Ansichten eines Informatikers

Das Katasteramt von Rumänien

Hadmut
22.7.2026 17:03

Mich irritiert eine Aussage.

Heise: Rumänien: Cyberkrimineller löscht die gesamte Grundbuchdatenbank des Landes

Naja, sie werden ja wohl Backups haben.

Oder nicht?

Wie Risky Business mit Verweis auf nicht näher benannte Quellen meldete, verschaffte sich der Cyberkriminelle mit gültigen Zugangsdaten Zutritt zur ANCPI-Datenbank und erkundete die internen Systeme. Nachdem die Erpressung der Behörde gescheitert war, löschte er nach eigenen Angaben schließlich alle Systeme als auch die Backups.

Uuuh. Das ist übel.

Laut dem Onlineportal Cybernews brüstete sich der Angreifer im Dark Web damit, Sicherungskopien der gestohlenen Daten manipuliert zu haben, um deren Wiederherstellung zu verhindern.

Da stellt sich mir doch die Frage: Wäre das bei uns denn besser?

Was mich wieder auf ein altes Thema zurückbringt. Backup-Techniken. Früher hat man noch Backups auf Medien der Kategorie „WORM“ gemacht, write once, read multiple , die nach Anfertigung vom Rechner per Software nicht mehr zu löschen oder vernichten sind. Das hatten wir noch, als wir noch gerne CDROMs brannten. Macht aber praktisch keiner mehr, weil wir so große Datenmengen haben, dass wir nur noch auf Platten und Bänder kopieren und diese dann zyklisch überschreiben.

Wir haben gerade kein geeignetes Archiv-Medium.

Seit einiger Zeit bastelt man daran, Daten mit dem Laser in Glas zu brennen, was enorm alterungsbeständig und änderungsresistent wäre, dazu chemisch stabil, wasser- und schmutzunempfindlich, sehr hohe Datendichte. Aber: Man hört nichts mehr davon.

Vor vielen Jahren hieß es, Deutschland habe eine geniale Technik mit Plastikfolie, die man sogar aufwickeln kann, was praktisch und ideal schon in Form einer Rolle Tesafilm existiere. Man könne enorme Datenmengen in einer Rolle Tesafilm speichern. Davon hat man dann aber auch nichts mehr gehört.

Es wäre dringend erforderlich, das endlich einsatzfähig zu machen.

Allerdings gibt es inzwischen Meldungen über deutliche Fortschritte. Es könnte bald so weit sein. Allerdings hört sich das an, als würden die Geräte so teuer, dass man sich das als normaler Anwender nicht leisten kann, sondern das etwas für große Rechenzentren ist.

Was übrigens ein Vertraulichkeitsproblem ist. Denn wenn man Daten für zig, hunderte, gar tausende Jahre archivieren will, kann man sie nicht verschlüsseln. Sonst kann man sie ja nicht lesen, wenn man den Schlüssel nicht beilegt. Und wer weiß, wie lange das Verschlüsselungsverfahren noch bekannt ist.

Was übrigens der Grund ist, warum die großen Hollywood-Filmgesellschaften ihre Digitalen Backups alle unverschlüsselt und unkomprimiert ablegen. Weil die möglichst einfach lesbar sein sollen. Es nutzt ihenen ja nichts, wenn sie Daten für 100 Jahre speichern, sie dann aber nicht mehr lesen können, weil sie verschlüsselt sind oder man das Kompressionsverfahren nicht mehr kennt.

Man müsste also regelmäßig – wöchentlich, monatlich, vierteljährlich – solche Vollbackups auf Glas machen und dafür sorgen, dass alles seither nachvollziehbar bleibt.

Ich hoffe so sehr, dass diese Backuptechniken auf Glas möglichst bald kommen.