Ansichten eines Informatikers

Der Weichere gibt nach, der Härtere bleibt unverrückt stehen

Hadmut
14.9.2026 3:40

Ich schüttle mich gerade mal wieder über die Unkenntnis in Physik.

Jahrestag 9/11. Vor 25 Jahren der Anschlag in New York.

Ähnlich wie bei der Mondlandung wieder endlos diese Diskussionen, dass alles Fake war, die Video CGI-generiert und so weiter und so fort. Dass Zehntausende New Yorker sagen, sie haben das selbst gesehen oder miterlebt – egal. Mir konnte auch noch nie jemand erklären, warum man nicht auf dem Mond gelandet sein sollte, weil das viel einfacher und billiger gewesen wäre, als die Sache zu fälschen. Zumal die ganze Welt zugesehen und die Sache bestätigt hat. Da heißt es dann, die Russen hätten den Schwindel mitgespielt, weil ihnen die Raumfahrt zu teuer wurde und sie sie ohne Gesichtsverlust einstellen konnten (sie haben sie aber nicht eingestellt).

Was mich dabei frappiert, ist, wieviele Leute sich berufen fühlen, vom Sofa aus Erklärungen abzugeben, warum das alles nicht sein könne, obwohl sie über keinerlei Ausbildung oder berufliche Erfahrung verfügten. Es geht einfach so nach dem Motto „Ich kann mir das nicht vorstellen, das entspricht nicht meiner Lebenserfahrung, obwohl ich darin gar keine Lebenserfahrung habe, also muss es Fake sein.“

Man ist nicht bereit, etwas zu lernen oder auszuprobieren, sondern der bisherige Wissensstand wird zum Maß aller Dinge gemacht, auch wenn er die Sache gar nicht abdeckt.

Man sagt nicht, dass da etwas ist, was man nicht versteht, also geht man erst einmal lernen und studieren, damit man es versteht und beurteilen kann, sondern man ernennt sich einfach spontan selbst zur Entscheidungssinstanz, und argumentiert mit Formulierungen, mit der Deftigkeit der Rede.

Erinnert mich an meinen Vater. Der dachte auch immer, dass seine Argumentationen besser werden, wenn er sich dabei nur brachialer ausdrückt, als ob der Griff zur seltenen Wortwahl, die Eskalation der Formulierung, das Argument verstärke. Als ob der gewinnt, der am drastischsten formuliert, der am meisten Verve in den Ausdruck legt. Der emotional gut rüberkommt. Gerade weil ich das kenne, fürchte ich diese Denkweise. Die kommt aus dem falschen Bereich des Gehirns.

Enorm viele argumentieren damit, dass ein Flugzeug nur eine hohle, leichte Büchse aus Aluminium sei (stimmt), und Aluminium bekanntlich keinen massiven Stahlträger schneiden könne (stimmt nicht), Aluminium gegen Stahl immer verliere, und ein Flugzeug gegen einen Wolkenkratzer aus massivem Stahl einfach abprallen müsse.

Sie wähnen die Physik auf ihrer Seite, weil sie sagen, dass Aluminium bekanntlich weich und leicht und zerreißbar ist, wie Alufolie in der Küche, und Stahl bekanntlich hart wie Kruppstahl, und beim Aufschlag von Alu auf Stahl immer der Stahl gewinne.

Im Prinzip ist das Rudeldenken, wen man Stahl für den stärkeren Krieger hält, der gegen Aluminium „gewinnt“. Als ob der Stärkere einfach so stehenbleibt, und der Schwächere einfach so abprallt. Und sie halten das dann für Physik. Obwohl es nur so eine Lebenserfahrung aus der Coladosen-Sphäre ist. Manche schreiben, wenn man eine Coladose gegen die Betonwand feuert, ist die Dose platt und fällt herunter, der Wand dagegen mache das gar nichts – weil die Coladose aus Alu eben viel zu leicht und zu schwach sei.

