Schüler 2026: Vom Ende und Neuanfang der Bildung
Ein Herzchen aus Frankreich.
Ich kann Französisch ein wenig lesen, weil sich ja vieles aus Latein, Englisch und manchen Wortähnlichkeiten mit Deutsch ergibt. Aber ich hatte nie Französisch-Unterricht, und verstehe das akustisch fast nicht. Das könnte ich jetzt brauchen, um zu verstehen, was der sagt:
🚨 Un lycéen, micro en main : « On en a marre de ne pas être payé alors qu’on fait les mêmes horaires que les gens qui travaillent. »
Trop de cours. Pas assez de repos. Une heure pour manger. Et le salaire, s’il vous plaît.
Il n’étudie pas. Il pose ses conditions.
L’école n’est…— GDams (@Gdams70) October 2, 2026
Immerhin den Text übersetzt mir Twitter automatisch:
Ein Schüler, Mikro in der Hand: « Wir haben die Nase voll davon, nicht bezahlt zu werden, obwohl wir dieselben Arbeitszeiten haben wie die Leute, die arbeiten. »
Zu viele Kurse. Zu wenig Ruhe. Eine Stunde zum Essen. Und das Gehalt, bitte schön.
Er studiert nicht. Er stellt seine Bedingungen.
Die Schule ist kein unbefristeter Vertrag. Niemand bezahlt dich dafür, zu lernen. Deine Eltern, die schuften, damit du dort sein kannst. 🇫🇷
Sichtbares Ergebnis: Plünderungen, Mörser, blockierte Kurse. Und eine Generation, die Anwesenheit mit Arbeit verwechselt.
Der will wie ein Angestellter oder Arbeiter dafür bezahlt werden, dass er zur Schule geht.
Wahnsinn.
Obwohl: Wenn ich es so bedenke und mir anschaue: Das Ding hat ja französischen Untertitel. So ein bisschen verstehe ich, liest sich ja teilweise ähnlich wie englisch, und der will der Regierung eine Nachricht zukommen lassen, dass sie irgendwas von 8 bis 18 Uhr arbeiten, ihm irgendwas mit der Kantine nicht passt und er sich darüber beklagt, dass er nicht bezahlt wird.
Das wird noch lustig.
Apropos lustig. Ein Leser meint, das hätte ich auch nicht schöner ausdrücken können:
Das Funk Jugendformat "Nice to know" zu den schweren Ausschreitungen in Frankreich: "Schüler fucken sich gerade massenhaft ab, weil ihre Schulen wohl im Arsch sind". #OerrBlog pic.twitter.com/Atz3hKDeVN
— ÖRR Blog. (@OERRBlog) October 2, 2026
„Schüler fucken sich gerade massenhaft ab, weil ihre Schulen wohl im Arsch sind“.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das so genau wissen will, was dieser Satz wohl bedeuten soll oder könnte.
Die werden sich noch wundern.
Denn auch das ist jetzt wieder französisch:
Je ne sais pas si vous mesurez ce qui est en train de se passer.
Alex Karp, le patron de Palantir, ne va plus chercher ses talents à Harvard. Il les forme lui-même. Des jeunes de 18 ans, sans diplôme, choisis sur leur seul talent, qui codent sur de vrais projets et lisent de la… https://t.co/8m31mbzOlu
— Brivael Le Pogam (@brivael) October 1, 2026
Automatische Übersetzung:
Ich weiß nicht, ob Sie ermessen, was hier vor sich geht.
Alex Karp, der Chef von Palantir, sucht seine Talente nicht mehr an der Harvard-Universität. Er bildet sie selbst aus. Junge Leute von 18 Jahren, ohne Abschluss, ausgewählt allein nach ihrem Talent, die an echten Projekten programmieren und zwischen zwei Sprints politische Philosophie lesen. Er nennt das „den Palantir-Abschluss“. Und heute titelt die New York Post, dass Tech-Firmen ihre eigenen Programme starten, weil sie nicht mehr auf die Ivy League zählen können.
Das ist kein HR-Anekdote. Das ist ein Zivilisationswandel.
Über Jahrzehnte haben Unternehmer der Universität die heiligste aller Missionen anvertraut: den Verstand zu bilden. Sie erkennen heute, dass diese Mission verraten wurde. Institutionen, die freie Denker hervorbringen sollten, produzieren Konformisten. Verdienst wurde durch undurchsichtige Kriterien ersetzt. Der Unterricht ist zum Katechismus geworden. Paul Graham hat das früher als alle anderen gesehen.
Also tun sie, was Baumeister tun, wenn ein System sie verrät. Sie reformieren es nicht. Sie bauen ein anderes daneben.
Elon hat nicht gewartet, bis die NASA aufwacht, er hat SpaceX gegründet. Er hat die Medien nicht reformiert, er hat den öffentlichen Platz gekauft. Unternehmer versuchen nicht mehr, den Staat zu überzeugen. Sie übernehmen den Staat, überall dort, wo der Staat abgetreten hat.
Lesen Sie „Der Streik“ von Ayn Rand noch einmal. Wir sind mittendrin. Die Bürokraten behalten die Titel, die Budgets, die Gebäude. Aber sie verlieren das Einzige, was zählt: das Vertrauen. In den USA vertrauen nur noch 28 % der Menschen den Medien. Ein historisches Tief. Niemand glaubt mehr denen, die uns vorschreiben wollen, was wir denken sollen.
Überall hört man, dass die Schule am Ende ist. Ich denke genau das Gegenteil.
Nicht die Schule ist tot. Es sind die Institutionen, die sie sich unter den Nagel gerissen haben. Die wahre Schule, die der Athener Akademie, der Werkstätten der Renaissance, des Meisters und des Lehrlings, wird wiederauferstehen. Anspruchsvoller. Gerechter. Ohne Schulden, ohne Dogmen, ohne Abschluss als lebenslange Rente.
Eine Schule, die keine Absolventen mehr hervorbringt, sondern Polymathen. Freie Geister, die programmieren, denken, bauen und zweifeln können. Sie werden den Wert der nächsten fünfzig Jahre schaffen.
Ich habe mit 12 Jahren allein programmieren gelernt. Kein Hörsaal hat mir beigebracht, was ich beim Bauen gelernt habe. Ich weiß, was aus einem Talent wird, wenn man es atmen lässt.
Die Universität hatte Jahrhunderte, um die besten Geister zu bilden. Die Unternehmer werden das in einem Jahrzehnt schaffen.
Der große Wiederaufbau hat begonnen.
Irgendwie erinnert mich dieser Wertverlust der Hochschulabschlüsse an die Inflationsgeschichte aus Obelix GmbH & CoKG: „Sesterz nichts mehr wert sein.“
Die Tragikomik daran
Das Komische daran ist ja, dass die Zerstörung der Universitäten eine direkte Folge des linken Unterfangens ist, alle gleich zu machen und Eliten loszuwerden. „Quality is a myth“. Frauenquote und so.
Das Ergebnis ist aber genau das Gegenteil: Die gleichmachenden Universitäten sind völlig im Eimer, und die ganze Sache wird jetzt an die großen Konzerne verlagert. Und die machen eine knallharte Bestenauswahl.
Das Zeitalter der Eliten und der Ungleichheit geht jetzt erst richtig los. Das wird jetzt richtig steil.