Ansichten eines Informatikers

Was ist eigentlich „Faschismus“?

Hadmut
7.5.2026 20:42

So viele reden ständig von „Faschismus“, viele beschimpfen andere als „Faschisten“ oder nennen sich selbst „antifaschistisch“ – aber keiner sagt, was das ist. Und vermutlich weiß es auch keiner.

Also fragen wir mal einen, der sich wirklich damit auskennen muss.

Neulich bin ich durch einen Tweet darauf aufmerksam geworden, dass jemand eine Aufsatz geschrieben hat, der definiert was Faschismus sei. Gut, das versuchen viele, warum sollte das irgendwie relevant sein, wenn irgendwer eine Definition abgibt, die er für richtig oder zutreffend hält.

Ich spreche aber nicht von irgendwem, ich sprechen von dem Faschisten, nämlich Benito Mussolini. Der soll den Faschismus immerhin erfunden oder zumindest wesentlich geprägt und in Europa groß gemacht haben. Also ist es zumindest maßgeblich und interessant zu lesen, was der darunter verstand. Der nun habe einen Aufsatz geschrieben: „Die Lehre des Faschismus“. Und weil Mussolini sogar selbst eine Zeitung gegründet hat, ist anzunehmen, dass er auch selbst in der Lage war, Texte zu schreiben, und nicht auf Ghostwriter angewiesen war.

Zunächst gestaltete sich die Suche nach dem Text schwierig, ich habe da nirgends eine Originalquelle gefunden. Es stellte sich aber heraus, dass es 1943 – unter den Nazis eben, die mit Mussolini befreundet waren – ein Buch Mussolini, Benito, Der Geist des Faschismus, hrsg. von H. Wagenführ, München 1943, der C. H. Beckschen Verlagsbuchhandlung (oder Verlags), gegeben habe, in dem der Aufsatz gleich auf den Seiten S. ı-25 und auf deutsch übersetzt abgedruckt gewesen sei. Das sei die offizielle Publikation in Nazi-Deutschland gewesen. Aber auch das war nicht zu finden. Das hat man als Nazi-Literatur wohl weitgehend vernichtet oder in den Giftschränken verschwinden lassen. Wahrscheinlich wollte so etwas auch keiner mehr aufheben.

Letztlich bin ich aber doch fündig geworden, denn der Aufsatz ist auch im Werk „Theorien über den Faschismus“ von Ernst Nolte von 1967 und späteren Auflagen abgedruckt. Und davon konnte ich auf dem Gebrauchtbüchermarkt zwei Exemplare unterschiedlicher Auflagen preisgünstig ergattern. Ich hatte neulich beschrieben, dass ich zwei alte Bücher gekauft hatte, und in einem der Beiden jemand herumgekritzelt hatte, und beide Bücher säurehaltiges Papier haben, das an den Fingern brennt und stinkt. Jemand hatte mir zu einer früheren Erwähnung des Phänomens geschrieben, dass der Gestank vom Schwefel käme. Das Lignin zerfalle und setze Schwefel- und schweflige Säure frei, die das Papier angreife und zur Vergilbung und zur Bräunung und zum Zerfall führen.

Manch einer mag nun anmerken, dass es ja zum Inhalt passt, wenn es nach Schwefel stinkt, braun wird und an den Fingern brennt. Drum habe ich den Aufsatz eingescannt, denn meinem Scanner ist das weitgehend egal. Und es dann durch die OCR von tesseract gedreht.

Ob ich den Aufsatz hier veröffentlichen darf, das weiß ich nicht. Bei Mussolini selbst bin ich mir überwiegend sicher, dass der tot ist und seine Urheberrechte abgelaufen sind. Ich weiß aber nicht, wer das auf Deutsch übersetzt hat, und auch Übersetzungen können urheberrechtlich geschützt sein. Und wenn die deutsche Übersetzung 1943 erschien, dann ist der Übersetzter, wer auch immer es gewesen sein mag, zwar inzwischen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tot, weil anzunehmen ist, dass er spätestens 1920, eher deutlich früher geboren ist. Aber die Frage wäre, ob er auch schon 70 Jahre tot ist, also spätestens 1955 gestorben ist. Und das ist bei jemandem, der 1943 noch Texte übersetzt hat, auch nicht so hochwahrscheinlich, wenn er nicht an der Front verheizt wurde – oder eine Frau war.

Ich werde mich deshalb auf Zitate beschränken.

