Und natürlich, Trommelwirbel: Wer eine Korrelation findet, darf sich eine Kausalität frei ausdenken.
Denn die Frauen, die hier sitzen, wissen ganz genau, vor welchen Männern man sich hüten muss, wenn man drüben in die Parlamentarische Gesellschaft geht. Jeder frauenbezogene Antrag – –
(Lachen des Abg. Martin Reichardt [AfD] – Gegenruf der Abg. Claudia Müller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben keinen Respekt vor Frauen! – Weiterer Gegenruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, das finden Sie auch noch witzig!)
– Also, Herr Reichardt, die Klitoris
(Martin Reichardt [AfD]: Was?)
hat 3 000 Nervenenden, und Sie sind trotzdem empfindlicher. Das muss man echt mal schaffen.
(Heiterkeit und Beifall bei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Martin Reichardt [AfD]: Was? – Sven Wendorf [AfD]: Wovon reden Sie denn da bloß?)
– Wenn man schon so einen Mistantrag einreicht, dann muss man auch die Kritik daran abkönnen. Also wirklich!
(Lachen bei Abgeordneten der AfD – Martin Reichardt [AfD]: Ich habe den Quatsch gar nicht verstanden! – Gegenruf des Abg. Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, das glaube ich auch, dass Sie das nicht verstehen!)
Ich möchte an dieser Stelle anmerken, und darauf lege ich großen Wert, dass ich 13 Jahre in der Schule war (für die Jüngeren: Nicht durchgefallen, sondern bei uns dauerte die Schule 13 Jahre), und wir in keiner Klasse, nicht einmal in der ersten, so kindisch und lächerlich waren wie dieser Bundestag. Dieses lächerliche Parlament kostet uns jährlich über eine Milliarde Euro, und solcher Schwachsinn läuft dann darin ab.
2. Akt
Gebel muss sich öffentlich korrigieren, weil die Klitoris nicht 3.000, sondern etwa 10.000 Nervenenden hat.
3. Akt
Gestern kam eine Reaktion vom AfD-Abgeordneten Reichardt in einer Debatte über Anträge der Grünen und Linken zur Familienpolitik:
„Frau Gebel, Sie können vielleicht auch gerne noch was sagen. […] Sie mit Ihrer Unkenntnis über Ihre eigene Klitoris.“
Für diesen Spruch verhängte die Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz unmittelbar ein Ordnungsgeld gegen den AfD-Politiker.
Mit Blick auf Reichardts Einspruch dagegen erklärte Julia Klöckner am Freitag, dass sie auf das am Vortag verhängte Ordnungsgeld eingehen werde, das Vizepräsidentin Lindholz ausgesprochen habe. Dazu habe sie auch von Frauen eine entsprechende Bitte erhalten:
„Ich will sehr klar sagen: So etwas reiht sich ein in Vorwürfe an Frauen, hier im Parlament, dass sie kinderlos seien. Wir sind im Jahr 2026. Frauen und Männer sind gleichberechtigt! Diese Übergriffigkeit und Respektlosigkeit lassen wir hier als Präsidium nicht gelten!“
Angesichts des Frauenanteils von lediglich 32 Prozent im Bundestag müsse man sich so verhalten, dass Frauen Interesse an einer politischen Laufbahn hätten. Derartige Äußerungen seien übergriffig:
„Wir werden das in Zukunft auch sofort mit einem Ordnungsgeld ahnden, wenn so respektlos mit und über Frauen geredet wird.“
Obwohl das Thema Klitoris von Gebel selbst und nicht von Reichardt in die Debatte gebracht wurde, und sie selbst den Fehler begangen hatte.
Dazu auch vom Deutschen Bundestag selbst:
Der Bundestag hat am Freitag, 16. Oktober 2026, ohne Aussprache einen Einspruchs gegen ein in der Plenarsitzung am Donnerstag, 15. Oktober, verhängtes Ordnungsgeld abgewiesen. In der Sitzung hatte die amtierende Bundestagspräsidentin Andrea Lindholz (CDU/CSU) ein Ordnungsgeld gegen den AfD-Abgeordneten Martin Reichardt wegen einer zuvor getätigten Äußerung verhängt. Gegen das Ordnungsgeld hatte Reichardt mit Schreiben vom 15. Oktober an Bundestagspräsidentin Klöckner Einspruch eingelegt. Für die Zurückweisung des Einspruchs stimmten CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke, dagegen votierte die AfD-Fraktion.
Als Begründung für seinen Einspruch gab Reichardt an, seine Aussage gegenüber der Abgeordneten Kathrin Gebel (Die Linke) sei eine „sachliche Feststellung“ gewesen und er habe den Begriff „Klitoris“ lediglich deswegen verwendet, weil Gebel diesen Begriff ihm gegenüber in einer früheren Plenardebatte verwendet habe. Es erschließe sich ihm nicht, weshalb er ein Ordnungsgeld erhalte, Gebel aber für die Verwendung des Begriffs „nicht einmal einen Ordnungsruf“ bekommen habe.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zitierte die beanstandete Äußerung Reichardts bei der Aufsetzung des zusätzlichen Tagesordnungspunkts. Reichardt habe gesagt: „Sie mit Ihrer Unkenntnis über Ihre eigene Klitoris.“ So etwas reihe sich ein in Vorwürfe an Frauen „hier im Parlament“, dass sie kinderlos seien.
„Frauen und Männer sind gleichberechtigt“, betonte Klöckner. „Diese Übergriffigkeit und Respektlosigkeit lassen wir hier als Präsidium nicht gelten.“ Nur 32 Prozent der Abgeordneten seien Frauen. Wenn man das ändern wolle, „dann müssen wir uns auch so verhalten, dass Frauen Lust auf diesen Beruf hier haben“. In Zukunft werde es sofort mit einem Ordnungsruf geahndet, „wenn so respektlos mit und über Frauen geredet wird“. (vom/16.10.2026)
Ich halte das für unvertretbar. Und für willkürlich.
Wenn man geltendes Recht zur Meinungsäußerung anlegt, ist das zulässig, weil es einen sachlichen Anknüpfungspunkt gibt, und Gebel sich das Thema selbst gegeben hat. Darauf darf der Gegner reagieren.
Außerdem halte ich es für verfassungswidrig:
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Lindholz ist übrigens Juristin.
Ich halte dieses ganze Schauspiel, was uns da geboten wird, für untragbar, insbesondere aber das Auftreten dieser beiden Bundestagspräsidentinnen für völlig unvertretbar.
Es heißt nichts anderes, als dass Frauen Männern alles an den Kopf werfen dürfen, Männer darauf aber nicht reagieren dürfen.
Es ist an der Zeit, CDU/CSU rauszuwählen.
Bonus-Akt
CDU NRW: -8
NORDRHEIN-WESTFALEN | Sonntagsfrage Landtagswahl INSA/BILD
CDU: 26% (-8)
AfD: 21% (+4)
SPD: 18%
GRÜNE: 16% (+1)
LINKE: 10% (+1)
FDP: 4%
Sonstige: 5% (+2)Änderungen zur letzten Umfrage vom 08. Mai 2026
Verlauf: https://t.co/abpZT4akVf
#ltwnw #ltwnrw https://t.co/dQewfckMOI— Deutschland Wählt (@Wahlen_DE) October 16, 2026