Ferrari SF90 Stradale
Über die Sittenänderungen in Berlin.
BZ Berlin berichtet, dass die Polizei einen Ferrari samt Fahrer aus dem Verkehr gezogen hat, der mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch Berlin bretterte.
Ein hochmotorisiertes Auto ohne vorderes Kennzeichen raste am Falkenseer Platz in Spandau am Montag gegen 19 Uhr durch den dichten Verkehr. Der 33-jährige Fahrer des Ferrari SF90 Stradale (1000 PS, Preis 435.000 Euro und mehr) beschleunigte massiv, wechselte abrupt die Fahrstreifen – und gefährdete dabei andere Verkehrsteilnehmer. Zivile Einsatzkräfte der 32. Einsatzhundertschaft nahmen sofort die Verfolgung auf.
Der war so schnell, dass die Polizei nicht hinter kam, aber eine andere Streife hat ihn dann zum Stehen gebracht und hops genommen. Wie im Märchen vom Hasen und vom Igel.
Ich halte es schon für ein unvertretbares Risiko, in Berlin einen normalen PKW zu verwenden, wenn er noch nicht zu alt ist, weil zu viel geklaut, demoliert oder angezündet wird. Und da fahren dann Leute in Autos für eine halbe Million herum.
Am geilsten ist aber die Begründung:
Der 33-Jährige hinter dem Steuer zeigte sich zunächst uneinsichtig und unkooperativ. Seine Begründung für die Raserei: Das sei „sein ganz normaler Fahrstil“. Erst nach Rücksprache mit seinem Anwalt schien er die Lage anders einzuschätzen.
Das ist das, was ich die Tage schon beschrieben habe: Regeln, Gesetze, soziale Normen zählen nicht mehr und werden durch subjektives Empfinden und soziale Rangordnungen und das Recht des Stärkeren ersetzt. Nicht die Verkehrsordnung bestimmt das Verhalten im Verkehr, sondern wer den stärksten Motor hat.
Deshalb sind auch dies Wettrennen und Profilierungsfahrten so kritisch: Da geht es nicht nur um schnelles Fahren, sondern da geht es darum, die soziale Rangordnung auszufechten. So etwas gab es bei uns auch früher schon, aber damals ging es darum, wer den coolsten Manta mit der coolsten Lackierung und dem längsten (Fuchs)schwanz hat. Damals haben die ihre Mantas noch selbst gebastelt.
Heute geht es um Geld, wer sich die teuerste Schleuder kaufen kann.
Und dann kommt das Denken „Ich darf das, ich habe 1000 PS.“
Eine Strafanzeige wegen „Alleinrennen“ hat er sich jedenfalls eingefangen. Der Ferrari (von Null auf 100 km/h in 2,5 Sekunden) wurde zur Beweissicherung beschlagnahmt – der Bordcomputer soll nun Aufschluss über die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit geben.
Steht leider nicht dabei, ob der einen Führerschein hatte – und woher.