Sprühöl
Was es nicht alles gibt.
Sprühöl begleitet mich seit zwar nicht frühester, aber früher Kindheit.
Ein Fläschchen Öl hatte ich schon früh, das brauchte ich für das Fahrrad und meine Dampfmaschine. Auch hatten wir freilich immer ein Fläschchen Nähmaschinenöl parat. Ich kann mich noch erinnern, wie ulkig ich das als Kind fand, mit dem Vater im Baumarkt eine Sprühdose mit Öl zu entdecken. Mit einem Röhrchen dran, um auch in entfernte Winkel, Schlösser, quietschende Scharniere zu kommen.
Seither habe ich stets ein Fläschen Sprühöl. Wird ja auch nicht alle, weil man das so selten, und wenn, dann so wenig braucht, dass man davon Jahre hat.
Oder besser gesagt, ich hatte seit meiner Studentenzeit auch immer drei Sprühfläschchen. Nämlich gewöhnliches Feinöl, dann das allseits bekannte WD40, und immer auch ein Fläschchen Silikonöl. Ich muss zugeben, dass ich eigentlich gar nicht so genau weiß, wofür Silikonöl zum Sprühen genau gut ist, und viele raten einem davon ab, aber ich benutze es so gerne. Anders nämlich, als die sagen, die davor warnen, macht es beispielsweise in Türschlössern genau das, was ich will.
Viele Menschen schwören auf WD40. Als Wunderschmiermittel. Was sehr erstaunlich ist, denn WD40 ist gar kein Schmiermittel. Es ist ein Reinigungs- und Korrosionsschutzmittel. Und auch, wenn es wunderbar schmiert, schmiert es nur für kurze Zeit. Aber es riecht eigentümlich und alle schwören drauf. Ohne zu wissen, dass je nachdem, wo man es kauft, etwas anderes drin ist. WD40 in den USA ist angeblich etwas anderes als WD40 in Europa. Egal, Schwur ist Schwur. Ursprünglich für die NASA entwickelt, weil die etwas brauchte, weil ihnen die Raketen rosteten. Irgendeiner hat sich des Problems angenommen, und verschiedene Rezepturen ausprobiert, welche am besten das Wasser verdrängt und die Oberfläche schützt, und die 40. Rezeptur für „water displacement“, also eben die Rezeptur WD40, war es dann. Nur weil sich die Mitarbeiter von dem Zeug nach Hause mitnahmen und dann begeistert erzählten, dass das das Wundermittel sei, kam das überhaupt in den freien Handel.
Heute habe ich mir zum ersten Mal eine Sprühdose Olivenöl gekauft.
Vermutlich viel zu teuer pro Liter, ich habe nicht auf den Preis geachtet, sind auch nur 200 ml drin.
Weil diese „Heißluftfriteusen“ immer mehr in Mode kommen – eigentlich ist der deutsche Marketingname völlig falsch, denn die fritieren ja nicht, auf englisch heißen die „Air Fryer“, was mich immer an „Hair Dryer“ denken lässt. Inzwischen steht auf vielen Fertiggerichten nicht mehr nur die Zeit für die Mikrowelle, sondern auch für den Air Fryer. Ich habe ja auch zwei von den Dingern. Sie sind billig, und ich finde die recht gut für viele Dinge, den großen Backofen verwende ich seither kaum noch. Geht auch viel schneller im Kleinen.
Und es ist nicht alles so fettig wie aus der Friteuse. Früher hatte ich mal eine. Elende Sauerei, vor allem der Ölwechsel.
Aber es wird ja angeraten, zu Fritten usw. trotzdem ein kleines Löffelchen Öl beizugeben, weil es für den Geschmack schon erforderlich sei. Aber gieß mal einen Löffel Öl über geschnittene Kartoffeln, ohne wieder Sauerei zu machen. Und nun gibt es Sprühöl für den Air Fryer. Man muss ja mit der Zeit gehen. Ich konnte es mir nicht verkneifen, eine Dose zum Ausprobieren zu kaufen. Da kann man jetzt die Kartoffeln einsprühen wie die Haare mit Haarspray.
Was es nicht alles gibt. Von Sprühkäse hatte ich aus den USA schon gehört. Sprühschokolade gibt es dort auch.
Jetzt suche ich noch nach Sprühsalz.
Aber kommt mir jetzt bitte nicht mit Pfefferspray. Das ist was anderes.