Ansichten eines Informatikers

Eine Kiste Kopfhörermüll

Hadmut
7.9.2026 13:22

Und noch mehr Obsoleszenz-Schrott.

Ich hatte am Wochenende – nach längerer Zeit – wieder einmal eine Videokonferenz.

Videokonferenzen waren ja zu Corona-Zeiten der heiße Scheiß, da hatte ich unter der Woche mindestens drei pro Tag beruflich, und fast jeden Tag, auch am Wochenende, noch eine außerberuflich. Weil dann sowieso auf absehbare Zeit niemand mehr zu Besuch kam, hatte ich meinen Wohnzimmeresstisch zur Videokonferenzstation umgebaut, weil ich den ja eigentlich auch nicht verwende, wenn keiner zu Besuch kommt. Eigentlich kommt ja auch keiner zum Essen, ich kann nämlich gar nicht kochen. Endlich eine ordentliche Verwendung für den Tisch.

Nun gut, danach ist die Videokonferenzdichte erst einmal auf Null zurückgegangen, weil auch niemand mehr Lust auf Videokonferenzen hatte. Inzwischen kommt das so wieder. Am Sonntag hatte ich also nach längerer Zeit wieder eine.

Zwischenzeitlich hatte ich meinen Esstisch wieder befreit, und den Videokram etwas umgeräumt.

Und nach langer Unbenutzung ist mir dann mein Kopfhörer zerbröselt. Genauer gesagt, die Hörmuscheln. Wollte den gerade so aufsetzen, als das alles so herumterkrümelte. Ich weiß nicht, woran das jetzt wieder lag, aber das ist mir auch schon einige Male, schon oft passiert, dass mir die Schaumstoff- oder weich bezogenen Kopfhörerpolster zerbröseln. Oft ist das auch nicht so schlimm, weil man zumindest für die Markenkopfhörer Ersatzteile bekommt, und hier habe ich mir dann auch gleich online ein Zehnerpack vom Dritthersteller bestellt – aber es wird dann auch erst heute geliefert. Gestern erst einmal das Problem gehabt.

Macht nichts, ich habe ja noch andere Kopfhörer. Mit Bluetooth, ohne Strippe. Verdammt, Akku leer. Erst einmal laden.

Habe ich nicht noch etwas anderes? Doch, klar, ich habe eine ganze Kiste voll von dem Zeug. Kiste geholt, aufgemacht … Scheiße, was ist das? In der Kiste krümelt alles.

Die Konferenz gestern also noch mit einem passenden Kopfhörer überstanden, die Kiste aber herumstehen lassen und heute ausgemistet. Ich musste die Kiste erste einmal aussaugen und auswischen, so viele klebrige Krümel waren darin. Und letztlich gefühlte 70 bis 80% meiner Kopfhörerbestände ausmustern und in den Elektronikmüll, weil nicht nur technisch teils veraltet (wer hat noch einen PC mit zwei Klinkenbuchsen für Mikro und Lautsprecher?) und längst durch Bluetooth-Stöpsel ersetzt, sondern eben auch zerbröselt oder klebrig. Kunststoff zerfällt, Oberflächen werden klebrig (wieder der vermaledeite Softlack).

Ich weiß nicht, warum der Schaumstoff chemisch zerfällt. Ist es auch Hydrolyse, durch die mir schon vier Paar Schuhe zerfallen sind? Sehr teure Markenschuhe, darunter Anzugschuhe und Wanderstiefel?

Es geht mir jedenfalls – schon wieder – enorm auf den Wecker, dass das alles chemisch zerfällt, dass da nichts mehr von Dauer ist. Früher, so bis in die 1950er, 1960er Jahre, waren die Sachen noch aus haltbaren Materialien, wie Metall, Holz, teils Leder, das bei guter Pflege auch Jahrzehnte hält. Und jetzt ist alles aus Kaugummi.

Allerdings sind die auch technisch veraltet. Ich habe einen Vorrat an orignalpackten, ganz hervorragenden Ohrhörern mit Kabel. Rock Zirkon, die sind wunderbar, toller Klang. Samsung, liefern für kleinstes Geld hervorragende Sprachqualität. Das nutzt mir nur nichts mehr, weil mein Handy keine 3,5-mm-Buchse mehr hat. Stattdessen verwendet man jetzt ja Bluetooth-Stöpsel. Eigentlich fand ich die analogen klanglich besser, und dass sie Kabel hatten, machte die Sache zwar etwas umständlicher, man konnte hängen bleiben und sich nicht so frei bewegen, dafür konnten die Dinger nicht verloren gehen. Und: Sie waren mit jedem codec kompatibel.

Kurioserweise habe ich neulich den Hinweis gefunden, warum mein Handy zwar keinen Analoganschluss, aber immer noch ein eingebautes UKW-Radio hat. Ich dachte eigentlich, dass das nicht mehr geht, weil das Handy doch das Kopfhörerkabel als Antenne braucht. Sie haben es aber hinbekommen, auch USB-Kopfhörer (sofern mit Kabel) als Antenne zu verwenden. Ach. Schön. Ja, ich habe USB-Kopfhörer mit Kabel. Aber die sind viel leiser als die analogen, weil da irgendeine EU-Vorschrift die Lautstärke begrenzt.

Ich habe in der Kiste noch zwei Bluetooth-Sender-Empfänger-Module gefunden. Habe ich vor mindestens zehn Jahren billig im Discounter gekauft, als die Bluetooth-Welle aufkam. Nie gebraucht, weil noch original im Blister eingeschweißt. Die Dinger haben Akkus. Ist ein Akku noch zu gebrauchen oder auch schon chemisch zersetzt, wenn er 10 Jahre unbenutzt und ungeöffnet herumliegt?

Überhaupt, in wievielen Geräten heute Akkus stecken. Die man nicht tauschen kann. Womit schon deshalb nach ein paar Jahren das Schicksal besiegelt ist, im Müll zu landen.

Ich finde es erstaunlich, wieviel Kopfhörermüll ich allein aus chemischen Gründen gerade rausgeworfen habe.

Und sie sind alle ganz versessen darauf, dasselbe Problem mit Autos zu haben. Sind e-Autos genauso müllproduzierend wie Kopfhörer?

Oder anders gefragt: Warum drucken die eigentlich auf Kopfhörer kein Mindesthaltbarkeitsdatum wie auf Konservendosen?