Ansichten eines Informatikers

Die große KI-Bullshit-Schleichwerbe-Welle

Hadmut
3.10.2026 11:30

Fällt mir seit einigen Tagen intensiv auf.

Wir werden auf Social Media mit KI-Bullshit geflutet.

Aber warum?

Einfach nur eine billige Methode, Trash-Content zu produzieren, irgendwas auf Twitter zu posten? Vielleicht sogar vollautomatisch, ganz ohne zutun? Es erinnert mich an ein Erlebnis vor vielen, vielen Jahren in einem Mediamarkt. Unten ein Schild, Sonderangebot, DVDs zum Superpreis. Ich weiß es nicht mehr, aber so etwas um rund 1 oder 2 Euro. Solche 99-Cent-Preise. Ach, dachte ich, da gehe ich mal schauen, vielleicht räumen die die Lager oder haben angedätschte Hüllen.

Und dann stand ich da vor einem großen Tisch mit Glasrand außenherum, säuberlich und randlos vollgestopft mit hochkant stehenden DVD-Hüllen, und nicht ein einziger Film, von dem ich jemals gehört hätte oder der nicht nach Trash aussah. Alles frisch produziert, keine abgenutzten Hüllen, alles schön sauber und einheitlich, die Plastikhüllen alle gleich, die Sachangaben alle gleich gedruckt. Ganz anders als der zusammengewürfelte Video-Trash auf dem Flohmarkt. Als kämen die alle aus derselben Fabrik.

Verkäufer gefragt. Ja, sagte der, das ist kein Sonderangebot oder heruntergesetzt, kein Lagerbestand, das ist extra für Trash-Preise produzierter Müll. Sie haben den gestern erst alles sauber eingepackt in einer großen Kiste zusammen bekommen, kommt alles vom selben Hersteller. Nichts dabei, was man auch sehen wollte. Aber es gäbe eben Leute, die das kaufen, und das gleich stapelweise, weil die sich über die Preise freuen und einfach alles gucken.

So kam mir das bei KI vor. Egal was, die Leute klicken.

Seit einigen Tagen fällt mir aber auf (und vielleicht wird X/Twitter dafür auch bezahlt), dass fast der ganze Mist von Leuten kommt, die sich im Profil als professionelle AI Content Creator bezeichnen und in Zusammenhang mit einem bestimmten KI-Anbieter stehen oder Werbung für den machen. Insbesondere wenn die da ausführlich Prompts beschreiben, ist das quasi eine Einladung „Probier es doch selbst“.

Es scheint, als hätten wir in der KI bereits eine Marktübersättigung erreicht, und die KI-Anbieter würden inzwischen Leute dafür bezahlen (falls die Leute und ihre Accounts überhaupt echt und nicht schon vom KI-Anbieter und der KI in eigener Sache selbst erzeugt sind), nicht mehr Fake-News zu produzieren, wie das früher die Wichtigtuer gemacht haben, sondern sie auch mit offensichtlichem inhaltlichem, aber beeindruckend realistisch aussehenden Unsinn zu bombardieren, um sie zum Nachmachen zu animieren.

Das Hauptziel ist nicht mehr wie früher, Fake-News oder Lügen zu verbreiten, sondern zwar offensichtliche Fakes, die tatsächlich unmöglich sind, aber in ihrer Videoqualität sehr gut und spektakulär aussehen. Es geht nicht mehr darum, dass Leute das Video glauben sollen, sondern dass sie es auch ausprobieren sollen, so etwas zu machen.

Wenn die KI-Firmen aber schon solche Schleichwerbung in diesen Mengen treiben müssen, heißt das, dass ihr Geschäftsmodell wackelt – und damit ihre Investionenen.

Eigentlich nämlich würde man ja erwarten, und hatten sie erwartet, dass die Welt ihnen die Bude einrennnen würde, weil jetzt alles so viel einfacher, billiger, schneller, auf Anfrage geht. Fotografen, Werbeagenturen, Graphiker, Programmierer, braucht man alles nicht mehr, macht einem alles die KI. Es scheint aber doch nicht so zu sein.

Allerdings merke ich doch deutliche Veränderungen. Es gibt Leute, die fotografieren, aber nicht mehr, um ein Foto zu machen. Die fotografieren etwas oder jemanden, um die Bilddaten der KI zu fressen zu geben, und dann das eigentlich Bild mit dieser Sache oder dieser Person von der KI kreieren zu lassen. Man macht also nicht mehr ein Portrait von eine Frau, sondern man fotografiert die von oben bis unten und aus allen Richtungen ab, schmeißt das in die KI und sagt dann „Mach mir ein Portrait von dieser Frau im Bikini mit Top-Figur bei Sonnenuntergang auf den Seychellen, mit einem kühlen Drink in der Hand und leichtem Lächeln.“