8 Stunden vor 200 Jahren
Wusstet Ihr eigentlich, was vor 200 Jahren ganze 8 Stunden gedauert hat?
Die erste bekannte, dauerhafte Fotografie. Das erste Foto.
8 Stunden Belichtungszeit.
So ganz genau weiß man es leider nicht, weil ich zu seinen Lebzeiten noch niemand dafür interessierten, und die Qualität war auch noch herzlich schlecht, aber ungefähr im Jahr 1826 nahm Joseph Nicéphore Niépce das erste Foto auf. Auf einer Zinnplatte, beschichtet mit lichtempfindlichen Bitumen, eine Art Asphalt, bei dem man anscheinend die unbelichteten Teile danach mit Öl auswaschen konnte.

Die Kamera hat er nicht erfunden, das war Louis Daguerre zusammen mit dem Sohn von Joseph Nicéphore Niépce. Daguerre hat auch die ersten so richtig guten Fotos gemacht, und er hat 1838 das erste Foto eines Menschen gemacht. Einige Zeit dachte man, dass man lebende Menschen nicht fotografieren kann, weil sie auf Fotos nicht auftauchten, nur tote Materie zu sehen war. Das lag aber nur an den langen Belichtungszeiten, und Menschen blieben eben nicht so lange stehen, so dass sie einfach bis zur Unsichtbarkeit verwischt waren. Daguerre machte 1838 das berühte Foto vom Boulevard du Temple, der eigentlich voller Menschen war, die aber aufgrund der langen Belichtungszeit alle unsichtbar wurden und die Straße wie eine verlassene Geisterstadt aussah. Weil aber vorne am Straßenrand ein Mann Kunde bei einem Schuhputzer war, und die beiden deshalb lange genug an derselben Stelle in derselben Haltung stehen blieben, wurden sie – ohne es zu wissen – zu den ersten fotografierten Menschen der Geschichte. Der Beweis war erbracht, dass man Menschen eben doch fotografieren konnte. Sie mussten nur lange genug still halten.
Unten links im Bild am Fußweg, da wo die Straße abbiegt, da stehen sie:

Was übrigens einen makabren Nebeneffekt hatte. Bald darauf kam in der viktorianischen Zeit die seltsame Sitte auf, dass man Tote, vor allem tote Kinder, schminkte, schön anzog, und die Sippe sich mit ihnen fotografieren ließ, als ob sie normal auf dem Sofa, oder am Tisch saßen. Oder standen. Man findet im Netz sehr viele dieser Totenfotos, eines der bekanntesten ist dieses:

Lebende Personen sind auf diesen Fotos wegen der damals langen Belichtungszeiten immer etwas unscharf, weil sie sich minimal bewegten. Eine sehr geringe Form der maximalen Bewegungsunschärfe, wenn bei sehr langen Belichtungszeiten Leute ganz unsichtbar werden und die Straßen leer erscheinen.
Die Toten dagegen erscheinen scharf. Weil sie sich nicht mehr bewegten. (Und vermutlich, weil der Fotograf auf sie scharf gestellt hat.)
Heute im Zeitalter der Digitalfotografie wendet man dieses Prinzip wieder an. Möchte man einen Ort fotografieren, der voller Touristen ist, stellt man die Kamera auf ein Stativ und lässt sie über 10, 20 Minuten viele gleiche Fotos machen. Software kann diese Fotos dann zu einem zusammensetzen, indem sie durch Vergleich erkennt, so sich im Bild etwas bewegt und dann alles Bewegte herausrechnet, indem es Aufnahmen sucht, auf denen da gerade niemand zu sehen ist, und die zusammensetzt.
Die Verdienste um die Frühzeit der Fotografie und deren erste Erfindungen gebühren eindeutig den Franzosen.