Mal ganz abgesehen davon, dass man Flugzeuge nicht aus reinem Aluminium baut, sondern aus Legierungen, die weitaus fester als reines Aluminium sind, nämlich mit Kupfer, Zink, Lithium und so weiter legiert sind. Das sieht nur deshalb so nach Aluminium aus, weil diese Teile am Ende noch mit reinem Aluminium beschichtet werden, weil reines Aluminium sehr korrosionsfest ist, weil es nämlich ein Oxid bildet, das deutlich härter und oxidationsfester ist als Aluminium selbst, sich Alu also selbst eine Schutzschicht baut.

Zum Beispiel Duraluminium:

Duralumin(ium), kurz Dural, ist eine Aluminiumlegierung, die besonders im Vergleich mit Reinaluminium durch die erzielte hohe Festigkeit und Härte ein neues Zeitalter für Aluminium eröffnete.

Das neue Material wurde ab 1909 von den Dürener Metallwerken hergestellt und der Name Duralumin nebst einigen ähnlichen (DURAL) als eingetragene Warenzeichen geschützt. Wilms Legierung aus Aluminium, 3,5 bis 5,5 Prozent Kupfer, 0,5 bis 0,8 Prozent Magnesium und 0,6 Prozent Mangan sowie bis zu 1 Prozent Silizium und 1,2 Prozent Eisen wurde auch zum Patent angemeldet. Der Name wurde abgeleitet vom lateinischen durus für „hart“ (oder besser: „ausdauernd“ im Sinne von beständig, widerstandsfähig), wobei in der Literatur gelegentlich auch ein Zusammenhang zum Arbeitsort Düren beschrieben wird, sowie vom Hauptbestandteil der Legierung Aluminium. Inzwischen gibt es zahlreiche vergleichbare Legierungen, die den Herstellernamen in die Legierungsbezeichnung eingefügt haben.

[…]

Durch das Aushärten erreicht Duraluminium also fast die Festigkeit weicher Stähle. Der gegenüber Reinaluminium höheren Anfälligkeit für Korrosion begegnet man durch eine Plattierung mit Reinaluminium, Eloxieren oder Lackierung.

Ich habe noch in keiner 9/11-Diskussion gesehen, dass sich irgendwer um Legierungen gekümmert habe. Alle unterstellen, warum auch immer, dass man Verkehrsflugzeuge aus reinem, weichem Aluminium bauen würde, und die weich wie eine Tafel Schokolade wären. Ein Verkehrsflugzeug aus reinem Aluminium könnte gar nicht fliegen, das würde sofort zerbrechen. Und gerade hochbelastete Stellen wie die Vorderkanten der Tragflächen sind ganz sicher nicht aus Küchenalufolie oder Frischhaltefolie.

Ich finde es erstaunlich, was für einen Quatsch sich die Leute zusammenreimen, damit das Weltbild, die Vorstellung gehalten wird, dass ein Verkehrsflugzeug von einem Hochhaus abprallen müsse wie eine Cola-Dose vom Brückenpfeiler.

Was mich aber noch per frappiert, ist, dass diese Leute in Physik nicht aufgepasst haben – und sich teilweise dann auch noch auf Newton berufen.

Physik. Mittelstufe. Der Stoß. Das Folgende nicht nachgesehen, nur aus dem Gedächtnis von vor 45 Jahren. Deshalb würde ich das auch von anderen erwarten.

Genauer gesagt, der elastische Stoß und der unelastische Stoß. Betrachtet am Zusammenprall zweier Objekte.

Der elastische Stoß
ist der, bei dem keine Energie verbraucht wird und beide Teile federn, voneinander „abdopsen“ und die Gesamtbewegungsenergie gleich und erhalten bleibt, weil beide Objekte die Bewegungsenergie durch Federwirkung wieder abgeben, deshalb also typisch beide Objektive mit gleicher Masse wie zuvor, wieder getrennte Wege gehen.
Der unelastische Stoß
ist das Gegenstück, bei dem beide Objekte die Aufprallenergie aufnehmen und nicht mehr abgeben (die sich also in Erwärmung, dauerhafter Verformung usw. niederschlägt) und die Teile deshalb zusammenbleiben. Es also nach dem Stoß nur noch ein Objekt mit der Gesamtmasse gibt.

