Singt die KI inzwischen besser als Menschen?
Amelia ist wieder da.
Und singen kann sie auch.
Mir gefällt ja diese KI-erzeugte Amelia (zumindest bei denen, die die meisten Videos produzieren, es gibt auch andere, die nicht so gelungen sind) ziemlich gut. Die singt jetzt auch:
Nennt mich Benausen, aber mir gefällt das Lied. Melodie, Stimme, alles sehr schön, wäre ein toller Radiosong. Es kommt mir nur an ein paar Stellen übersteuert vor, ich meine immer wieder ein leichtes Clipping zu vernehmen, sitze hier aber gerade an ganz lausigen Lautsprechern (ein DELL-Monitor, den ich gekauft habe, weil sie ihn mit der überragenden Soundqualität der Lautsprecher beworben hatten, die in Wirklichkeit aber ganz billige Tröten und unterirdisch schlecht sind).
Gerade im Vergleich zu dem, was man in den letzten 10, 15 Jahren so aus dem Radio hörte, finde ich das sogar herausragend gut, was Stimme und Song angehen, das hat ja auch einen schmissigen Rhythmus.
Was mir allerdings auffällt:
Ich habe den Eindruck, dass ein wesentlicher Aspekt, warum mir das Lied, der Gesang gut gefällt, ist, dass es – in der ersten Minute – immer wieder Stellen gibt, in der sie sehr schnell von einer mittleren in eine sehr hohe Stimmlage wechselt und zurück. Ich finde, das hört sich sehr gut an. Allerdings gibt es nicht nur wenige Frauen, die einen solchen Stimmumfang haben und dabei über den ganzen Stimmumfang gut klingen, entweder ohne in die Kopfstimme zu verfallen oder eine schöne Kopfstimme zu haben, sondern es gibt auch wenige, die so schnell hin- und herspringen können. Ich bin noch am überlegen, ob das überhaupt geht. Selbst die, die die Königin der Nacht singen können, sind nicht so schnell. Irgendwoher muss die KI das aber haben. Es könnte vielleicht sein, dass Vorlage irgendwelche Country-Sängerinnen waren, denn da gibt es auch große Talente, und gerade im amerikanischen Country-Bereich werden ja solche hohen Stimmakzente bei Frauenstimmen gerne eingesetzt und sind sehr beliebt.
Wenn ich nun bedenke, dass eigentlich alle guten Lieder, die mir so einfallen, aus dem letzten Jahrtausend stammen, und mir aus den letzten 15, 20 Jahren spontan so gut wie gar nichts einfällt, und wir da gerade den absoluten Gesangs-Superstar, die erfolgreichste Sängerin aller Zeiten, Taylor Swift, haben und mir zu der nicht ein einziges Lied einfällt, ich mit der kein einziges Lied verbinde und gar nicht weiß, was die singt, erscheint mir dieses KI-erzeugte Lied hier bemerkenswert gut.
Ich habe zu Studentenzeiten recht gut singen können, und damals auch ein paar Akkorde auf der Gitarre geschrammelt und Klarinette gespielt. Heute gibt die Stimme das nicht mehr her, aber ich bekomme da immer besonders dann Respekt vor Liedern, wenn ich merke, dass ich diese nicht nachsingen kann. Eines, das mich beeindruckt hat, weil das so flott und leicht daherkommt, und im Broadway-Musical der absolute Höhepunkt war, was aber verdammt schwer zu singen ist: Let it go, aus Disneys Eiskönigin. Und genau das fällt mir jetzt auch hier bei diesem Lied auf: Das wirkt so locker leicht, nicht klassisch, mehr so ein bisschen wie Western, aber ich könnte das nicht ernstlich nachsingen. Nicht mal, als ich noch singen konnte. Obwohl das schon so ein Lied ist, das mit einer einfachen Gitarrenbegleitung auskäme – und eigentlich hört man im Video über weite Strecken auch nicht mehr als eine Gitarre und ein dezentes Schlagzeug, obwohl zwischendurch ach mal ein Klavier vorbeikommt, das gerade Zeit hatte. Eigentlich wäre das ein Lied, dass ideal zu einer jungen Frauenstimme passen würde, die das alleine vorträgt, auf dem Barhocker mit Mikrofon und Gitarre. Passt optimal. Aber ist eben nicht einfach zu singen.
Gerade wenn man die aktuelle Diskussion um dieses komische ZDF-Lied betrachtet, fällt auf, dass man es in der Musikbranche gemacht hat wie mit den Professuren: Quality is a myth. Befähigung zählt gar nichts mehr, weil alles nur noch soziales Konstrukt sei, und stattdessen nur noch Gesinnung. Und deshalb ist die woke Musikbranche genauso schlecht wie jeder andere woke Scheiß.
Fällt Euch auf, dass Amelia herkömmlich schön ist?
Die lila Haare müssen sein, als Erkennungsmerkmal, und weil es ja die Antwort auf eine lilahaarige Computerspielfigur war. Aber: Keine Tattoos, keine Piercings, keine „Body Positivity“.
Und noch etwas fällt mir auf: Feministinnen grinsen herablassend. Amelia lächelt freundlich.
Das ist der derzeitige Stand. Ich denke, daran werden sie noch arbeiten und das noch verbessern.
Und damit werden wir vielleicht endlich das linke Gesindel in der Musikbranche los.
Oder anders gesagt: Konkurrenz belegt das Geschäft. Und nun ist eine Konkurrenz da, die man nicht einfach rausmobben kann.