Woher die Online-Porno-Welle (angeblich) kam
Wieder ein Technologieschub.
Die Älteren wissen ja noch, dass sich damals das Videokassettenformat VHS gegenüber den technisch deutlich überlegenen Konkurrenten Video2000 und Betamax durchsetzte, weil es – auch aufgrund geringeren Entwicklungsaufwandes – schneller am Markt war und der Markt sofort mit VHS-Pornos geflutet wurde. Sofort gab es Videotheken und Sexshops voller Videokassetten. Jeder wollte sofort einen Videorekorder zum Abspielen haben, und wer erst einmal so einen teuren und damals sehr großen Apparat im Wohnzimmer hat, der kauft keinen zweiten. Die Dinger waren ja anfangs so richtig groß.
Ähnliches wiederholte sich bei der DVD. Auch hier waren Pornos wieder das Ding, was den Markt öffnete und einer neuen Technologie zur Akzeptanz verhalf.
Vor Jahren hatte ich mal irgendwo gelesen, dass das mit der Online-Pornographie und dem Streaming ähnlich verlaufen sei, und dass die Corona-Krise den Durchbruch gebracht habe. Klar, wird jeder sagen, das war die große Zeit des Home-Office und der Videokonferenzen.
Irgendwo wurde das aber mal beschrieben, dass das ein Produkt der speziellen Herangehensweise Australiens an die Corona-Krise war. Denn Australien ist ja einige riesige Insel ohne Landgrenzen zu anderen Ländern. Die konnten sich damals gut abschotten und haben eine andere Taktik eingeschlagen als andere Länder: Grenzen dicht. Solange kein Corona-Fall bekannt war, normales Leben. Sobald sie irgendwo einen Ausbruch identifiziert haben: Alles für einige Wochen in Quarantäne, kompletten Shut Down.
Eine Folge sei gewesen, dass die in Australien blühende Bordell-Landschaft ebenfalls zwangsgeschlossen wurde, und eine große Zahl von Prostituierten zuhause unter Quarantäne stand und kein Einkommen hatte. Was tun?
Also kamen sie auf diese damals neuen Sex-Streaming-Portale, weil man damit infektionsfrei aus dem Home-Office arbeiten kann, und haben angeblich rasant Gefallen daran gefunden, weil ungefährlich, keinerlei Körperkontakt, keiner kann einem nachstellen, Wohnort bleibt unbekannt, keine Gewalt, keine stinkenden Typen, keine Infektionsgefahr, kein Zuhälter, alles auf eigene Rechnung, beliebige Arbeitszeiten.
So ist dieses neue Gewerbe angeblich entstanden. Angeblich. Hieß es mal irgendwo.
Nun lese ich gerade das:
“Someone paid me 500 USD to put red lipstick on and kiss the mirror”: Australia has more OnlyFans creators than electricians, or bus and train drivers combined, but prominent creator Jessika Power warns its far from easy money.
DETAILS ➡️ https://t.co/w16LRyNukk pic.twitter.com/9PV80DJU9I
— The Daily Telegraph (@dailytelegraph) September 27, 2026
Der Artikel ist leider hinter Paywall, aber allein schon diese Ansage, dass es in Australien mehr OnlyFans creators (=Erotikanbieterinnen, vielleicht auch ein paar Männer) als Elektriker oder Bus- und Zugfahrer zusammen (ich verstehe den Text so, dass sich das combined nur auf Bus- und Zugfahrer bezieht) gibt, finde ich beachtlich. Denn letztlich produzieren sie nichts, sondern leben quasi vom Einkommen ihrer Kunden mit.
Gut, könnte man sagen, sie machen das, was jeder Künstler macht, denn auch ein Musiker, oder ein Koch produziert ja letztlich keine die Volkswirtschaft voranbringende Ware. Das glaube ich aber nicht, denn der Musiker kann ja CDs verkaufen, der Koch nimmt einem die Arbeitszeit für das Selbstkochen ab, das ist Arbeitsteilung.
Aber worin liegt der volkswirtschaftliche Nutzen einer Pornobranche?
Oder, verallgemeinert, von Unterhaltung?
Ist das eine volkswirtschaftlich wirksame „Dienstleistung“, oder ist es eine Blindleistung, die nur anderen Leuten das Geld aus der Tasche zieht?
Und was heißt das für eine Volkswirtschaft für Australien, wenn eine so große Zahl von Menschen zumindest in Teilzeit (ich weiß nicht, ob das alle als Hauptberuf oder manche nur nebenbei machen) nichts anderes macht, als sich nackig zu machen? Entsteht dadurch ein Nutzen, oder ist es eher so etwas wie Drogenhandel?
Anders gefragt: Verabschieden sich damit eine erhebliche Zahl von Frauen aus der Teilnahme an der Volkswirtschaft?
Schadet das volkswirtschaftlich, oder nutzt es?
Der Artikel erscheint mir jedenfalls plausibel und realitätsnah, denn ich kann mich erinnern, dass das vor einiger Zeit durch die australische Presse ging, dass irgendeine gutaussehende Leistungssportlerin offiziell verkündete, dass sie mit Sport aufhört und ab jetzt Pornos und Fans Only macht, weil man da viel mehr Geld verdiene. Bei der hat es dann wohl auch ganz enorm in der Kasse gescheppert. Wer war das noch? Laut Grok war das die Rennfahrerin Renee Gracie, die herausfand, dass sie mit Pornos viel mehr Geld verdiente als mit Rennfahren.
Könnte es also sein, dass es da eine zunehmende Akzeptanzwelle gibt und sich ein erheblicher Teil der Frauen in die Pornoproduktion verabschiedet?
Irgendwo habe ich die Tage einen Cartoon gesehen, finde ihn aber nicht mehr: Eine Schultafel voller mathematischer Formel. Davor steht eine Schülerin und denkt „Da strip ich lieber“.