In der Praxis ist natürlich alles irgendwie Mischform. Ein Fußball gegen die Wand ist überwiegend elastisch, weil er zurück kommt, hat aber auch geringe unlastische Anteile, weil er Risse bekommt, sich erwärmt, Farbpartikel an der Wand bleiben und so weiter. Irgendwann ist der Fußball kaputt, bröckelt die Wand doch etwas.

Fährt man mit dem Auto gegen die Wand, ist das im Wesentlichen unelastisch, denn ein Abdopsen würde man ja nicht überleben, das würde ja die Geschwindigkeitsänderung verdoppeln (weil vielleicht das Auto von der Wand elastisch abprallen würde, aber innen nicht der Mensch gegen das Armaturenbrett). Auch da gibt es elastische Komponenten, weil bei einem Autoaufprall ja immer auch Teile durch die Gegend fliegen, aber der Anteil ist gering. Und genau deshalb baut man die Autos auch so und gibt ihnen „Knautschzonen“, deren Aufgabe es ist, sich zu verformen und damit möglichst viel Energie aufzunehmen. Denn wären sie hart, würde der Mensch auf einer Strecke von 1cm abgebremst und wäre tot. Verformt sich aber die Motorhaube und quetscht sich zusammen, gibt es einen „Bremsweg“ in der Länge der Motorhaube, und damit eine deutlich niedrigere Maximalkraft.

Ich kann mich noch erinnern, dass just in der Zeit, als das in Physik bei uns dran war, einige Leute behaupten, dass Mercedes so gute Autos baue, dass man auch mit 200 gegen den Brückenpfeiler fahren könne.

Das ist Unfug. Warum? Weil auch die beste und tollste Motorhaube und Knautschzone nichts daran ändern würde, dass man bis zum ersten Berühren zwischen Auto und Brückenpfeiler als Mensch noch 200 km/h drauf hat, und spätestens dann, wenn der Mensch selbst den Brückenpfeiler erreicht, auf 0 km/h gezwungen wird, man also auf einer Bremsstrecke von etwa einem Meter von 200 auf 0 zum Stehen kommt. Selbst die besten Knautschzone kann nur dafür sorgen, dass das möglichst gleichmäßig erfolgt und es keine Spitzen gibt, ändert aber nichts daran, dass das auch gleichmäßig die überlebbare Maximalkraft bei weitem übersteigt. Kraftstoß: Energie = Kraft mal Strecke. Ist die Energie hoch und die Strecke kurz, ist die Kraft enorm. So funktioniert der Hammer. Irgendwer bei Mercedes hatte das mal ausgerechnet. Um einen Crash mit 200 gegen den Brückenpfeiler zu überleben, müsste die Motorhaube – ich weiß es nicht mehr – irgendwas um die 25 oder 30 Meter lang sein, weil erst bei einem solchen Bremsweg die Bremskraft in den überlebbaren Bereich sinkt. Egal, wie gut man die Knautschzone baut.

Das ist so das typische Stammtischgefasel vom Material, weil doch Mercedes so gute Autos baue.

Doch in der Physik des elastischen und unelastischen Stoßes kommt das Material, dessen Festigkeit und Dichte gar nicht vor. Es spielt nämlich keine Rolle, ob etwas aus Aluminium, Stahl oder Schokolade ist.

Es geht ausschließlich um die Geschwindigkeit und die Masse. Damit nämlich löst man die Gleichungen.