Ich plädiere dafür, dass jeder, der an irgendetwas noch Urheberrechte beansprucht, auch dazu verpflichtet sein sollte, den Kram zu digitalisieren.

Also, lesen wir mal nach, was Mussolini so unter Faschismus verstand.

Faschismus als Philosophie

Damit fängt es an:

I.1. Der Faschismus als Philosophie

Wie jede festgegründete politische Auffassung ist der Faschismus zugleich Tat und Gedanke, ein Handeln, das eine Doktrin in sich birgt, und eine Doktrin, die aus einem gegebenen System geschichtlicher Kräfte entstanden, mit diesem innig ver-
bunden bleibt und in ihm von innen heraus wirksam ist. Als Doktrin hat sie eine den Bedingungen von Raum und Zeit entsprechende Gestalt; gleichzeitig besitzt sie aber einen ideellen Gehalt, der sie innerhalb der erhabenen Geschichte des Geistes auf die Ebene der Wahrheit erhebt. Menschlicher Wille kann sich in der Welt nicht geistig handelnd durchsetzen, ohne eine Vorstellung von der vorübergehenden Wirklichkeit zu haben, unter der man handeln muß, und von der bleibenden und
umfassenden Wirklichkeit, in der das Vergängliche sein eigenes Sein und sein eigenes Leben hat. Um die Menschen zu kennen, muß man den Menschen kennen. Und um den Menschen zu kennen, muß man die Wirklichkeit und ihre Gesetze kennen. Es
gibt keine Auffassung vom Staat, die nicht grundsätzlich auch eine Auffassung vom Leben ist: ob als Philosophie oder Eingebung, oder als ein Gedankensystem, das sich entweder streng logisch aufbaut oder in einer Schau oder in einem Glauben beschlossen liegt – immer aber, wenigstens dem Wesen nach, eine organisch zusammenhängende Weltanschauung ist.

Ich denke, das kann gleich in die Tonne, denn das ist nur der Aufmacher, um sich wichtig zu machen und das irgendwie tiefgeistig oder geisteswissenschaftlich aussehen zu lassen.

I.2. Die geistige Grundhaltung

So würde man den Faschismus in vielen Seiten seines praktischen Verhaltens nicht verstehen, als Parteiorganisation, als Erziehungssystem, als Lehre, wenn man nicht auf die Quelle seiner allgemeinen Lebensauffassung, und zwar einer geistigen Lebensauffassung, achtete. Für den Faschismus ist die Welt nicht diese materielle Welt, die auf der Oberfläche erscheint, in der der Mensch ein von allen anderen gesondertes, für sich stehendes Individuum ist und von einem Naturgesetz geleitet wird, das ihn instinktiv dazu treibt, ein Leben der ichbetonten Lust des Augenblicks zu führen. Der Mensch des Faschismus verkörpert in sich Nation und Vaterland und zugleich ein moralisches Gesetz, das die Individuen und Generationen in Überlieferung und Berufung zusammenkettet; ein Gesetz, das den Instinkt des nur in einem kleinen Kreis von Lust beschlossenen Lebens unterdrückt, um dafür in der Pflicht ein höheres Leben zu verankern, frei von den Grenzen des Raumes und der Zeit: ein Leben, in welchem das Individuum durch Selbstverleugnung, durch Preisgabe seiner Sonderinteressen, selbst durch den Tod jenes durch und durch geistige Dasein verwirklicht, in dem seine Würde als Mensch beruht.

Und da wird eigentlich schon im zweiten Abschnitt klar, warum man das Nationalsozialismus nannte: Nämlich dass der Faschismus ein Sozialismus ist, weil der Mensch kein Individuum mehr sein darf, keinen eigenen Willen, keine eigenen Interessen mehr haben darf, sondern das Kollektiv alles ist. Der Unterschied zum Kommunismus und „normalen“ Sozialismus besteht darin, dass das Kollektiv, in das man sich einzufügen hat, an der Nation orientiert ist.

