„Löchriger Käse“
Ein Leser zürnt mir fortgesetzt.
Ein Leser regt sich, wiederholt, fürchterlich darüber auf, dass ich auf die Story mit dem „Sicherheitsmann“, der bei 120km/h aus dem Zug gefallen ist, hereingefallen und diese von den Medien übernommen hätte.
“Der Sicherheitsmitarbeiter war demnach bei der körperlichen Auseinandersetzung mit einem mutmaßlich betrunkenen Fahrgast gegen die Zugtür gestürzt, die dadurch aus ihrer Verankerung gerissen wurde,…”
Wir beide glauben nicht, das es eine Zugtüre aus ihrer “Verankerung” reißt. Außer der Zug sei aus Pappkarton zusammengespart worden.
Aber lieber Herr Danisch, warum bringen sie den Quatsch auf Ihrer Webseite?
und
Heute lese ich im Web:
“Bei dem Gerangel zwischen den beiden sei eine Tür des Zugs beschädigt worden. Durch den dabei entstandenen Spalt im unteren Bereich sei der 26-Jährige schließlich bei Tempo 120 kurz vor Ettlingen aufs Gleisbett gestürzt. Zuvor soll der 36-Jährige den Bahnmitarbeiter mehrfach getreten haben.”
Da gehen bei mir alle Warnlampen an, wenn ich den Text lese. Sowas gibt es nicht.
Hier stimmt Einiges nicht.
Und wiederum würde es mich freuen, wenn Sie die Schwachstellen dieses Medientextes zu Ihrem Kommentar veranlassen.
Leute … bitte.
Ich bin bereit, an allem zu Zweifeln, aber nicht ohne jeden Anhaltspunkt, ohne Anlass, ohne jede Substanz. Ich glaube durchaus, dass uns die Medien überwiegend belügen, aber man kann sich nicht einfach so aus Prinzip hinstellen und zu jeder Meldung sagen, „ich glaube das nicht“, dann müssten ja die Züge aus Pappkarton sein.
Wenn man etwas anzweifelt, mehr noch, als unwahr klassifiziert, kann man das nicht einfach so mit „Euch glaube ich nichts“ und „Dann müsste der Zug aus Pappe sein“. Das ist Bullshit und einer Bildungsnation, die wir einmal waren, unwürdig.
Warum nicht?
Der erste Punkt ist: Warum soll diese Tür nicht herausgebrochen sein?
In Berlin hat gefühlt jede dritte U- und S-Bahn Aufkleber auf den Türen, dass man bitte andere benutzen solle, weil diese gerade eine technische Störung habe. Ich habe auch schon gebrochene Türen gesehen. Die Öffnungsmechanik der Türen ist ein hochbelastetes Metallteil, und natürlich kann das brechen, vor allem, wenn da zwei erwachsene Männer dagegendonnern. Außerdem habe ich das in Berlin schon unzählige Male gesehen, dass irgendwelche Spacken, oft Migranten, aus blankem Spaß oder um einem heraneilenden Kumpel noch die Tür des abfahrenden Zuges aufzuhalten, mit enormer, brachialer Gewalt die Türen aufhalten oder dagegen treten. Deshalb sind auch so viele kaputt. Ich kann mir das sehr gut vorstellen, dass da Teile schon Risse haben und ihnen eine Klopperei dann einfach nur noch den Rest gibt, und vielleicht das untere Scharnier bricht.
Außerdem hat die Polizei Zeugen, auch den zweiten Mann, der ebenfalls gegen die Tür ge-, aber nicht herausgefallen ist, und sie hat den Zug beschlagnahmt, um ihn zu untersuchen.
Sich dagegen einfach hinzusetzen und ohne jede greifbare Substanz in die Luft zu behaupten „das glaube ich nicht, das ist löchriger Käse, wie können Sie so etwas schreiben“ ist einfach Bullshit, wenn da nicht die geringste greifbare Begründung, kein noch so entfernter Gedankengang beigefügt ist.
Die Welt ist voll mit Katastrophen, Abstürzen und Unfällen der Kategorie „Kann nicht sein“. Viele der Flugzeugabstürze, über die ich mich so gerne informiere, sind passiert, weil Fälle der Sorte „Kann nicht sein“ eingetreten sind.
Man staunt immer wieder, was alles sein kann.