  • Es gilt nämlich der Grundsatz der Impulserhaltung. Beide Objekte haben vorher jeweils einen Impuls von m·v, Masse mal Geschwindigkeit. Den Impuls tauschen sie zwar aus, aber die Summe beider Impulse (Vektorgleichung, die Richtung zählt auch!) bleibt gleich.
  • Im elastischen Fall kennt man die Massen und die gleichbleibende Bewegungsenergie und kann das ausrechnen, wie die resultierenden Bewegungen sind, was viel mit dem Massenverhältnis zu tun hat.
  • Im unelastischen Fall weiß man, dass der resultierende Gesamtklumpen als Masse die Summe beider Massen und die Summe beider Impulse hat, und der Gesamtimpuls gleich bleibt, man also die Geschwindigkeit direkt ausrechnen kann. Die Vektorsumme der beiden Impulse vorher bleibt gleich, gibt also die Richtung und, dividiert durch die Masse, die Geschwindigkeit an.

Eigentlich ganz einfach. Wenn man das einmal verstanden hat, fällt einem vieles leichter. Schönes Beispiel für die Impulserhaltung ist Billard (und Snooker und wie das alles heißt), weil die Kugeln sich fast ideal elastisch verhalten und auch noch die gleiche Masse haben oder von der Bande abprallen. Im Idealfall tauschen sie die Geschwindigkeiten aus und die zuerst (wie nennt man das?) mit dem Queue angestoßene Kugel bleibt nach dem Zusammenstoß stehen und die andere, die vorher stand, geht mit der gleichen Geschwindigkeit weiter, falls man exakt gerade trifft. Auch ein schönes Beispiel sind diese Kugelstoßpendel mit den fünf Kugeln.

Ein gutes Beispiel für den unelastischen Stoß ist der Rückstoß beim Gewehr (was mit dem Stoß eng verwandt aber eher ein unelastischer rückwärts ist, weil aus einem Objekt im Ruhezustand zwei in Bewegung werden): je lockerer man das Gewähr hält, desto mehr haut es einem in die Schnauze. Je fester man es greift, je besser man mit der Schulter dagegen drückt, desto weniger passiert einem. Warum? Impulserhaltung. Sorgt man dafür, dass sich die Massen von Gewehr und Körper verbinden, weil man sich dagegen stützt, nimmt das Gewehr bei gleichem Impuls viel weniger Geschwindigkeit und damit Energie auf (und die Kugel dafür mehr, fliegt also sogar schneller und damit weiter) als wenn das Gewehr „leicht“ ist und beim Abschuss deshalb viel Geschwindigkeit bekommt und damit viel Energie aufnimmt, mit der sich das Gewehr dann Richtung Schulter (oder Fresse) bewegt.

Der erste Quatsch: Flugzeug prallt ab

Der erste Quatsch ist, dass viele denken, dass ein Flugzeug von einem Hochhaus abprallen würde wie ein Fußball.

Dazu bräuchte es den elastischen Stoß, weil das Flugzeug dazu nach dem Aufprall ja Bewegungsenergie und Impuls in die entgegengesetze Richtung haben müsste, und sich irgendetwas wie eine Feder zusammendrücken und wieder ausdehnen müsste.

Wie die Leute, die ja so fest davon überzeugt sind, dass ein Flugzeug aus reinem, weichem Aluminium bestehe, zurückprallen könnte, obwohl Aluminium bekanntlich überhaupt nicht elastisch ist und keine Federwirkung hat, sondern sehr spröde ist und verbiegt und bricht, weiß der Kuckuck. Ich habe von den vielen, die so fest davon überzeugt sind, dass ein Alu-Flugzeug von einem Stahl-Haus abprallen und zurückdopsen würde, noch keinen gehört, der erklären könnte, woher die Elastizität kommen sollte. Schon mal ein Flugzeug gesehen, das zusammengedrückt wird und wieder aus einanderspringt wie ein Gummiball?

Ich weiß nicht, was im Kopf dieser Leute vorgeht, aber sie gehen nach der Gleichung „Stahl ist stärker als Aluminium“ und der Stärkere gewinnt. Da scheint sich das Rudelgehirn mit einzumischen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Verkehrsflugzeug gegen Hochhaus ein weitgehend unelastischer Stoß ist.