I.3. Die positive Auffassung des Lebens als Kampf

Der Faschismus ist also eine geistige Haltung, die ebenfalls aus der allgemeinen Gegenbewegung unseres Jahrhunderts gegen den kraftlosen und materialistischen Positivismus des neunzehnten Jahrhunderts hervorgegangen ist. Antipositivistisch, jedoch positiv: nicht skeptisch noch agnostisch noch pessimistisch noch passiv-optimistisch, wie es in der Regel alle jene negativen Doktrinen sind, welche den Kern des Lebens außerhalb des Menschen legen, der sich mit seinem freien Willen seine Welt schaffen kann und soll. Der Faschismus fordert den tätigen, mit allen Willenskräften sich einsetzenden Menschen, der bereit ist, allen Schwierigkeiten männlich entgegenzutreten und sich ihnen zu stellen. Ihm ist das Leben ein Kampf, da nach seiner Ansicht es dem Menschen aufgegeben ist, jenes Leben zu erobern, das seiner wahrhaft würdig ist, indem er vor allen Dingen das Werkzeug (körperlich, geistig und sittlich) in sich selbst schafft, um das Leben aufzubauen. Das gilt für das Individuum, das gilt für die Nation, das gilt für die Menschheit. Daher der hohe Wert der Kultur in allen ihren Formen, in Kunst, Religion und Wissenschaft, und daher auch die überragende Bedeutung der Erziehung, der besondere Wert der Arbeit, durch die der Mensch die Natur besiegt und seine eigene Welt (in wirtschaftlicher, politischer, moralischer und geistiger Beziehung) erschafft.

Kann man auch kürzer sagen: Maul halten, hart arbeiten, nicht meckern, sich nicht beklagen. Wie im Sozialismus.

I.6. Die moralische und realistische Auffassung

Der Faschismus ist eine geschichtliche Auffassung, für die der Mensch nicht Mensch ist, wenn er nicht in jedem Sinne an dem geistigen Prozeß teil hat, in dem er steht: in der Familie, in der Gemeinschaft, in der Nation und in der Geschichte, an der alle Völker mitwirken. Daher der große Wert der Überlieferung, die sich an historische Erinnerungen, an Sprache und Gebräuche, an bindende Vorschriften des gesellschaftlichen Lebens knüpft. Außerhalb der Geschichte ist der Mensch nichts. Daher wendet sich der Faschismus gegen alle individualistischen Abstraktionen auf materialistischer Grundlage im Sinne des neunzehnten Jahrhunderts und gegen alle Utopien und jakobinischen Neuerungen. […]

Und damit ist der Faschismus eben nicht „rechts“, sondern wendet sich explizit gegen „rechts“. Denn die „jakobinischen Neuerungen“ waren eine radikale Strömung in der französischen Revolution, die die Abschaffung des Königs und den Aufbau einer Republik mit gleichen Rechten für alle wollten. Darauf beruhten die „individualistischen Abstraktionen des neunzehnten Jahrhunderts“ – eben jene „Rechte“ wie Burschenschaften, die keine Kollektive wollten, sondern die Rechte des Einzelnen stärken und mit der Paulskirchenverfassung von 1849 die Grundlage unseres Grundgesetzes und der Demokratie der Bundesrepublik legten.

Der Faschismus ist also nicht rechts, sondern wendet sich erklärtermaßen gegen „Rechte“.

I.7. Antindividualismus und Freiheit

Als antiindividualistische Idee tritt der Faschismus für den Staat ein. Er ist auch für das Individuum, soweit es im Staate aufgeht, der das universale Bewußtsein und den Willen des Menschen in seiner geschichtlichen Existenz darstellt. Der Faschismus ist gegen den klassischen Liberalismus, der dem Bedürfnis, sich gegen den Absolutismus aufzulehnen, entsprungen ist und seine geschichtliche Sendung erfüllt hat, seitdem der Staat zum Bewußtsein und zum Willen des Volkes selbst geworden ist. Der Liberalismus negiert den Staat im Interesse des einzelnen Individuums; der Faschismus bejaht den Staat als die einzig wahre Realität des Individuums. Und wenn Freiheit ein Recht des realen Menschen sein soll und nicht jenes abstrakten Gebildes, an das der individualistische Liberalismus dachte, so ist der Faschismus für die Freiheit. Er ist für die einzige Freiheit, die ernst genommen werden kann, nämlich für die Freiheit des Staates und des Individuums im Staate. Denn es liegt für den Faschismus alles im Staate beschlossen. Nichts Menschliches oder Geistiges besteht an sich, noch weniger besitzt dieses irgendeinen Wert außerhalb des Staates. In diesem Sinne ist der Faschismus totalitär, und der faschistische Staat als Zusammenfassung und Vereinheitlichung aller Werte gibt dem Leben des ganzen Volkes seine Deutung, bringt es zur Entfaltung und kräftigt es.