In Berlin hat man mal eine verunstaltete Leiche auf den Bahngleisen gefunden, und erst die Überwachungskamera aus einem der Züge brachte aufklären, als man der Frage nachging, warum diesem Zug eine Fensterscheibe fehlte, die unweit der Leiche gefunden worden war. So ein junger Depp war nachts allein im letzten Wagen, randalierte darin und wollte eine Scheibe von innen heraustreten. Das gelang ihm sogar, die Scheibe war draußen. Das Problem daran: Sein Fuß war dann auch kurz draußen, und genau in dem Moment kam so ein Signalpfosten mit kaum Abstand zum Zug, in dem sein Fuß hängen blieb, und der dann den ganzen Kerl aus dem Abteil rausgerissen und auf die Gleise geschleudert hat. Es passieren die absurdesten Dinge. Warum also soll nicht eine Türaufhängung bei einer stoßartigen Belastung, für das sie nicht gemacht ist, brechen?
Neulich ist aus einem Flugzeug eine Türabdeckung herausgefallen. Konnte man sich vorher auch nicht vorstellen.
Und als man die Türabdeckung in einem Baum fand, war die völlig intakt und unbeschädigt, man hätte die im Prinzip einfach wieder einbauen können. Ein Passagier hat sogar sein Handy, das herausgesogen wurde, unbeschädigt und intakt wieder bekommen, weil ein Passant dieses am Wegesrand im Gesträuch fand, noch ohne den Screen-Lock, bemerkte, was es damit auf sich hat, und es an die Fluggesellschaft schickte.
Gerade wurde ein Mann aus dem Flugzeug gesogen, weil eine Turbinenschaufel brach, durch die Triebswerksumhüllung schlug und das Fenster zertrümmerte, an dem er saß, und es überlebte, weil seine Frau und andere Passagiere ihn wieder reingezogen haben.
Und dann schreibt mir ein Leser, es sei völlig unmöglich, dass bei einer Keilerei unter Männern in einem Zug eine Türverankerung breche.
Wie denn sonst?
Was der Leser aber auch vermissen lässt:
Jeden Gedankengang, wie der Mann denn sonst aus dem Zug gekommen sein soll.
Normalerweise nämlich ist das gar nicht so einfach, einen fahrenden Zug zu verlassen, weil die Türen verriegelt und die Fenster so konstruiert sind, dass man nicht rauskommt. Es gibt zwar eine Notentriegelung, aber die muss man erst einmal betätigen. Und soweit ich weiß, kann man die Fahrtverriegelung auch nicht vergessen, weil die automatisch aktiviert wird. Ich kann mich noch gut an die alten, mechanischen Zugtüren erinnern, bei denen man diese kurbelartige „Türklinke“ zwar drücken konnte, man aber keinen Widerstand spürte und gar nichts geschah. Erst wenn der Zug stand, hörte man aus den Türen ein Klicken, und dann konnte man mit dieser Klinke – und nun erheblich mehr Widerstand – die Tür öffnen. Heute ist das immer noch so, nur eben elektrisch.
Wie also, ohne irgendeine technische Störung, sollte der Mann denn sonst rausgekommen sein, wenn nicht durch die Tür?
Mir fehlt an der Zuschrift jeglicher Gedanke darüber, was denn sonst passiert sein sollte, wenn nicht das, was gemeldet wurde.
Oder war der nicht im Zug, ist das ein Anderer?
Leute … bitte.
Ja, ich weiß, dass wir von Behörden und Medien systematisch belogen und nach Strich und Faden vearscht werden.
Aber so geht’s dann halt auch nicht. Einfach nur so „Das glaub’ ich jetzt nicht“ reicht einfach nicht.
Man muss doch irgendeine Form von „begründetem“ Zweifel haben, irgendetwas Nachprüfbares, irgendeinen Ansatzpunkt, und nicht einfach nur vor dem Fernseher hocken und allein nach Quote „Lüge!“ schreien. Man muss doch wenigstens ein bisschen mit Anhaltspunkten arbeiten und anderen eine auch nur ein bisschen nachvollziehbare Begründung, einen Gedankengang, eine Überlegung, eine Beobachtung liefern.
Und wenn ein Mann aus einem fahrenden Zug irgendwie von drinnen nach draußen gelangt, dann ist „durch die Tür“ zumindest noch die plausibelste Version. Und gegen „Tür verriegelt“ ist „Tür kaputt“ recht naheliegend.
Ich sehe da bisher keinerlei Ansatzpunkt für Zweifel.
Aber da die Polizei den Zug beschlagnahmt hat und untersucht, sollte man abwarten, was da herauskommt.
Es hat nämlich auch etwas damit zu tun, dass man sich nicht auf die erste, unter Zeitnot abgegebene Presseerklärung stützt, sondern der Polizei selbst erst einmal die Zeit lässt, zu ermitteln und Zeugen und Sachverständige zu befragen, die sich mit Zugtüren auskennen und sich den Sachverhalt mal anschauen.
Ich halte von solchen Sofadiagnosen nicht viel.