Beachtlich wäre dabei allerdings der Fall der German-Wings-Maschine, die gegen die Felswand in Frankreich geflogen ist, weil so eine Felswand nicht elastisch und obendrein so gut in der Erde verankert ist, dass man im Prinzip die Masse der ganzen Erde (oder den Drehimpuls) als Gegenmasse ansetzen muss. Im Prinzip verändert so ein Aufprall die Rotation der Erde – was aber nicht schlimm ist, denn er tut das auch nicht mehr als bei Start und Landung. Dass es dort ein riesiges ausgedehntes Trümmerfeld gab, liegt wesentlich daran, dass eine Felswand so fest ist, dass sie keine Knautschzone hat und keine Energie aufnimmt, sich die Energie damit vollständig in das Flugzeug entlädt und es durch die Verformung zu seitlicher Bewegungsenergie und trotz des geringen Anteils immer noch ausreichenden elastischen Anteilen kommt, und das Flugzeug deshalb nicht wie ein Fettfleck am Fels kleben bleibt, wie es sich für einen unelastischen Stoß gehört. Dass es das Flugzeug in kleine Fetzen zerrissen hat, zeigt, dass der Stoß im wesentlichen unelastisch war, die Energie also vom Flugzeug aufgenommen wurde und das Flugzeug eben nicht am Stück mit 800km/h zurückgeprallt ist, wie es bei einem elastischen Stoß der Fall gewesen wäre.

Was passiert nun, wenn ein Flugzeug aus weichem Aluminium auf ein Haus aus tollem Stahl trifft?

Es gibt es unelastischen Stoß. Deshalb ist das Flugzeug auch nicht wie ein Flummi abgeprallt. Ist ja nicht aus Gummi.

Und dann spielt es nur noch eine künstlerische, aber keine wesentliche physikalische Rolle mehr, was da nun aus Stahl, Alu oder Schokolade war. Das hat zwar durchaus Auswirkungen darauf, ob Stahl durch Alu schneidet oder umgekehrt, und wie das Ergebnis dann nachher auf Fotos aussieht, aber für die physikalischen Formeln spielt das überhaupt keine Rolle. Da geht es darum, dass sich beide stoßenden Teile zu einem Gesamten verbinden und der Bewegungsimpuls erhalten bleibt.

Und dabei kommt es auf die Masse an und nicht das Material. Masse im Physikalischen Sinne (so ähnlich wie Gewicht), und nicht auf Schokoladenmasse. Man hätte auch Vanillepudding schießen können, das ändern physikalisch am Stoß nichts.

Anders gesagt: Flugzeug plus Außenwand World Trade Center hatten nach dem Stoß denselben Bewegungsimpuls, wie das Flugzeug vorher allein.

Und deshalb ist das gar nicht möglich, wie viele sich das vorstellen, dass der härtere Stahl einfach so stehen bleibt, wo er ist, und das weiche Aluminium kapituliert, aufgibt, abprallt. Weil in der Physik beim Stoß eben nicht gilt, dass der härtere stehen bleibt und der weichere verliert.

Sondern dass die Gesamtmasse danach den Gesamtbewegungsimpuls hat.

Das heißt, dass auch dann, wenn der Stahl viel stärker ist als der Flieger aus Alu, die sich zuerst einmal notwendigerweise zusammen in der ehemaligen Flugrichtung weiterbewegen. Egal, wie hart.

Und erst dann kommen elastische Komponenten ins Spiel, nämlich wenn dieses Außengerippe des WTC nach innen gedrückt wird. Denn die Stahlträger, aus denen das WTC gebaut war, haben – Stahl eben – eine gewisse Elastizität.

Aber keine hohe.