Damit war der Faschismus eindeutig sozialistisch-kommunistisch, nur mit dem Unterschied, dass er die Gesamtheit, das Kollektiv nicht weltweit, nicht grenzenlos sah, sondern an der Nation festmachte.

Es gibt aber noch einen anderen, wesentlichen Unterschied zum Sozialismus, der mir noch nicht bekannt war:

I.8. Gegen den Sozialismus und für den korporativen Gedanken

Außerhalb des Staates darf es keine Individuen noch Gruppen (politische Parteien, Vereine, Syndikate und Klassen) geben. Daher ist der Faschismus gegen den Sozialismus, der die geschichtliche Bewegung im Klassenkampf erstarren läßt und die staatliche Einheit leugnet, die die Klassen zu einer einzigen wirtschaftlichen und sittlichen Realität miteinander verschmilzt. Folgerichtig ist er auch gegen den Klassensyndikalismus. Die innerhalb des Staatsgefüges auftretenden wahren Bedürfnisse aber, von denen die sozialistische und syndikalistische Bewegung ausgingen, werden vom Faschismus anerkannt. Er läßt sie im korporativen System der durch die Einheit des Staates versöhnten Interessen zur Geltung kommen.

Der erste Satz erscheint paradox. Denn einerseits ist das sozialistisch, dass alle Organisationen und alle Parteien vom Staat ausgehen, denn der Sozialismus/Kommunismus will ja die Einheitspartei, die alleinherrschende Partei. Warum schreibt er dann, dass der Faschismus gegen den Sozialismus sei?

Weil er keine Klassen will. Der Sozialismus/Kommunismus beruht auf Klassenkampf, und braucht deshalb ein Kastensystem, Klassen, die sich permanent bekriegen, ständiger Klassenkampf. Mussolini will zwar im Prinzip dasselbe wie den Sozialismus, aber mit „Ruhe“, ohne Klassen und deshalb ohne Klassenkampf.

Im Prinzip liest sich das wie Sozialismus ohne Klopperei. Es wird immer so hingestellt, als sei der Faschismus aggressiv, auf Auseinandersetzungen aus. Das hört sich aber genau gegenteilig an.

I.9. Demokratie und Nation

Die Individuen werden gemäß der Art ihrer Sonderinteressen eingegliedert (sono classi); sie werden nach den verschiedenartigen wirtschaftlichen Tätigkeiten, an denen sie teilhaben, zu Syndikaten zusammengefaßt. Doch sind sie vor allem und über allem: Staat. Dieser ist keine bloße Zahl als Summe der Einzelwesen, welche die Mehrheit des Volkes ausmachen. Der Faschismus wendet sich daher gegen die Demokratie, die das Volk mit Mehrheit gleichsetzt und es auf den Stand der Masse herabdrückt. Es ist die reinere Form der Demokratie, wenn man das Volk so auffaßt, wie es sein soll, nämlich qualitativ und nicht quantitativ, so wie es der stärkeren, weil sittlicheren, folgerichtigeren und wahreren Idee entspricht: daß sich nämlich ım Volke Bewußtsein und Wille aller, ja sogar nur eines einzigen, ausdrückt — eine Idee, die sich im Bewußtsein und Willen aller derjenigen zu verwirklichen sucht, die aus natürlichen und geschichtlichen Gründen ethnologisch das Recht ableiten, ein Bewußtsein zu haben und einen Willen zu bilden, nachdem sie die gleiche Entwicklung durchgemacht und die gleiche Geistesbildung erworben haben. Das Volk ist nicht Rasse oder ein geographisches Gebiet, sondern eine in der geschichtlichen Entwicklung sich ununterbrochen erhaltende Gemeinschaft, eine Vielheit, die geeint wird durch eine Idee, welche aus Existenz- und Machtwillen besteht: Es ist sich seiner selbst bewußt und stellt eine Persönlichkeit dar (coszienza di se, personalita).

Das ist eindeutig nicht nur sozialistisch, sondern entspricht exakt der Weltsicht, wonach es eine unbegrenzte Einwanderung nach Deutschland geben müsse. Das Volk sei nicht Rasse und nicht geographisches Gebiet, sondern eine „sich erhaltende Geemeinschaft, eine Vielheit“.

Das ist deckungsgleich mit dem linken Ziel der Diversität und des Antirassismus.

Und damit ist es auch falsch, Faschisten für Rassisten zu halten, denn er wendet sich hier ja explizit dagegen, den Begriff des Volkes an der „Rasse“ festzumachen.

Womit dann auch bewiesen wäre, dass alle Antirassisten und Diversitätskrieger eben nicht „antifaschistisch“, sondern exakt faschistisch sind.

Sozialisten und Kommunisten, SPD, Grüne, Linke, der ganze Gutmenschen-Pulk: Allein schon nach diesem Absatz sind sie allesamt Faschisten, denn den sie folgen exakt dieser Sichtweise.

Anders gesagt: Wer andere als „Rassisten“ beschimpft, ist bereits darin ein Bruder Mussolinis im Geiste.

I.12. Wesen des Staates

Der faschistische Staat, die höchste und mächtigste Form der Persönlichkeit, ist Kraft (forza), aber geistige Kraft. Als solche umfaßt er alle Formen des moralischen und geistigen Lebens des Menschen. Er kann sich daher nicht auf die einfache Tätigkeit der Ordnung und des Schutzes beschränken, wie es der Liberalismus wollte. Er ist kein einfacher Mechanismus, der den Bereich der angeblichen persönlichen Freiheiten einengt. Er ist Gestalt (forma), inneres Gesetz (norma interiore) und Disziplin des ganzen Menschen. Er durchdringt Wille und Geist (intelligenza). Sein Prinzip, die im Mittelpunkt stehende Idee (inspirazione) der menschlichen Persönlichkeit, die in die staatsbürgerliche Gemeinschaft eingeordnet wird, dringt in die Tiefe und läßt sich im Herzen des Mannes der Tat wie des Denkers nieder, des Künstlers wıe des Wissenschafters: als Geist des Geistes (anima dell’ anima).

I.13. Autorität

Alles in allem: Der Faschismus ist nicht nur Gesetzgeber und Gründer von Einrichtungen (fondatore d’istituti), sondern Erzieher und Förderer des geistigen Lebens (vita spirituale). Er will nicht die Formen des menschlichen Lebens, sondern
seinen Inhalt, den Menschen, den Charakter, den Glauben neu schaffen. Und zu diesem Zwecke fordert er Disziplin und eine Autorität, die in die Geister eindringt und darin unumstritten herrscht. Sein Wahrzeichen ıst daher das Liktorenbündel,
das Symbol der Einheit, der Kraft (forza) und der Gerechtigkeit.

Auch das ist durch und durch sozialistisch – als Erstes ging mir beim Lesen aber durch den Kopf: Es beschreibt den Islam.

Nach dieser Definition ist der Islam faschistisch, und deshalb Liebling des Sozialismus.

II.3 Gegen den Pazifismus: Krieg und Leben als Pflicht

Vor allem betrachtet der Faschismus die Zukunft und die Entwicklung der Menschheit im allgemeinen nur vom Standpunkt der politischen Realität aus und glaubt weder an die Möglichkeit noch an die Nützlichkeit des ewigen Friedens. Er lehnt daher den Pazifismus ab, der einen Verzicht auf den Kampf und eine Feigheit gegenüber dem Opfer in sich birgt. Der Krieg allein bringt alle menschlichen Energien zur höchsten Anspannung und verleiht den Völkern die Würde des Adels, die
den Mut und die Virta haben, dem Kampfe die Stirn zu bieten. Alle anderen Erprobungen sind Ersatz, weil sie den auf sich selbst gestellten Mann nicht vor die Alternative von Leben oder Tod stellen. Eine Doktrin, die von der vorgefaßten Forde-
rung des Friedens ausgeht, ist daher dem Faschismus fremd, so wie seinem Geiste alle internationalen und gesellschaftlichen Konstruktionen fremd sind, wenn ihnen auch in bestimmten politischen Verhältnissen ein gewisses Maß von Nützlichkeit
zugestanden werden muß. Sie können, wie die Geschichte lehrt, in alle Winde zerblasen werden, sobald gefühlsmäßige, ideelle oder reale Kräfte die Herzen der Völker stürmisch bewegen. […]

Sind die Grünen nicht auch so kriegsgeil?