Denn das WTC sollte ja gerade steif und nicht elastisch sein. New York ist kein Erdbebengebiet, und da die Etagenböden zwischen der Innensäule und den Außenwänden aufgehängt waren, war der Spielraum begrenzt. Es wird zwar in einem der Analysevideos beschrieben, dass die Etagendecken an den Außenwänden genau deshalb elastisch aufgehängt waren und die Spiel hatten, aber das war nicht so viel, und die Außenwände waren dafür ja auch nicht gebaut.

Es spielt also überhaupt keine Rolle, ob das Aluminium von Flugzeugen weicher als Stahl ist, weil das dem unelastischen Stoß physikalisch ziemlich egal ist. Es ist nicht so, dass der Stärkere stehen bleibt wie John Wayne im Western, sondern dass sich Außenwand und Flugzeug zusammen mit dem ursprünglichen Impuls nach innen bewegen. Und da ist es nun nicht schwer vorstellbar, dass das die Elastiztität und den Bewegungsspielraum der Stahlträger weit überschritten hat und die Träger und deren Vernietungen sofort gebrochen sind.

Was ich damit sagen will:

Das Argument, das ich gerade in den Social Media wieder hundertfach sehe, dass ein Flugzeug einen Stahlbau nicht durchschneiden könne, ist physikalischer bullshit, weil es beim unelastischen Stoß wesentlich auf die Massenverhältnisse und die Geschwindigkeit und nicht auf die Festigkeit ankommt.

Natürlich hat die Festigkeit insofern einen Einfluss, weil das WTC ja Fenster (=Schlitze) hatte, und die Stahlträger das Flugzeug schon zerschnitten haben wie ein hartgekochtes Ei im Eierschneider, denn man sieht ja auch auf den Videos, dass er Sprit und Teile des Flugzeugs auf der anderen Seite wieder rausfliegen, nachdem in den Etagen ja nur Schreibtische stehen und nichts, was das Flugzeug hätte aufhalten können. Es war also kein vollständiger unelastischer Stoß.

Im wesentlichen aber schon. Denn die meisten, massenreichen Teile des Flugzeugs sind ja unlastisch (siehe oben) mit den Strahlstreben zum Stehen gekommen und haben sich mit ihnen zusammen nach innen bewegt.

Ich habe unter all den Leuten, die meinen, dass Aluminium keinen Stahl zerschneiden könnte und deshalb die Videos Fake sein müssten, noch keinen einzigen gesehen, der den Unterschied zwischen dem elastischen und dem unelastischen Stoß erwähnt oder verstanden hätte. Physik, Mittelstufe. Alle faseln sie davon, dass Alu keinen Stahl schneiden könnte und deshalb immer der Härtere gewinnen und stehen bleiben würde, als ginge es nur um „Schneiden“.

Da fehlt jedes physikalische Verständnis, das wird alles unter Heimwerkeraspekten betrachtet – und gleichzeitig berufen sie sich auf die Physik.

Gerade hatte ich mich über einen geärgert, der das „Physik für Dummies“ nennt und meint, alle, die nicht so dächten wie er, dass Stahl immer gegen Alu gewinne, „Physik-Legastheniker“ seien:

Ein Klassiker der Physik-Legastheniker ist, dass Wasser auch Stahl schneiden könne. Wenn ein Flugzeugflügel auf einen Stahlträger trifft, prallt eine große, leichte Aluminiumkonstruktion, die für aerodynamische Lasten gebaut ist, in einem plötzlichen Aufprall auf ein starres, massives Hindernis über eine vergleichsweise breite Kontaktfläche, sodass die dünne Flügelhaut und die inneren Holme die enorme kinetische Energie durch Reißen, Knicken und Zerbrechen aufnehmen, während der Träger selbst oft nur verbeult oder leicht verformt wird.