Dann aber nochmal gegen Klassenkampf und ideologische Grundlagen des Sozialismus:

II.5. Gegen materialistische Geschichtsauffassung und Klassenkampf

Eine solche Lebensauffassung führt den Faschismus dazu, jene Doktrin entschieden abzulehnen, die die Grundlagen des sogenannten wissenschaftlichen oder marxistischen Sozialismus bildet: die Doktrin der materialistischen Geschichtsauffassung, derzufolge die Menschheitsgeschichte nur aus dem Interessenkampf zwischen den verschiedenen Gesellschaftsklassen und aus den Veränderungen der Produktionsmittel verstanden wird. Keiner wird leugnen, daß die Wirtschaft, die Entdeckung von Rohstoffen und neuen Arbeitsmethoden, die wissenschaftlichen Erfindungen ihre bestimmte Bedeutung haben; aber anzunehmen, daß sie genügen, um die
Menschheitsgeschichte zu erklären, indem sie alle anderen Faktoren ausschließen, ist absurd. Der Faschismus glaubt heute und immer an das Heilige und Heldenhafte, d. h. an menschliche Handlungen, die nicht durch wirtschaftliche Beweggründe un-
mittelbar oder mittelbar bestimmt sind. Wenn man die materialistische Geschichtsauffassung verneint, für die die Menschen nur Komparsen der Geschichte sind, die an der Oberfläche auftauchen und verschwinden, während in der Tiefe die wahren
gestaltenden Kräfte walten und wirken, so wird auch der unwandelbare und unversöhnliche Klassenkampf negiert, der sich aus dieser wirtschaftlichen Auffassung der Geschichte auf natürliche Weise ergibt; negiert wird vor allem, daß der Klassenkampf in den sozialen Umbildungen die vorherrschende Triebkraft darstellt. Wenn man einmal den Sozialismus in diesen beiden Hauptstützen seiner Doktrin getroffen hat, so bleibt dann nur noch das sentimentale Verlangen übrig (das ebenso alt ist wie die Menschheit) nach einem sozialen Zusammenleben, in dem die Leiden und Schmerzen der ärmsten Leute gemildert sind. Aber auch in diesem Punkte verwirft der Faschismus den Begriff des wirtschaftlichen »Glückes«, das sich sozialistisch und fast automatisch in einem gegebenen Augenblick der wirtschaftlichen Entwicklung verwirklichen soll, um allen das Höchstmaß von Wohlergehen zu gewähren. Der Faschismus verneint diese Möglichkeit der materialistischen Vorstellung des »Glücks« und überläßt sie den Wirtschaftern der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts; er verneint also die Gleichsetzung von Wohlergehen mit Glück, die die Menschen in Tiere verwandelt, weil sie nur noch einen einzigen Gedanken haben, nämlich den, wohlgenährt und gemästet zu sein, wodurch sie auf ein rein vegetatives Leben herabgedrückt werden.

Und ebenso wendet er sich gegen Demokratie:

II.6. Gegen die demokratischen Ideologien

Nächst dem Sozialismus zerschlägt der Faschismus den ganzen Komplex der demokratischen Ideologien, die er sowohl in ihren theoretischen Voraussetzungen wie auch in ihren Anwendungen und praktischen Handhabungen verwirft. Der Faschismus leugnet, daß die Zahl, nur weil sie Zahl ist, die menschliche Gesellschaft zu leıten vermöchte; er leugnet, daß diese Zahl durch eine regelmäßige Befragung regieren könne, und behauptet die unabänderliche, fruchtbare und heilsame Ungleichheit der Menschen, die nicht auf dem mechanischen und äußerlichen Wege wie bei dem allgemeinen Stimmrecht auf das gleiche Niveau gebracht werden können. Als demokratische Regierungen können diejenigen definiert werden, bei denen ab und zu dem Volke vorgegaukelt wird, es sei souverän, während die wahre und tatsächliche Souveränität doch in Wirklichkeit von anderen, mitunter unverantwortlichen und geheimen Kräften ausgeübt wird. Die Demokratie ist zwar ein Regime ohne einen König, dafür aber mit sehr vielen Königen, die manchmal eigenmächtiger, tyrannischer und verderblicher sind als ein einziger Herrscher allein, und wäre er selbst ein Tyrann.

[…]

II.7. Die Lüge der Demokratie

»Vernunft und Wissenschaft«, sagte Renan, der eine Vorahnung des Faschismus hatte, in einer seiner philosophischen Betrachtungen, »sind Erzeugnisse der Menschheit, aber die Vernunft unmittelbar dem Volke beizulegen und sie inmitten dieses Volkes zu realisieren — das ist eine Chimäre. Es gehört nicht zum Wesen der Vernunft, daß sie von aller Welt verstanden wird. Wenn eine solche Einweihung Platz greifen sollte, so wäre sie auf alle Fälle doch nicht durch eine Form der niederen
Demokratie möglich, die dahin zu führen scheint, daß jede feinere Kultur und jede höhere Ordnung ausgelöscht werden. Der Grundsatz, daß die Gesellschaft allein für das Wohlergehen und die Freiheit der Individuen besteht, die sie bilden, stimmt auch nicht mit dem Vorhaben der Natur überein, wonach allein die Art ın Betracht gezogen und das Individuum geopfert wird. Es ist sehr zu befürchten, daß das letzte Ergebnis der so verstandenen Demokratie einen gesellschaftlichen Zustand dar-
stellen würde, in dem eine verkommene Masse keine anderen Besorgnisse hat, als dem Genuß und dem Vergnügen des unedlen Durchschnittsmenschen zu frönen (ich beeile mich hinzuzufügen, daß man dieses Wort [Demokratie] auch anders ver-
stehen kann).«

Soweit Renan. Der Faschismus lehnt in der Demokratie die absurde konventionelle Lüge von der politischen Gleichheit und kollektiven Verantwortungslosigkeit und von dem Mythus des Glückes und des unbegrenzten Fortschritts ab. Wenn aber die Demokratie anders verstanden werden kann, das heißt, wenn Demokratie nicht die Zurückdrängung des Volkes im Staate bedeutet, so kann der Faschismus tatsächlich als eine »organisierte, zentralisierte und autoritäre Demokratie« umschrieben
werden.

Und zum Staat:

II.10. Wesen und Aufgabe des Staates

Angelpunkt der faschistischen Doktrin ist die Idee. des Staates, sein Wesen, seine Aufgaben und seine Zwecke. Für den Faschismus ist der Staat ein Absolutum, demgegenüber die Individuen und die Gruppen das Relative sind. Die Individuen und die Gruppen sind nur »denkbar«, soweit sie im Staate sind. Der liberale Staat leitet nicht das Spiel und die materielle und geistige Entwicklung der Kollektivität, sondern er beschränkt sich darauf, deren Resultate festzustellen. Der faschistische Staat hat sein eigenes Bewußtsein, seinen eigenen Willen, und deshalb wird er ein »ethischer« Staat genannt. Zur Fünfjahresfeier 1929 sagte ich: »Für den Faschismus ist der Staat nicht der Nachtwächter, der sıch nur um die persönliche Sicherheit der Bürger kümmert, ebensowenig ist er eine Organisation mit einem rein materialistischen Ziel: etwa ein gewisses Wohlleben und ein verhältnismäßig friedliches soziales Zusammenleben zu gewährleisten. Dazu brauchte man nur einen Verwaltungsrat. Aber ebensowenig ist er nur eine reine politische Schöpfung, ohne Verbindung mit der materiellen und komplexen Realität des Lebens der einzelnen und der Völker.

Der Staat, wie ihn der Faschismus auffaßt und verwirklicht, ist eine geistige und moralische Tatsache, denn er schafft eine bestimmte politische, juristische und wirtschaftliche Organisation der Nation, die ın ihrem Ursprung und in ihrer Entwicklung wiederum eine Offenbarung des Geistes ist. Der Staat gewährleistet die innere und äußere Sicherheit, aber er ist auch der Hüter und Vermittler des Volksgeistes, so, wie sich dieser jahrhundertelang in Sprache, Sitte und Glauben herausgebildet hat. Der Staat ist nicht nur Gegenwart, sondern auch Vergangenheit und vor allem Zukunft. Da der Staat die engen Grenzen des persönlichen Lebens überschreitet, stellt er das immanente Bewußtsein (la coscienza immanente) der Nation dar. Die Formen, in denen die Staaten sich ausdrücken, wechseln, aber die Notwendigkeit der Existenz bleibt bestehen. Der Staat erzieht die Bürger zur Tüchtigkeit (virtu civile). Er gibt ihnen das Bewußtsein ihrer Sendung und rüttelt sie zur Einigkeit auf. Er gleicht ihre Interessen gerecht aus (armonizza), überliefert die Fortschritte des Geistes in Wissenschaft, Kunst, Recht und fördert das menschliche Zusammengehörigkeitsgefühl (umana solidarieta). Er treibt die Menschen aus dem rohen Stammesleben zur höchsten Machtentfaltung (potenza), zum Reich (impero). Er vertraut den Jahrhunderten die Namen derer an, die für seine Integrität oder in Gehorsam gegen seine Gesetze gestorben sind; er zeigt und empfiehlt den kommenden Generationen als Vorbild die Führer, die sein Territorium vergrößerten, und die Großen, die ihm Ruhmesglanz verliehen. Wenn das Gefühl für den Staat ab- stirbt und die auflösenden zentrifugalen Bestrebungen der Individuen oder der Gruppen vorherrschen, dann neigt sich das Leben einer Nation dem Untergange zu.«