Im Gegensatz dazu konzentriert ein Wasserstrahl, der Stahl schneidet, extremen Druck und hohe Geschwindigkeit in einem durchgehenden, nadeldünnen Strahl – oft mit Abrasivpartikeln –, sodass eine immense Energiedichte über längere Zeit auf eine winzige Stelle wirkt und das Metall lokal erodiert, statt einen einzigen stumpfen Stoß zu erzeugen; das Wasser weicht nicht aus, weil es mit mehreren tausend Bar und Hunderten Metern pro Sekunde durch eine Düse gepresst wird und so aus einer weichen Flüssigkeit ein gebündeltes Schneidwerkzeug macht, statt dass ein großes Bauteil von einem unbeweglichen Gegenstand zerstört wird.

Blafasel, blafasel. Da wird wieder mit dem Klang der Begrifflichkeit gerarbeitet, da „erodiert“ es dann. Da ist dann von Druck statt Geschwindigkeit die Rede.

Dabei funktionieren auch Wasserschneider nach diesem Prinzip. Nicht das Wasser schneidet Stahl, sondern das Wasser dient als Träger, um eben kleine, harte Teilchen (Korundmehl usw.) zu beschleunigen und auf den Stahl treffen und mit mehr Masse aufprallen zu lassen. Und was passiert dann? Ein zumindest in Teilen unelastischer Stoß, der dazu führt, dass Bewegungsenergie an den Stahl abgegeben wird, der dann – lokal – winzig klein bricht. Jedes Sand- oder Korundkorn bricht ein winziges Stückchen aus dem Stahl, weil die Energie die Elastizitätskapazität übersteigt und die Teilchen (Silizium, Korund usw. ) selbst zu hart sind, die Energie aufzunehmen. Auch Wasser-Stahl-Schneiden ist physikalisch eine Anwendung von elastischem und unelastischem Stoß. Man merkt es nur nicht so, weil Bewegungsenergie in Wärmeenergie durch Herausbrechen umgewandelt, aber durch das Trägerwasser sofort wieder weggekühlt wird.

Ich finde das immer so grotesk, wenn Leute physikalisch gar nichts verstanden haben, nicht mal das Mittelstufenwissen drauf haben, sich dann aber einen zusammenfaseln, dass der Stahl gegen Alu gewinnen und standhaft stehen bleiben müsse, um das Alu zu zerschneiden, und das dann für Physik halten und alle anderen zu „Physik-Legasthenikern“ erklären. Und dann mit so einer Stammtisch-Scheiße daher kommen. Und in Wirklichkeit nur Rhetorik betreiben und eigentlich gar nicht wissen, was Physik ist, das nur als Rhetorik-Keule verwenden.

Wir verblöden.

Keiner scheint mehr in der Lage, sich seine alten Physikbücher nochmal herauszuholen oder das einfach mal nachzulesen. Das mal zu klären. Sich mal schlau zu machen.

Jede Menge Leute faseln sich das per Begrifflichkeitssound irgendwie in ihrer Vorstellung zusammen, ohne das jemals zu verifizieren, dazu dann noch der Beweis durch Gestikulation und Bierdosenlebenserfahrung, und verwenden das dann als Beweis dafür, dass der Anschlag und die Videos ein Fake sein müssten, obwohl Zehntausende von New Yorkern sagten, dass sie das mit eigenen Augen gesehen haben.

Und ähnlich wie bei der Mondlandung verrät auch keiner, wie man einen so monströsen Fake überhaupt umsetzen sollte, und wie man dafür sorgen sollte, dass die tausende Leute, die man dazu einspannen müsste, über Jahrzehnte alle die Klappe halten.

Mir geht diese Stammtisch-Logik, die eigene Laienüberzeugung für den überragenden Beweis zu halten, so auf die Nerven.

Die Leute sind nicht mehr in der Lage, einfach mal in die Bibliothek zu gehen und nachzulesen, oder experimentell zu prüfen, sondern blubbern einfach aus ihrer Laienvorstellung heraus.

Und dann halten sie sich für überragende Physiker und jeden für einen „Physik-Legastheniker“, der sich ihnen nicht anschließt.

Schrecklich.

Wir haben den Peak Bildung weit hinter uns.