Bewertung

Endlich weiß ich belastbar, was Faschismus eigentlich ist. Ich glaube, ich habe es jetzt verstanden.

Bisher hielt ich Faschismus für eine bestimmte Art und Weise, eine – beliebige – Ideologie durchzusetzen. Das stimmt so aber nicht. Der Faschismus ist ein Ableger des Sozialismus, Informatiker würden es einen „Fork eines Projektes“ nennen, der nahezu deckungsgleich zum Sozialismus ist, sich aber in wesentlichen Aspekten unterscheidet:

  • Der Sozialismus will Grenzen und Nationen abschaffen und sieht die leninistische Partei als die einzige, richtige Organisationsform an.

    Der Faschismus gegen sieht den Staat als die ultimative und alles umfassende Organisationsform und für alles verantwortlich an, lehnt dagegen Parteien usw. ab. Er lehnt es aber auch ab, den Staat an einer Rasse oder einem Staatsgebiet festzumachen, sondern sieht den Staat als die (auch kulturelle) Vereinigung all derer, die da mitmachen wollen. Deckungsgleich zur deutschen Migrationspolitik.

    Kurioserweise beschimpft man alle als »Faschisten«, die die deutsche Migrationspolitik kritisieren, obwohl genau das Gegenteil der Fall ist: Die Migrationspolitik selbst ist deckungsgleich zu Mussolinis Definition des Faschismus: »Deutsch« richtet sich nicht nach Rasse oder Ort, sondern beruht auf Diversität und jeder, der will, kann und darf mitmachen. Rot/Grün exakt wie Mussolini.

  • Der Sozialismus hält den Menschen für unbeachtlich und sieht den Klassenkampf als die ewige Quelle aller Entwicklung.

    Der Faschismus will keine Klassen und keinen Klassenkampf und meint, die Menschen sollen halt einfach so alle Individualität aufgeben und hart arbeiten. Er will innere Ruhe, dafür aber Krieg nach außen, mit anderen Staaten, um einen Wettbewerb zu forcieren.

  • Der Faschismus ist weniger ideologisch, kommt pragmatischer daher.

Ganz eindeutig ist aber der Faschismus ein Derivat von „links“, eine Variante. Deshalb dieser Bruderkrieg. Der Sozialismus will den Staat abschaffen und die Partei als Steuerungslement. Im Faschismus ist es umgekehrt.

Faschisten als „rechts“ oder „Rassisten“ zu beschimpfen, oder umgekehrt, „Rechte“ und „Rassisten“ als Faschisten, oder sich selbst für „antifaschistisch“ zu halten, weil man gegen Rassismus ist, ist eindeutig falsch. Denn der Faschismus nach Mussolini lehnte ja selbst Rassen als Kriterium ab. Und er war auch nicht rechts, weil er das Individuum ablehnt und sich eindeutig gegen die „Rechten“ des 19. Jahrhunderts positioniert.

Es ist aber so, wie ich das seit Jahren beschrieben habe: Es ist ein Bruderkrieg zwischen Linken und Linken, weil Mussolini von der reinen Lehre abtrünnig wurde und sie in zentralen ideologischen Grundelementen veränderte: Staat statt Partei und Staatenkrieg statt Klassenkampf.

Und deshalb hießen sie auch „Nationalsozialisten“. Der Ableger der Sozialisten, der dann doch auf Nationalstaat machen wollte.

Alles linker Bullshit

Dieses ganze Geschwätz vom „Antifaschismus“ und „Antirassismus“ und so weiter, und dass „Rechte“ „Faschisten“ seien, ist demnach alles falsch und Bullshit.

Man müsste jedem, der Rechte als „Faschisten“ schimpft, „Depp“ auf die Stirm stempeln, weil es nach diesem Text einfach komplett falsch ist.